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Veröffentlicht am 02.03.2026

✎ Maja Ilisch - Die verborgenen Bilder

Die verborgenen Bilder
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Als ich den Klappentext zu „Die verborgenen Bilder“ von Maja Ilisch gelesen habe, war meine Erwartung klar: eine bewegende Geschichte, die jungen Lesenden die NS-Zeit auf besondere, vielleicht sogar behutsam ...

Als ich den Klappentext zu „Die verborgenen Bilder“ von Maja Ilisch gelesen habe, war meine Erwartung klar: eine bewegende Geschichte, die jungen Lesenden die NS-Zeit auf besondere, vielleicht sogar behutsam fantastische Weise näherbringt. Dass der Roman in den späten 1920er Jahren einsetzt, hat mich zwar stutzen lassen, aber genau das hat meine Neugier geweckt. Ich wollte wissen, wie dieses Setting später mit der angekündigten historischen Dimension verknüpft wird.

Der Einstieg ist ausführlich, beinahe ausufernd. Zunächst begleiten wir Frieke durch ihren Alltag, lernen ihre Familie und die Spannungen zu Hause sehr genau kennen. Diese intensive Fokussierung auf das familiäre Gefüge hat bei mir früh die Sorge ausgelöst, dass die angekündigte Zeitreise eher ein erzählerisches Beiwerk bleiben könnte. Genau dieses Gefühl hat sich im weiteren Verlauf bestätigt. Das fantastische Element, das laut Beschreibung eine tragende Rolle spielen sollte, bleibt deutlich hinter der Gegenwartshandlung zurück. Stattdessen dominiert die Gegenwart mit langen Passagen, die vieles erklären, ausdehnen und mehrfach absichern. Die historischen Abschnitte dagegen, die für mich das eigentliche Herzstück hätten sein können, bleiben vergleichsweise knapp und bleiben in ihrer Einordnung zurückhaltend.

Gerade beim Zeitreiseaspekt hätte ich mir mehr Konsequenz gewünscht. Die Regeln wirken nicht durchgängig klar definiert, Möglichkeiten verändern sich situativ, ohne dass ihre Logik ausreichend erklärt wird. Was einmal unmöglich scheint, funktioniert später doch. Diese Flexibilität mag erzählerisch praktisch sein, schwächt jedoch die innere Stringenz. Für ein Publikum ab etwa zehn Jahren halte ich das für eine verpasste Chance. Kinder in diesem Alter sind durchaus in der Lage, komplexe Zusammenhänge zu erfassen, wenn man sie ernst nimmt.

Auch die historische Ebene bleibt hinter ihrem Potenzial zurück. Die Gewichtung zwischen Gegenwart und Vergangenheit wirkt unausgewogen, zentrale Hintergründe werden eher angerissen als fundiert erläutert. Gerade bei einem Thema wie der Zeit vor dem Nationalsozialismus hätte ich mir mehr Kontext gewünscht, um Entwicklungen nachvollziehbar zu machen und Fragen nicht offen im Raum stehen zu lassen.

Hinzu kommt, dass mehrere inhaltliche Fäden nicht wirklich zusammengeführt werden. Ohne ins Detail zu gehen, weil es zentrale Wendungen vorwegnehmen würde, bleiben Fragen offen, die für das Gesamtverständnis relevant sind. Es entsteht der Eindruck, als seien bestimmte Aspekte gekürzt oder bewusst knappgehalten worden. Ob das eine redaktionelle Entscheidung war oder eine bewusste Schwerpunktsetzung von Maja Ilisch, lässt sich von außen nicht beurteilen - spürbar ist jedoch, dass erzählerisches Potenzial ungenutzt bleibt.

Auch die familiäre Entwicklung hätte für mich einen stärkeren emotionalen Bogen vertragen. Friekes Vater verliebt sich neu und sie muss diese Veränderung akzeptieren. Dieser Konflikt trägt viel Sprengkraft in sich, wird jedoch relativ nüchtern abgehandelt. Die Auseinandersetzung innerhalb der Familie bleibt oberflächlich, obwohl hier Raum für echte Reibung, für Unsicherheit, vielleicht sogar für Wachstum gewesen wäre.

