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Veröffentlicht am 24.04.2026

Dieser schwarze Humor ist ganz mein Ding

Gärten, Gift und kalte Rache
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Die Autorin Klaudia Blasl entführt uns in ihrem dritten Krimi um Gärten und Gift in das fiktive Dorf Oberdistelbrunn in Österreich. Der neue Bürgermeister hat sich zum Ziel gesetzt, sein Dorf aufblühen ...

Die Autorin Klaudia Blasl entführt uns in ihrem dritten Krimi um Gärten und Gift in das fiktive Dorf Oberdistelbrunn in Österreich. Der neue Bürgermeister hat sich zum Ziel gesetzt, sein Dorf aufblühen zu lassen und dafür 20.000 Blumenzwiebeln unter die Erde eines brachliegenden Grundstückes zu bringen. Natürlich sind auch die fünf Damen wieder dabei, die schon im letzten Krimi zur Aufklärung des Giftmordes maßgeblich beigetragen haben und prompt graben Pauline und Berta das Skelett eines Hundes aus. Wenn sie geahnt hätten, was das für Folgen haben würde…. Aber noch ist alles friedlich. Ein junger Naturschutzexperte – Patrick Pflaume, sehr treffend beschrieben - soll die Bewohner beraten und gerät mit den Dörflern aneinander. Vor allem Emma lässt sich nichts von ihm vorschreiben, ihre Kirschlorbeerhecke ist ihr plötzlich heilig geworden, egal wie giftig sie ist.

Pauline freut sich auf die Rückkehr ihres Mannes Fred aus der Reha nach einem Herzinfarkt. Sie hat sich fest vorgenommen, ihn in Zukunft nur noch gesund zu ernähren und ihn zu sportlichen Unternehmungen zu animieren. Aber schon am Morgen nach seiner Rückkehr liegt ein toter Jäger im Vorgarten ihres Hauses, offenbar vergiftet. Ohne Aufregung geht es also nicht. Und kurze Zeit später wird ein Freund und Saufkumpan des Ermordeten ebenfalls tot über einen Baum hängend aufgefunden. Darüber hinaus scheint sich auch Fred verändert zu haben, er telefoniert noch spät am Abend und verlässt das Haus ohne Angabe von Zielen oder Gründen. Das hat es schon Jahre nicht mehr gegeben. Pauline ist verzweifelt und wähnt ihren Fred auf Freiersfüßen.

Natürlich wird bei einem Doppelmord und den sich noch anschließenden Todesfällen die Polizei eingeschaltet und so kommt der cholerische Hauptkommissar Hartmann erneut zum Einsatz in Oberdistelbrunn. Wie schon beim letzten Fall schießt er sich direkt auf Pauline und ihre Familie ein, damals konnte er sie nicht des Mordes überführen, da wird es doch dieses Mal endlich klappen. Und natürlich verfolgt er auch dieses Mal wieder vollkommen falsche Fährten und blamiert sich bis auf die Knochen.

Klaudia Blasl versteht zum einen sehr viel von Pflanzen und ihren heilsamen oder schädlichen Eigenschaften. Sie ist außerdem eine Meisterin der sehr prägnanten Beschreibung und Charakterisierung von Personen und Orten, schlagfertig und lustig und mit Wortwitz gesegnet. Ihre Gespräche mit Berta, Emma, Bobo und Elsbeth sind ein Schlagabtausch, der aber immer auch von gegenseitiger Wertschätzung und Freundschaft geprägt ist. Berta spielt in diesem Buch als Kummerkasten für Pauline eine wichtige Rolle. Ein weiterer wichtiger Gesprächspartner ist Vincent, der Neffe von Pauline und Sohn ihrer Tochter. Ganz anders als bei Fred liegt ihm nämlich das Herz auf der Zunge, Fred hält nicht viel von Gefühlsäußerungen.

Der Krimi hält die Spannung bis zum Schluss, als Leser zittert man sich durch die letzten Seiten, bis sich dann doch alles klärt und das Motiv für die Morde klar wird. Das Buch hat mir sehr gut gefallen und ich empfehle es gerne weiter.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Das Leben lernen

Einatmen. Ausatmen.
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Das Buch von Maxim Leo verfügt über ein sehr schönes, ansprechendes florales Titelbild und der Titel ist kursiv geschrieben, nach links kursiv für das Einatmen, nach rechts für das Ausatmen. Gute Idee!
Marlene ...

