✎ Thorsten Nesch - Die Kreuzfahrt mit der Asche meines verdammten Vaters
Die Kreuzfahrt mit der Asche meines verdammten VatersDer Titel „Die Kreuzfahrt mit der Asche meines verdammten Vaters“ von Thorsten Nesch hat mich zunächst eher abgeschreckt. Zu sperrig und wenig greifbar, nichts, was mich spontan angesprochen hätte. Erst ...
Der Titel „Die Kreuzfahrt mit der Asche meines verdammten Vaters“ von Thorsten Nesch hat mich zunächst eher abgeschreckt. Zu sperrig und wenig greifbar, nichts, was mich spontan angesprochen hätte. Erst der Klappentext hat mein Interesse geweckt, vor allem wegen des Settings rund um Italien und eine Kreuzfahrt - beides Themen, zu denen ich sofort einen Zugang hatte.
Der Einstieg ins Buch fiel mir leicht. Der Stil ist klar und gut lesbar und deutlich auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten. Gerade Lesende ab etwa zwölf Jahren dürften sich schnell abgeholt fühlen. Durch die Ich-Perspektive von Jörn entsteht eine unmittelbare Nähe, die es einfach macht, seine Gedanken nachzuvollziehen und sich in seine Lage hineinzuversetzen.
Nicht durchgehend überzeugend waren für mich jedoch einige Zuspitzungen in der Handlung. Einige Szenen wirken überzogen, fast schon konstruiert, sodass ich innerlich ausgestiegen bin. Stellenweise kippt die Handlung ins Absurde und verliert dadurch an Glaubwürdigkeit.
In diesem Zusammenhang bin ich auch über eine konkrete Szene gestolpert, die mich irritiert hat und bei der ich mich gefragt habe, wie genau der Autor recherchiert hat . oder ob er selbst vor Ort war. An einer Stelle stellen die Jugendlichen ihre Flaschen bewusst neben einen Mülleimer, damit „jemand, der es nötig hat, das Pfand einstreichen“ kann. Das mag in Deutschland funktionieren, passt aber nicht zu Italien. Ein Pfandsystem, wie Deutschland es kennt, existiert in Italien schon sehr lange nicht mehr, insbesondere nicht für Plastikflaschen. Solche Details reißen mich beim Lesen aus der Geschichte, weil sie nicht zum dargestellten Umfeld passen.
Die Figuren sind differenzierter angelegt, als es zunächst scheint. Was anfangs wie bekannte Muster wirkt, gewinnt im Verlauf an Tiefe. Diese Entwicklung sorgt dafür, dass die Charaktere nicht in einfachen Rollenbildern verharren.
Besonders gelungen ist die Beziehung zwischen Jörn und Elizabeth. Ihre unterschiedlichen Hintergründe erzeugen eine Dynamik, die sich authentisch anfühlt. Ihre Interaktionen wirken nicht konstruiert, sondern lebendig und nachvollziehbar.
Ein Punkt, der mich beim Lesen beschäftigt hat, war Jörns Alter in Verbindung mit der Alleinreise auf einem Kreuzfahrtschiff. Das wirkte zunächst wenig plausibel. Mit dem Hintergrund, dass solche Reisen für 16- und 17-Jährige früher teilweise möglich waren, lässt sich dieser Aspekt einordnen, bleibt aber aus heutiger Sicht leicht irritierend.
Am wenigsten überzeugt hat mich der Schluss. Die Geschichte endet sehr plötzlich, ohne zentrale Entwicklungen wirklich auszuführen. Viele Themen werden angerissen, entwickeln sich aber nicht zu Ende. Für mich nimmt das dem Buch rückblickend einiges an Wirkung, weil ich das Gefühl hatte, dass Potenzial verschenkt wurde.
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