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Veröffentlicht am 05.01.2026

Der erste Funke einer Ermittlerin

Kill Joy
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Mit Kill Joy liefert Holly Jackson eine kurze, stimmige Vorgeschichte zur A Good Girl’s Guide to Murder und zeigt, wie alles begann. Im Mittelpunkt steht Pippa Fitz-Amobi, noch bevor sie sich in echte ...

Mit Kill Joy liefert Holly Jackson eine kurze, stimmige Vorgeschichte zur A Good Girl’s Guide to Murder und zeigt, wie alles begann. Im Mittelpunkt steht Pippa Fitz-Amobi, noch bevor sie sich in echte Mordfälle verbeißt, noch bevor ihr Leben aus Recherchen, Podcasts und unbequemen Wahrheiten besteht.

Statt an ihrem Schulprojekt zu arbeiten, findet sich Pip auf einem Krimidinner im Stil der Zwanzigerjahre wieder. Was zunächst nach einem albernen Spiel klingt, entwickelt schnell einen Sog: Hinweise werden analysiert, Verdächtigungen ausgesprochen, Theorien gesponnen. Und genau hier zeigt sich bereits das, was Pip später ausmacht, ihr scharfer Verstand, ihr Ehrgeiz, ihr Drang, Antworten zu finden, selbst dann, wenn sie eigentlich abschalten sollte.

Die Geschichte lebt von ihrer Atmosphäre. Das Setting ist verspielt, fast nostalgisch, die Dialoge clever und oft humorvoll. Besonders schön ist es, Pip einmal in einem vergleichsweise leichten, unbeschwerten Kontext zu erleben, vor all den dunklen Ereignissen der Hauptreihe. Gleichzeitig wird sehr klar, warum sie im ersten Band so besessen vom Fall Andie Bell ist: Kill Joy legt den emotionalen und gedanklichen Grundstein dafür, ohne sich aufzudrängen oder zu viel zu erklären.

Natürlich bleibt die Novelle inhaltlich überschaubar. Die Nebenfiguren bleiben eher blass, und für die große Handlung der Reihe ist das Buch nicht zwingend notwendig. Wer mit der Trilogie bisher nichts anfangen konnte, wird hier vermutlich auch nicht bekehrt. Doch genau das will Kill Joy auch gar nicht sein.

Kill Joy ist ein liebevolles Extra, ein kleines Highlight für Fans, süß, unterhaltsam und überraschend rund. Kein Muss, aber eine wunderbare Ergänzung, die Pip noch einmal von einer ganz anderen, fast unschuldigen Seite zeigt. Für alle, die die Reihe geliebt haben oder einen spoilerfreien Einstieg suchen, ist diese Vorgeschichte absolut lesenswert.

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Veröffentlicht am 04.01.2026

Wenn Jagen und Gejagt-Werden eins wird

As Good as Dead
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Mit As Good as Dead liefert Holly Jackson den Abschluss der gefeierten A Good Girl's Guide to Murder-Reihe und hebt die Geschichte dabei auf ein völlig neues, deutlich dunkleres Level.

Pip möchte die ...

Mit As Good as Dead liefert Holly Jackson den Abschluss der gefeierten A Good Girl's Guide to Murder-Reihe und hebt die Geschichte dabei auf ein völlig neues, deutlich dunkleres Level.

Pip möchte die Vergangenheit endlich hinter sich lassen. Doch nach den traumatischen Ereignissen der ersten beiden Bände lassen sie ihre inneren Dämonen nicht los. Anonyme, bedrohliche Nachrichten und ein Stalker, der erstaunlich viel über sie weiß, machen schnell klar: Dieses Mal steht Pips eigenes Leben auf dem Spiel. Als sie Hinweise entdeckt, die einen alten Serienmörderfall in neuem Licht erscheinen lassen, fasst sie einen folgenschweren Entschluss, ein letztes Mal will sie die Wahrheit ans Licht bringen.

Schon von Beginn an ist die Bedrohung spürbar. Die Geschichte fühlt sich deutlich erwachsener an als ihre Vorgänger und entwickelt sich von einem YA-Krimi zu einem psychologisch intensiven Thriller. Besonders gelungen ist die Darstellung von Pips innerem Zustand: Sie ist nicht mehr die neugierige, unbeirrbare Ermittlerin vom Anfang der Reihe, sondern eine junge Frau, die sichtbar gezeichnet ist von allem, was sie erlebt hat. Ihre Zweifel, Ängste und moralisch schwierigen Entscheidungen wirken roh, greifbar und schmerzhaft realistisch.