Das Buch von Maxim Leo verfügt über ein sehr schönes, ansprechendes florales Titelbild und der Titel ist kursiv geschrieben, nach links kursiv für das Einatmen, nach rechts für das Ausatmen. Gute Idee!
Marlene Buchholz ist eine erfolgreiche und toughe Managerin, die zwar wunderbar die Ziele ihrer Firma erfüllt, bei ihren Kollegen aber als unnahbar, kalt und gefühllos gilt. Damit sie die letzte Stufe auf der Hierarchieleiter erklimmen kann, nämlich selbst Geschäftsführerin zu werden, bittet der scheidende GF sie zu einem Achtsamkeitsseminar in einem Schloss in Brandenburg.
Ein zweiwöchiges Coaching in Alex Grows Academy soll ihr die nötige Rücksichtnahme auf die Kollegen beibringen und sie zu einem einfühlsameren Menschen machen, nur leider steht die Academy kurz vor dem Bankrott. Alex Grow hat also genügend eigene Probleme, die er aber versucht zu verheimlichen, weder die Konkurrenz noch die Mitarbeiter sollen davon erfahren. Alex passiert genau das, weswegen viele seiner Klienten und Patienten ihn aufsuchen, er entwickelt Depressionen und Panikattacken.
Marlene hatte sich noch nie für etwas anderes als ihren Job interessiert, ihre Wohnung kennt sie kaum, Hobbies hat sie keine und Urlaub ist auch ein Fremdwort für sie. Diese zwei Wochen Achtsamkeitstraining sieht sie deshalb als Strafe und Umerziehungslager und versucht, von Anfang an, sich dem so oft wie möglich zu entziehen.
Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass sie das Leben erst lernen muss und glücklicherweise ist sie zumindest für einige Dinge in Brandenburg auch offen. Sie bricht zu Spaziergängen auf, lernt den Hausmeister des Schlosses kennen, verirrt sich bei einem Spaziergang und lässt sich sogar zu einer Aufstellung im Schloss überzeugen. Ihre Wandlung geht eigentlich recht flott vonstatten, allerdings nicht mit Atemübungen oder Yoga, sondern eher, weil sie erstmals mit offenen Augen für ihre Umwelt unterwegs ist.
Bei Alex ist die Lage schon schwieriger, er gibt Kurse zu Paarbeziehungen und ist doch selbst nicht in der Lage, eine Beziehung zu führen oder sich darauf einzulassen. Das was er anderen versucht beizubringen, missachtet er für sich selbst. Und genau das ist das Problem, er wirkt immer weniger authentisch, während Marlene sich durchaus öffnen kann und es gerade sehr schätzt, dass das Normale für sie so außergewöhnlich ist.
Subtiler Humor, feine Ironie und eine satirische Note zeichnen das Buch aus, bei manchen Beschreibungen des Kursbetriebes konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Es zeigt aber auch, wie sich Deutschland in den letzten Jahren verändert hat. Was vor 10 Jahren noch zu Auszeichnungen geführt hätte, wird heute durchaus kritisch betrachtet. In einem der letzten Kapitel macht sich die Gleichstellungsbeauftragte ihre Gedanken zu den Bemühungen der letzten Jahre und bedauert, dass die Bemühungen, eine offenere und tolerantere Gesellschaft zu schaffen, eher ins Gegenteil umgeschlagen sind, weil jede Gruppe eifersüchtig ihre eigene Identität verteidigt.
Von den ernsteren Themen abgesehen, ist das Buch unterhaltsam und amüsant und lässt sich leicht lesen und ich empfehle es gerne weiter.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Ein Kunstwerk, wie es die Welt noch nie gesehen hat

Der Schrein der Könige
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Es war mein erstes Buch mit geschichtlichem Hintergrund von Sabine Weiß, bisher kannte ich nur Krimis der Autorin.
Die Geschichte beginnt mit dem Feldzug des deutschen Königs Friedrich Barbarossa gegen ...

