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Veröffentlicht am 23.12.2022

Der Junge vom Kiez mit Ecken und Kanten

Jan Fedder – Unsterblich
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"Jan Fedder - Unsterblich" ist erste und einzige autorisierte Biografie von Jan Fedder, geschrieben von Tim Pröse. Noch zu Lebzeiten erzählte der Hamburger Schauspieler dem Autor sein Leben. Dinge, die ...

"Jan Fedder - Unsterblich" ist erste und einzige autorisierte Biografie von Jan Fedder, geschrieben von Tim Pröse. Noch zu Lebzeiten erzählte der Hamburger Schauspieler dem Autor sein Leben. Dinge, die ihn geprägt haben, von schauspielerischen Erfolgen, von Freundschaften, Anekdoten und seiner großen Liebe Marion. Der Leser erhält dabei viele Einblicke in das bewegte Leben des Jan Fedder, teils auch sein Handeln, dass für viele wahrscheinlich nicht so Mainstream war. Aber der Junge vom Kiez lernte schon früh, mehr in den Menschen zu sehen, die ihn umgaben. Vielen von uns ist er natürlich bekannt aus seinen großen Erfolgen als Maat Pilgrim in "Das Boot", als Kurt Brakelmann in "Neues aus Büttenwarder" oder in seiner Paraderolle als Dirk Matthies im "Großstadtrevier". Aufrecht und geradlinig, mit Ecken und Kanten sagte er dabei mal über sich selbst: "Nebenberuflich bin ich Schauspieler, hauptberuflich Mensch." Ohne dass ich Jan Fedder jemals privat kennenlernen durfte, glaube ich ihm diesen Satz aufs Wort. Er war einer der letzten großen Volksschauspieler, seine Liebe zu seiner Heimatstadt Hamburg riesengroß. Dafür liebten ihn die Menschen. Vor knapp drei Jahren verstarb Jan Fedder am 30. Dezember 2019 und als der Trauerzug mit seinem Sarg ein letztes Mal durch St. Pauli fuhr, da säumten zehntausende Menschen den Straßenrand. Die Hamburger Polizei sendete den Funkspruch "Peter 14/2 geht in Status 6 alle Michel Ende". "Peter 14/2", sein Streifenwagen aus seiner Rolle aus Dirk Matthies, "Status 6" steht für außer Betrieb und "alle Michel" bedeutet ganz Hamburg. Was für eine besondere Geste für Jan Fedder. Ein letztes Mal zollten die Menschen ihrem "Janne" Tribut, ihrem Jungen vom Kiez.
Einmal mehr beweist Tim Pröse wie empathisch er die Erzählungen der Menschen in Zeilen fassen kann. Jan Fedder ist einer meiner Lieblingsschauspieler, er ist für mich einer vom alten Schlag. Einer, der nicht nur in Rollen schlüpfen konnte, sondern einer der einen zum Lachen und zum Weinen bringen konnte. Einer mit einer besonderen Gabe. Diese Biografie gab mir weitere sehr interessante Einblicke über den Menschen Jan Fedder und wie sagte er kurz vor seinem Tod selbst zum Manuskript dieser Biografie: "Es ist nach meinem Geschmack. Ehrlich, mutig und direkt." Genau das kann ich als Leser auch nur so unterschreiben. Eine nichts beschönigende Biografie, die mir den großartigen Volksschauspieler noch näher brachte und man kann nur sagen: "Fedder geht's nicht".

Veröffentlicht am 20.12.2022

Mit Commissaire Verlain durch Frankreichs kulinarischen Südwesten

Chez Luc
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"Chez Luc" ist ein Kochbuch der besonderen Art von Alexander Oetker. Der Autor ist für seine Krimireihe rund um den französischen Commisaire Luc Verlain bekannt. Dieser schlüpft in diesem Kochbuch in eine ...