Unterm Strich sehe ich „Die verborgenen Bilder“ als möglichen Einstieg in die Thematik für Kinder ab etwa zehn Jahren, die bislang wenig Berührungspunkte mit dieser Epoche hatten. Als erste Annäherung kann der Roman funktionieren, weil er Hemmschwellen abbaut und historische Ereignisse in eine persönliche Geschichte einbettet. Gleichzeitig bleiben viele Hintergründe unerklärt, Zusammenhänge werden vorausgesetzt, die aus Erwachsenensicht selbstverständlich erscheinen mögen, aus Kindersicht jedoch erklärungsbedürftig sind. Zurück bleibt bei mir weniger das Gefühl einer geschlossenen Erzählung als vielmehr eine Reihe offener Gedanken - und die Frage, wie viel stärker dieses Buch hätte sein können, wenn es seinen eigenen Anspruch konsequenter verfolgt hätte.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 27.02.2026

✎ Matt de la Peña - Under Water

Under Water
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Als ich zum ersten Mal „Under Water“ von Matt de la Peña in den Händen hielt, haben mich Klappentext und Cover in die Irre geführt. Ich rechnete mit einem harten Thriller für Erwachsene. Erst beim Lesen ...

Als ich zum ersten Mal „Under Water“ von Matt de la Peña in den Händen hielt, haben mich Klappentext und Cover in die Irre geführt. Ich rechnete mit einem harten Thriller für Erwachsene. Erst beim Lesen wurde deutlich, dass der Fokus auf dem 16-jährigen Shy liegt - auf seiner Verliebtheit, seinen familiären Konflikten und seiner persönlichen Entwicklung. Damit ist der Roman klar als Jugendthriller einzuordnen, geeignet für Lesende ab etwa 14 Jahren.

Sprachlich hat mich das Buch sofort überzeugt. Der Stil ist direkt, rhythmisch und entwickelt eine enorme Dynamik. Die Szenen wirken lebendig, fast wie Kamerafahrten. Ich bin förmlich durch die Seiten geflogen. Umso deutlicher fiel für mich der Kontrast zur Handlung aus, die mit dieser erzählerischen Stärke nicht Schritt halten konnte.

Ausgangspunkt ist ein schweres Erdbeben vor der Küste Kaliforniens, das einen gewaltigen Tsunami auslöst und ein Schiff nahezu vollständig zerstört. Dieses Katastrophenszenario bildet die Bühne für Shys Überlebenskampf. Dass es nach einer solchen Verwüstung überhaupt Gerettete gibt, wirkt bereits konstruiert. Im weiteren Verlauf steigert sich dieser Eindruck: Shy wird mehrfach bewusstlos, prallt gegen Trümmer, kämpft sich dennoch immer wieder zurück ins Geschehen. Auf einem notdürftigen Floß trotzt er gemeinsam mit einer weiteren Figur meterhohen Wellen. Die permanente Eskalation der Gefahren nimmt der Geschichte an Glaubwürdigkeit. Die Inszenierung erinnert weniger an einen psychologisch dichten Thriller als an einen auf Effekt getrimmten Actionfilm.

Gerade dadurch gerät ein eigentlich spannender Aspekt ins Hintertreffen: die sogenannte Romero-Krankheit. Diese fiktive Erkrankung wird zunächst nur angedeutet und weckt Neugier, weil sie sich nicht außerhalb des Romans einordnen lässt. Die Informationshäppchen, die nach und nach preisgegeben werden, sind durchaus interessant. Doch zwischen Naturkatastrophe, Liebesgeschichte und gesellschaftlichen Konflikten verliert dieses Motiv an Gewicht. Statt als zentrales Element ausgearbeitet zu werden, bleibt es Beiwerk. Eine stärkere Fokussierung auf dieses Thema hätte dem Roman mehr inhaltliche Tiefe und Profil verliehen.

