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Veröffentlicht am 08.11.2021

Eine der besten Krimireihen – grüezi

Frau Morgenstern und die Verschwörung
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Schweizer Humor in einem sprachlich genialen Krimi

Zum mittlerweile dritten Mal ermitteln die pensionierte Grundschullehrerin Violetta Morgenstern und der Ex-Söldner Miguel Schlunegger im Auftrag des ...

Schweizer Humor in einem sprachlich genialen Krimi

Zum mittlerweile dritten Mal ermitteln die pensionierte Grundschullehrerin Violetta Morgenstern und der Ex-Söldner Miguel Schlunegger im Auftrag des Schweizer Tell-Ministeriums. Eigentlich haben sie den Auftrag, einen vatikanischen Kardinal, der in einem Schweizer Kloster weilt, diskret zu eliminieren, doch ein Attentäter kommt ihnen zuvor. Auf der Suche nach dem Täter kommen sie einem ungeheuerlichen Geheimnis auf die Spur.

Marcel Huwylers dritter Kriminalroman um Violetta Morgenstern schafft es problemlos das hohe Niveau der ersten beiden Bände zu halten oder sogar noch zu übertreffen. Zum einen bietet das Geheimnis des ermordeten vatikanischen Priesters eine skurrile und spannende Handlung, zum anderen gelingt es, die bekannten Charaktere (auch die Nebenfiguren) in ihrem Zusammenspiel immer wieder witzig, emotional und voller Liebe zum Detail zu charakterisieren, alte Entwicklungen auszubauen und neue familiäre Neuigkeiten einzufügen. Gerade Miguel Schlunegger muss einige Neuigkeiten verkraften.

Immer wieder überraschend ist die sprachliche Gestaltung. Skurriler Witz ohne billigen Klamauk, poetische Formulierungen, ungewöhnliche Beschreibungen (nebst Schweizer Vokabular: Das Kebab-Hüsli) bieten dem Leser die Möglichkeit, sowohl mit den Protagonisten mitzufiebern und mitzuleiden als auch immer wieder zu schmunzeln. Man darf sich auf den vierten Band freuen.

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Veröffentlicht am 19.10.2021

Wortgewaltige Geschichte über einen Teufel an Bord

Der Tod und das dunkle Meer
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Spannende Geschichte, für die man manchmal einen langen Atem braucht
Im Jahre 1634 will der Generalgouverneur Jan Haan an Bord der Saardam von der niederländischen Kolonie Batavia nach Amsterdam reisen. ...

Spannende Geschichte, für die man manchmal einen langen Atem braucht
Im Jahre 1634 will der Generalgouverneur Jan Haan an Bord der Saardam von der niederländischen Kolonie Batavia nach Amsterdam reisen. Neben der Mannschaft, einigen Passagieren und seiner Familie wird Samuel Pipps als Gefangener mitgeführt, obwohl dieser gerade noch (als eine Art Sherlock Holmes) im Auftrag der Ostindien-Kompanie einen wertvollen Schatz wiedergefunden hatte. Doch bevor das Schiff ablegen kann, wird es von einem Aussätzigen verflucht. Und tatsächlich ereignen sich schon kurz darauf immer mehr mysteriöse Vorfälle an Bord, bis auch bald die erste Leiche auftaucht. Ist wirklich der Teufel an Bord des Schiffes?
Stuart Turton ist mit Sicherheit kein Autor, der es sich oder seinen Lesern leicht macht. Wie schon in seinem ersten Roman „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“ entwirft er einen Plot, bei dem es nicht immer leicht ist, den Überblick zu behalten. Eine komplizierte Geschichte und eine Vielzahl von Geheimnissen und Spuren verdichten sich dann aber langsam zu einem spannenden Finale.
Die Vorzüge des Romans liegen vor allem in der Phantasie des Autors, die zu einer vielschichtigen Geschichte führt, seinem ungewöhnlichen Sprachgefühl, mit dem er es schafft, die düstere Stimmung auf dem Schiff und die Charaktere treffend lebendig werden zu lassen. Großen Respekt verdient der Autor dafür, bei all den Zusammenhängen und Details, den Überblick zu behalten. Auch wenn der Autor (bewusst) viele historische Ungenauigkeiten in Kauf genommen hat, merkt man dem Buch die sorgfältige Recherchearbeit an. Eine Genreeinteilung kann (und soll) man für diesen Roman eh nicht vornehmen.
Alles in allem kann Stuart Turton auch mit seinem zweiten Roman überzeugen. Der Mittelteil ist vielleicht etwas zu lang geraten. Doch man erhält einen unterhaltsamen Roman, der zwischen Krimi, Historie, Aberglaube, dem Kontrast von Arm und Reich und auch der Liebe hin und her pendelt.