"Chez Luc" ist ein Kochbuch der besonderen Art von Alexander Oetker. Der Autor ist für seine Krimireihe rund um den französischen Commisaire Luc Verlain bekannt. Dieser schlüpft in diesem Kochbuch in eine neue Rolle. Seinem Vater wurde sein Rezeptbuch gestohlen Luc Verlain hat eine Idee dem Vater den Verlust auszugleichen. Und so nimmt er ihn mit auf eine kulinarische Reise durch die Aquitaine. Der Roadtrip geht zu 25 Spitzenköchen der Region und dabei erfährt der Leser von deren Lieblingsmenüs. Schlemmen wie Gott in Frankreich. Dieses Kochbuch ist nicht nur eine Rezeptesammlung, vielmehr ist es auch ein wunderbares Buch zum Blättern. Wunderschön bebildert lässt es einem das Wasser im Mund zusammenlaufen und verführt den Leser dazu die Rezepte nachzukochen. Die witzige Kombination des Krimi-Protagonisten Luc Verlain mit Rezepten aus der Region von Bordeaux bis Biarritz ist dabei völlig gelungen. Zusätzlich erfährt man auch noch einiges über die Menschen in der Aquitaine. Das Kochbuch ist eine wunderschöne Symbiose von französischer Lebensfreude und kulinarischem Genuss. Lesend und kochend kann man mit dem Commissaire ein gutes Glas Wein genießen und sich dem Zauber von Frankreichs Südwesten hingeben. "Chez Luc", perfekt als Geschenk für alle, die die französische Küche lieben oder entdecken wollen.

Veröffentlicht am 19.12.2022

Totenwache in Bad Berneck

Ruhe sanft im Fichtelgebirge
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"Ruhe sanft im Fichtelgebirge" ist der dritte Band der Kristina-Herbich-Reihe von Jacqueline Lochmüller. Ein Häftling ist von seinem Freigang aus der JVA nicht mehr zurückgekommen und die Kriminalhauptkommissarin ...

"Ruhe sanft im Fichtelgebirge" ist der dritte Band der Kristina-Herbich-Reihe von Jacqueline Lochmüller. Ein Häftling ist von seinem Freigang aus der JVA nicht mehr zurückgekommen und die Kriminalhauptkommissarin Kristina Herbich wird kurz vor ihrem freien Wochenende von ihrem Chef, da die zuständigen Kollegen krankheitsbedingt ausgefallen sind, mit der Suche nach ihm beauftragt. Ihr Mitarbeiter Breuer soll ihr zur Seite stehen. Doch dann verschwindet dieser spurlos von der Bildfläche. Als dann bei der Suche nach ihm in einem verlassenen Bauernhof auch noch zwei mumifizierte Leichen aufgefunden werden, wird alles immer undurchsichtiger. Hat man es hier mit verschiedensten Verbrechen zu tun? Warum ist der sonst so zuverlässige Kollege plötzlich verschwunden? Und hat der entflohene Häftling vielleicht seine Finger im Spiel? Fragen über Fragen, die es im Kommissariat Bayreuth zu klären gibt. Beginnt dieser Krimi erst noch teils gemächlich mit dem Privatleben der Ermittler und deren partnerschaftlichen Beziehungen, so nimmt er dann immer mehr Fahrt auf. Während Konrad Breuer diesmal in eine Opferrolle gerät, muss Kristina Herbich den Fall fast gänzlich alleine lösen. Zwar bekommt sie eine junge Kollegin zugeteilt, mit der sie aber ihre Schwierigkeiten hat. Zusätzlich hilft dann auch noch wie auch im richtigen Leben oft der Kommissar Zufall. Wendungen in der Story tragen ebenso wie das teils düstere Setting zur Spannung bei. Was anfangs noch viele einzelne Fäden sind, fügt sich im Laufe des Krimis immer mehr zu einem Handlungsstrang zusammen. Als Leser ist man dabei nach jedem Kapitel neugierig wie es weitergeht. Das Buch liest sich flüssig, der Schreibstil ist wie auch schon in den Vorgängerbänden angenehm. "Ruhe sanft im Fichtelgebirge" ist ein guter solider Krimi aus der Reihe, versehen mit der nötigen Spannung und einem guten Lokalkolorit.

Veröffentlicht am 12.12.2022

Die Silvesterparty und der eisige Tod im Mirror Lake

Die letzte Party
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"Die letzte Party" ist ein Kriminalroman von Clare Mackintosh. Am idyllischen Mirror Lake ist ein Ferienhaus-Resort für betuchte Gäste entstanden. Der See liegt direkt an der Grenze zwischen Wales und ...

