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Veröffentlicht am 01.08.2022

Das kann Strobel besser - tolle Grundidee, simple Umsetzung

Der Sarg
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Eva, die von ihrem Vater eine erfolgreiche Firma geerbt hat, hat einen wiederkehrenden Traum. Sie wacht in einem Sarg auf. Gefangen, hilflos, panisch. Sie weiß nicht, wie sie in den Sarg hineingekommen ...

Eva, die von ihrem Vater eine erfolgreiche Firma geerbt hat, hat einen wiederkehrenden Traum. Sie wacht in einem Sarg auf. Gefangen, hilflos, panisch. Sie weiß nicht, wie sie in den Sarg hineingekommen ist, und später nicht mehr, wie sie ihn wieder verlassen hat. Doch irgendwann ist es vorbei, sie ist frei, liegt in ihrem Bett. Und bemerkt die Blutergüsse und Kratzspuren an Händen, Armen und Beinen. Dann liest sie, dass in Köln eine Frauenleiche gefunden wurde, lebendig begraben in einem Sarg…

Arno Strobel entwickelt eine anfangs spannende Handlung. Schon das erste Kapitel kann für Menschen mit klaustrophobischen Neigungen eine Herausforderung sein. Interessante Personen, Nebenpersonen, Nebenhandlungen und Spuren werden angelegt, die Spannung versprechen. Doch diese Spannung verschwindet leider schnell, denn die Hauptperson wird zunehmens nerviger und unglaubwürdiger, die Ermittler stochern ziemlich ziellos in den Spuren herum, während der Leser schon nach der Hälfte ahnt, wohin alles führt. Die Auflösung ist dann ziemlich überladen mit psychologischen Elementen, die sehr simpel und zu einfach dargestellt (und damit auch unrealistisch) werden. Zudem verschwinden im letzten Viertel fast alle eingeführten Personen und werden nicht mehr genannt, mindestens die Hälfte von ihnen bleibt kaum im Gedächtnis.
Insgesamt bleibt viel zu vieles an der Oberfläche, die Dialoge wirken simpel. Anders als der Vorgängerband „Das Wesen“, bei denen vor allem der Ermittler Bernd Menkhoff viel besser charakterisiert ist, bleiben fast alle sehr blass. Die Familiengeschichte Menkhoffs, die in „Das Wesen“ ein wichtiger Faktor war, wird hier nur kurz angerissen und entwickelt keine Tiefe.
Was bleibt ist ein anspruchsloser Thriller mit einigen Schockmomenten, für einen verregneten Sonntag, den man wohl bald wieder vergisst.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Psychospiel mit einigen Längen

Das Wesen
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Der Psychiater Dr. Lichner sass 13 Jahre für den Mord an einem kleinen Mädchen im Gefängnis – unschuldig, wie er immer betonte. Zwei Jahre nach seiner Entlassung steht Bernd Menkhoff, der Kommissar, ...

Der Psychiater Dr. Lichner sass 13 Jahre für den Mord an einem kleinen Mädchen im Gefängnis – unschuldig, wie er immer betonte. Zwei Jahre nach seiner Entlassung steht Bernd Menkhoff, der Kommissar, der ihn hinter Gitter brachte, vor seiner Tür. Dr. Lichner soll seine eigene Tochter entführt haben, eine Tochter, die er nie hatte. Ein Psychospiel zwischen den beiden Feinden beginnt, und die Frage ist, ob Menkhoff damals einen Unschuldigen ins Gefängnis brachte.
Arno Strobel entwickelt eine schnelle Handlung, die einen immer mehr zweifeln lässt, was wahr oder falsch, wer gut oder böse ist Alles liest sich sehr gut, ein echter Pagetuner, die meiste Zeit. Leider gerät die Handlung in der Mitte etwas ins Stocken, weil man das Gefühl hat, dass die Handlung sich im Kreis dreht. Zudem werden die herausstechenden charakteristischen Eigenheiten der Protagonisten zeitweise sehr penetrant herausgehoben. Viele Erklärungen am Ende wirken dann auch eher zufällig oder konstruiert.
Insgesamt ein unterhaltsamer Thriller mit einigen Längen und Unglaubwürdigkeiten.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Düster, mystisch, spannend – atmosphärisch dichter Thriller mit spannenden Charakteren

Die Stille des Todes
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Inspector Ayala, genannt Kraken, liegt im Koma und erzählt die vergangenen Ereignisse. Ein grausamer Doppelmord schreckt die Polizei auf, denn dieser setzt eine 20 Jahre alte Mordserie vor. Der Täter von ...