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Veröffentlicht am 01.08.2021

Humorvoller Krimi mit vielen Informationen zu Rum

Rum oder Ehre
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Inhalt: Martin Störtebäcker, 72 Jahre alt und von seinen Freunden liebevoll »der Käpt’n« genannt, lebt friedlich in der deutschen Rum-Metropole Flensburg, wo sich sein Faible für den köstlichen Zuckerrohrbrand ...

Inhalt: Martin Störtebäcker, 72 Jahre alt und von seinen Freunden liebevoll »der Käpt’n« genannt, lebt friedlich in der deutschen Rum-Metropole Flensburg, wo sich sein Faible für den köstlichen Zuckerrohrbrand hervorragend pflegen lässt. Aber dann segnet sein bester Freund Lasse das Zeitliche – und gibt dem Käpt’n aus dem Grab einen letzten Auftrag mit: Er soll zur legendären Rum-Insel Jamaika reisen und sich endlich auf die Suche nach seinem dort verschollenen Bruder begeben. In der Karibik angekommen freundet sich der Käpt’n schnell mit einer abenteuerlustigen Taxifahrerin an, die ihn bei seiner Suche unterstützt. Doch schon bei der Besichtigung der ersten Rum-Distillery stellen sie fest: Etwas stimmt ganz und gar nicht in dem tropischen Paradies. Der Brennmeister der Distillery wird auf brutale Weise ermordet aufgefunden – und es wird nicht der letzte Mord gewesen sein. Ein rasantes Katz-und-Maus-Spiel beginnt …

Carsten Sebastian Henn legt nach „Der Gin des Lebens“mit „Rum oder Ehre“ seinen zweiten Kriminalroman vor, in dessen Mittelpunkt ein alkoholisches Kultgetränk steht. Um den Rum herum gruppieren sich die deutsche Rum-Metropole Flensburg und die Rum-Insel Jamaika. Mit dem Käpt’n Martin Störtebäcker, der nach Jamaika geht, um seinen verschollenen Bruder zu suchen, schafft Henn eine wunderbare Figur, um die sich erst eine Gruppe nordischer Freunde (eine Kegelgruppe, die nicht kegelt) und dann verschiedene jamaikanische Personen schart (eine junge Taxifahrerin, die Polizistin Jo’anna mit ihrem Sohn Isaak und verschiedene Rastafari). Während Martin den Spuren seines Bruders folgt, wird viel geraucht, viel Rum getrunken, Distillerys besichtigt und auch gemordet und scharf geschossen. Diese Spurensuche ist unterhaltsam, zuweilen auch spannend und emotional und auch immer informativ, denn Henn fügt geschickt Informationen über die Rum-Herstellung und das Land Jamaika ein. Zudem gibt es Informationsseiten, auf denen locker unterhaltsam über die Geschichte und die Herstellung von Rum geschrieben wird, und natürlich gibt es auch informative Cocktailrezepte mit Rum und Kochrezepte mit Rum.

Ein schöner und unterhaltsamer Wohlfühlkrimi, bei dem der Rum der wahre Held ist. Die Protagonisten wachsen einen schnell ans Herz und auch der Kriminalfall bietet einige Überraschungen.
Es stellt sich nun die Frage, ob nach Gin und Rum jetzt vielleicht ein Krimi über Whisk(e)y folgt. Genug zu erzählen gibt es hier bestimmt auch.

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Veröffentlicht am 23.07.2021

Laura Kern ermittelt in einem sehr persönlichen Fall

Der böse Mann: Thriller
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Fesselnde Jagd auf einen Serienkiller, mit einem zu schnellen Ende
Inhalt: Am Ufer eines Sees wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Ein rostiger Stacheldraht ist um ihren Hals gewickelt und die Schulter ...

Fesselnde Jagd auf einen Serienkiller, mit einem zu schnellen Ende
Inhalt: Am Ufer eines Sees wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Ein rostiger Stacheldraht ist um ihren Hals gewickelt und die Schulter mit einem dreiflügligen Schmetterling tätowiert. In ihrer Hosentasche entdeckt Spezialermittlerin Laura Kern eine Botschaft, bei der ihr das Blut in den Adern gefriert. »Ich bin die Zweite«, steht auf einem Papiertaschentuch geschrieben. Doch wer ist dann das erste Opfer? Eine weitere Nachricht führt Laura zu der nächsten Toten, die ebenfalls grausam zugerichtet ist. Laura jagt einen Serienkiller, der abgrundtief böse ist und sie in ein gnadenloses Spiel verwickelt. Ein Spiel, das niemand gewinnen kann. Erst in letzter Minute erkennt sie, was der Täter wirklich vorhat. Aber es scheint längst zu spät, ihn zu stoppen.

