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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.03.2026

Faszinierend und verstörend

Die Dinner Party
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Die Dinner Party

Franca hat schon früh Verluste erlebt und trifft auf Andrew an einem Zeitpunkt in ihrem Leben, an dem sie sich nur zugern unter die Arme greifen lässt. Aber ist das wirklich Liebe oder ...

Die Dinner Party

Franca hat schon früh Verluste erlebt und trifft auf Andrew an einem Zeitpunkt in ihrem Leben, an dem sie sich nur zugern unter die Arme greifen lässt. Aber ist das wirklich Liebe oder gefällt Andrew die Position nicht doch zu gut, die Franca in ihrer Beziehung spielt?
Geschrieben wurde das Buch von Viola de Sandt, einer in den Niederlanden lebenden Journalistin. Dies ist ihr Debütroman.
Erschienen ist das Buch im pola-Verlag. Es umfasst 333 Seiten und ist eingeteilt in sehr lange, nicht nummerierte mit Überschriften versehene Kapitel, womit ich mich am Anfang schwer tat. Zudem wird innerhalb der Kapitel noch in der Zeit und in der Perspektive gewechselt. Am Anfang war das für mich schon eine Challenge und hat meine volle Konzentration gefordert. Im Laufe der Geschichte habe ich mich damit dann aber gut arrangiert. Ausgeglichen wird der Anspruch durch eine sehr gefällige, relativ einfache Erzählweise, mit der ich von der ersten Zeile an ganz wunderbar zurecht kam.
Die Autorin schafft es ganz wunderbar, mit Franca einen echten Charakter zu schaffen, der so weit weg von perfekt ist und mit dem man gerade deshalb so mitfühlen kann. Viele Tatsachen werden in eigentlich ganz banalen Szenen wie unter einem Brennglas deutlich. Viele Situationen waren verstörend und mancher Twist für mich nicht vorher sehbar. Insgesamt lässt mich das Buch fasziniert, irritiert und auch ein Stück unzufrieden zurück und ich glaube, genau das wollte die Autorin. Es wirkt in mir nach, ich denke drüber nach und kann es deshalb empfehlen. Aber ein Buch für den Strand ist es nicht. Man braucht schon Raum und muss die Schwere aushalten können und auch wollen. In jede Situation passt es ganz sicher nicht.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Was macht eine Mutter zur Mutter?

Niemands Töchter
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Niemands Töchter

Alma und Isabel wachsen mit dem Gefühl auf, dass das Mutter-Tochter Verhältnis nicht so ist, wie es eigentlich sein sollte. Aber wann ist die Beziehung zwischen Mutter und Tochter denn ...

Niemands Töchter

Alma und Isabel wachsen mit dem Gefühl auf, dass das Mutter-Tochter Verhältnis nicht so ist, wie es eigentlich sein sollte. Aber wann ist die Beziehung zwischen Mutter und Tochter denn „richtig“?
Geschrieben wurde das Buch von Judith Hoersch, einer bekannten Schauspielerin. Dies ist ihr Debütroman.
Erschienen ist der Roman bei Piper. Er umfasst 375 Seiten und ist eingeteilt in kurze Einheiten. Abwechselnd wird die Geschichte der vier Frauen erzählt. Dabei wird zwischen den verschiedenen Zeitebenen und verschiedenen Settings gewechselt.
Mit den raschen Wechseln tat ich mir am Anfang sehr schwer. Mich hat es die volle Konzentration erfordert, die vier Frauen mit ihren Geschichten und die Beziehungen zueinander zuzuordnen. Im Laufe der Lektüre hatte ich die dann aber sortiert und das Lesen wurde deutlich einfacher.
Die Art wie Judith Hoersch ihre Geschichte erzählt, hat mir von Anfang an gut gefallen. Ich finde den Stil sehr angenehm zu lesen und mir hat die Ruhe gefallen, mit der ich durch die Geschichte geführt wurde. Stück für Stück habe ich Informationen bekommen, um mir die Zusammenhänge zusammen zu puzzeln. Rein „handwerklich“ schon wirklich schön gemacht.
Auch Berlin als Setting, erst geteilt, dann vereint und die vielen zeitgeschichtlichen Einflüsse fand ich extrem bereichernd.
Auch die Charaktere haben echten Liebhabewert. Ach schade, dass ich mich jetzt von ihnen verabschieden muss.
Das Thema Mütter und Töchter findet man ja schon in diversen Büchern und dennoch ist es hier wieder neu und macht nachdenklich. Wann ist eine Mutter eine Mutter? Und was ist eine Mutter bereit aus Liebe zu tun? Das Buch hallt in mir nach. Ganz klare Leseempfehung von mir und ganz klar fünf Sterne!

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Wann war ein Leben ein Gutes?

Das gute Leben
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Das gute Leben

Anni ist tot. Die Anni, die als junge Frau schwanger von Rumänien nach Deutschland ging, als Alleinerziehende beim Quelle Versand so viele Jahre gearbeitet hat, sich ein Haus erarbeitet ...


