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Veröffentlicht am 17.03.2026

✎ Nicola Anker - Die Bibliothek der unendlichen Abenteuer 1 Das gestohlene Drachenei

Die Bibliothek der unendlichen Abenteuer (Band 1) - Das gestohlene Drachenei
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Ich bin, ehrlich gesagt, mit ganz anderen Erwartungen an „Die Bibliothek der unendlichen Abenteuer 1 Das gestohlene Drachenei“ von Nicola Anker herangegangen. In meinem Kopf war das ein Entscheidungsbuch, ...

Ich bin, ehrlich gesagt, mit ganz anderen Erwartungen an „Die Bibliothek der unendlichen Abenteuer 1 Das gestohlene Drachenei“ von Nicola Anker herangegangen. In meinem Kopf war das ein Entscheidungsbuch, bei dem man durch eigene Wahl den Verlauf bestimmt. Tatsächlich handelt es sich um ein interaktives Mitmachbuch, bei dem die Geschichte vorgegeben ist und die Beteiligung auf andere Weise funktioniert. Dieses Konzept kannte ich bisher nur für die Allerkleinsten.

Die ersten Seiten waren für uns ein Dämpfer. Der Textanteil ist stellenweise hoch, ganze Doppelseiten bestehen aus Fließtext. Für ein Kind, das beim Lesen schnell abschweift, wird das zur Hürde. Ich habe dann auch gemerkt, wie die Motivation kurz ins Wanken geriet, weil genau diese Leichtigkeit fehlte, die ich mir erhofft hatte.

Im weiteren Verlauf verändert sich die Dynamik spürbar. Die Handlung gewinnt an Tempo, Dialoge strukturieren den Text und lockern die Seiten auf. Gleichzeitig wird das Kind stärker einbezogen. Dieser Wechsel macht einen enormen Unterschied. Ab da entsteht dieses Gefühl, wirklich Teil der Geschichte zu sein, nicht nur passive Mitlesende. Der Unterschied liegt weniger im Umfang des Textes als in seiner Aufbereitung.

Die Figuren werden klar geführt. Statt Sprechblasen, kommen kleine Porträts zum Einsatz, die anzeigen, wer spricht. Das sorgt für Orientierung und verhindert visuelle Überladung, gerade für ungeübte Lesende.

Auch inhaltlich trägt die Geschichte. Die Charaktere selbst bringen genau die richtige Portion Eigenwilligkeit mit. Es gibt Humor, kleine sprachliche Spitzen und genug Charme, um dranzubleiben. Die Figuren wirkten auf uns originell. Besonders die direkte Ansprache funktioniert erstaunlich gut. Mein Kind hatte wirklich das Gefühl, angesprochen zu werden, nicht nur mitzulesen. Genau hier entfaltet das Buch seine eigentliche Stärke.

Die Illustrationen von Marek Bláha prägen das Gesamtbild stark. Schon das Cover ist ein echter Blickfang, aber auch im Inneren bleibt das Niveau konstant hoch. Kräftige Farben, viele Details, eine visuelle Welt, in der man sich gerne verliert. Bild und Text arbeiten hier zusammen, nicht nebeneinander.

Am Ende bleibt ein gemischter, insgesamt jedoch positiver Eindruck. Der Einstieg fordert Geduld, weil Struktur und Umfang nicht sofort zugänglich sind. Mit zunehmendem Verlauf entwickelt das Buch jedoch eine klare Stärke in seiner Kombination aus Interaktion, Erzählweise und visueller Gestaltung. Wir sind jedenfalls neugierig genug, um Iggy, den Bücherwurm, auch beim nächsten Abenteuer wieder zu begleiten.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 16.03.2026

✎ Jaap ter Haar - Behalt das Leben lieb

Behalt das Leben lieb
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„Behalt das Leben lieb“ von Jaap ter Haar ist ein Jugendbuch, das seit Jahrzehnten immer wieder im Schulunterricht gelesen wird. Als ich erfahren habe, dass es an der Schule meines Kindes teilweise zur ...

„Behalt das Leben lieb“ von Jaap ter Haar ist ein Jugendbuch, das seit Jahrzehnten immer wieder im Schulunterricht gelesen wird. Als ich erfahren habe, dass es an der Schule meines Kindes teilweise zur Lektüre gehört, wollte ich zuerst selbst einen Blick hineinwerfen. Mich hat vor allem interessiert, wie der Autor mit dem Thema Blindheit nach einem Unfall umgeht.

