Wortgewandter Krimi vom Lago Maggiore
Arrivederci am Lago Maggiore„Arrivederci am Lago Maggiore“ ist der zweite Roman von Alexandra Holenstein um die Lehrerin Tabea Kummer. Sie, ihr Hund Bruno und die Freundin Mimi sowie die Kommissarin Lara Patelli und ihr Team sind ...
„Arrivederci am Lago Maggiore“ ist der zweite Roman von Alexandra Holenstein um die Lehrerin Tabea Kummer. Sie, ihr Hund Bruno und die Freundin Mimi sowie die Kommissarin Lara Patelli und ihr Team sind als wichtige Protagonisten aus dem ersten Band auch im zweiten Band dabei, andere Familienmitglieder schalten sich entweder nur telefonisch zu (ihr Mann Ludwig von seiner Dienstreise in die USA) oder kommen kurzzeitig zu Besuch, spielen also nur eine Nebenrolle.
Tabea wurde während der Sommerferien von ihrem Vermieter gebeten, für einige Wochen in seinem Boutiquehotel in Ascona als Hausdame auszuhelfen, er selbst müsse zum Krankenbett seines sterbenden Bruders nach Italien eilen und ihm beistehen.
Das exklusive Hotel verfügt lediglich über sechs Zimmer und Esmeralda, die Köchin und Zimmerfrau sowie Valentino, der Gärtner und Housekeeper haben die Räumlichkeiten, aber auch die Gäste eigentlich gut im Griff, so dass Tabea sich zunächst eher überflüssig vorkommt.
In diesem Sommer allerdings ist die Gästeschar eine besondere und wie sich später herausstellt, eine arrangierte Auswahl. Zu dem bereits seit vielen Jahren anreisenden Ehepaar Knoll aus Deutschland gesellen sich ein schrilles Influencer-Paar Shirley und Ruben, die gar nicht so wirklich in das biedere Hotel zu passen scheinen, ein verschrobener Adliger mit merkwürdigem Musikgeschmack und noch merkwürdigeren Ansichten, eine junge Architektin mit Burnout sowie ein lesbisches Paar aus der grünen Szene. Dazu ein Sonderling, der ausgestopfte Tiere mit sich führt, wie die Zimmerfrau Esmeralda schnell herausfindet.
Eines Morgens gibt es ein Wiedersehen mit der Kommissarin Lara Patelli. Shirley ist tot in einer Schlucht aufgefunden worden und es sieht ganz nach einem Kapitalverbrechen aus.
So sehr sich die Mannschaft bemüht, mit dem erholsamen Urlaub ist es jetzt erstmal vorbei, die Kommissarin befragt jeden Gast nicht nur einmal und die privaten Planungen müssen sich dem unterordnen. Kurze Zeit später wird auch Ruben im Hotel erschlagen.
Tabea steckt zwar noch der letzte Fall in den Knochen, der ihren Schwiegervater das Leben kostete und auch sie selbst fast zur Strecke gebracht hätte, aber sie kann es nicht lassen, selbst zu ermitteln.
Ihre Erkenntnisse teilt sie der Kommissarin manchmal erst mit Verspätung mit, genauso verfährt Esmeralda. Die beiden mögen sich zunächst nicht, verbünden sich im weiteren Verlauf aber doch und tauschen sich aus.
Alexandra Holenstein ist eine Meisterin der Sprache, es hat sehr viel Spaß gemacht, das Buch zu lesen und sich an den sprachlichen Wendungen und manchmal auch Wort-Neuschöpfungen zu erfreuen. Es sprach sehr viel Wortwitz aus ihren Unterhaltungen und Beschreibungen, der mich oft zum Schmunzeln gebracht hat.
Z.B. gefiel mir im Zusammenhang mit dem eitlen Hotelbesitzer Buonmattino die Frage:
„Sein volles Haar war fast völlig ergraut, oder durfte er es ersilbert nennen?“
Die Beschreibung einer Person oder Handlung wird schon zur Charakterstudie, wenn Tabea, eigentlich eher Kopfmensch, dann aber auch wieder herrlich inkonsequent, anderen die Ohren volljammert und Dinge doch genauso haben will, dass sie etwas zu jammern hat („Ich saß auf meinem Badetuch an Asconas Badestrand und hatte die Absicht, mein Unglück in jedes auch nur ansatzweise verfügbare Ohr zu jammern“), um danach ins Seewasser abzutauchen und sich in Unschuld zu waschen.
Der Ort der Handlung, Ascona und der Lago Maggiore mit seinen angrenzenden weitläufigen Villen am See ist so anschaulich beschrieben, dass man am liebsten die Koffer packen würde.
Mit der Lösung der Mordfälle tat ich mich schwer. Ich habe das Buch mit einigem Abstand ein zweites Mal gelesen, weil ich sicher war, doch einiges überlesen zu haben. Aber der Mörder konnte mir auch beim zweiten Lesen kein wirklich schlüssiges Motiv liefern. Hier weiter in die Tiefe zu gehen, würde spoilern. Die Gästeschar hat mich ansonsten ein wenig an „Mord im Orient-Express“ erinnert, jeder der Gäste stand irgendwie in Verbindung mit der ermordeten Shirley und hatte Grund, ihr böse zu sein.
Trotz meiner Kritik an der Auflösung des Falles habe ich das Lesen genossen und empfehle auch das Buch gerne weiter. Ich freue mich schon auf Band 3.