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Veröffentlicht am 03.03.2024

Ein wichtiger Beitrag zur Teilhabe blinder Menschen

Eine Fingerkuppe Freiheit
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Der Autor dieses Romans widmet sich hier einem, wohl auch für ihn persönlich, sehr wichtigen Thema, da er selbst 2018 erblindet ist. Auch heutzutage ist der vollständige Verlust der Sehkraft sehr schlimm, ...

Der Autor dieses Romans widmet sich hier einem, wohl auch für ihn persönlich, sehr wichtigen Thema, da er selbst 2018 erblindet ist. Auch heutzutage ist der vollständige Verlust der Sehkraft sehr schlimm, aber es gibt zumindest eine Vielzahl technischer Hilfsmittel, die den Betroffenen eine Teilhabe an vielen Dingen ermöglichen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als Louis Braille als kleiner Junge nach einem Unfall erblindete, sah die Situation aber noch ganz anders aus.

Der Junge begegnet im Jahr 1821 am Pariser Institut National des Jeunes Aveugles, Frankreichs nationaler Blindenanstalt, Carles Barbier, der die so genannte "Nachtschrift" erfunden hat und sieht darin eine Chance, wieder eigenständig Zugang zu Wissen zu bekommen und nicht mehr auf das Vorlesen Anderer angewiesen zu sein. Er beginnt, diese Schrift so zu optimieren, dass sie, bestehend aus sechs erhabenen Punkten, alltagstauglich wird und eröffnet vielen erblindeten Menschen damit viele neue Möglichkeiten.

Dem Autor ist es sehr eindrucksvoll gelungen, die Schwierigkeiten aufzuzeigen, mit denen Louis Braille als erblindeter Junge und junger Mann in der damaligen Zeit konfrontiert war. Es wird aber auch deutlich, wie zunächst seine Eltern, dann auch er selbst, nie aufgegeben haben, darum zu kämpfen, dass er ein möglichst normales Leben führen kann und, wie wichtig es ihm war, selbst Zugang zu all dem Wissen, das in Büchern steckt, zu erlangen. Das war dann auch seine Motivation, die, nach ihm benannte, Braille-Schrift zu perfektionieren. Es war auf jeden Fall sehr interessant, mehr über deren Erfindung zu erfahren. Der Erzählstil war gut lesbar, beschönigte aber auch nichts, was die Umstände um Brailles Unfall und die Zustände in der staatlichen Blindenanstalt zu Beginn seiner Zeit dort angeht.

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Veröffentlicht am 03.03.2024

Reise in die Zeit Kleopatras

Die Zeitdetektive, 1, Kleopatra und der Biss der Kobra
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Die Zeitdetektive Leon, Julian, Kim und Katze Kija können von einem versteckten Raum in einer alten Bibliothek aus in die Vergangenheit reisen und zwar in eine Epoche ihrer Wahl. Nachdem sie im Biounterricht ...

Die Zeitdetektive Leon, Julian, Kim und Katze Kija können von einem versteckten Raum in einer alten Bibliothek aus in die Vergangenheit reisen und zwar in eine Epoche ihrer Wahl. Nachdem sie im Biounterricht von der Schlangenart gesprochen hatten, durch deren Biss auch Kleopatra gestorben sein soll, wollen sie der Sache genauer auf den Grund gehen und reisen nach Alexandria im Jahr 30 vor Christus, um mehr über Kleopatra und ihren Tod herauszufinden. Dabei geraten sie natürlich auch selbst in Gefahr.

