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Veröffentlicht am 04.05.2021

Rasant und spannend - ein Fitzek nach bewährtem Rezept

Das Geschenk
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Milan Berg ist Analphabet und hat seine Methoden gefunden, dies vor seiner Umgebung zu verheimlichen. Als er eines Tages an einer Ampel steht, sieht er im Auto neben sich ein völlig veränstigtes Mädchen, ...

Milan Berg ist Analphabet und hat seine Methoden gefunden, dies vor seiner Umgebung zu verheimlichen. Als er eines Tages an einer Ampel steht, sieht er im Auto neben sich ein völlig veränstigtes Mädchen, das einen Zettel an die Scheibe hält. Auch wenn Milan den Zettel nicht lesen kann, spürt er, dass das Mädchen in großer Gefahr ist. Zusammen mit seiner Freundin Andra verfolgt er das Mädchen und ihre Entführer. Doch auf der Irrfahrt muss er feststellen, dass ihn mit dem Mädchen mehr verbindet als ihm lieb ist. Denn er muss sich seiner eigenen Vergangenheit stellen, doch manchmal ist Unwissenheit das größte Geschenk auf Erden. Und die Grenze zwischen Gut und Böse ist oft nicht zu erkennen.

Der Titel "Das Geschenk" hat meiner Meinung nach nicht so viel mit der Handlung zu tun. Zwar spielt ein "Geschenk" an zwei Stellen eine Rolle, allerdings wirkt die Bezeichnung "Geschenk" in beiden Fällen eher aufgesetzt. Ich denke hier hatte eher der Werbeeffekt eine Rolle gespielt, denn die Präsentation des Buches als Geschenk wirkt schön (ähnlich wie ja schon bei "Das Paket"), andererseits hat Fitzek ja im Vorfeld damit geworben, eineigen Lesern das Buch persönlich als Geschenk zu überreichen. Netter Werbe-Gag, aber als Titel eher unpassend bzw. aufgesetzt.

Auch in seinem neuen Thriller hält sich Fitzek an sein bewährtes Konzept. In einer schnellen Abfolge jagt er seine Protagonisten von einem Ort zum anderen. Lässt sie viele Entdeckungen machen, nur um sofort wieder neue Fragen aufzuwerfen. Seine Figuren werden dabei ein ums andere Mal an die Grenzen der körperlichen und psychischen Belastbarkeit geführt. Die Kapitel werden abwechselnd aus der Sicht der verschiedenen Personen geschrieben, sind kurz und bieten fast immer einen Cliffhanger, so dass man oft schnell weiterlesen kann und will. Entstanden ist wieder mal ein rasanter Thriller, den man schnell wegliest und bei dem man sich gut unterhalten fühlen kann.

Natürlich muss man auch die für Fitzek typischen Abstriche machen, die man als Fitzek-Fan aber auch mal gerne in Kauf nimmt. Die Story ist zwar spannend und bietet viel, manchmal gar zu viel, denn das Thema Analphabetismus, das viele Möglichkeiten bietet, hätte mehr Möglichkeiten geboten. Einzelne Motive haben mich zuweilen auch an andere Fitzek-Thriller erinnert (Splitter, Abgeschnitten) Auch funktioniert die Handlung nur, weil ziemlich viele Zufälle die Handlung am Laufen halten. Auch strapazieren manche Handlungselemente die Glaubwürdigkeit. Doch dies ist man bei Fitzek ja durchaus gewöhnt und verzeiht es durchaus, wenn die Handlung einen mitreißen kann.

Insgesamt eine durch gelungene Fitzek-typische Unterhaltung. Nicht sein bestes Werk, aber mir hat es zwei Tage Spannung geboten.

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Veröffentlicht am 04.05.2021

Politisch brisant - aber nicht immer spannend

Paganinis Fluch
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"Paganinis Fluch" ist der zweite Band des Autorenduos Alexander und Alexandra Ahndoril aka Lars Kepler um den finnischstämmigen Kriminalkommisar Joona Linna von der Landeskriminalpolizei in Stockholm.

Zwei ...

"Paganinis Fluch" ist der zweite Band des Autorenduos Alexander und Alexandra Ahndoril aka Lars Kepler um den finnischstämmigen Kriminalkommisar Joona Linna von der Landeskriminalpolizei in Stockholm.

Zwei Todesfälle, die dem ersten Anschein nach keinen Bezug zueinander haben, lassen die Polizei rätseln: eine junge Frau Viola, die scheinbar an Bord eines Schiffes ertrunken ist und der anscheinend vorgetäuschte Selbstmord des Vorsitzenden der schwedischen Waffenkontrollbehörde Carl Palmcrona. Während die Polizei noch rätselt, scheint Joona Linna mit der Gabe gesegnet zu sein, den wahren Ablauf der Ereignisse mittels seiner Vorstellungskraft sofort zu lösen.