Die Spannung baut sich langsam auf und zieht sich im ersten Teil stellenweise etwas, entfaltet jedoch spätestens ab dem zweiten Drittel eine enorme Sogwirkung. Ab diesem Punkt jagt eine Wendung die nächste, inklusive eines Plottwists, der völlig unvorhersehbar ist und emotional hart trifft. Besonders stark ist, dass im Finale alle Fäden zusammenlaufen und auch Konflikte aus dem ersten Band noch einmal aufgegriffen und aufgelöst werden. Die Nachforschungen von Pip und Ravi laden erneut zum Miträtseln ein und machen es schwer, das Buch aus der Hand zu legen.
Pips Entwicklung ist nicht immer sympathisch, aber gerade deshalb glaubwürdig.

Unterm Strich ist As Good as Dead ein düsteres, emotionales und intensives Finale, das die Reihe würdig abschließt und lange nachhallt. Die Bücher steigern sich von Band zu Band in Komplexität, Spannung und emotionaler Tiefe.

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Veröffentlicht am 04.01.2026

Vom Geizhals zum Menschen: Eine Geschichte voller Hoffnung

Die Charles-Dickens-Weihnachtsgeschichte
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Eine Weihnachtsgeschichte erzählt den weltbekannten Klassiker rund um Ebenezer Scrooge in einer neu übersetzten, kindgerechten und zugleich zeitlosen Form, die Herz und Seele berührt. Die Geschichte des ...

Eine Weihnachtsgeschichte erzählt den weltbekannten Klassiker rund um Ebenezer Scrooge in einer neu übersetzten, kindgerechten und zugleich zeitlosen Form, die Herz und Seele berührt. Die Geschichte des alten Geizhalses, der Weihnachten verachtet und nur Geld und Leistung kennt, entfaltet sich erneut als emotionale Reise voller Erkenntnisse, Hoffnung und Menschlichkeit.
Am Heiligen Abend wird Scrooge von den Geistern der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnacht besucht. Sie zeigen ihm, was war, was ist und was sein könnte und führen ihm schmerzhaft, aber notwendig vor Augen, wie einsam, kalt und leer sein Leben geworden ist. Schritt für Schritt erkennt Scrooge den wahren Wert von Mitgefühl, Freundlichkeit und Gemeinschaft und begreift, dass es nie zu spät ist, sein Leben zu ändern.
So bekannt diese Geschichte auch ist, sie hat nichts von ihrer Kraft verloren. Der Text liest sich flüssig, leicht und überraschend humorvoll.
Herzerwärmend, berührend, humorvoll und zeitlos. Eine Weihnachtsgeschichte ist nicht nur ein Klassiker, sondern eine der schönsten und wichtigsten Weihnachtserzählungen überhaupt. In dieser Ausgabe entfaltet sie ihre volle Magie und erinnert uns daran, worauf es im Leben wirklich ankommt, besonders zur Weihnachtszeit.

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Veröffentlicht am 18.12.2025

Wenn Wahrheit im Eis konserviert wird

Der gefrorene Fluss
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Mit „Der gefrorene Fluss“ entführt Ariel Lawhon ihre Leser:innen ins winterliche Maine des Jahres 1789, in eine Welt, die von Kälte, starren gesellschaftlichen Regeln und tief verwurzelter Ungerechtigkeit ...

Mit „Der gefrorene Fluss“ entführt Ariel Lawhon ihre Leser:innen ins winterliche Maine des Jahres 1789, in eine Welt, die von Kälte, starren gesellschaftlichen Regeln und tief verwurzelter Ungerechtigkeit geprägt ist. Im Mittelpunkt steht Martha Ballard, Hebamme, Heilerin und Chronistin des Alltags, deren Stimme in einer Zeit erklingt, in der Frauen offiziell kaum gehört werden.

Als im zugefrorenen Kennebec River die Leiche eines Mannes entdeckt wird, wird Martha hinzugezogen, um die Todesursache festzustellen. Ihre medizinisch fundierte Einschätzung deutet klar auf Mord hin, doch ein angesehener Arzt widerspricht ihr öffentlich. Für Martha ist dies nicht nur eine fachliche Kränkung, sondern ein weiteres Beispiel dafür, wie weibliches Wissen systematisch entwertet wird. Entschlossen beginnt sie, auf eigene Faust nach der Wahrheit zu suchen.

Besonders eindrucksvoll ist die Rolle von Marthas Tagebuch, das auf den realen Aufzeichnungen der historischen Martha Ballard basiert. Lawhon nutzt diese Einträge nicht nur als Stilmittel, sondern als zentrales erzählerisches Element: Sie verbinden Geburten, Todesfälle, Verbrechen und persönliche Beobachtungen zu einem dichten Bild des damaligen Lebens. Das Tagebuch wird zur stillen Anklage gegen ein korruptes Rechtssystem und gegen eine Gesellschaft, die Frauen zum Schweigen bringen will.

