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Veröffentlicht am 26.06.2021

Wie aus einem kleinen Weiler der Bischofssitz Kingsbridge entsteht ...

Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit
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"Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit" ist der vierte Band der Kingsbridge-Reihe von Ken Follett. Zeitlich spielt er aber vor allen anderen Bänden und bildet daher die Vorgeschichte zu "Die Säulen ...

"Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit" ist der vierte Band der Kingsbridge-Reihe von Ken Follett. Zeitlich spielt er aber vor allen anderen Bänden und bildet daher die Vorgeschichte zu "Die Säulen der Erde". Der Autor beschreibt die Entstehungsgeschichte von Kingsbridge. Im Mittlepunkt steht der junge Edgar, Sohn eines Bootsbauer, der aus der Not heraus nach einem Überfall der Dänen gezwungen ist mit seiner Familie als einfache Bauern in Dreng's Ferry neu zu starten. Während er mit seinem Tatendrang und Geschick seine Brüder und seine Mutter mit unterstützt, heiratet sein Aldermann die junge normannische Grafentochter Ragna. Diese muss aber schnell lernen welchen Stellenwert ein Frau im Königreich England hat. Denn die Familie ihres Gatten ist nur auf Macht und Geld aus, allen voran ihr Schwager Bischof Wynstan. Und so wird nicht mal vor der Ermordung des Aldermann zurückgeschreckt. Ragna ist klug, aber ihre Position ist nicht gefestigt genug, dass sie den Verschwörungen her wird. Unterstützung findet sie aber in Edgar und dem Mönch Aldred, Aber es wird Jahre dauern, bis zusammenfindet was zusammengehört. Ken Follett erzählt in diesem Band zum einen wie aus dem kleinen Weiler am Fluss die spätere Stadt Kingsbridge entsteht. Woher der Name kommt, wie der Aufstieg begann und sie Bischofssitz wird. Zum anderen erzählt er aber auch die Liebesgeschichte von Ragna und Edgar, die jahrelangen Hürden und Stolpersteine, bis die beiden zueinanderfinden konnten. Manches ist dabei natürlich weniger historische Fakten als einfach nur eine nette Story, dann aber sind doch wieder spannende Momente, die besonders durch die Intrigen um die Machtverhältnisse interessant werden. Gut finde ich aber dass Ken Follett es schafft, dass er einen die über 1000 Seiten bei der Stange hält. Dies schafft er mit einem Schreibstil, der sich zum einen flüssig lesen lässt, zum anderen aber auch einen konsequenten Handlungsstrang verfolgt. Denn am Ende bleibt der Eindruck eines gelungenen Prequels zur Entstehungsgeschichte von Kingsbridge und dem Übergang ins englische Mittelalter. Sicherlich nicht der beste Band der vier Kingsbridge-Romane, aber trotzdem einer der die Reihe gut ergänzt.

Veröffentlicht am 10.06.2021

Die Nachkriegsgeschichte der Jüdin Hannah Rosenberg

Ein neuer Horizont
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"Ein neuer Horizont" ist der zweite Band aus der "Eine neu Hoffnung"-Reihe von Margit Steinborn. Der zweite Weltkrieg ist vorbei und man schreibt mittlerweile das Jahr 1952. Die Jüdin Hannah Rosenberg ...

"Ein neuer Horizont" ist der zweite Band aus der "Eine neu Hoffnung"-Reihe von Margit Steinborn. Der zweite Weltkrieg ist vorbei und man schreibt mittlerweile das Jahr 1952. Die Jüdin Hannah Rosenberg hat eine zweite Heimat auf dem Sandnerhof gefunden, ihre Tochter Melina mittlerweile eine junge Frau, die vor dem Abitur steht. Während sich für Hannah das Leben nach dem Schrecken von Auschwitz mehr und mehr ins Positive drehte, bangt man aber bei den Sandners immer noch um das Leben des ältesten Sohnes. Denn dieser ist immer noch in Kriegsgefangenschaft in Sibirien. Aber auch in Berlin versucht Tristan, der Halbbruder Melinas, die Taten seines Vaters zu verarbeiten. Die Autorin schließt mit diesem Buch an die Ereignisse des ersten Bandes an. Standen da noch die Flucht vor den Nazis und die Schrecken des Krieges im Vordergrund, beschreibt die Autorin nun das Nachkriegsleben in den frühen 50er Jahren. Das Leben der Familie auf dem Sandnerhof und das Erwachsenwerden der Kinder. Jeder hat auf seine Weise die Vergangenheit aufzuarbeiten. Obwohl in diesem zweiten Band durchaus ein Fokus auf neuen Beziehungen und Liebe liegt, hat auch dieser Band seine ergreifenden Momente. Speziell im letzten Drittel gab es für mich doch wieder einige Stellen, die mir nahe gingen. Hier macht die Autorin auch nochmal einen Zeitsprung in die frühen 60er Jahre und rundet damit die Familiengeschichte ab. Teilweise kommt dieser zweite Band zwar nicht ganz an den ersten heran, trotzdem empfand ich es als interessant, wie das Leben von Hannah und Melina weitergeht. Ich denke aber auch, das mit diesem Band die Geschichte letztendlich zu Ende erzählt ist. Wie sagt man so schon: "Ende gut, alles gut". Auf alle Fälle muss man mit dem ersten Band zu lesen beginnen, da sonst die Zusammenhänge nicht klar sind.

