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Veröffentlicht am 05.06.2026

Wortgewandter Krimi vom Lago Maggiore

Arrivederci am Lago Maggiore
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„Arrivederci am Lago Maggiore“ ist der zweite Roman von Alexandra Holenstein um die Lehrerin Tabea Kummer. Sie, ihr Hund Bruno und die Freundin Mimi sowie die Kommissarin Lara Patelli und ihr Team sind ...

„Arrivederci am Lago Maggiore“ ist der zweite Roman von Alexandra Holenstein um die Lehrerin Tabea Kummer. Sie, ihr Hund Bruno und die Freundin Mimi sowie die Kommissarin Lara Patelli und ihr Team sind als wichtige Protagonisten aus dem ersten Band auch im zweiten Band dabei, andere Familienmitglieder schalten sich entweder nur telefonisch zu (ihr Mann Ludwig von seiner Dienstreise in die USA) oder kommen kurzzeitig zu Besuch, spielen also nur eine Nebenrolle.

Tabea wurde während der Sommerferien von ihrem Vermieter gebeten, für einige Wochen in seinem Boutiquehotel in Ascona als Hausdame auszuhelfen, er selbst müsse zum Krankenbett seines sterbenden Bruders nach Italien eilen und ihm beistehen.

Das exklusive Hotel verfügt lediglich über sechs Zimmer und Esmeralda, die Köchin und Zimmerfrau sowie Valentino, der Gärtner und Housekeeper haben die Räumlichkeiten, aber auch die Gäste eigentlich gut im Griff, so dass Tabea sich zunächst eher überflüssig vorkommt.

In diesem Sommer allerdings ist die Gästeschar eine besondere und wie sich später herausstellt, eine arrangierte Auswahl. Zu dem bereits seit vielen Jahren anreisenden Ehepaar Knoll aus Deutschland gesellen sich ein schrilles Influencer-Paar Shirley und Ruben, die gar nicht so wirklich in das biedere Hotel zu passen scheinen, ein verschrobener Adliger mit merkwürdigem Musikgeschmack und noch merkwürdigeren Ansichten, eine junge Architektin mit Burnout sowie ein lesbisches Paar aus der grünen Szene. Dazu ein Sonderling, der ausgestopfte Tiere mit sich führt, wie die Zimmerfrau Esmeralda schnell herausfindet.

Eines Morgens gibt es ein Wiedersehen mit der Kommissarin Lara Patelli. Shirley ist tot in einer Schlucht aufgefunden worden und es sieht ganz nach einem Kapitalverbrechen aus.

So sehr sich die Mannschaft bemüht, mit dem erholsamen Urlaub ist es jetzt erstmal vorbei, die Kommissarin befragt jeden Gast nicht nur einmal und die privaten Planungen müssen sich dem unterordnen. Kurze Zeit später wird auch Ruben im Hotel erschlagen.

Tabea steckt zwar noch der letzte Fall in den Knochen, der ihren Schwiegervater das Leben kostete und auch sie selbst fast zur Strecke gebracht hätte, aber sie kann es nicht lassen, selbst zu ermitteln.

Ihre Erkenntnisse teilt sie der Kommissarin manchmal erst mit Verspätung mit, genauso verfährt Esmeralda. Die beiden mögen sich zunächst nicht, verbünden sich im weiteren Verlauf aber doch und tauschen sich aus.

Alexandra Holenstein ist eine Meisterin der Sprache, es hat sehr viel Spaß gemacht, das Buch zu lesen und sich an den sprachlichen Wendungen und manchmal auch Wort-Neuschöpfungen zu erfreuen. Es sprach sehr viel Wortwitz aus ihren Unterhaltungen und Beschreibungen, der mich oft zum Schmunzeln gebracht hat.