Der Roman ist weniger ein klassischer Krimi als vielmehr ein vielschichtiges Porträt einer Frau, die ihrer Zeit voraus ist. Martha Ballard ermittelt nicht mit forensischen Methoden, sondern mit Beobachtungsgabe, Erfahrung und moralischer Klarheit. Ihre Zielstrebigkeit wirkt dabei nie kalt, sondern entspringt einem tiefen Gerechtigkeitssinn und großer Empathie, besonders gegenüber den Frauen, die sie als Hebamme begleitet.

Ariel Lawhon gelingt es, die Ungerechtigkeiten des damaligen Rechtssystems eindringlich darzustellen: Richter sind befangen, Gewaltenteilung existiert kaum, und weibliche Zeugenaussagen gelten nur eingeschränkt. Diese Aspekte sind teils schwer zu ertragen, wirken jedoch historisch authentisch und verleihen dem Roman seine emotionale Wucht. Unterstützt wird dies durch eine dichte, frostige Atmosphäre, die perfekt zur Geschichte passt und das Gefühl von Bedrohung und Stillstand verstärkt.

Trotz des ruhigen Erzähltempos entwickelt sich eine stetige Spannung, die weniger aus actionreichen Wendungen entsteht als aus moralischen Konflikten, Gerüchten und der Frage, wie viel Wahrheit eine Gemeinschaft erträgt. Das Nachwort rundet das Buch eindrucksvoll ab und verleiht der Geschichte zusätzliche Tiefe, indem es die reale Martha Ballard und die umfangreiche Recherche der Autorin beleuchtet.

Fazit:
„Der gefrorene Fluss“ ist ein atmosphärischer, kluger historischer Roman, der Kriminalfall und Frauenporträt miteinander verbindet. Ariel Lawhon schenkt einer fast vergessenen Frau eine kraftvolle Stimme und erzählt eine Geschichte über Mut, Gerechtigkeit und Widerstand in einer Welt, die Frauen lieber übersehen hätte. Eine eindrucksvolle Winterlektüre, ruhig, eindringlich und lange nachhallend.

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Veröffentlicht am 18.12.2025

Abtauchen, loslassen, staunen

Gefühlt schwerelos
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„Gefühlt schwerelos“ ist weit mehr als ein klassisches Sachbuch über das Tauchen, es ist eine liebevolle Einladung, in eine Welt einzutauchen, die von Stille, Weite und tiefer Verbundenheit mit der Natur ...

„Gefühlt schwerelos“ ist weit mehr als ein klassisches Sachbuch über das Tauchen, es ist eine liebevolle Einladung, in eine Welt einzutauchen, die von Stille, Weite und tiefer Verbundenheit mit der Natur geprägt ist. Diana Kauba und Detlef Spatz nehmen ihre Leser:innen mit auf eine faszinierende Reise unter die Wasseroberfläche und lassen sie an ihrer Leidenschaft für den Tauchsport teilhaben.

Besonders beeindruckend ist die gelungene Verbindung aus fundiertem theoretischem Wissen und sehr persönlichen Erfahrungsberichten. Die Autor:innen schreiben ehrlich, offen und mit spürbarem Herzblut über ihre Tauchgänge in Seen und Meeren verschiedenster Länder. Dabei geht es nicht nur um das Tauchen selbst, sondern auch um das Drumherum: Anreise, Unterkünfte, Kosten, Bedingungen vor Ort und natürlich die Besonderheiten der jeweiligen Tauchreviere. Genau diese Details machen das Buch so wertvoll, sowohl für Anfänger:innen als auch für erfahrene Taucher:innen, die neue Ziele entdecken möchten.

Hervorzuheben sind die ausführlichen Erlebnisberichte, die nie trocken wirken, sondern lebendig und unterhaltsam erzählt sind. Auch Überwassererlebnisse finden ihren Platz und runden das Gesamtbild ab. Ergänzt werden die Texte durch umfangreiches, hochwertiges Bildmaterial, übersichtliche Zusammenfassungen und Tabellen, die schnelle Orientierung ermöglichen.

Das großformatige Hardcover vereint auf 338 Seiten zwei Bände zum Thema und ist nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch ein echtes Highlight. Man spürt auf jeder Seite, wie viel Arbeit, Leidenschaft und Liebe zum Detail in dieses Werk geflossen sind.

„Gefühlt schwerelos“ ist ein wunderschön gestaltetes, sehr ausführliches Buch, das Lust auf Meer, Tauchen und neue Abenteuer macht. Ein unterhaltsames, lehrreiches und inspirierendes Werk für alle Unterwasserliebhaber:innen und für jene, die es vielleicht noch werden wollen.

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