Durch dieses Buch erfährt man viel über das alltägliche Leben im Alten Ägypten zur Zeit Kleopatras. Welchen Berufen die Menschen nachgingen, welche Art Kleidung sie trugen und, wie sie wohnten, zum Beispiel. Außerdem kommen auch viele historische Fachbegriffe zu Göttern, Herrschern oder bekannten Orten der damaligen Zeit vor, die am Ende in einem Glossar kurz erläutert werden. Diese sind dick gedruckt, damit man direkt weiß, dass man sie im Glossar findet. Ganz ideal finde ich die Lösung mit dem Blättern aber nicht, da teils mehrere Begriffe auf einer Seite sind und so der Lesefluss häufiger unterbrochen wird. Die Covergestaltung und die Illustrationen zwischendurch wirken recht modern und ansprechend, sodass sich Kinder gut mit den drei Zeitdetektiven identifizieren können. Zugleich tragen diese aber zum Ziel ihrer Zeitreise passende Kleidung, was, ebenso wie die weiteren Illustrationen, dazu beiträgt, dass man eine noch genauere Vorstellung von der beschriebenen Zeit bekommt. Auf der Coverinnenseite werden die Protagonist:innen kurz vorgestellt und es gibt einen Zeitstrahl zur zeitlichen Einordnung der Geschichte. Was mich aber nicht zu hundert Prozent überzeugt hat, ist die Einstiegssituation mit dem Biologieunterricht und der anschließenden Recherche der drei, das wirkt auf mich etwas zu konstruiert. Ich denke, man wird damit auch nicht alle Kinder "abholen", sondern ein gewisses Interesse an Geschichte sollte schon vorhanden sein, damit die Motivation da ist, in diese Zeit abzutauchen und sich auch von den weniger bekannten Fachbegriffen nicht abschrecken zu lassen. Alterstechnisch würde ich etwa die 5. oder 6. Klasse empfehlen, wenn auch im Geschichtsunterricht diese Zeitepoche behandelt wird. Es gibt aber sicher auch schon 4.-Klässler, die Interesse an dem Thema haben und für die das Verständnis kein Problem dann sein sollte. Kinder, die sich gerne auf das Zeitreise-Abenteuer einlassen und die Neugier mitbringen, mehr über die damalige Zeit und die berühmte Herrscherin zu erfahren, werden sicher Freude an der Lektüre haben und mit den jungen Abenteuerern mitfiebern und ganz nebenbei auch viel Wissen mitnehmen.

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Veröffentlicht am 03.03.2024

Revolution in Böllersum

Bella und die Böllersum-Bande
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Bella und ihre Freund:innen leben in dem kleinen Dorf Böllersum und besuchen dort die Dorfschule. Diese soll nun aber geschlossen werden und die Kinder müssten dann auf verschiedene Schulen in der Umgebung ...

Bella und ihre Freund:innen leben in dem kleinen Dorf Böllersum und besuchen dort die Dorfschule. Diese soll nun aber geschlossen werden und die Kinder müssten dann auf verschiedene Schulen in der Umgebung verteilt werden. Eine Horrorvorstellung für die Kinder. Sie beschließen, mit allen, ihnen zur Verfügung stehenden, Mitteln für den Erhalt ihrer Schule zu kämpfen und werden bei ihrem Protest sehr kreativ.

Die Kinder in dieser Geschichte lieben die Möglichkeiten, die ihnen das Landleben bietet, sie hecken gerne kleinere Streiche aus und haben sich ein Lager gebaut, wo sie sich treffen können. Sie sind Freund:innen und halten zusammen, auch wenn jede:r andere Stärken und Vorlieben hat. Durch das bunte, ansprechend gestaltete Cover bekommt man schon mal einen Eindruck von den Hauptpersonen und auch auf fast jeder Buchseite finden sich weitere schöne Illustrationen, sodass man sich noch besser in die Geschichte hineinversetzen kann. Was die Themen angeht, sind diese durchaus realitätsnah und ich finde es gut, wenn thematisiert wird, dass es sich lohnt, sich für etwas einzusetzen, was einem wichtig ist und mit welchen Methoden man die Aufmerksamkeit Erwachsener gewinnen kann. Der Ausgang der ganzen Sache ist doch etwas utopisch, aber es ist ja auch ein Kinderroman. Der Schreibstil ist altersangemessen und gut lesbar. Die Begriffe, die im Zusammenhang mit den Protestaktionen verwendet werden, werden dann am Ende auch nochmal in einer Art Glossar genauer erklärt. Zusätzlich hätte ich es aber noch ganz schön gefunden, wenn es auch noch Anleitungen zum Nachmachen für die immer wieder erwähnten verschiedenen Knoten, die alle Bandenmitglieder beherrschen, geben würde. Was das Alter angeht, würde ich das Buch für Kinder von der 3. bis zur 5. Jahrgangsstufe empfehlen.

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Veröffentlicht am 26.02.2024

Verluste

Die Halbwertszeit von Glück
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Im Debütroman von Louise Pelt stehen drei Frauen in drei verschiedenen Ländern und auf drei verschiedenen Zeitebenen im Mittelpunkt und es erschließt sich erst nach und nach, ob es eine Verbindung zwischen ...