Z.B. gefiel mir im Zusammenhang mit dem eitlen Hotelbesitzer Buonmattino die Frage:

„Sein volles Haar war fast völlig ergraut, oder durfte er es ersilbert nennen?“

Die Beschreibung einer Person oder Handlung wird schon zur Charakterstudie, wenn Tabea, eigentlich eher Kopfmensch, dann aber auch wieder herrlich inkonsequent, anderen die Ohren volljammert und Dinge doch genauso haben will, dass sie etwas zu jammern hat („Ich saß auf meinem Badetuch an Asconas Badestrand und hatte die Absicht, mein Unglück in jedes auch nur ansatzweise verfügbare Ohr zu jammern“), um danach ins Seewasser abzutauchen und sich in Unschuld zu waschen.

Der Ort der Handlung, Ascona und der Lago Maggiore mit seinen angrenzenden weitläufigen Villen am See ist so anschaulich beschrieben, dass man am liebsten die Koffer packen würde.

Mit der Lösung der Mordfälle tat ich mich schwer. Ich habe das Buch mit einigem Abstand ein zweites Mal gelesen, weil ich sicher war, doch einiges überlesen zu haben. Aber der Mörder konnte mir auch beim zweiten Lesen kein wirklich schlüssiges Motiv liefern. Hier weiter in die Tiefe zu gehen, würde spoilern. Die Gästeschar hat mich ansonsten ein wenig an „Mord im Orient-Express“ erinnert, jeder der Gäste stand irgendwie in Verbindung mit der ermordeten Shirley und hatte Grund, ihr böse zu sein.

Trotz meiner Kritik an der Auflösung des Falles habe ich das Lesen genossen und empfehle auch das Buch gerne weiter. Ich freue mich schon auf Band 3.

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Veröffentlicht am 29.04.2026

Serienmörder und Wohnungsräuber

Bube, Dame, König, Stich
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Sophie Hénaff hat endlich ihren vierten Krimi rund um das Kommando Abstellgleis veröffentlicht. Nachdem ich die ersten drei Bände bereits mit Vergnügen gelesen hatte, ist hier nun also der vierte Band.

Immer ...

Sophie Hénaff hat endlich ihren vierten Krimi rund um das Kommando Abstellgleis veröffentlicht. Nachdem ich die ersten drei Bände bereits mit Vergnügen gelesen hatte, ist hier nun also der vierte Band.

Immer noch fristen Anne Capestan und ihre Mannschaft der verlorenen Seelen ihr Dasein in der Rue d’Innocents in Paris. Sie müssen ohne Waffen arbeiten und sind von allen Informationen ihrer Kollegen abgeschnitten und doch erwartet man von ihnen, dass sie ihren Beitrag leisten und wirft ihnen Verschwendung von Steuergeld vor, wenn keine Erfolgsmeldung vom Kommando Abstellgleis zu vermelden ist.

Mit guten Ideen und unkonventionellen Methoden haben sie die Kollegen aber schon oft recht schlecht aussehen lassen und so manchen Cold Case gelöst.

Nun treibt ein Serienmörder auf den Straßen von Paris sein Unwesen und vergiftet seine Opfer mit einem Mittel, das normalerweise von Tierärzten eingesetzt wird. Die Polizei steht unter Druck und so wird auch das Kommando unter Anne Capestan in die Ermittlungen mit einbezogen. Man macht ihnen das vage Versprechen, sie wieder in den normalen Polizeidienst zu übernehmen und insbesondere für Anne Capestan wäre das schon eine wünschenswerte Entwicklung. Andererseits haben sich die 9 aber auch aneinander gewöhnt, sind untereinander befreundet und fühlen sich in ihrem Umfeld wohl. Vor allem Eva wehrt sich mit Händen und Füßen ihre renovierte und hergerichtete Wohnung wieder herzugeben.

