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Veröffentlicht am 28.07.2025

Auseinandergerissen

Der Kindersuchdienst (Kindersuchdienst 1)
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Der neue historische Roman von Antonia Blum spielt in Hamburg im Jahr 1955, also zehn nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Wie der Titel bereits verrät, steht die Arbeit des Kindersuchdienstes des Deutschen ...

Der neue historische Roman von Antonia Blum spielt in Hamburg im Jahr 1955, also zehn nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Wie der Titel bereits verrät, steht die Arbeit des Kindersuchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes im Mittelpunkt, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kinder, die in den Kriegswirren von ihren Eltern getrennt wurden, wieder mit diesen zusammenzubringen.

Durch die Arbeit dort lernen die alleinerziehende Annegret (die die Tatsache, dass sie selbst Mutter ist, aber in der Arbeit geheim hält) und Charlotte, die aus ihrem wohlhabenden Elternhaus geflüchtet ist (was sie ebenfalls niemandem verrät), sich kennen. Bald haben sie auch einen gemeinsamen Schützling, ein Mädchen, das verzweifelt seine Eltern sucht. Zugleich ist aber auch die Zukunft des Suchdienstes in Gefahr.

Die Autorin schildert die Situation nach Ende des Zweiten Weltkrieges gewohnt anschaulich, ihr Schreibstil ist zudem gut nachvollziehbar. In das Leid der Betroffenen konnte ich mich gut hineinversetzen und die beiden Protagonistinnen waren mir prinzipiell sympathisch, auch wenn es einem Charlotte anfangs nicht immer so leicht macht. Neben dem Leid der auseinandergerissenen Familien wird auch die Situation der Frauen, die damals noch wenig Mitspracherecht hatten, nur die Hälfte von dem verdienten, was Männer bekamen und von Vorgesetzten oft herablassend behandelt wurden, gut wiedergegeben.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Fernwandern abseits der Massen

Wilde Berge des Balkan
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Bei diesem Buch hat mich das Cover mit den drei Frauen in der atemberaubenden Gebirgslandschaft direkt angesprochen. Auch das Gebiet, das sie bewandern, fand ich sehr spannend, da man sonst eher wenig ...

Bei diesem Buch hat mich das Cover mit den drei Frauen in der atemberaubenden Gebirgslandschaft direkt angesprochen. Auch das Gebiet, das sie bewandern, fand ich sehr spannend, da man sonst eher wenig über dieses Gebirge am Rande Europas mitbekommt. Ich selbst fände es zwar auch reizvoll, dort unterwegs zu sein, aber ich hätte wohl zu viel Respekt vor Begegnungen mit Bären oder frei laufenden Hunden.

Der Grund, warum sich die drei Bergfreundinnen für den Dreiländer-Wanderweg am Balkan „High Scardus Trail“ entschieden haben, ist dessen geringe Frequentierung durch andere Wanderer und die dadurch verbliebene Wildnis. Allerdings hätte ich es dann authentischer gefunden, wenn die Wanderung ohne ein Team aus Redakteur:innen und Kameramännern erfolgt wäre, sondern wirklich nur für ein Buchprojekt mit selbst geschossenen Bildern. Auch, dass die Übernachtung mehrmals in Dörfern erfolgte, wenn auch in einfachen Unterkünften, nahm dem Ganzen irgendwie etwas den "Allein in der Wildnis"-Charakter mit Selbstversorgung und ausschließlich Zeltübernachtung.

Nichtsdestotrotz sind die Erfahrungen der drei Fernwanderinnen sehr interessant und es macht sie sympathisch und authentisch, dass sie eben keine so extremen Wanderprofis sind, dass ihnen nichts Angst macht und sie nicht mit dem ein oder anderen Wehwehchen zu kämpfen haben, bei immerhin 10.000 Höhenmetern und 175 Kilometern. Die einzelnen Etappen werden tagebuchähnlich abwechselnd von den drei, doch recht unterschiedlichen, Frauen, beschrieben, was für Abwechslung sorgt. Zwischendurch gibt es zudem noch Interviews mit starken Frauen, die in der Region im Tourismus tätig sind und natürlich eine gute Anzahl farbiger Fotos, die einen Eindruck von der durchwanderten Gegend bieten. Am Ende folgen dann noch einige handfeste Tipps für Wanderungen am Balkan.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Neuanfang unter erschwerten Bedingungen

Die Trümmerschule – Zeit der Hoffnung
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Das Cover zeigt zusammen mit dem Titel schon deutlich, dass der Roman zur Zeit des Wiederaufbaus kurz nach Ende der Unrechtsherrschaft der Nationalsozialisten spielt. Die jüdische Lehrerin Stella hat es ...

Das Cover zeigt zusammen mit dem Titel schon deutlich, dass der Roman zur Zeit des Wiederaufbaus kurz nach Ende der Unrechtsherrschaft der Nationalsozialisten spielt. Die jüdische Lehrerin Stella hat es gerade noch rechtzeitig geschafft, vor den Nationalsozialiten aus Österreich nach England zu flüchten, aber der Rest ihrer Familie hat nicht überlebt. Dennoch kehrt sie nach Ende des Zweiten Weltkrieges nach Wien zurück, um dort wieder als Lehrerin zu arbeiten. Stella findet, obwohl auch viele Schulen zerstört sind, eine Anstellung am Lindengymnasium. Dort sind nicht alle von ihren modernen Unterrichtsmethoden und ihrer jüdischen Herkunft begeistert, insbesondere einige konservative ältere Kollegen machen ihr das Leben schwer. Aber, zum Glück erfährt sie auch viel Unterstützung.