Veröffentlicht am 06.06.2021

Der “Hobby-Kriminalist” Hansi Scharnagl ist wieder in seinem Element

FASTENPREDIGT IN UNTERFILZBACH
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"Fastenpredigt in Unterfilzbach" ist der zweite Band der Unterfilzbach-Reihe von Eva Adam. Der Bauhofangestellte Hans Scharnagl ist mit seinem detektivischen Gespür ein kleiner Held im beschaulichen Ort ...

"Fastenpredigt in Unterfilzbach" ist der zweite Band der Unterfilzbach-Reihe von Eva Adam. Der Bauhofangestellte Hans Scharnagl ist mit seinem detektivischen Gespür ein kleiner Held im beschaulichen Ort Unterfilzbach im Bayerischen Wald. Das dies aber dem Waidler schon ein wenig zu Kopf gestiegen ist, spürt am meisten seine Gattin Bettina. Neuerdings kokettiert er mit einem Posten als Gemeinderat bei der bevorstehenden Wahl und vergleicht sich mit Howie als Frauenschwarm, nachdem er ein Konzert desselbigen besuchte. Doch spätestens als der örtliche Sparkassenchef nach einer derben und verletzenden Fastenpredigt spurlos verschwindet, ist seine Neugier als Detektiv wieder geweckt. Gemeinsam mit seinem Freund Seppi geht er dem ganzen auf den Grund. Eva Adam bezeichnet ihre Geschichten aus Unterfilzbach als Krimikomödie. Und das beschreibt es trefflich, denn es ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Komödie mit einem Schuss Krimi. Die Geschehnisse in Unterfilzbach rund um die Faschingstage, sowie die zwischenmenschlichen Beziehungen und Konflikte eines Dorfgeschehens fängt die Autorin perfekt ein und brachte mich damit ein ums andere Mal herzlich zum Lachen. Der Unterhaltungswert ist auch im zweiten Band dieser Reihe sehr hoch, Hans Scharnagl ist einfach nur köstlich (Spoiler: "Ich sag nur Faschingsball Howie-Donald Trump"). Das der Krimi nur schmückendes Beiwerk ist, schmälert für mich dieses Buch überhaupt nicht. Denn es lebt absolut von der humorigen Unterhaltung. Die Geschichten der Dorfbewohner, ihrer Allüren, all dies trägt bei zu einem humorvollem Lesevergnügen. Mich kann Eva Adam für ihre Dorfgeschichten aus dem Bayerischen Wald begeistern und ich werde sicherlich die weiteren Bände noch lesen. Kurzweiliges Lesevergnügen für alle, die zwischendrin mal herzhaft lachen möchten.

Veröffentlicht am 03.06.2021

Die junge Frau und das Meer – Nina Portlands erster Fall

SØG. Dunkel liegt die See
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"SØG. Dunkel liegt die See" ist der erste Band der Nina-Portland-Reihe von Jens Henrik Jensen. Dieser Thriller ist dabei eine Neuauflage. Er erschien bereits 2006 das erste Mal in Deutschland unter dem ...