Recht schnell wird den 9 Polizisten in ihrer Gruppe klar, dass es sich hier nicht um Needle Spiking handelt, sondern dass der Fall auffällige Ähnlichkeit mit einem Serienmord hat, der in den 90er Jahren Frankreich erschütterte. Manchmal ist es doch gut, auch die alten Kollegen nicht gleich auszusortieren, sondern von ihrem guten Gedächtnis zu profitieren. Und tatsächlich wurde der damals verurteilte Mörder gerade vor ein paar Tagen aus dem Gefängnis entlassen. Sollte er rückfällig geworden sein?

Jedes der Mitglieder des Kommandos bringt besondere Fähigkeiten ein, aber alle arbeiten sie unkonventionell, schnell und effektiv. So gehen sie beispielsweise für DNA-Abgleiche nicht den langen Weg über die Labore der Polizei sondern schicken ihre Proben an die DNA-Datenbank der Ahnenforscher.

Aber allen ist gemeinsam, dass sie ihren Beruf lieben, dass sie – so schräg sie auch sein mögen – gute Ermittler sind und dass das Quai d’Orvièvres an ihnen wirklich findige Kollegen verloren hat.

Im vierten Band gesellt sich zu den Ermittlungen nun noch der Kampf um ihr Kommissariat. Ihre Wohnung soll nämlich verkauft werden und das Kommando stellt sich mit allen verfügbaren Mitteln dagegen.

Sophie Hénaff hat mit „Bube, Dame, König, Stich“ wieder einen spannenden Krimi geschrieben, es macht Spaß, ihn zu lesen und ich erweitere meine Empfehlung auch gerne auf die ersten Bände, die bereits in den Vorjahren erschienen sind. In Frankreich sind die Bücher mit Erfolg verfilmt worden.

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Veröffentlicht am 24.04.2026

Dieser schwarze Humor ist ganz mein Ding

Gärten, Gift und kalte Rache
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Die Autorin Klaudia Blasl entführt uns in ihrem dritten Krimi um Gärten und Gift in das fiktive Dorf Oberdistelbrunn in Österreich. Der neue Bürgermeister hat sich zum Ziel gesetzt, sein Dorf aufblühen ...

Die Autorin Klaudia Blasl entführt uns in ihrem dritten Krimi um Gärten und Gift in das fiktive Dorf Oberdistelbrunn in Österreich. Der neue Bürgermeister hat sich zum Ziel gesetzt, sein Dorf aufblühen zu lassen und dafür 20.000 Blumenzwiebeln unter die Erde eines brachliegenden Grundstückes zu bringen. Natürlich sind auch die fünf Damen wieder dabei, die schon im letzten Krimi zur Aufklärung des Giftmordes maßgeblich beigetragen haben und prompt graben Pauline und Berta das Skelett eines Hundes aus. Wenn sie geahnt hätten, was das für Folgen haben würde…. Aber noch ist alles friedlich. Ein junger Naturschutzexperte – Patrick Pflaume, sehr treffend beschrieben - soll die Bewohner beraten und gerät mit den Dörflern aneinander. Vor allem Emma lässt sich nichts von ihm vorschreiben, ihre Kirschlorbeerhecke ist ihr plötzlich heilig geworden, egal wie giftig sie ist.

Pauline freut sich auf die Rückkehr ihres Mannes Fred aus der Reha nach einem Herzinfarkt. Sie hat sich fest vorgenommen, ihn in Zukunft nur noch gesund zu ernähren und ihn zu sportlichen Unternehmungen zu animieren. Aber schon am Morgen nach seiner Rückkehr liegt ein toter Jäger im Vorgarten ihres Hauses, offenbar vergiftet. Ohne Aufregung geht es also nicht. Und kurze Zeit später wird ein Freund und Saufkumpan des Ermordeten ebenfalls tot über einen Baum hängend aufgefunden. Darüber hinaus scheint sich auch Fred verändert zu haben, er telefoniert noch spät am Abend und verlässt das Haus ohne Angabe von Zielen oder Gründen. Das hat es schon Jahre nicht mehr gegeben. Pauline ist verzweifelt und wähnt ihren Fred auf Freiersfüßen.