Der Roman erzählt die Geschichte des dreizehnjährigen Beer, der nach einem schweren Unfall sein Augenlicht verliert und sich plötzlich in einer völlig neuen Realität zurechtfinden muss. Neben der körperlichen Veränderung steht vor allem die emotionale Verarbeitung im Mittelpunkt: Verzweiflung, Wut, Hoffnung und schließlich der vorsichtige Versuch, das eigene Leben neu zu begreifen.

Der Schreibstil in „Behalt das Leben lieb“ ist leicht zugänglich. Man findet schnell in die Handlung hinein, viele Szenen lesen sich flüssig und manche Momente haben mich tatsächlich berührt. Gleichzeitig gibt es Passagen, in denen sich die Geschichte etwas zieht und der Erzählfluss kurz ins Stocken gerät.

Weniger überzeugt hat mich der Unfall selbst, der den Ausgangspunkt der Handlung bildet. Wenn man sich die Situation bildlich vorstellt, wirkt sie wenig glaubwürdig. Es fiel mir schwer nachzuvollziehen, dass Beer unter diesen Umständen überhaupt überlebt haben soll. Dieser Einstieg wirkte auf mich konstruiert und hat mich gleich zu Beginn etwas aus der Geschichte herausgerissen.

Überzeugender fand ich dagegen die Darstellung von Beers Umfeld. Seine Familie, die Menschen um ihn herum und die vielen kleinen Alltagssituationen wirken deutlich authentischer. Beim Lesen wird man immer wieder mit Fragen konfrontiert, über die man als sehender Mensch normalerweise kaum nachdenkt: Wie bewegt man sich sicher durch eine Wohnung? Wie verändert sich der Schulalltag? Wie reagieren Freundinnen und Freunde? Gerade diese Perspektiven machen das Buch interessant, weil sie einen Einblick in Lebensrealitäten gibt, die vielen Lesenden fremd sind.

Spannend fand ich auch die Einblicke in die praktischen Aspekte, die nebenbei vermittelt werden. Der Roman zeigt, wie Blindenschrift funktioniert und wie blinde Menschen Fächer wie Mathematik oder Physik lernen können. Solche Details verdeutlichen, wie viel Anpassung und Lernbereitschaft hinter einem Alltag ohne Augenlicht stehen.

Die Handlung selbst bleibt allerdings an einigen Stellen vorhersehbar. Bestimmte Entwicklungen zeichnen sich relativ früh ab. Ein Beispiel ist ein Geschenk für Beer, das ich bereits mehrere Seiten vorher erwartet hatte. Dadurch verliert die Geschichte stellenweise etwas an Spannung.

Inhaltlich kehrt der Roman immer wieder zu einer zentralen Botschaft zurück: dass innere Werte wichtiger sind als die äußere Erscheinung. Gerade für Jugendliche in der Pubertät ist das eine Erinnerung, die vermutlich nicht oft genug ausgesprochen werden kann. In einem Alter, in dem Aussehen und Wirkung nach außen eine große Rolle spielen, kann ein Buch wie dieses zumindest zum Nachdenken anregen.

Das Buch erschien ursprünglich 1976 und ist damit inzwischen ein halbes Jahrhundert alt. Dass „Behalt das Leben“ lieb trotzdem noch immer im Unterricht gelesen wird, zeigt, wie langlebig manche Jugendbücher sind. Gleichzeitig frage ich mich, ob es heute nicht auch modernere Geschichten über Blindheit gibt, die näher an der heutigen Lebensrealität von Jugendlichen liegen.

Trotz einiger Schwächen habe ich das Buch insgesamt gern gelesen. Die Geschichte überzeugt vor allem durch ihren einfühlsamen Blick auf Familie, Freundschaft und den schwierigen Prozess, ein Leben mit einer plötzlichen Behinderung neu zu ordnen.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 12.03.2026

✎ Efua Traoré - Kuki und das Flüstern der Muscheln

Kuki und das Flüstern der Muscheln
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Dieses Buch hat mich ehrlich gesagt zuerst ganz oberflächlich erwischt - durch sein Cover. Dieses satte Lila hat sofort etwas in mir ausgelöst. Für mich sah das nach Magie aus, nach Geheimnissen, nach ...

Dieses Buch hat mich ehrlich gesagt zuerst ganz oberflächlich erwischt - durch sein Cover. Dieses satte Lila hat sofort etwas in mir ausgelöst. Für mich sah das nach Magie aus, nach Geheimnissen, nach einer Geschichte, die ein wenig anders sein könnte als viele andere Kinderbücher. Genau dieses Gefühl hat mich neugierig gemacht.