Zum sechsten Mal schickt Catherine Shepherd ihre Protagonistin Laura Kern, ihren Lebensgefährten Taylor und ihren Partner Max auf die Spur eines Serienkillers, der den Ermittlern immer einen Schritt voraus ist und doch dabei näher ist als alle denken.
Von der ersten Seite an entwickelt die Handlung ein rasantes Tempo und hält die Spannung auf sehr hohem Niveau. Abwechselnd wird aus der Sicht der Ermittler, des Täters oder auch seiner Opfer geschrieben, wobei es Catherine Shepherd immer gelingt, die jeweiligen Personen schnell und anschaulich zu charakterisieren. Das hohe Tempo, in dem der Täter seine Opfer entführt und töten, erhöht den Druck spannend, zumal in verschiedene spannende Richtung ermittelt wird. Zudem kommen noch private Probleme um das Dreiergespann hinzu. Das Ende ist dann sehr überraschend und für Laura Kern auch sehr persönlich.

Der Showdown gerät meiner Ansicht nach zu unspektakulär und auch viele Fragen über die Motive und den Hintergrund des Täters bleiben unbeantwortet, bzw. bleiben durch Andeutungen der Phantasie des Lesers überlassen.

Auch wenn „Der böse Mann“ der sechste Band aus der „Laura Kern“-Reihe ist, kann man das Buch unabhängig von den Vorgängerbüchern lesen, allerdings entwickeln sich die Beziehungen um Laura und ihre Vergangenheit in den Vorgängerbänden, so dass es durchaus Sinn macht, diese in der richtigen Reihenfolge zu lesen.

Alles in allem ein sehr guter Thriller, denn man nur schwer aus der Hand legen kann. Wobei dann nur das schnelle und knappe Ende etwas enttäuscht. Insgesamt 4 von 5 Sternen, oder besser 4,5 von 5 Sternen. Catherine Shepherd lohnt sich auf jeden Fall für unterhaltsame Lesestunden.

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Veröffentlicht am 27.05.2021

Kein Thriller von Fitzek – anfangs skurril, am Ende nachdenklich und berührend

Der erste letzte Tag
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Inhalt: Livius Reimer macht sich auf den Weg von München nach Berlin, um seine Ehe zu retten. Als sein Flug gestrichen wird, muss er sich den einzig noch verfügbaren Mietwagen mit einer jungen Frau teilen, ...

Inhalt: Livius Reimer macht sich auf den Weg von München nach Berlin, um seine Ehe zu retten. Als sein Flug gestrichen wird, muss er sich den einzig noch verfügbaren Mietwagen mit einer jungen Frau teilen, um die er sonst einen großen Bogen gemacht hätte. Zu schräg, zu laut, zu ungewöhnlich - mit ihrer unkonventionellen Sicht auf die Welt überfordert Lea Livius von der ersten Sekunde an. Bereits kurz nach der Abfahrt lässt er sich auf ein ungewöhnliches Gedankenexperiment ein, ohne zu wissen, dass damit nicht nur ihr Roadtrip einen völlig neuen Verlauf nimmt, sondern auch sein ganzes Leben!
Sebastian Fitzek schickt mit Lea und Livius zwei Menschen auf einen verschneiten Roadtrip durch Deutschland. Livius ist ein in seinem Leben festgefrorener Lehrer, Lea eine rebellische und impulsive Frau. Zugegeben, die Idee ist nicht neu, und auch mit den philosophischen Gedankengängen hat Fitzek das Rad nicht neu erfunden. Aber mit Livius und Lea hat er zwei gute Charaktere geschaffen, die sich das Leben mit ihrer unterschiedlichen Art nicht immer leicht machen und dadurch von einer verrückten Situation in die Nächste geraten. Dabei ist die erste Hälfte des Buches vor allem eine Art Comedy-Trip, bei dem Fitzek manchmal (gerade verbal) über das Ziel hinausschießt, trotzdem bietet es viel zu lachen. Das Gedankenexperiment, den Tag so zu leben, als wäre es der erste letzte Tag ihres Lebens, wird vor allem von Lea vorangetrieben und führt zu aberwitzigen Situationen und auch einigen Erkenntnissen. Viel mehr Erkenntnis über das Leben (und das Sterben) erhält man aber eher in anderen Passagen. Zum Beispiel hat Livius einen Ratgeber an seinen ungeborenen Sohn geschrieben. Lea lässt mit ihrer Art dann Livius noch einmal über das Carpe-Diem-Prinzip nachdenken. Auch Leas Beziehung zu ihrem Vater lässt einen mehr über das Leben nachdenken. Gerade in der zweiten Hälfte wird das Buch dann nachdenklicher, manchmal zwar an der Grenze zum Kitsch, aber nach der Lektüre hat einen das Schicksal von Lea und Livius doch berührt, auch weil nicht alles vorhersehbar war.
Alles in allem ein schönes Buch für Zwischendurch, unterhaltsam und mit der Möglichkeit, den einen oder anderen Anstoß zu bekommen, über das Leben nachzudenken.

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