Natürlich wird bei einem Doppelmord und den sich noch anschließenden Todesfällen die Polizei eingeschaltet und so kommt der cholerische Hauptkommissar Hartmann erneut zum Einsatz in Oberdistelbrunn. Wie schon beim letzten Fall schießt er sich direkt auf Pauline und ihre Familie ein, damals konnte er sie nicht des Mordes überführen, da wird es doch dieses Mal endlich klappen. Und natürlich verfolgt er auch dieses Mal wieder vollkommen falsche Fährten und blamiert sich bis auf die Knochen.

Klaudia Blasl versteht zum einen sehr viel von Pflanzen und ihren heilsamen oder schädlichen Eigenschaften. Sie ist außerdem eine Meisterin der sehr prägnanten Beschreibung und Charakterisierung von Personen und Orten, schlagfertig und lustig und mit Wortwitz gesegnet. Ihre Gespräche mit Berta, Emma, Bobo und Elsbeth sind ein Schlagabtausch, der aber immer auch von gegenseitiger Wertschätzung und Freundschaft geprägt ist. Berta spielt in diesem Buch als Kummerkasten für Pauline eine wichtige Rolle. Ein weiterer wichtiger Gesprächspartner ist Vincent, der Neffe von Pauline und Sohn ihrer Tochter. Ganz anders als bei Fred liegt ihm nämlich das Herz auf der Zunge, Fred hält nicht viel von Gefühlsäußerungen.

Der Krimi hält die Spannung bis zum Schluss, als Leser zittert man sich durch die letzten Seiten, bis sich dann doch alles klärt und das Motiv für die Morde klar wird. Das Buch hat mir sehr gut gefallen und ich empfehle es gerne weiter.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Das Leben lernen

Einatmen. Ausatmen.
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Das Buch von Maxim Leo verfügt über ein sehr schönes, ansprechendes florales Titelbild und der Titel ist kursiv geschrieben, nach links kursiv für das Einatmen, nach rechts für das Ausatmen. Gute Idee!
Marlene ...

Das Buch von Maxim Leo verfügt über ein sehr schönes, ansprechendes florales Titelbild und der Titel ist kursiv geschrieben, nach links kursiv für das Einatmen, nach rechts für das Ausatmen. Gute Idee!
Marlene Buchholz ist eine erfolgreiche und toughe Managerin, die zwar wunderbar die Ziele ihrer Firma erfüllt, bei ihren Kollegen aber als unnahbar, kalt und gefühllos gilt. Damit sie die letzte Stufe auf der Hierarchieleiter erklimmen kann, nämlich selbst Geschäftsführerin zu werden, bittet der scheidende GF sie zu einem Achtsamkeitsseminar in einem Schloss in Brandenburg.
Ein zweiwöchiges Coaching in Alex Grows Academy soll ihr die nötige Rücksichtnahme auf die Kollegen beibringen und sie zu einem einfühlsameren Menschen machen, nur leider steht die Academy kurz vor dem Bankrott. Alex Grow hat also genügend eigene Probleme, die er aber versucht zu verheimlichen, weder die Konkurrenz noch die Mitarbeiter sollen davon erfahren. Alex passiert genau das, weswegen viele seiner Klienten und Patienten ihn aufsuchen, er entwickelt Depressionen und Panikattacken.
Marlene hatte sich noch nie für etwas anderes als ihren Job interessiert, ihre Wohnung kennt sie kaum, Hobbies hat sie keine und Urlaub ist auch ein Fremdwort für sie. Diese zwei Wochen Achtsamkeitstraining sieht sie deshalb als Strafe und Umerziehungslager und versucht, von Anfang an, sich dem so oft wie möglich zu entziehen.
Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass sie das Leben erst lernen muss und glücklicherweise ist sie zumindest für einige Dinge in Brandenburg auch offen. Sie bricht zu Spaziergängen auf, lernt den Hausmeister des Schlosses kennen, verirrt sich bei einem Spaziergang und lässt sich sogar zu einer Aufstellung im Schloss überzeugen. Ihre Wandlung geht eigentlich recht flott vonstatten, allerdings nicht mit Atemübungen oder Yoga, sondern eher, weil sie erstmals mit offenen Augen für ihre Umwelt unterwegs ist.
Bei Alex ist die Lage schon schwieriger, er gibt Kurse zu Paarbeziehungen und ist doch selbst nicht in der Lage, eine Beziehung zu führen oder sich darauf einzulassen. Das was er anderen versucht beizubringen, missachtet er für sich selbst. Und genau das ist das Problem, er wirkt immer weniger authentisch, während Marlene sich durchaus öffnen kann und es gerade sehr schätzt, dass das Normale für sie so außergewöhnlich ist.
Subtiler Humor, feine Ironie und eine satirische Note zeichnen das Buch aus, bei manchen Beschreibungen des Kursbetriebes konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Es zeigt aber auch, wie sich Deutschland in den letzten Jahren verändert hat. Was vor 10 Jahren noch zu Auszeichnungen geführt hätte, wird heute durchaus kritisch betrachtet. In einem der letzten Kapitel macht sich die Gleichstellungsbeauftragte ihre Gedanken zu den Bemühungen der letzten Jahre und bedauert, dass die Bemühungen, eine offenere und tolerantere Gesellschaft zu schaffen, eher ins Gegenteil umgeschlagen sind, weil jede Gruppe eifersüchtig ihre eigene Identität verteidigt.
Von den ernsteren Themen abgesehen, ist das Buch unterhaltsam und amüsant und lässt sich leicht lesen und ich empfehle es gerne weiter.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Ein Kunstwerk, wie es die Welt noch nie gesehen hat