Es war mein erstes Buch mit geschichtlichem Hintergrund von Sabine Weiß, bisher kannte ich nur Krimis der Autorin.
Die Geschichte beginnt mit dem Feldzug des deutschen Königs Friedrich Barbarossa gegen die aufmüpfigen Städte Italiens, hier insbesondere Mailand. Der Kölner Bischof Reinald von Dassel, der sich im Gefolge des Königs befindet, entdeckt die Gebeine der Heiligen Drei Könige in einer Kirche außerhalb der Stadt. Als Vertrauter des Königs gelingt es ihm, die Reliquien für Köln zu gewinnen. Hier lernen wir auch bereits Jilles (Ägidius) kennen, einen Waisenjungen, der vom Bistum Köln aufgenommen und ausgebildet wurde. Jilles soll die Bewachung der Gebeine über die Alpen planen und begleiten. Diese Entscheidung Reinald von Dassels war eine wegweisende Entscheidung. Im Mittelalter waren Pilgerfahrten oft der einzige Weg, einmal auch andere Städte oder Gegenden kennenzulernen und so kamen viele Pilger nach Köln und sie waren auch durchaus gewillt, viel Geld in der Stadt zu lassen.
Viele Jahre später, Reinald von Dassel hat bereits das Zeitliche gesegnet, beschließt der neue Bischof Philip von Heinsberg, einen kunstvollen Schrein für die Könige anfertigen zu lassen und schickt Jilles auf die Suche nach einem kunstfertigen Goldschmied. Der findet ihn in Verdun, aber wen er zunächst dort vorfindet, ist ein geschlagener Mann namens Nicolaus, dem das Schicksal zunächst seine Frau und dann auch noch zwei seiner Kinder geraubt hat.
Hier in Verdun beginnt die lebenslange Freundschaft zwischen Jilles und Nicolaus. Dieser lässt sich überzeugen, mit der ganzen Familie nach Köln zu ziehen und die Arbeiten am Schrein zu beginnen.
Diesen Nicolaus von Verdun hat es tatsächlich gegeben, einige sehr kunstvolle Goldschmiedearbeiten in Frankreich, Österreich und Deutschland wurden von seiner Hand geschaffen. Die Geschichte seiner Familie ist allerdings Fiktion und um das Ganze ein wenig spannender zu machen, mussten natürlich auch familiäre Zwistigkeiten mit eingebaut werden.
So erleben wir das schwierige Verhältnis von Nicolaus zu seinem Bruder, seine Probleme mit seinem Sohn Louis, der eher nach dem Onkel schlägt und so gar nicht in die Familie passt. Wir erleben, dass Nicolaus zunächst einmal sehr unwillig von den Kölner Goldschmieden aufgenommen wird, dass das Domkapitel ebenfalls nicht auf seiner Seite steht und dass auch Bischöfe ihre Meinung dauernd ändern können.

Nach Überwindung von Anfangsschwierigkeiten geht es dann endlich ans Werk und Sabine Weiß hat diese Arbeit mit Gold, Silber und Edelmetallen, mit Glas und Edelsteinen sehr anschaulich beschrieben. Ich habe zumindest dabei gelernt, dass Gold ein sehr dankbares Material ist, das man immer wieder, wenn es erforderlich ist, einschmelzen kann und einen Neuanfang wagen kann. Und diese Neuanfänge gab es häufiger, nicht weil die eigene Arbeit schlecht war, sondern weil immer wieder neue Anforderungen geäußert wurden, weil plötzlich ein derzeitiger König zwischen den Heiligen Drei Königen platziert werden wollte oder ein Bischof sich verewigen wollte.

All das ist eingebettet in die Geschichte der Familie, wobei die tatsächliche Historie den zeitlichen Rahmen bildet, aber nicht ständig Erwähnung findet. Zunächst einmal ist es eine reine Familiengeschichte, erst später, schon fast zum Schluss, spielen dann auch die tatsächlichen Ereignisse eine größere Rolle. So wird der Kinderkreuzzug erwähnt, Franz von Assisi hat sich von Rom abgewendet, Otto IV. wird von Philip von Schwaben besiegt, nachdem nur noch Köln zu ihm gehalten hatte. Das ist wie ein Parforceritt durch mehrere Jahrzehnte und diese Ereignisse spielen auch für den Schrein und seine Entstehung keine Rolle mehr, darauf kommen wir erst ganz zum Schluss wieder zurück.

Für mich war das Buch eine im Hochmittelalter angesiedelte Geschichte um ein Kunstwerk und seinen Erschaffer, beim nächsten Besuch im Kölner Dom werde ich mit Sicherheit genauer hinsehen. Die letzten Kapitel, die uns die geschichtlichen Hintergründe der Zeit schildern, fügen sich nicht 100 %ig in die Handlung ein, zumal die Handlung sich dann auch von Köln und dem Schrein entfernt. Erst zum Schluss zur feierlichen Einweihung des Schreines geht es zurück nach Köln. Und das Buch schließt so, wie es angefangen hat: mit Jilles und seiner besonderen Beziehung zu den Gebeinen der Heiligen Drei Könige. Gerade dieser emotionale Schluss hat mir gut gefallen und rundet das Geschehen ab.
Auch wenn die letzten Kapitel so etwas wie eine geschichtliche Zusammenfassung im Eilverfahren waren, so las sich das Buch doch sehr flüssig und ließ den Leser in die Zeit des Hochmittelalters eintauchen.