Was nun folgt, ist eine Jagd eines (anscheinend allwissenden) Auftragskiller auf Violas Schwester Penelope Lopez und ihren Freund Björn, denn natürlich findet Joona Linna eine Verbindung dieser beiden zu dem Tod Carl Palmcronas. Auch das Polizeigewahrsam, in das Penelope kommt, hindert den Killer nicht, sie weiter zu jagen, wobei ich mich frage, woher der Killler den neuen geheimen Aufentalsort kennt. Die Zahl der Todesopfer, die diese Jagd fordert, ist dabei beachtlich.

In der zweiten Hälfte nun rückt Palcronas Nachfolger Axel Riessen ins Zentrum, der schnellstmöglich eine Waffenausfuhr nach Afrika genehmigen soll,wozu Palmcrona nicht mehr gekommen ist. Da dies ein äußerst schändliches Millionengeschäft ist, ist der Hintermann auch entsprechend skrupelos, wenn er Axel Riessen zu seiner Unterschrift drängen will.

Die Story um einen illegalen Waffenhandel verspricht viel Stoff für spannende Unterhaltung und ist auch sehr aktuell. Leider weichen Lars Kepler ständig auf Nebenschauplätze aus und ziehen die Handlung so in die Länge. Ist schon die Jagd auf Penelope Lopez sehr lang geraten, so wendet nach ihrem Ende die Handlung sich dann ziemlich abrupt nun vollends Axel Riessen zu. Dieser ist eine interessante Person, vor allem weil er versucht, in diesem Dschungel von Waffenhandel integer zu bleiben. Aber Lars Kepler statten ihn mit einer Hintergrundgeschichte aus, die an den Haaren herbeigezogen wirkt und auch wenig zur Handlung beiträgt und damit von dem Waffenhandel ablenkt. Der große Showdown schließlich auf einer Yacht ist wieder sehr lang geraten und auch hier ist der Kollateralschaden immens. Schade, denn so fängt die eigentlich spannende Geschichte an, einen immer wieder zu langweilen.

Schließlich noch der Titel. Was die Wespe auf dem Cover über das Buch vermitteln soll, bleibt mir verschlossen. Auch ist der Bezug des Titels mit dem großen Namen Paganini eher aufgesetzt. Denn einerseits ist Axel Riessen ein genialer (ehemaliger) Geigen-Virtuose mit einem diesbezüglichen Trauma, der aber mit seiner musikalischen Genialität einen wichtigen Beitrag zur Lösung des Falls beitragen kann (diese Idee hat mir sehr gut gefallen), andererseits war der Haupttäter mit einer mittlerweile verstorbenen Stargeigerin verheiratet, so dass er mit einer wertvollen Sammlung berühmter Geigen und einem leidlich begabten geigenspielenden Sohn aufwarten kann. Zudem nennt dieser seine per Handschlag abgeschlossenen Verträge "Paganini-Verträge", warum hat sich mir nicht erschlossen, denn dabei handelt sich nur um das Bösewicht-typische "Mach, was ich sage, oder du wirst deinen schlimmsten Albtraum erleben."

Eine Geschichte, mit viel Potential, auf das Lars Kepler sich hätten konzentrieren sollen. So bleibt leider nur eine streckenweise spannende Geschichte zu einem wichtigen Thema übrig , die öfters dieses Thema aus den Augen verliert und auch zuweilen langweilt und mir öfters ein Kopfschütteln hervorgelockt hat.

Positiv beim Hörbuch möchte ich den Sprecher Wolfram Koch hervorheben, der das Hörbuch gut gestaltet. Auch die zwischen den Kapitel kurz eingespielte Paganini-Musik passt durchaus gut dazu.

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Veröffentlicht am 04.05.2021

Traditionelle englische Weihnachten - von Stuart MacBride mörderisch interpretiert

Zwölf tödliche Gaben
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Die Tage vor Weihnachten im schottischen Oldcastle sind nichts für schwache Nerven, denn dort scheinen vor allem Gangsterbosse, Kleinkriminelle und Leute, die für ihre Ziele über Leichen gehen, zu wohnen.

Stuart ...

Die Tage vor Weihnachten im schottischen Oldcastle sind nichts für schwache Nerven, denn dort scheinen vor allem Gangsterbosse, Kleinkriminelle und Leute, die für ihre Ziele über Leichen gehen, zu wohnen.