Der Schrein der Könige
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Es war mein erstes Buch mit geschichtlichem Hintergrund von Sabine Weiß, bisher kannte ich nur Krimis der Autorin.
Die Geschichte beginnt mit dem Feldzug des deutschen Königs Friedrich Barbarossa gegen ...

Es war mein erstes Buch mit geschichtlichem Hintergrund von Sabine Weiß, bisher kannte ich nur Krimis der Autorin.
Die Geschichte beginnt mit dem Feldzug des deutschen Königs Friedrich Barbarossa gegen die aufmüpfigen Städte Italiens, hier insbesondere Mailand. Der Kölner Bischof Reinald von Dassel, der sich im Gefolge des Königs befindet, entdeckt die Gebeine der Heiligen Drei Könige in einer Kirche außerhalb der Stadt. Als Vertrauter des Königs gelingt es ihm, die Reliquien für Köln zu gewinnen. Hier lernen wir auch bereits Jilles (Ägidius) kennen, einen Waisenjungen, der vom Bistum Köln aufgenommen und ausgebildet wurde. Jilles soll die Bewachung der Gebeine über die Alpen planen und begleiten. Diese Entscheidung Reinald von Dassels war eine wegweisende Entscheidung. Im Mittelalter waren Pilgerfahrten oft der einzige Weg, einmal auch andere Städte oder Gegenden kennenzulernen und so kamen viele Pilger nach Köln und sie waren auch durchaus gewillt, viel Geld in der Stadt zu lassen.
Viele Jahre später, Reinald von Dassel hat bereits das Zeitliche gesegnet, beschließt der neue Bischof Philip von Heinsberg, einen kunstvollen Schrein für die Könige anfertigen zu lassen und schickt Jilles auf die Suche nach einem kunstfertigen Goldschmied. Der findet ihn in Verdun, aber wen er zunächst dort vorfindet, ist ein geschlagener Mann namens Nicolaus, dem das Schicksal zunächst seine Frau und dann auch noch zwei seiner Kinder geraubt hat.
Hier in Verdun beginnt die lebenslange Freundschaft zwischen Jilles und Nicolaus. Dieser lässt sich überzeugen, mit der ganzen Familie nach Köln zu ziehen und die Arbeiten am Schrein zu beginnen.
Diesen Nicolaus von Verdun hat es tatsächlich gegeben, einige sehr kunstvolle Goldschmiedearbeiten in Frankreich, Österreich und Deutschland wurden von seiner Hand geschaffen. Die Geschichte seiner Familie ist allerdings Fiktion und um das Ganze ein wenig spannender zu machen, mussten natürlich auch familiäre Zwistigkeiten mit eingebaut werden.
So erleben wir das schwierige Verhältnis von Nicolaus zu seinem Bruder, seine Probleme mit seinem Sohn Louis, der eher nach dem Onkel schlägt und so gar nicht in die Familie passt. Wir erleben, dass Nicolaus zunächst einmal sehr unwillig von den Kölner Goldschmieden aufgenommen wird, dass das Domkapitel ebenfalls nicht auf seiner Seite steht und dass auch Bischöfe ihre Meinung dauernd ändern können.