Das gute Leben

Anni ist tot. Die Anni, die als junge Frau schwanger von Rumänien nach Deutschland ging, als Alleinerziehende beim Quelle Versand so viele Jahre gearbeitet hat, sich ein Haus erarbeitet hat. Das ist doch was. Oder was genau macht ein gutes Leben aus?
Geschrieben wurde das Buch von Nadine Schneider. Sie hat bereits die Bücher „Drei Kilometer“ und „Wohin immer ich gehe“ geschrieben. Dies ist allerdings das erste Buch, das ich von ihr gelesen habe.
Erschienen ist das Buch im Fischer Verlag. Es umfasst 303 Seiten und ist eingeteilt in 62 angenehm kurze Kapitel. Abwechselnd wird Annis Geschichte und in der Gegenwart die ihrer Enkelin Christina erzählt.
Insgesamt wird von vier Generationen starker Frauen berichtet: Annis Mutter in Rumänien, Anni, deren Tochter Helene und Christina. Die Männer spielen eine sehr untergeordnete Rolle. Teilweise haben mich die abrupten Wechsel irritiert. Ich war mir nicht immer sicher, ob wir jetzt in Rumänien oder in Nürnberg sind und bei welcher der Frauen. Die ruhige Art mit der Nadine Schneider ihre Geschichte erzählt hat mich sehr fasziniert. Mir erschien vieles sehr gut recherchiert und/oder aus der eigenen Geschichte. Ich konnte den Zeitgeist sehr gut nachempfinden und gerade das für Anni so wichtige Quelle Unternehmen wurde perfekt beschrieben. Ich habe ein paar Mal beim Lesen gestoppt um parallel im Internet über die Familie Schickedanz, das Quelle Gebäude oder das Logo, das ich nicht mehr auf dem Schirm hatte, zu recherchieren. Gegen Ende war mir aber das Tempo doch etwas arg langsam, da hätte ich mir ein bisschen mehr Handlung gewünscht.
Das Buch macht mich nachdenklich. Es widmet sich ganz eindrücklich dem großen Thema, wann ein Leben ein Gutes war.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Sehr ehrlich

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
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Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen

Nach dem Tod ihres Mannes, probiert Christien das gemeinsame Haus auf- und auszuräumen. Dabei setzt sie sich mit ihren Gefühlen auseinander und reflektiert über ihr ...


Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen

Nach dem Tod ihres Mannes, probiert Christien das gemeinsame Haus auf- und auszuräumen. Dabei setzt sie sich mit ihren Gefühlen auseinander und reflektiert über ihr Leben. Wie kann man eine Liebe mit ihren Höhen und Tiefen, Erlebnissen und Verletzungen einordnen, um das eigene Leben weiterleben zu können?
Geschrieben wurde das Buch von Christien Brinkgreve, einer niederländischen Professorin für Soziologie. Das Buch ist autobiografisch. Es wurde in den Niederlanden unter dem Titel „Beladen huis“ zum Bestseller.
Erschienen ist es bei Hanser. Es umfasst 190 Seiten, ist also ein schmales Büchlein und ist eingeteilt in 42 kurze Kapitel. Der Preis erscheint mir relativ hoch.
Mir gefällt die Art, wie die Autorin schreibt sehr. Christien Brinkgreve ist zweifelsohne eine extrem kluge Frau, schafft es aber, sehr unanstrengend und nachvollziehbar zu schreiben. Viele ihrer Gedanken konnte ich gut mitgehen. Ich bewundere ihre Ehrlichkeit.
Ganz bestimmt haben ihre Reflexionen ihr sehr geholfen, ihr Leben neu zu ordnen. Leider blieben die Charaktere nicht nur zum größten Teil namenlos, sondern auch so blass. Auch die Handlung verlief für mich in Schleifen und hat sich zum Schluss dann doch erschöpft.

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Vielfältig und unmittelbar

Berchtesgaden
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Berchtesgaden

Kurz nach dem Krieg treffen in Berchtesgaden, bis vor kurzem Residenz der Führers, alle zusammen: amerikanische Besatzer, deutsche Soldaten, vorher verfolgte Juden und die Berchtesgadener ...

Berchtesgaden

Kurz nach dem Krieg treffen in Berchtesgaden, bis vor kurzem Residenz der Führers, alle zusammen: amerikanische Besatzer, deutsche Soldaten, vorher verfolgte Juden und die Berchtesgadener Bevölkerung. Alle haben einen Krieg erlebt, alle sortieren sich neu. Wer trägt welche Schuld? Wer ist unwissend? Und wie lebt man eigentlich weiter, wenn plötzlich alles anders ist?
Geschrieben wurde das Buch von Carolin Otto, einer Drehbuchautorin und Regisseurin.
„Berchtesgaden“ ist ihr Debütroman.
Das Buch ist bei Lübbe erschienen. Es umfasst 543 Seiten und ist eingeteilt in 54 angenehm kurze Kapitel.
Ich mag Bücher, bei deren Lektüre ich etwas lernen kann sehr. Bei diesem Buch musste ich mich erst orientieren. Es wird sehr dicht loserzählt. Viele Charaktere werden schnell eingeführt und viele geschichtliche Details dicht geschildert. Im Laufe der Lektüre tat ich mir damit deutlich leichter. Es ist kein Buch, das Charaktere „zum Verlieben“ schafft, dazu ist die übrige Schilderung viel zu dicht. Ich habe das Buch dennoch voller Begeisterung gelesen. Carmen Otto schafft es, die Atmosphäre und den Zeitgeist, der in dieser Zeit so dicht nach dem Krieg in diesem sehr besonderen Setting sehr spürbar zu erzählen. Es ist ein Buch für jedes Alter und auch kein klassischer Frauenroman.
Fazit: Wer nicht davor zurück schreckt, sich in ein Buch erst mal „reinzuarbeiten“, wird sich über diesen Roman sehr freuen. Ich habe bisher noch kein Buch gelesen, das diese Zeit so vielfältig und unmittelbar beschrieben hat.


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