Inspector Ayala, genannt Kraken, liegt im Koma und erzählt die vergangenen Ereignisse. Ein grausamer Doppelmord schreckt die Polizei auf, denn dieser setzt eine 20 Jahre alte Mordserie vor. Der Täter von damals wurde verhaftet – von seinem Zwillingsbruder. Doch der Täter sitzt immer noch im Gefängnis, doch seine Entlassung steht bald bevor. und schon bald zeigt sich, dass die Mordserie noch lange nicht zu Ende ist. Hat man damals etwa den falschen Mann verurteilt?
Eva Garcia Saenz ist ein spannender Thriller gelungen. Eine interessante Vorgeschichte der Morde wird Stück für Stück enthüllt, Inspector Ayala und sein Team werden immer persönlicher in die Morde hineingezogen und alles endet mit einer überraschenden und überzeugenden Auflösung.
Neben der spannenden Handlung überzeugt der Thriller vor allem durch seine bis in die Nebencharaktere gut dargestellten Charaktere und durch die Einbindung des Baskenlandes, seine Natur, seine Dörfer und seine zuweilen mystischen Traditionen, die der Handlung noch eine gute zusätzliche unheimliche Note verleihen.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Grönländische Mythen und eiskalte Morde

Eis. Kalt. Tot.
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Anne Norby hat mit ihrer „Tom Skagen“-Reihe gezeigt, dass sie es versteht, in der skandinavischen Welt beklemmende Thriller zu schreiben.
Grausame und bizarre Morde erschüttern Kopenhagen, das unter einem ...

Anne Norby hat mit ihrer „Tom Skagen“-Reihe gezeigt, dass sie es versteht, in der skandinavischen Welt beklemmende Thriller zu schreiben.
Grausame und bizarre Morde erschüttern Kopenhagen, das unter einem ungewöhnlich kalten Winter leidet. Kirstin Vinther, ihr neuer Kollege Jesper Baek und die aus Grönland stammende Super-Recognizerin Marit Rauch Iversen stehen mächtig unter Druck, weiterer Morde zu verhindern, denn auch die Presse sitzt ihnen im Nacken. Eine vielversprechende Spur führt schließlich in die raue und lebensgefährliche Landschaft Grönlands.
Anne Nordbys Schreibstil ist wieder einmal sehr anschaulich und schafft es schnell, den Leser in die raue Stimmung Kopenhagen hineinzuziehen, die Ermittlungen gehen schnell voran und schon bald gibt es eine ganze Reihe von vielversprechenden Spuren. Leider sind es meiner Meinung nach dieses Mal ein paar Fäden zu viel, mit der Anne Nordby hier arbeitet. Einige der Spuren und Nebenhandlungen wären hier durchaus entbehrlich gewesen, so dass die Geschichte sich an einigen Stellen zuweilen etwas zieht. Trotzdem verliert die Autorin niemals den Überblick, so dass die Fäden am Ende auch wieder zusammenfinden.
Die Protagonisten sind alle sehr interessant angelegt. Die toughe und oft auch ruppige Ermittlerin Kirstin, die auch mal ihre schwache Seite zeigen darf. Der ruhige Neuling Jesper Baek, der noch seinen Platz im Team finden muss und mit seiner Familie kämpft und die Super-Recognizerin Marit, die mit ihrer grönländischen Abstammung zu kämpfen hat. Allerdings geraten die Figuren an einigen Stellen etwas zu stereotyp, so dass sie noch zu blass sind.
Insgesamt aber ein spannender Thriller für gemütliche Lesestunden, auch wenn man etwas über die Mythen Grönlands erfahren will.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Die beklemmende Familiengeschichte dreier Brüder, die in ihre Vergangenheit zurückkehren

Die Überlebenden
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„Was sich hier auf der Steintreppe abspielt, das Weinen der drei Brüder, die geschwollenen Gesichter und all das Blut, ist nur der letzte Ring auf dem Wasser, der äußerste, der am weitesten vom Einschlagspunkt ...

„Was sich hier auf der Steintreppe abspielt, das Weinen der drei Brüder, die geschwollenen Gesichter und all das Blut, ist nur der letzte Ring auf dem Wasser, der äußerste, der am weitesten vom Einschlagspunkt entfernt ist.“ (Zitat S. 13)
Alex Schulmann erzählt ausgehend von diesem Endpunkt, die Kindheitsgeschichte der drei Brüder Nils, Benjamin und Pierre. Er beschreibt einzelne Episoden und Entwicklungen der Familie in chronologischer Abfolge. Abwechselnd dazu beschreibt er rückwärts diesen letzten Tag, dessen Ende man im ersten Kapitel erlebt. Wie Ringe im Wasser breiten sich die Ereignisse aus und ziehen sich umgekehrt zusammen, so dass ein immer dichteres Bild der Brüder und ihrer Eltern ergibt, wenn sich die Ringe durchdringen.
Neben dieser ungewöhnlichen Erzähltechnik entwickelt Schulmann ein Stimmungsbild der Familie, das beim Leser eine immer größer werdende Beklemmung erzeugt. Das Leben der Familie ist geprägt von Stimmungsschwankungen, Zuneigung, unterdrückten Gefühlen und Aggressivität, die aus einer großen Hilflosigkeit und Unfähigkeit, miteinander zu reden resultiert. Und dann gibt es noch den anfangs zitierten Einschlagpunkt …
Die wunderschöne, minimalistische Aufmachung der Hardcoverausgabe, die anspruchsvolle und emotionale Geschichte, die einen zum Nachdenken, zum Grübeln und Mitleiden anregt und die schönen malerischen Naturbilder machen das Buch zu einem unbedingten Leseerlebnis. Wie grandios der Autor diese komplexe Erzählweise umgesetzt hat, kann man auch erkennen, wenn man nachher das Buch auch mal von hinten nach vorne liest.

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