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Jessi2712

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.05.2025

Don’t worry, be happy!

Fischtage
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Worum geht’s?

Ellas kleiner Bruder Luis ist verschwunden. Die Sechzehnjährige, die seit Jahren unter schlimmen Wutanfällen leidet und deshalb keine Freundschaften mehr pflegt, ist ratlos. Was kann mit ...

Worum geht’s?

Ellas kleiner Bruder Luis ist verschwunden. Die Sechzehnjährige, die seit Jahren unter schlimmen Wutanfällen leidet und deshalb keine Freundschaften mehr pflegt, ist ratlos. Was kann mit ihm passiert sein? Die Eltern, eine Galeristin und ein erfolgloser Schauspieler mit Engagement beim Kindertheater, sind viel zu beschäftigt mit ihren eigenen Eheproblemen und ihrem Drogenkonsum, um sich groß um das Verschwinden ihres dreizehnjährigen Sohnes zu kümmern. Ella zieht kurzerhand in die Laube des alten Eckard, ihr einziger Vertrauter, der leider zunehmend unter Demenz leidet. In der Laube trifft sie auf ihren Wegbegleiter, einen sprechenden Plastikfisch mit integriertem Alarmsystem, der sie bei ihrer turbulenten Suche nach ihrem kleinen Bruder, die sich zunehmend zu einer Suche nach sich selbst entwickelt, begleitet.

Wie war’s?

Schon das knallrote Cover mit dem Bild eines mürrischen dreinblickenden Mädchens zeigt, worum es hier geht: die geballte Wut einer Heranwachsenden auf Gott und die Welt und die Suche nach Wegen, damit umzugehen (unter anderem entdeckt Ella das Zeichnen als Ventil, um mit ihren Emotionen fertigzuwerden). Mir persönlich hat dieses Debüt sehr gut gefallen, es ist ein toller Ausflug in die Jugendsprache, erfrischend, frech und spritzig. Ellas Suche und ihre Entwicklung im Laufe des Romans halten die Leser:innen bei der Stange und man möchte unbedingt wissen, wie es mit ihr weitergeht und ob ihre Suche am Ende von Erfolg gekrönt ist. Der sprechende Fisch, oft ihr einziger Gesprächspartner, kommt mir wie eine Art Unterbewusstsein vor, das sie oft vor Dingen warnt, die sie noch gar nicht wahrhaben möchte. Auch die Menschen, die sie auf ihrem Weg trifft, allen voran Oksana, waren sehr stimmig dargestellt.

Fazit

Charlotte Brandis Romandebüt ist erfrischend anders, wenn man sich auf die unkonventionelle Story und den sprechenden Fisch einlassen kann, sind vergnügliche Lesestunden garantiert. Ich persönlich werde die Autorin definitiv im Auge behalten!

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Veröffentlicht am 03.05.2025

Sommerland ist abgebrannt

Das Echo der Sommer
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Worum geht’s?

Die dreizehnjährige Ingá, ihre Mutter Rávdná und Tante Ánne – drei samische Frauen, immer auf Achse zwischen ihrem Winterquartier und dem »Sommerland« im schwedischen Nordwesten.
Gleich ...

Worum geht’s?

Die dreizehnjährige Ingá, ihre Mutter Rávdná und Tante Ánne – drei samische Frauen, immer auf Achse zwischen ihrem Winterquartier und dem »Sommerland« im schwedischen Nordwesten.
Gleich zu Beginn des Buches stehen sie wieder einmal vor dem Nichts, weil die schwedische Verwaltungsbehörde beschlossen hat, den Staudamm zu erhöhen und dafür die Siedlung zu opfern, nicht zum ersten Mal. Mühsam werden einige wenige Dinge gerettet.
Rávdná hat endgültig genug, sie wünscht sich ein richtiges Haus, will sesshaft werden, beantragt dafür sogar einen Kredit. Dieser wird ihr allerdings verwehrt mit der Begründung, es sei nicht vorgesehen, dass Samen sesshaft werden. Sie seien auch nicht in der Lage, sich um eine eigene Behausung zu kümmern und müssten auch künftig als Nomaden leben. Rávdná, die dies nicht hinnehmen will, macht sich trotzdem daran, eine feste Behausung zu bauen. Schließlich kommt es, wie es kommen muss, sie wird von der Verwaltung aufgefordert, diese abzureißen.

Im zweiten Teil der Geschichte ist Ingá erwachsen, Tante Anne ist längst tot und es entwickelt sich eine immer größere Distanz zwischen Mutter und Tochter. Rávdná protestiert weiter gegen die ungerechte Behandlung durch die Schweden, Ingá hingegen versucht, sich mit der Situation zu arrangieren und trotz allem ihr Glück zu finden.

Wie war’s?