Ich fand die Lektüre des Buches sehr interessant. Ich arbeite selbst als Lehrerin und Stella als Protagonistin ist wirklich sehr modern eingestellt für die damalige Zeit und auf jeden Fall sympathisch. Es war spannend, mehr darüber zu erfahren, mit welchen Problemen die Schüler:innen, Lehrkräfte und auch die Schulen insgesamt kurz nach Kriegsende zu kämpfen hatten. Der Schreibstil war gut lesbar und die Handlung hat mich gefesselt. Was speziell das Hörbuch angeht, fand ich die Sprecherin passend gewählt und das Lesetempo war angemessen, sodass man gut folgen konnte.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Roadtrip zur Liebe

Der Sonne entgegen
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Bei diesem Roman hat mich das bunte, sommerliche Cover in Kombination mit dem Titel sofort in Sommerstimmung versetzt und neugierig auf die Geschichte gemacht. Es passt perfekt zu einem Roadtrip gen Süden.

Fotografin ...

Bei diesem Roman hat mich das bunte, sommerliche Cover in Kombination mit dem Titel sofort in Sommerstimmung versetzt und neugierig auf die Geschichte gemacht. Es passt perfekt zu einem Roadtrip gen Süden.

Fotografin Romy, Anfang 30, bekommt überraschend einen Heiratsantrag ihres Partners Henri, mit dem sie bis dahin eine Wochenendbeziehung zwischen Hamburg und Berlin geführt hat. Seine sehr konkreten Zukunftspläne für sie beide machen ihr dann aber Angst und so flüchtet sie sich am nächsten Tag spontan vom Hotelparkplatz in das Auto des Kunsthändlers Valentin, dem sie schon am Vorabend im Hotel begegnet ist. Gemeinsam begeben sie sich auf einen Roadtrip Richtung Italien, wo Valentin ein ersteigertes Gemälde übergeben muss, und dann immer weiter gen Süden. Auf der abenteuerlichen Fahrt kommen sie sich näher, geraten aber auch in ernsthafte Gefahr, weil Valentin nicht einfach nur Kunsthändler ist, sondern einiges zu verbergen hat.

Bei der Geschichte handelt es sich einerseits um einen sommerlich leichten Liebesroman, bei dem ein Roadtrip im Mittelpunkt steht, der uns als Leser an einige schöne Orte unter der italienischen Sonne führt. Daneben geht es aber durchaus auch um etwas tiefsinnigere Fragen, wie die, woran man erkennt, dass man wirklich den Partner für's Leben gefunden hat. Romy ist mir sympathisch, allerdings konnte ich nicht so recht verstehen, was genau sie an ihrem Partner Henri gefunden hat, der nicht gerade ein Sympathieträger und ganz anders als sie ist. Der Schreibstil der Autorin ist gut lesbar, sodass man flüssig durch die Seiten fliegt und dabei Romy und Valentin durch Italien begleitet. Dadurch, dass abwechselnd aus ihrer und seiner Perspektive erzählt wird, kann man sich gut in die beiden hineinversetzen. Manches ist sicher etwas vorhersehbar, aber, das ist bei dem Genre durchaus in Ordnung.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Weniger wäre manchmal mehr gewesen

Great Big Beautiful Life
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Von diesem Roman habe ich mir aufgrund des Covers und der Autorin einen kurzweiligen Liebesroman versprochen, der Klappentext versprach eine amüsante Geschichte.

Alice Scott und Hayden Anderson konkurrieren ...

Von diesem Roman habe ich mir aufgrund des Covers und der Autorin einen kurzweiligen Liebesroman versprochen, der Klappentext versprach eine amüsante Geschichte.

Alice Scott und Hayden Anderson konkurrieren auf der kleinen, abgelegenen Insel, Little Crescent Island, darum, die Memoiren der legendären Margaret Ives schreiben zu dürfen, die aus einer skandalträchtigen Familie stammt. Die zurückgezogen lebende ältere Dame lädt dann überraschend beide zu einem Probemonat zum besseren Kennenlernen ein, bevor sie sich entscheiden will. Sie trifft Alice und Hayden abwechselnd und beide mussten vorab eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben und dürfen so auch einander nichts erzählen. Auf der kleinen Insel können Hayden und Alice sich aber kaum aus dem Weg gehen und es knistert bald heftig zwischen ihnen, obwohl sie doch eigentlich Konkurrenten sind.

Grundsätzlich eine interessante Ausgangssituation mit Unterhaltungspotenzial, allerdings hatte der Roman für mich auch ein paar Schwachpunkte. So fällt mir der Rückblick zur Lebensgeschichte der alten Dame zu langatmig aus und das, was sie erlebt hat, hat mich auch nicht so recht gefesselt. Zwischen Alice und Hayden ging mir dafür alles etwas zu schnell, um schon die große Liebe zu sein und auch die Sexszenen waren für meinen Geschmack zu häufig und zu explizit beschrieben. Insbesondere bei einem Hörbuch nervt mich das einfach nur und ich habe sie gegen Ende dann teilweise auch übersprungen. Die Sprecherin empfand ich jedoch grundsätzlich als sehr angenehm und sie und man konnte ihr gut Folgen. Ohne die ausführlichen und sich wiederholenden Sexszenen und mit einer gestraffteren Lebensgeschichte im Rückblick wäre ich ziemlich zufrieden gewesen.

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