Bei der Recherche stieß ich darauf, dass im englischsprachigen Raum eine Fortsetzung existiert, die nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Das erklärt möglicherweise, warum manche Handlungsstränge offen oder nur angerissen wirken. Zudem findet sich auf der Website des dtv kein Hinweis mehr auf diesen Titel, dass er aus dem Programm verschwunden ist.

Trotz meiner deutlichen Kritik an der Konstruktion bleibt mein Eindruck vom erzählerischen Können des Autors positiv. Matt de la Peña versteht es, Tempo zu erzeugen und jugendliche Perspektiven authentisch darzustellen. Wer eine temporeiche, spektakuläre Überlebensgeschichte sucht, wird hier vermutlich gut unterhalten. Für mich überwog jedoch das Gefühl, dass visuelle Effekte über inhaltlicher Substanz standen.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 19.02.2026

✎ Alfred Wellm - Das Mädchen Heika

Das Mädchen Heika
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Ich weiß nicht mehr genau, wie „Das Mädchen Heika“ von Alfred Wellm bei uns gelandet ist, aber es wird unsere Bücherwand so schnell nicht verlassen. Das Buch passt bei uns gerade perfekt zur Lebensrealität: ...

Ich weiß nicht mehr genau, wie „Das Mädchen Heika“ von Alfred Wellm bei uns gelandet ist, aber es wird unsere Bücherwand so schnell nicht verlassen. Das Buch passt bei uns gerade perfekt zur Lebensrealität: mein Kind ist, wie Heika, in der zweiten Klasse und die Geschichte greift genau die Themen auf, die im Alltag präsent sind - Lernen, Ausdauer und das Gefühl, gut genug zu sein.

Heika ist kein Überflieger, sie ist nicht die Beste in der Klasse und sie stolpert immer wieder über Aufgaben, die anderen scheinbar mühelos gelingen. Zu Beginn war ich skeptisch, ob der Autor Kindern ein realistisches Bild vom Lernen vermittelt oder eine verklärte Botschaft transportiert.

Doch die Auflösung der Geschichte hat mich überrascht. Es gibt kein magisches Pulver und kein übernatürliches Heilmittel, das Heika auf einmal zur Besten macht. Entscheidend sind Übung, Mut und der Blick für andere. Kinder erfahren, dass Fähigkeiten durch Ausdauer wachsen und dass sie - wenn sie erst einmal etwas gut können - anderen helfen können, das Gleiche zu lernen. Die Erzählung wirkt dabei ruhig und direkt, ohne aufdringliche Belehrung. Gerade diese Bodenständigkeit hat meinen eigenen Zweifel aufgehoben.

Die Illustrationen sind einfach und etwas antiquiert, was aber einen interessanten Gesprächsanlass über Stil, Zeitgeist und die Rolle von Bildern in Kinderbüchern bietet. Sie ergänzen die Fantasie der jungen Lesenden, anstatt sie zu ersetzen.

Für mich bleibt „Das Mädchen Heika“ ein Buch mit einer klaren, menschlichen Botschaft und einer Umsetzung, die genau das aussagt, was ich auch meinem eigenen Kind vermitteln möchte: Lernen ist kein Zauber, sondern ein Weg. Und manchmal hilft es am meisten, gemeinsam kleine Schritte zu gehen.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 19.02.2026

✎ Monika Feth - Die blauen und die grauen Tage

Die blauen und die grauen Tage
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Als ich „Die blauen und die grauen Tage“ zum ersten Mal in der Hand hielt und den Klappentext las, war mir sofort klar, dass ich dieses Buch lesen musste. Und doch zögerte ich. Das Thema traf einen wunden ...

Als ich „Die blauen und die grauen Tage“ zum ersten Mal in der Hand hielt und den Klappentext las, war mir sofort klar, dass ich dieses Buch lesen musste. Und doch zögerte ich. Das Thema traf einen wunden Punkt. Ein Kinderroman über Demenz liest sich anders, wenn man den geistigen Abbau eines geliebten Menschen selbst erlebt hat.