Selten habe ich mich so schwer getan mit einer Rezension. »Das Echo der Sommer« hat mich begeistert, aber auch tief erschüttert und sehr nachdenklich gemacht. Was wissen wir eigentlich über das Volk der Samen und sein Schicksal? Und wie vermessen ist es von einem Staat, zu entscheiden, dass ein Volk auch künftig zum Nomadentum verdammt sein soll?
Mich hat der bildhafte Schreibstil von Elin Anna Labba tief beeindruckt (was selbstverständlich auch der großartig gelungenen Übersetzung von Hanna Granz geschuldet ist).
… doch er schien die Worte nicht zu hören, nicht wirklich. Er nahm entgegen, was ihm gesagt wurde, und legte die Wörter hinter sich auf die Fensterbank, und wenn er ging, würde er sie dort liegen lassen. Keiner der Männer am Tisch war gekommen, um ihnen wirklich zuzuhören. (S. 277)

Besonders gut gefallen haben mir die an zahlreichen Stellen eingestreuten Ausdrücke in samischer Sprache, die nochmal ein ganz anderes Flair vermitteln und einen noch tiefer in die Geschichte eintauchen lassen, sowie die sehr gelungenen Naturbeschreibungen.

Das Ende ist traurig, tragisch und zeigt (ohne zu viel vorwegzunehmen), dass man alte Bäume eben nicht verpflanzen soll.

Fazit

Eines meines bisherigen Lesehighlights dieses Jahr. Keine einfache Kost und nichts, was man nebenher wegliest, aber eine fesselnde, berührende und äußerst tragische Geschichte, die in mir die Neugier auf das Leben der Samen geweckt und mich in eine mir fremde Welt entführt hat. Und das ist es doch schließlich, was einen gelungenen Roman ausmacht. Von mir volle Punktzahl und eine uneingeschränkte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 17.04.2025

Wenn du dich verläufst, setz dich hin und schrei!

Der Gott des Waldes
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Worum geht’s?

Im August 1975 verschwindet die dreizehnjährige Barbara van Laar aus einem Sommercamp in den Adirondack Mountains. Eine großangelegte Suchaktion beginnt. Vor allem ihre Mutter Anna ist am ...

Worum geht’s?

Im August 1975 verschwindet die dreizehnjährige Barbara van Laar aus einem Sommercamp in den Adirondack Mountains. Eine großangelegte Suchaktion beginnt. Vor allem ihre Mutter Anna ist am Boden zerstört, denn das ist nicht der erste Schicksalsschlag, den die Familie verkraften musste. Jahre zuvor verschwand auch Barbaras Bruder Bear in derselben Wildnis und wurde nie gefunden.

Wie war’s?

»Der Gott des Waldes« ist mit seinen 590 Seiten ein ziemlich dicker Klotz, allerdings habe ich mich beim Lesen nicht eine Minute gelangweilt. Liz Moore gelingt es, die Leserinnen und Leser über die gesamte Story bei der Stange zu halten, die in ständig wechselnden Perspektiven der diversen Personen erzählt wird, auch etliche Zeitsprünge zwischen Barbaras und Bears Verschwinden sind natürlich enthalten, hier erleichtert der Zeitstrahl zu Beginn jedes Kapitels die Orientierung wirklich enorm.

Viele Themen werden in diesem Roman angerissen, der weit mehr als nur ein literarischer Thriller ist. Wie geht eine Familie mit dem Verlust eines Kindes um? Wie überlebt man das überhaupt? Und was macht ein solches Trauma ggf. mit Geschwisterkindern?
Was passiert, wenn jemand unschuldig eines Verbrechens angeklagt wird? Und wie schafft man es als Mitwisser, ein Geheimnis über Jahre hinweg zu bewahren?

Auch die Ermittlungen zu Barbaras Verschwinden mit der zwischenmenschlichen Komponente der Ermittlerin Judyta ist äußerst glaubwürdig und packend dargestellt.

Insgesamt hat mich »Der Gott des Waldes« gefesselt und richtig begeistert, woran nicht zuletzt die großartig gelungene Übersetzung von Cornelius Hartz einen erheblichen Anteil hat.

Lediglich die Auflösung von Bears Verschwinden hat mich irgendwie nicht richtig abgeholt, irgendwie hätte ich mir da mehr erwartet.

Fazit

Abgesehen von der Frage, warum dieses Buch eigentlich »Der Gott des Waldes« heißt, auf die ich für mich persönlich bis Seite 590 keine Antwort finden konnte, kann ich »Der Gott des Waldes« wirklich sehr empfehlen und es wundert mich nicht, dass der Roman es auf Obamas Summer-Reading-List geschafft hat.

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Veröffentlicht am 13.04.2025

Stinkendes Ende einer Ehe – skurril und unterhaltsam erzählt

Der Duft des Wals
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Worum geht’s?