Stuart MacBride lässt in zwölf Kurzgeschichten eben diese Leute aufeinandertreffen und das geht niemals gut aus. Dass dieses kleine Bändchen (159 Seiten) aber mehr als eine Sammlung von 12 Geschichten ist, ist die große Stärke des Buches. Denn die Geschichten bilden fast so etwas wie einen Oldcastle-Zyklus, denn immer wieder tauchen in den Geschichten Personen und Motive auf, die wir schon aus vorherigen Geschichten kennen, zum anderen benutzt Stuart MacBride das alte traditionelle englische Weihnachtgedicht "The twelve days of Christmas" als roten Faden, das am Anfang des Bandes auch abgedruckt ist. Die in den zwölf Strophen des Gedichts genannten Geschenke werden von Stuart MacBride auf seine ganz eigene Art gedeutet und führen zu Diebstahl, Mord und Missbrauch und an so verschiedene Orte wie ein Nobelrestaurant, eine Villa, die Zentrale eine Sex-Hotline und eine Leichenhalle.

Für mich war das Bändchen dieses Jahr mein persönlicher Adventskalender, der mich sehr gut unterhalten hat. Lediglich die teilweise sehr deftige Brutalität hat mich etwas gestört, auch wenn sie nie wirklich unpassend war.

Interessant war für mich dann aber auch, wie bekannt dieses (schon sehr alte) Gedicht ist und dass es eine sehr bekannte musikalische Interpretation (einschließlich einiger Parodien gibt), z.B. auch von John Denver mit den Muppets: https://youtu.be/8ygW5hLgnn4.

Im dem Sinne wünsche ich allen eine besinnliche und friedvolle Weihnachtszeit.

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Veröffentlicht am 04.05.2021

Mörderjagd in Berlin - wenn die Vergangenheit einen nicht loslässt

Schlüssel 17 (Tom-Babylon-Serie 1)
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In der Kuppel des Berliner Doms hängt die Leiche der prominenten Dompfarrerin Dr. Brigitte Reiss. Um ihren Hals hängt ein Schlüssel, in dem die Zahl 17 eingraviert ist, Tom Babylon vom LKA will diesen ...

In der Kuppel des Berliner Doms hängt die Leiche der prominenten Dompfarrerin Dr. Brigitte Reiss. Um ihren Hals hängt ein Schlüssel, in dem die Zahl 17 eingraviert ist, Tom Babylon vom LKA will diesen Fall unbedingt haben, denn vor 19 Jahren verschwand seine kleine Schwester Viola spurlos. Bei sich hatte sie eine Schlüssel, in dem die Zahl 17 eingraviert war. Bei der Suche nach dem Mörder von Brigitte Reiss steht gezwungenermaßen die Psychologin Sita Johanns an seiner Seite - und auch seine Schwester Viola.

Marc Raabe schlägt in seinem ersten Band um das Ermittlerpaar Babylon/Johanns ein schnelles Tempo an. Die Jagd nach dem Mörder und die Hintergründe dauern gerade mal sechs Tage. Dass bei einem Thriller, der in Berlin spielt, dabei die DDR-Vergangenheit eine wichtige Rolle spielt, mag vielleich den einen oder anderen verärgern, doch Marc Raabe macht nicht den Fehler, dieses Thema in den Vordergrund zu stellen. Im Gegenteil liefert ihm dieser Hintergrund viele Möglichkeiten, um die Charaktere toll zu entwickeln, und nicht nur die Hauptprotagonisten. Allen voran Tom Babylon, dessen Vorgeschichte in Rückblenden erzählt wird. Denn in Rückblenden wird erzählt, wie Violas Verschwinden mit dem Mord an Brigitte Riss zusammenhängt. So entsteht ein grandioses Geflecht an Zusammenhängen, die Marc Raabe nach und nach entwirrt. Dagengen bleibt Sita Johanns (und ihre Vorgeschichte) im ersten Band noch eher im Hintergrund.(Dies holt Marc Raabe dann im zweiten Band nach) Blass bleibt ihre Figur aber dennoch nicht. Zum einen schafft sie es immer wieder Tom und seinen von der Hoffnung, Viola zu finden, getriebenen Alleingängen Paroli zu bieten, zum anderen darf sie in einer anderen Richtung ermitteln. Diese Spur führt sie direkt zu einer Insassin einer psychatrischen Anstalt. Aber auch die anderen Ermittler, allen voran Toms Vorgesetzter Jo Morten und sein Vater Heribert, fügen sich in dieses Beziehungs- und Ermittlungsgeflecht sehr gut ein.