Im Debütroman von Louise Pelt stehen drei Frauen in drei verschiedenen Ländern und auf drei verschiedenen Zeitebenen im Mittelpunkt und es erschließt sich erst nach und nach, ob es eine Verbindung zwischen ihnen gibt.

Johanna lebt 1987 nach einem schweren Schicksalsschlag als Einsiedlerin im Sperrgebiet der DDR, als eine verwundete minderjährige Schwangere, die in den Westen flüchten möchte, bei ihr Schutz sucht. Holly träumt 2003 in Los Angeles davon, Drehbuchautorin zu werden, der plötzliche Tod einer Kollegin, an dem sie sich die Schuld gibt, wirft sie aber total aus der Bahn. Mylène steht 2019 in Paris kurz vor ihrer Hochzeit, als sie etwas erfährt, das ihr Leben ebenfalls komplett durcheinander bringt und sie alles Bisherige in Frage stellen lässt.

Darauf, ob Glück endlich ist, bezieht sich auch der Titel des Romans. Das Cover lässt noch kaum Schlüsse über den Inhalt zu, da es sehr abstrakt, aber eigentlich eher farbenfroh gestaltet ist. Der Schreibstil der Autorin war sehr flüssig lesbar und die Kapitelüberschriften boten einen zeitliche Orientierung. Die Handlung blieb lange spannend, weil sich Zusammenhänge erst nach und nach ergaben und manches dann auch doch anders war, als zunächst vermutet. Allerdings überzeugte mich die Ausgestaltung der Charaktere nicht vollkommen. Nicht alle ihre Verhaltensweisen erschienen mir schlüssig und angemessen, sodass es mir nicht bei allen Frauen gelungen ist, mich richtig in sie hineinzuversetzen. Nichtsdestotrotz ist es aber ein sehr fesselnder Roman und ich würde gerne mehr von der Autorin lesen.

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Veröffentlicht am 25.02.2024

Irgendwann wirst du ermordet

Das Mörderarchiv
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Frances Adams bekam als 17-Jährige auf einem Jahrmarkt von einer Wahrsagerin prophezeit, dass sie keines natürlichen Todes sterben würde. Dieses Wissen sollte sie ihr Leben lang beschäftigen. Sie verdächtigte ...

Frances Adams bekam als 17-Jährige auf einem Jahrmarkt von einer Wahrsagerin prophezeit, dass sie keines natürlichen Todes sterben würde. Dieses Wissen sollte sie ihr Leben lang beschäftigen. Sie verdächtigte jeden in ihrem Umfeld und legte auf ihrem Landgut in Dorset sogar ein "Mörderarchiv" mit belastenden Informationen über alle mögliche Personen an. Bis zu ihrem Tod dauerte es dann aber noch 60 Jahre. Aber auch für danach hatte sie noch vorgesorgt. Ihre Großnichte Annie, die ihre Großtante Frances aber nie kennengelernt hat, oder ihr Stiefneffe sollten ihr Vermögen unter der Bedingung erben, dass sie herausfinden, wer die alte Dame ermordet hat. So begeben sich beide auf Spurensuche, die auch weit in die Vergangenheit zurückführt.

Es gibt zwei Handlungsebenen, einmal die Gegenwart, in der Annie bei ihren Ermittlungen auch immer wieder in Gefahr gerät und die Vergangenheit, beginnend mit Großtante Frances Zeit als junge Erwachsene. Nach und nach kommt immer mehr Überraschendes ans Licht und es ergeben sich so immer neue Verdachtsmomente. Neben den beiden potentiellen Erben ermittelt natürlich auch die Polizei, die den Fall aber nicht zuerst lösen sollte, weil das Erbe sonst an die Krone fällt. Zum Glück ist der örtliche Polizist Annie recht wohlgesonnen. Die Handlung bleibt durch überraschende Wendungen und die aufgedeckten Geheimnisse aus der Vergangenheit lange spannend. Der Schreibstil ist anschaulich und gut nachvollziehbar. Fans relativ klassischer britischer Krimis, bei denen der Fokus auf der Ermittlungsarbeit liegt, werden sicher eine Freude daran haben. Zudem ist die Idee, dass die Ermordete selbst jahrzehntelang die Ermittlungen zu ihrem eigenen Tod übernommen hat, mal etwas anderes.

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