Nach Überwindung von Anfangsschwierigkeiten geht es dann endlich ans Werk und Sabine Weiß hat diese Arbeit mit Gold, Silber und Edelmetallen, mit Glas und Edelsteinen sehr anschaulich beschrieben. Ich habe zumindest dabei gelernt, dass Gold ein sehr dankbares Material ist, das man immer wieder, wenn es erforderlich ist, einschmelzen kann und einen Neuanfang wagen kann. Und diese Neuanfänge gab es häufiger, nicht weil die eigene Arbeit schlecht war, sondern weil immer wieder neue Anforderungen geäußert wurden, weil plötzlich ein derzeitiger König zwischen den Heiligen Drei Königen platziert werden wollte oder ein Bischof sich verewigen wollte.

All das ist eingebettet in die Geschichte der Familie, wobei die tatsächliche Historie den zeitlichen Rahmen bildet, aber nicht ständig Erwähnung findet. Zunächst einmal ist es eine reine Familiengeschichte, erst später, schon fast zum Schluss, spielen dann auch die tatsächlichen Ereignisse eine größere Rolle. So wird der Kinderkreuzzug erwähnt, Franz von Assisi hat sich von Rom abgewendet, Otto IV. wird von Philip von Schwaben besiegt, nachdem nur noch Köln zu ihm gehalten hatte. Das ist wie ein Parforceritt durch mehrere Jahrzehnte und diese Ereignisse spielen auch für den Schrein und seine Entstehung keine Rolle mehr, darauf kommen wir erst ganz zum Schluss wieder zurück.

Für mich war das Buch eine im Hochmittelalter angesiedelte Geschichte um ein Kunstwerk und seinen Erschaffer, beim nächsten Besuch im Kölner Dom werde ich mit Sicherheit genauer hinsehen. Die letzten Kapitel, die uns die geschichtlichen Hintergründe der Zeit schildern, fügen sich nicht 100 %ig in die Handlung ein, zumal die Handlung sich dann auch von Köln und dem Schrein entfernt. Erst zum Schluss zur feierlichen Einweihung des Schreines geht es zurück nach Köln. Und das Buch schließt so, wie es angefangen hat: mit Jilles und seiner besonderen Beziehung zu den Gebeinen der Heiligen Drei Könige. Gerade dieser emotionale Schluss hat mir gut gefallen und rundet das Geschehen ab.
Auch wenn die letzten Kapitel so etwas wie eine geschichtliche Zusammenfassung im Eilverfahren waren, so las sich das Buch doch sehr flüssig und ließ den Leser in die Zeit des Hochmittelalters eintauchen.

Es war auch hilfreich, dass Sabine Weiß ganz zum Schluss noch einmal klar Realität und Fiktion getrennt hat und dass sie auch die Geschichte des Schreins in den folgenden Jahrhunderten zusammengefasst hat.



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