Auch der Klappentext klang vielversprechend. Besonders hängen geblieben bin ich an den Namen Kuki, Enilo und Moji - drei Namen, die man hierzulande eher selten hört. Schon dadurch entstand in meinem Kopf die Erwartung, dass mich „Kuki und das Flüstern der Muscheln“ in eine andere kulturelle Welt führen könnte. Da Efua Traoré eine deutsch-nigerianische Kinder- und Jugendbuchautorin ist, lag die Vermutung nahe, dass Nigeria eine Rolle spielen würde. Gerade solche Perspektiven fehlen im Kinderbuchbereich noch immer erstaunlich oft, weshalb mich dieser Hintergrund besonders interessiert hat.

Im Mittelpunkt der Handlung steht Kuki, die nach einem Umzug versucht, sich in einer neuen Schule zurechtzufinden. Der Neustart gestaltet sich allerdings schwieriger als erhofft. Einsamkeit, Unsicherheit und Konflikte prägen ihren Alltag, vor allem durch ihre Mitschülerin Moji, die sie unter Druck setzt und manipuliert. Gleichzeitig begegnet Kuki dem geheimnisvollen Mädchen Enilo, das plötzlich eine ganz andere, fast magische Ebene in ihr Leben bringt. So verbindet der Roman Schulalltag, Freundschaft und mythologische Elemente miteinander.

Vor allem das Thema Mobbing hat mich beim Lesen stark beschäftigt. Szenen, in denen Kinder gezielt andere (verbal) verletzen, gehen mir immer nahe, und auch hier war das nicht anders. Besonders Moji hat bei mir viele Gefühle ausgelöst - Wut, Mitleid, aber auch eine gewisse Neugier. Immer wieder wird angedeutet, dass hinter ihrem Verhalten mehr steckt. Während des Lesens habe ich darauf gewartet, mehr über ihre persönliche Geschichte zu erfahren. Diese Hinweise bleiben jedoch recht vage und verlieren am Ende an Bedeutung. Gerade hier hätte ich mir gewünscht, dass die Geschichte emotional noch etwas tiefer geht.

Kuki selbst hingegen funktioniert als Hauptfigur sehr gut. Sie wirkt glaubwürdig, verletzlich und gleichzeitig mutig. Obwohl sie ein Schwarzes Mädchen ist und die Handlung in einem anderen kulturellen Umfeld spielt, glaube ich, dass sich viele Kinder problemlos in sie hineinversetzen können. Ihre Sorgen sind universell: neu in der Schule sein, Anschluss suchen, mit Ausgrenzung umgehen, Freundschaften aufbauen, Dinge vor den Eltern verheimlichen. Genau diese alltäglichen Erfahrungen machen sie als Figur greifbar.

Enilo wiederum hat mich lange im Unklaren gelassen. Anfangs wirkt sie beinahe unheimlich und schwer einzuordnen, als würde sie ein Geheimnis mit sich tragen. Mit der Zeit wächst die Spannung darum, wer sie wirklich ist und welche Rolle sie in Kukis Leben spielt. Als schließlich mehr über sie ans Licht kommt, fügen sich einige zuvor rätselhafte Momente sinnvoll zusammen. Diese Enthüllung gehört für mich zu den gelungenen Teilen von „Kuki und das Flüstern der Muscheln“.

Insgesamt hat mir gut gefallen, wie differenziert die Figuren angelegt sind. Es gibt kein klares Schwarz-Weiß-Schema. Niemand ist einfach nur gut oder böse. Die Charaktere wirken vielschichtig und menschlich; sie haben eigene Motive, Unsicherheiten und Fehler. Gerade für ein Kinderbuch wirkt diese Differenzierung angenehm realistisch.

Ein besonderes Highlight ist außerdem der Schauplatz. Nigeria als Handlungsort für einen Kinderroman zu wählen, ist ungewöhnlich und gerade deshalb spannend. Solche Geschichten öffnen Türen zu anderen Kulturen und Perspektiven und geben Einblicke in andere Lebensrealitäten. Sie erweitern den Horizont junger Lesenden. Zusätzlich fließen mythologische Elemente ein, die auf nigerianischen Erzähltraditionen basieren. Im Anhang des Buches geht Efua Traoré auf einige dieser Hintergründe näher ein, was dem Ganzen zusätzliche Tiefe verleiht.

Trotz vieler interessanter Ideen bleibt für mich jedoch ein kleiner Kritikpunkt bestehen. Der Roman greift sehr viele Themen gleichzeitig auf: Mobbing, Neuanfang, Scham, Manipulation, Diebstahl, Geheimnisse innerhalb der Familie, Schuldgefühle und moralische Entscheidungen. Jedes dieser Themen hätte für sich genommen genug Stoff für eine eigene Entwicklung geboten. Stattdessen werden manche Konflikte nur angerissen und nicht vollständig ausgearbeitet. Kindern ab etwa zehn Jahren kann man meiner Meinung nach durchaus zutrauen, komplexere Entwicklungen auszuhalten.