Kann eine Urlaubsreise eine Beziehung kitten, die eigentlich längst am Ende ist? Nachdem die Paartherapie keine Erfolge brachte, starten Judith und Hugo mit ihrer kleinen Tochter Ava einen ...

Worum geht’s?

Kann eine Urlaubsreise eine Beziehung kitten, die eigentlich längst am Ende ist? Nachdem die Paartherapie keine Erfolge brachte, starten Judith und Hugo mit ihrer kleinen Tochter Ava einen letzten Versuch. Ein Luxusurlaub in einem Ressort in Mexiko soll retten, was eigentlich nicht zu retten ist. Leider explodiert schon am ersten Morgen ein toter Wal am Strand. Während die Hotelangestellten alles tun, um den Gestank irgendwie zu beseitigen, damit die schöne, heile Urlaubswelt für die Gäste erhalten bleibt, geht die Ehe der beiden mit zunehmendem Gestank und trotz Nasenklammern immer weiter den Bach runter – bis hin zur abschließenden Katastrophe.

Wie war’s?

Selten habe ich mich von einem Roman zum Thema Beziehungs-Aus so gut unterhalten gefühlt wie vom »Der Duft des Wals«. Dafür sind vor allem die äußerst skurrilen Charaktere verantwortlich. Von Flugbegleiterin Céleste mit ihrem Bedürfnis nach Selbstgeißelung, die vom Geist einer verstorbenen Passagierin heimgesucht wird, über Waldemar, der vom Hotelchef beauftragt wird, den Gestank loszuwerden, und dabei zu ungewöhnlichsten Mitteln greift, bis hin zu Belén und ihren Schlafanfällen aufgrund ihrer Narkolepsie und einem kleinen Nasenbären. Trotz vieler tragischer Momente musste ich beim Lesen immer wieder lachen.
Einzig und allein das schreckliche Ende des Ressorts war mir doch einen Tick zu dick aufgetragen.

Fazit

Ein unterhaltsamer Roman, den man nur ungern aus der Hand legt. Von mir 4 Sterne und eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 13.04.2025

Eine zarte Liebeserklärung an die Musik

Für Polina
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Worum geht’s?

Fritzi Prager reist nach dem Abitur in die Toskana und lernt dort einen Natursteinhändler kennen. Einen One-Night-Stand und neun Monate später wird der kleine Hannes geboren – ein seltsamer, ...

Worum geht’s?

Fritzi Prager reist nach dem Abitur in die Toskana und lernt dort einen Natursteinhändler kennen. Einen One-Night-Stand und neun Monate später wird der kleine Hannes geboren – ein seltsamer, stiller Junge, ein Gnom, wie Fritzi findet. Als seine Mutter mit ihm durch Zufall auf dem Land bei Heinrich Hildebrand landet, einem kauzigen Eigenbrötler, wo Hannes eines Tages das alte Klavier entdeckt, bemerkt Hildebrand sein Talent sofort, und ab dem Tag ist Musik der Dreh- und Angelpunkt seines Lebens. Als Jugendlicher verliebt er sich in das Mädchen Polina, die Tochter von Günes, die gleichzeitig mit Fritzi Prager entbunden hat. Im Gegensatz zur Musik ist der Kontakt zu Polina alles andere als konstant, immer wieder verschwindet sie aus seinem Leben, geht mit der Mutter nach Istanbul. Als Fritzi Prager nach einem Unfall stirbt, verliert Hannes viele Jahre lang die Lust an der Musik, auch zu Polina hat er keinen Kontakt mehr. Doch Klaviere lassen ihn nie los, der schmächtige Junge tritt einen Job als Klavierträger bei einem Spediteur an, den im körperlich niemand zugetraut hätte. Dann passiert ein Unglück, das in Hannes den Wunsch weckt, wieder Klavier zu spielen. Ein Video, das ihn bei einem Straßen-Gig zeigt, geht viral. Seine Karriere als Musiker beginnt. Doch Hannes will eigentlich nur eines – Polina wiederfinden. Ob er sie mit der Melodie erreichen kann, die er damals als Jugendlicher für sie komponiert hat?

Wie war’s?

Mein erster Roman von Tarkis Würger und es wird sicher nicht der Letzte bleiben. Würgers Schreibstil und seine Charaktere haben mich sehr begeistert. Obwohl die Liebesgeschichte zwischen Hannes und Polina im Mittelpunkt steht, ist das Buch vor allem auch eine Liebeserklärung an die Musik. Allein die Vorstellung, für jemanden eine ganz persönliche Melodie zu komponieren, ist faszinierend. Und egal, wie weit sich Hannes nach dem Tod seiner Mutter auch von der Musik entfernt, sie bleibt immer ein Teil von ihm, immer wieder kommt er darauf zurück. Ein sehr tröstlicher Gedanke.

Fazit

Von mir fünf Sterne und eine unbedingte Leseempfehlung. Ein Buch, das wie eine wunderbare Melodie noch lange nachhallt.

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