"Die letzte Party" ist ein Kriminalroman von Clare Mackintosh. Am idyllischen Mirror Lake ist ein Ferienhaus-Resort für betuchte Gäste entstanden. Der See liegt direkt an der Grenze zwischen Wales und England. Das Resort ist der einfachen walisischen Bevölkerung ein Dorn im Auge, der Bauherr auch noch ein ehemaliger Dorfbewohner. Als dieser zu einer luxuriösen Silvesterparty im Resort auch die walisischen Anwohner einlädt, endet das Ganze nicht gut für ihn. Am Neujahrsmorgen wird seine Leiche auf dem See treibend entdeckt. Nachdem der Todesfall an der Landesgrenze war, ermittelt die Polizei gemeinsam in Gestalt des englischen DC Brady und der walisischen DC Morgan. Ein Team, das pikanterweise zuvor eine Affäre hatte. Schnell wird klar dass weder die reichen Hausbesitzer im Resort, noch die Dorfbewohner mit dem Opfer viel am Hut hatten. Und so mancher trägt ein Geheimnis mit sich. Clare Mackintosh erzählt diese Story in der Gegenwart, sowie in Rückblenden in die Monate vor dem Mord. Ebenso immer wieder aus der Sicht eines jeweiligen Protagonisten. So erlebt der Leser teils identische Ereignisse, aber immer aus einem anderen Blickwinkel. "Die letzte Party" ist ein Kriminalroman, aber kann ein solcher fast gänzlich ohne Spannungsbogen auskommen? Man meint eigentlich, dass geht nicht. Doch die Autorin schafft diesen Kunstgriff. Irgendwie war ich beim Lesen dieses Buches immer wieder an den Filmklassiker "Eine Leiche zum Dessert" erinnert. Zwar nicht an das Komödiantische, aber alle Personen stehen irgendwie unter Verdacht. Mit jedem Kapitel erhält der Leser ein neues Puzzlestück, das es am richtigen Platz zu verwenden gilt. Das Interessante ist daher dass man wirklich bis zum Ende der Story benötigt, um zum Gesamtbild des Puzzles zu kommen. Dieser Krimi ist irgendwie ganz anders als der Mainstream, streckenweise ein klein wenig durchaus auch langatmig, aber letztendlich doch gut auf seine ganz eigene Weise. Ein Experiment, auf das man sich als Leser einlassen muss und am Ende dafür überrascht wird.

Veröffentlicht am 01.12.2022

Giftanschlag im Gourmettempel

Sternenmeer
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"Sternenmeer" ist der sechste Band der Luc-Verlain-Reihe von Alexander Oetker. Der Commissaire weilt gerade noch im Erziehungsurlaub, als er zu einem neuen Fall gerufen wird. Ein äußerst bekannter Restaurantkritiker ...

"Sternenmeer" ist der sechste Band der Luc-Verlain-Reihe von Alexander Oetker. Der Commissaire weilt gerade noch im Erziehungsurlaub, als er zu einem neuen Fall gerufen wird. Ein äußerst bekannter Restaurantkritiker wurde Opfer eines Giftanschlages. Und pikanterweise geschah dies auch noch im Restaurant des 3-Sterne Koch Auguste Fontaine. Luc Verlain macht sich sofort auf den Weg, sogar seine Freundin und Polizeikollegin Anouk samt Kind folgt ihm. Doch vor Ort ergeben sich schnell mehrere Verdächtige. Hat man es mit militanten Tierschützern zu tun oder steckt doch ein ganz anderes Motiv hinter allem? Dem Autor ist seine Liebe zu Südfrankreich von den ersten Zeilen des Buches beginnend anzumerken. So beschreibt er sehr detailliert die Landschaften, aber auch die Menschen und die französische Küche. Dabei bekommt der Leser eine gute Vorstellung von der Gegend vor Ort. Leider nehmen diese Beschreibungen aber einen größeren Raum als die Krimihandlung ein. Dadurch fehlte es mir lange Zeit an der nötigen Spannung. Erst auf den rund hundert letzten Seiten zieht diese an und die Story nimmt dann auch Fahrt auf. "Sternenmeer" ist angenehm zu lesen, plätschert ein wenig wie das Meer dahin, aber für einen sehr guten Krimi reicht mir das nicht. Dazu muss der Spannungsbogen früher einsetzen. So ist Luc Verlains sechster Fall für mich nur solide Krimikost, dafür aber im schönen französischen Rahmen.