"SØG. Dunkel liegt die See" ist der erste Band der Nina-Portland-Reihe von Jens Henrik Jensen. Dieser Thriller ist dabei eine Neuauflage. Er erschien bereits 2006 das erste Mal in Deutschland unter dem Titel "Das Axtschiff". Die dänische Kommissarin Nina Portland befindet sich auf einer Fortbildung in Tallin, Estland, als sie mit der Vergangenheit konfrontiert wird. 1993 war sie mit einem mysteriösen Fall konfrontiert, als auf einem Küstenschiff alle Mitglieder einer Besatzung getötet wurden und ein russischer Seemann anscheinend seine Kameraden alle mit einer Axt getötet hatte. Zur gleichen Zeit beginnt sie eine kurze Liaison mit einem Engländer, bei der sie schwanger wird. Doch dieser ist schon wieder aus ihrem Leben verschwunden, als sie die Schwangerschaft bemerkt. Als sie nun in Tallin auf den Seemann von damals stößt kommt die ganze Vergangenheit wieder hoch, denn diese hat sie nie losgelassen. Sie versucht auf eigene Faust mehr über den Fall des "Axtschiffes" in Erfahrung zu bringen und findet sich dabei schnell im Visier der russischen Mafia wieder. Und anscheinend war der Vater ihres Sohnes auch eine ganz andere Person, als sie dachte. Sie wird zum Spielball der Geheimdienste und ein riskantes Spiel um Leben oder Tod beginnt. Der Thriller beginnt mit einem interessanten Plot und durchaus spannend. Aber leider verliert er diese dann über etliche Seiten, denn der Leser erfährt in diesem Abschnitt viel über die Protagonistin Nina Portland. Sie raucht sehr viel, ihr Leben mit ihrem Sohn Jonas, Essensgewohnheiten, etc. Dies kann man durchaus als Durststrecke beim Lesen des Thrillers empfinden, denn es trägt nicht wirklich zu einem Spannungsbogen bei. Aber der Autor kriegt nochmal die Kurve und konzentriert die Handlung wieder aufs Wesentliche. Und das ist der Punkt im Buch, wo die Spannung wieder voll da ist und dann auch bis zum Ende anhält. Dieser Thriller basiert auf einer wahren Begebenheit bzgl. des Schiffes, die Geheimdienststory ist aber rein fiktiv. Nina Portland, eine taffe und clevere Ermittlerin gefällt bei ihrem ersten Fall. Der Thriller nimmt eine geschickte Entwicklung, die man anfangs nicht vermutet, und er steuert letztendlich dann aber konsequent auf den unvermeidlichen Showdown zu. Trotz der Längen im ersten Drittel finde ich den ersten Nina-Portland-Fall gelungen und lesenswert für Leser, die die Erstausgabe noch nicht kennen. In Summe ist die Reihe als Trilogie ausgelegt.

Veröffentlicht am 27.05.2021

Drei Morde wie sie im Buche stehen

Drei Morde für die MörderMitzi
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"Drei Morde für die MörderMitzi" ist der dritte Fall für die Inspektorin Agnes Kirschnagel und die MörderMitzi von Isabella Archan. Mitzi trifft sich zu einer Wanderung mit ihrem Bekannten Kasimir. Ein ...

"Drei Morde für die MörderMitzi" ist der dritte Fall für die Inspektorin Agnes Kirschnagel und die MörderMitzi von Isabella Archan. Mitzi trifft sich zu einer Wanderung mit ihrem Bekannten Kasimir. Ein ehemaliger Kleinkrimineller, der aber nach seiner Haftentlassung alles dafür tut ehrbar zu bleiben. Gerade ist er an einem neuen Job dran und voller Enthusiasmus erzählt er Mitzi davon. Doch kurze Zeit später wird seine Leiche an einer Autobahnraststelle ermordet aufgefunden und Mitzi gerät als Tatverdächtige ins Visier. In ihrer Not wendet sie sich an ihre Freundin Inspektorin Kirschnagel, die sofort alle Hebel in Bewegung setzt, um Licht ins Dunkel zu bringen. Doch es geschehen weitere Morde und anscheinend steckt viel mehr dahinter als ursprünglich vermutet. Agnes wird Teil einer Soko, die zwischen Salzburg und Wien quer durch Österreich ermittelt. Isabella Archan schickt ihre Protagonistin bereits zum dritten Mal ins Rennen. Mitzi, wie immer sehr redselig und ein wenig tollpatschig, gerät diesmal selbst unter Tatverdacht. In ihrer etwas schrägen Art amüsiert sie den Leser ein ums andere Mal und strapaziert die Nerven ihrer Freundin Agnes. Aber diese eilt ihr natürlich zur Hilfe. Eine Gratwanderung, denn als Ermittlerin müsste sie unbefangen sein. Und so müssen immer wieder kleine Lügengeschichten herhalten, damit der Zusammenhang zwischen Mitzi und Agnes nicht auffliegt. Ein ums andere Mal lädt dies natürlich den Leser zum Schmunzeln ein und Isabella krönt dies noch mit Mitzis Pflichtverteidiger, der dem ein oder anderen Schnapserl nicht abgeneigt ist. Diese Mischung aus Figuren macht auch diesen dritten Fall wieder zu einer etwas schrägen Geschichte, der es aber keineswegs an Spannung fehlt. Denn der Kriminalfall ist sehr gut aufgebaut und erst nach und nach wird das Geflecht der Tathintergründe für den Leser deutlich. Isabella Archan verwendet in den Dialogen dabei oft Begriffe des österreichischen Dialekts, die aber alle in einem angefügten Glossar dem Leser erläutert werden. Mir als Grenznachbar aus Bayern sind diese natürlich geläufig und ich musste dabei öfter schmunzeln. Dadurch erhält dieses Krimi noch mehr von seinem Lokalkolorit und seinem Charme. Auch der dritte Fall der beiden ungleichen Frauen ist Isabella Archan sehr gut gelungen und überzeugt mit seiner gelungenen Mischung aus Spannung und Humor.