Es war auch hilfreich, dass Sabine Weiß ganz zum Schluss noch einmal klar Realität und Fiktion getrennt hat und dass sie auch die Geschichte des Schreins in den folgenden Jahrhunderten zusammengefasst hat.



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Veröffentlicht am 04.03.2026

Nackte Tatsachen

Strandgut
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In Bordeaux wird gerade das Urteil gegen den Mörder des Schäfers aus dem letzten Fall von Luc Verlain und seiner Partnerin Anouk verkündet. Mitten hinein in die Urteilsverkündigung platzt der Anruf eines ...

In Bordeaux wird gerade das Urteil gegen den Mörder des Schäfers aus dem letzten Fall von Luc Verlain und seiner Partnerin Anouk verkündet. Mitten hinein in die Urteilsverkündigung platzt der Anruf eines lokalen Polizeibeamten, der von einem neuen Mordfall auf dem Campingplatz Euronat berichtet. Die Anwesenheit von Luc ist dringend erforderlich. Wie gut, dass er Minuten vorher seiner Partnerin aus dem letzten Fall – Rose Schillinger - noch eine Stelle in Bordeaux angeboten hatte, sie kann direkt mit ihrer Arbeit beginnen.
Ich empfand es als schönes Stilmittel, dass ein Fall direkt an den nächsten anschließt, der letzte Oetker-Krimi „WOLFSTAL“ endete mit den gleichen Worten, wie sie auch in diesem Krimi wieder verwendet werden. Er schließt sich nahtlos an.
Die Bürgermeisterin der Gemeinde Grayan hat den Vertrag mit Euronat gekündigt. Euronat ist einer größten Nacktbadestrände Frankreichs und schon in der Nachkriegszeit entstanden. Unter dem Vorwand, der Strand sei ursprünglich für wesentlich weniger Gäste zugelassen gewesen und die Gemeinde leide unter den 15.000 Besuchern im Sommer hat Madame Dujardin mit großem Bahnhof unter Beisein des Staatssekretärs des Verteidigungsministeriums diese Maßnahme verkündet. Sie will alle Hausbesitzer entschädigungslos enteignen.
Zwei Tage später ist der Staatssekretär Guy Martinez tot, ermordet auf dem Gelände von Euronat, liegt er nackt auf einem alten Bunker der Deutschen Wehrmacht. Wie kann es sein, dass jemand, der sich gerade noch für die Schließung des Geländes stark gemacht hat, zwei Tage später genau dort tot aufgefunden wird.
Natürlich sind zunächst einmal die alteingesessenen Pächter des FKK-Dorfes verdächtig, bald ergeben sich aber vollkommen neue Konstellationen.
Wir sind es gewohnt, dass die Ermittlungsmethoden von Luc Verlain und seinen Mitarbeitern schon einmal unorthodox sind, dieses Mal übertrifft er sich allerdings noch selbst. Allein die Vorstellung konnte einem schon mal ein Schmunzeln aufs Gesicht zaubern.
Luc ist zwar nur auf Dienstreise in Paris unterwegs, seine Schilderung der neuen verkehrsfreien Innenstadt an der Seine macht aber richtig Lust auf einen neuerlichen Besuch. Manchmal wahren Krimis, die eher Reiseführer sind, nicht das richtige Maß, hier fand ich die Beschreibungen aber passend und einladend.
Das Cover mit seinem breiten Sandstrand könnte nicht schöner sein, das blaue Meer im Hintergrund übt eine magische Anziehungskraft aus.
Wieder ein Luc Verlain-Krimi, den ich gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

Spannende Unterhaltung vor faszinierendem Hintergrund

Trügerisches La Rochelle
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Bei Arbeiten an einem Windpark auf hoher See ist ein Mann tödlich verunglückt. Sein Tod entpuppt sich schon bald als kaltblütiger Mord, aber an Bord herrscht Schweigen. Der Tote war alles andere als beliebt ...