Meine Oma starb vor zwei Jahren an den Folgen eines schweren Schlaganfalls. Zuvor hatte sie bereits einen Herzinfarkt und einen Hirninfarkt überstanden. Wir bemerkten lange vorher, dass etwas nicht stimmte. Trotzdem lebte sie allein in ihrem Haus - aus eigener Überzeugung. Ich hätte sie gern zu mir geholt, doch wir wohnen im Ausland und sie wollte ihre vertraute Umgebung nicht verlassen. Alte Wurzeln verpflanzt man nicht einfach. Der letzte Schlaganfall traf sie dann mit voller Wucht; man fand sie erst einen Tag später. Auf dem MRT wurde sichtbar, dass es schon zuvor zahlreiche kleine Gefäßschädigungen gegeben haben musste - vermutlich der Grund für die schleichenden Ausfälle.

In Monika Feths Kinderroman leidet die Großmutter an Zerebralsklerose, einer Durchblutungsstörung des Gehirns, die kognitive Einschränkungen verursachen kann. Beim Lesen begann ich zu recherchieren und stieß unter anderem auf medizinische Erläuterungen zur vaskulären Demenz. Vieles davon deckte sich mit dem, was ich erlebt hatte. Auch meine Oma hätte konsequent betreut und medikamentös begleitet werden müssen. Doch Medikamente regelmäßig einzunehmen, überforderte sie. Selbst vorbereitete Tablettenpläne halfen kaum. Ein ambulanter Dienst wurde eingeschaltet, erfüllte seine Aufgabe jedoch nicht mit der nötigen Sorgfalt - eine Erfahrung, die ich bis heute schwer akzeptieren kann.

Die Geschichte wird aus der Perspektive der Enkelin Evi erzählt. Dadurch entsteht eine unmittelbare Nähe. Man erlebt Unsicherheit, Hoffnung, Loyalität und Überforderung durch die Augen eines Kindes, welches begreift, dass etwas Grundlegendes aus dem Gleichgewicht gerät. Feth zeigt, wie sich Rollen innerhalb einer Familie verschieben und Verantwortung plötzlich dort landet, wo eigentlich Schutz sein sollte. Diese erzählerische Entscheidung macht das Buch für junge Lesende zugänglich und nachvollziehbar.

Es gibt eine Szene, in der Evi aus einer spontanen Emotion heraus handelt und sich sowie ihre Großmutter in Gefahr bringt. Diese Passage ließ mich angespannt zurück. Ich konnte die Motivation verstehen, aber die Konsequenzen wirkten zu riskant. Vielleicht wollte die Autorin hier die Verzweiflung greifbar machen, vielleicht auch die Hilflosigkeit eines Kindes angesichts einer Krankheit, die sich rational kaum fassen lässt.

Die Autorin nähert sich dem Thema sensibel und altersgerecht. Gerade dadurch bleiben manche Entwicklungen vereinfacht. Auf knapp 250 Seiten lässt sich die Komplexität einer neurodegenerativen Erkrankung nur begrenzt darstellen. Dennoch hätte ich mir mehr Ambivalenz gewünscht - mehr Zwischentöne, mehr Momente, in denen nicht nur Erinnerungslücken, sondern auch Identitätsverlust und Kontrollverlust sichtbar werden.

Der Schluss spendete mir persönlich Trost. Ein Gedanke daran, wie es hätte in meiner Familie laufen können, wenn man früher reagiert hätte, wenn jemand schneller hingesehen hätte. Auch wenn ich weiß, dass meine Großmutter eine solche Einmischung höchst wahrscheinlich niemals akzeptiert hätte.

Trotz meiner Kritik halte ich „Die blauen und die grauen Tage“ für einen wichtigen Kinderroman zum Thema Demenz und Zerebralsklerose. Er schafft Bewusstsein für eine Erkrankung, die Familien nachhaltig verändert, ohne junge Leserinnen und Leser zu überfordern.