Am Ende bleibt „Kuki und das Flüstern der Muscheln“ für mich ein Kinderbuch mit einer starken Grundidee, einer sympathischen Hauptfigur und einem faszinierenden kulturellen Hintergrund. Gleichzeitig hatte ich beim Lesen immer wieder das Gefühl, dass einige emotionale und erzählerische Fäden noch mehr Raum verdient hätten. Gerade weil der Roman so viele spannende Ansätze bietet, hätte er an manchen Stellen ruhig noch ein Stück tiefer gehen dürfen.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 09.03.2026

✎ Liz Moore - Der andere Arthur

Der andere Arthur
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Erst vor Kurzem habe ich wieder gesehen, wie gnadenlos das Internet sein kann. Ein übergewichtiger Mensch wurde zur Zielscheibe eines regelrechten Shitstorms. Kommentare flogen nur so unter die Gürtellinie, ...

Erst vor Kurzem habe ich wieder gesehen, wie gnadenlos das Internet sein kann. Ein übergewichtiger Mensch wurde zur Zielscheibe eines regelrechten Shitstorms. Kommentare flogen nur so unter die Gürtellinie, manche gingen sogar so weit, ihm den Tod zu wünschen. In solchen Momenten frage ich mich immer wieder, wie schnell vergessen wird, dass hinter jedem Bildschirm ein echter Mensch sitzt. Einer mit Gefühlen. Einer, der all das liest.

Vielleicht hat mich genau deshalb Arthurs Geschichte so stark getroffen.

Während ich den Passagen über Arthur zugehört habe, hatte ich ständig das Bild dieses Menschen aus dem Internet vor Augen. Arthur ist stark übergewichtig und lebt seit Jahren völlig zurückgezogen in seinem Haus in Brooklyn - mitten in einer Stadt voller Menschen und doch unsichtbar für sie. Sein Leben scheint sich immer weiter zu verkleinern, bis kaum noch Kontakt zur Außenwelt bleibt.
Arthur habe ich sofort ins Herz geschlossen. Seine Scham, seine Unsicherheit und dieses vorsichtige Herantasten an die Welt haben mich wirklich berührt. Über der Geschichte liegt eine schwere, melancholische Stimmung. Themen wie extreme Adipositas und soziale Isolation ziehen sich durch den gesamten Roman.

Und trotzdem bleibt Arthur für mich erstaunlich schwer zu greifen. Emotional war ich ihm nah, erzählerisch blieb er jedoch oft auf Distanz.

Liz Moore hält sich mit detaillierten Beschreibungen auffallend zurück. Man bekommt eine Ahnung davon, wie Arthur lebt und wie still seine Wohnung geworden ist, doch vieles bleibt nur angedeutet. Ich hätte mir gewünscht, tiefer in diese Welt eintauchen zu können. Stattdessen hatte ich beim Hören häufig das Gefühl, nur an der Oberfläche entlangzugleiten.

Bei Kel war es für mich ganz anders.

Wenn ich das Buch gelesen und nicht gehört hätte, hätte ich seine Kapitel vermutlich sogar übersprungen. Er blieb für mich erstaunlich blass. Nicht unbedingt unsympathisch - eher seltsam leer. Seine Geschichte konnte mich emotional kaum erreichen. Während ich bei Arthur ständig mitgefühlt habe, ließ mich Kel merkwürdig kalt, obwohl sich auch sein Leben um schwierige Themen wie Alkoholismus und Isolation dreht.

Der Roman selbst ist sehr ruhig erzählt und konzentriert sich stark auf Beobachtungen und das Innenleben der Figuren. Große dramatische Wendungen sucht man hier vergeblich. Diese Art zu erzählen kann durchaus reizvoll sein, doch für mich hatte sie einen entscheidenden Nachteil: Am Ende bleiben unglaublich viele Fragen offen.

Ich verstehe den Gedanken dahinter. Vermutlich sollen Lesende selbst weiterdenken und die Lücken füllen. Für mich fühlte es sich jedoch eher wie ein halbfertiges Puzzle an. Da war so viel Potenzial, so viele emotionale Fäden - und ich hätte einfach gerne mehr darüber erfahren.

Genau hier liegt für mich das größte Problem des Romans.