Bei Arbeiten an einem Windpark auf hoher See ist ein Mann tödlich verunglückt. Sein Tod entpuppt sich schon bald als kaltblütiger Mord, aber an Bord herrscht Schweigen. Der Tote war alles andere als beliebt gewesen. Bis es zu einem weiteren tragischen Todesfall kommt.
Die Arbeiten werden sehr anschaulich beschrieben, trotzdem habe ich mir auf Youtube mal einige Videos solcher Aufbauarbeiten an Windparks auf hoher See angesehen. Man kann sich sonst kaum vorstellen, wie ein Schiff auf Stelzen gestellt wird, um an dem Turm eines Windrades arbeiten zu können und Rotorblätter anzubringen. Allein schon der Schauplatz dieses Mordes ist faszinierend, allerdings wahrscheinlich nicht für die Männer und Frauen, die tagaus, tagein hier ihre Arbeit verrichten müssen und das auch oft bei schlechterem Wetter, als es Chevalier bei seinen Ermittlungen hat.
Alan Poyet war Kontrolleur von Sicherheitsmaßnahmen bei der Arbeit an Windparks. Er war pingelig, nachtragend und in den Augen der Techniker und Monteure kein angenehmer Mensch. Er hatte außerdem genug Einfluss, dafür zu sorgen, dass Arbeiter ihren Job verloren, wenn er sie auf dem Kieker hatte. Ob im Affekt oder geplant, bei seinem Sturz wurde jedenfalls nachgeholfen und Chevalier und seinen Mitarbeitern obliegt nun die Suche nach dem Schuldigen. Der erste Verdächtige kommt kurz danach auf der Flucht vor Chevalier bei einem Sturz ums Leben.
Und dabei bleibt es nicht. Die Ermittler versuchen von der Motivseite die Zahl der Verdächtigen einzugrenzen. Sie sind sich sicher, dass der Schlüssel für die Morde an Bord in einem früheren Unfall zu suchen ist und konzentrieren sich daher auf die Vergangenheit. Da taucht auch so einiges an Ungereimtheiten auf, da gab es schwere Unfälle, Arbeiter kamen zu Tode oder wurden arbeitsunfähig. Und immer wieder versucht die Betreibergesellschaft, die Schuld von sich abzuwälzen, damit sie die lebenslangen Kosten nicht tragen muss.
Wir lernen die harte Seite dieser Arbeit kennen, die Menschen, die die Windräder montieren sind ohne Pause wochenlang an Bord, die Arbeit ist eng getaktet und die Regeln ausgesprochen streng gefasst.
Nachdem auch ein weiterer dringend Tatverdächtiger eines Morgens tot in seiner Kabine gefunden wird und eine nähere Begutachtung des Toten ergibt, dass auch er umgebracht wurde, müssen die Ermittlungen von vorne beginnen.
Es ist schon frustrierend, wenn die Motivsuche zwar immer wieder neue Ansatzpunkte ergibt, sich daraus aber im Endeffekt doch keine Anklage erheben lässt, weil z. B. Alibis hieb- und stichfest sind.
Natürlich werden die Morde schlussendlich geklärt, aber wir erleben den Frust der Beamten hautnah, die hohen Erwartungen der Vorgesetzten, die sich so gerne als erfolgreiche Behörde präsentieren wollen und Druck auf ihre Leute ausüben und wir erleben natürlich auch, dass Ermittler ein Privatleben haben und dass auch die Familie Ansprüche stellt, dass kleinere Unfälle das Privatleben durcheinanderbringen, allerdings auch, dass eine funktionierende und verständnisvolle Beziehung sehr viel Rückhalt geben kann.
Die Suche Chevaliers nach seiner Mutter ist ein Thema, das sich schon durch mehrere seiner Krimis zieht und möglicherweise wird es auch noch einige Bücher brauchen, um Licht ins Dunkel zu bringen. Gespannter bin ich auf die Verbindungen von Chevaliers Vorgesetzten Vignaud in obskure Kreise, da erhoffe ich mir im nächsten Band mehr Aufklärung. Vielleicht wird man ihn dann endlich los.
Für mich war es der dritte Band um Commissaire Chevalier und ich empfand ihn als spannende Unterhaltung vor einem faszinierenden Hintergrund. Ein Windpark-Errichterschiff als Schauplatz von Morden auszuwählen, das hatte etwas Besonderes und brachte dem Leser einen Arbeitsplatz näher, den man sonst nicht kennenlernt.

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