Dass das Buch bereits 1996 erschienen ist, erklärt manche Vereinfachung. Der medizinische Wissensstand über vaskuläre Demenz und damit verbundene Prozesse war damals weniger differenziert als heute. Und dennoch bleibt die Geschichte berührend, weil sie einen Kern trifft, der zeitlos ist: die Angst, einen geliebten Menschen Stück für Stück zu verlieren, während er körperlich noch da ist.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 09.02.2026

✎ Alina Bronsky - Und du kommst auch drin vor

Und du kommst auch drin vor
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In „Und du kommst auch drin vor“ von Alina Bronsky begleiten wir Kim, eine Ich-Erzählerin, die fest davon überzeugt ist, dass jemand ein Buch über ihr Leben geschrieben hat - mit dem unausweichlichen Ergebnis, ...

In „Und du kommst auch drin vor“ von Alina Bronsky begleiten wir Kim, eine Ich-Erzählerin, die fest davon überzeugt ist, dass jemand ein Buch über ihr Leben geschrieben hat - mit dem unausweichlichen Ergebnis, dass am Ende jemand sterben muss. Diese Grundidee klang für mich zunächst vielversprechend. Der Klappentext versprach eine »schräge, witzige und hintergründige Geschichte direkt aus dem Teenageralltag«. Genau mit dieser Erwartung bin ich an das Buch herangegangen. Was mich dann tatsächlich erwartet hat, war etwas völlig anderes.

Kim ist 15 Jahre alt, das Buch wird vom Verlag für Lesende ab etwa zwölf Jahren empfohlen. Dennoch fühlte sich weder ihre Sprache noch ihr Verhalten authentisch jugendlich an. Der Stil ist extrem einfach, teilweise fast schon banal, und die permanenten Wiederholungen ihrer Gedanken und Beobachtungen wirken nicht stilistisch gewollt, sondern schlicht ermüdend. Statt Nähe zur Figur aufzubauen, hat mich diese Ich-Erzählerin zunehmend auf Distanz gehalten. Ihre starke Ich-Bezogenheit mag realistisch gemeint sein, wurde für mich aber zur Belastung beim Lesen.

Der im Klappentext angekündigte Humor blieb für mich komplett unsichtbar. Ich habe kein einziges Mal gelacht. Was als schräg oder witzig verkauft wird, wirkte auf mich bemüht oder schlicht leer.

Auch die übrigen Figuren bleiben auffallend blass. Dabei wäre gerade im familiären und schulischen Umfeld viel Potenzial vorhanden gewesen. Statt Entwicklung gibt es Momentaufnahmen ohne Konsequenz. Die Charaktere bleiben Skizzen, keine Menschen, und genau so fühlen sich auch ihre Beziehungen an.

Am stärksten geärgert hat mich die Auflösung rund um den angekündigten Tod. Als klar wurde, worauf es hinausläuft, war ich nicht bewegt, sondern wütend. Die Parallelen zu einem sehr bekannten, zutiefst traurigen Film sind kaum zu übersehen. Statt dieser Thematik mit Ernst oder Sensibilität zu begegnen, wird sie in meinen Augen ins Lächerliche gezogen. Was emotional hätte treffen können, wirkte am Ende billig und respektlos gegenüber der eigenen Idee.

Die Handlung selbst empfand ich - ebenso wie die Figuren - größtenteils als unglaubhaft. Viele Entscheidungen erscheinen konstruiert, Konflikte entstehen und lösen sich ohne innere Logik. Der Plot trägt seine Themen nicht, sondern streift sie nur. Tiefe entsteht weder durch Sprache noch durch Handlung.

Unterm Strich hat mir dieses Buch nichts gegeben. Keine neuen Gedanken, keine emotionale Resonanz, keinen nachhaltigen Eindruck. Ich habe lange überlegt, wem ich „Und du kommst auch drin vor“ empfehlen könnte, und bin zu keinem Ergebnis gekommen. Für mich bleibt es eine vertane Chance mit einer interessanten Idee, die weder sprachlich noch inhaltlich ausgeschöpft wurde.

©2026 Mademoiselle Cake