Liz Moore greift wichtige Themen auf: gesellschaftliche Ausgrenzung, Einsamkeit und Menschen, deren Leben nicht spektakulär zerbrechen, sondern langsam und leise entgleiten. Doch trotz dieser starken Ansätze bleibt vieles seltsam flach.

Beim Hören habe ich immer wieder darauf gewartet, dass die Geschichte sich traut, noch näher an ihre Figuren heranzurücken. Stattdessen blieb sie für mich immer ein Stück zu weit entfernt.

Und vielleicht beschreibt genau das mein Gefühl nach diesem Buch am besten:
Ich hatte mehr erwartet. Mehr Tiefe. Mehr Mut, wirklich dorthin zu schauen, wo es weh tut.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 03.03.2026

✎ Tom Fletcher - Space Band

Space Band - Die schlechteste Band der Erde ... aber die beste Band des Universums
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Als ich „Space Band - Die schlechteste Band der Erde … aber die beste Band des Universums“ von Tom Fletcher entdeckte, war ich sofort neugierig. Meine Achtjährige steckt gerade total im Rockfieber. Ihr ...

Als ich „Space Band - Die schlechteste Band der Erde … aber die beste Band des Universums“ von Tom Fletcher entdeckte, war ich sofort neugierig. Meine Achtjährige steckt gerade total im Rockfieber. Ihr Vater hat ihr Gitarrenriffs und Songs vorgespielt, seitdem läuft hier nichts anderes mehr. Die Idee einer coolen Musik-Weltraum-Geschichte klang somit vielversprechend.

Der Einstieg hat meine Geduld allerdings auf die Probe gestellt. Die Figuren werden ausführlich eingeführt, jede noch so kleine Eigenheit bekommt Raum. Das kann man als liebevollen Aufbau verstehen, für mich wirkte es eher zäh. Die Handlung kommt nur langsam in Fahrt, bevor das eigentliche Abenteuer beginnt.

Musikalisch hatte ich keine große Vorstellung und doch war ich von den dargebotenen Songs zumeist enttäuscht. Die Texte waren langweilig und trafen überhaupt nicht meinen Humor.
Besonders störend empfand ich auch Georges ständigen Kommentar in Klammern - dieses wiederkehrende „(ich weiß!)“. Die Pointe nutzt sich schnell ab. Statt Nähe zu schaffen, hat es bei mir eher Augenrollen ausgelöst.

Nach rund hundert Seiten hebt die Geschichte endlich ab, im wahrsten Sinne des Wortes: Die drei Hauptfiguren werden ins All katapultiert. Ab da wird es visuell und fantasievoll, die Konkurrenz der intergalaktischen Bands nimmt Form an. Allerdings wird schon sehr früh offengelegt, wie der Wettbewerb funktioniert. Die einzelnen Runden werden detailliert erklärt, jede rivalisierende Gruppe erhält eine genaue Beschreibung. Dadurch fehlt der Überraschungsmoment. Natürlich ist klar, dass ein Kinderroman ab acht Jahren auf ein positives Ende zusteuert, doch ein wenig mehr Ungewissheit hätte der Spannung gutgetan. Dadurch hat die Dramaturgie unheimlich an Intensität verloren.

Erst ab etwa Seite 300 zieht das Tempo deutlich an. Die letzten Kapitel haben mich tatsächlich gepackt. Da spürt man die Energie, die ich mir schon zu Beginn gewünscht hätte. Bei insgesamt rund 330 Seiten kommt dieser Effekt allerdings spät.

Unübersehbar ist jedoch die positive Botschaft zum Ende hin, die besagt, dass Diversität kein Makel ist und auf der Erde alle willkommen sind. Sie kommt ohne erhobenen Zeigefinger daher.

Unterm Strich hat mich diese Science-Fiction-Geschichte für Kinder nicht erreicht. Die Idee, verschiedene Aliens auf galaktischer Bühne gegeneinander antreten zu lassen, bleibt großartig, doch die Umsetzung konnte meine Erwartungen nicht erfüllen. Ich werde das Buch dennoch in unsere Schulbibliothek geben. Vielleicht trifft es dort genau den Nerv der jungen Lesenden, die sich weniger an erzählerischen Längen stören und einfach Lust auf schräge Weltraumklänge haben.

Was zusätzlich irritiert, sind formale Fehler: Ein fehlerhaftes Inhaltsverzeichnis mit unpassenden Seitenzahlen und ein falsch geschriebener Name im Klappentext sowie auf der offiziellen Seite. Solche Patzer wirken lieblos und hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack - gerade bei einem Werk, das Kinder für Geschichten und Musik begeistern soll.

©2026 Mademoiselle Cake