Auch die Schauplätze, an denen Marc Raabe seine Figuren führt, sind exzellent gewählt, so dass man zuweilen glaubt, eine Führung durch Berlin zu erleben. Besonders wichtig sind dabei natürlich der Berliner Dom und die gruseligen Beelitzer Heilanstalten.

Rundum ein gelungener Thriller, der Lust macht auf die nächsten Bände. Denn am Ende werden nicht alle losen Fäden aufgelöst (was verärgern mag), aber genau darin besteht dann die Vorfreude. Positiv auch, dass Marc Raabe die in einem Thriller nötigen brutalen Szenen nicht unnötig lang und detailliert beschreibt, sondern eher nüchtern. Der Thrill setzt dann beim Leser im Kopf ein.

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Veröffentlicht am 04.05.2021

Gute Idee vergeudet - wirre Umsetzung

Der unsichtbare Freund
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Das Hörbuch zu Stehen Chboskys Roman "Der unsichtbare Freund" bietet eine große Handlung vom altbekannten "Gut" gegen "Böse", mit über 22 Stunden Hörzeit ist dieses Hörbuch auch sehr lang.

Zum Inhalt: ...

Das Hörbuch zu Stehen Chboskys Roman "Der unsichtbare Freund" bietet eine große Handlung vom altbekannten "Gut" gegen "Böse", mit über 22 Stunden Hörzeit ist dieses Hörbuch auch sehr lang.

Zum Inhalt: Die alleinerziehende Mutter Kate flieht mit ihrem siebenjährigen Sohn Christopher vor ihrem gewalttätigen Freund in die abgeschiedene Ortschaft Mill Grove, wo sie versucht für sich und für Christopher ein normales Leben zu erschaffen. Doch schon bald passiert es: Christopher verschwindet in dem Mill Grove umgebenden Wald und taucht erst sechs Tage später wieder auf, scheinbar unversehrt, doch plötzlich entwickelt er übernatürliche Kräfte, die er auch an andere Personen weitergeben kann. Denn Christopher hat den Auftrag, im Wald ein Baumhaus zu bauen, um so die Welt zu retten.

Stephen Chbosky nimmt sich deutlich Stephen King zum Vorbild, was er auch gar nicht leugnet, insofern erinnert der (Horror?-, Fantasy?-)Roman von der Handlung her sehr an Stephen Kings Roman "ES", denn um Christopher formiert sich eine Gruppe Kinder, die allesamt Außenseiter sind und Christopher anscheinend helfen sollen, ihm im Kampf "Gut" gegen "Böse" beizustehen.

Das alles hätte ein toller Roman werden können und etwa das erste Viertel weiß auch durchaus zu fesseln. Chbosky versteht es sehr gut, die menschlichen Beziehungen, besonders das Verhältnis von Christopher zu seiner Mutter zu beschreiben. Doch sobald im Roman die Grenzen zwischen der realen und einer Fantasiewelt fallen, rast der Roman wie eine Lawine dahin, leider auch genauso chaotisch.

Stephen Chbosky hat mit Sicherheit viel erzählerisches Talent (andere Werke von ihm habe ich bisher nicht gelesen) und hat viele Idee, allerdings viel zu viele, denn Chbosky verpasst die Chance, seine Ideen auf ein sinnvolles Maß zu reduzieren, so dass vieles oftmals wortwörtlich wiederholt wird. Zum anderen verliert die Geschichte vollständig an Struktur. Die wirklich wichtigen, die Handlungen voranbringenden Schlüsselszenen sind in der Fülle von sich wiederholenden Szenen als solche nicht mehr auszumachen. Passiert nachts um 2:17 Uhr mit den Einwohnern von Mill Grove etwas Unheimliches, so wird nacheinander etwa fünfmal erzählt, was jeweils eine bestimmte Person um 2:17 Uhr getan hat, und nur selten ist dies für die Handlung wirklich wichtig. Merkt man bei Stephen King immer noch deutlich, dass das Böse in der realen Welt Einzug hält, so wird die (eigentlich noch existierende) reale Welt im Roman von der Fantasiewelt vollig übertücht, was dem Schrecken viel nimmt. Das Schlimmsten dabei ist: die im ersten Teil so schön aufgebauten Beziehungen zwischen den Figuren (z.B: Christopher und seinen Freunden) geht völlig verloren und damit auch die Beziehung, die man zu den Figuren aufgebaut hat, sie werden einem egal.

Ein weiteres großes Manko ist die sprachliche Gestaltung. Auch hier verpasst es Chbosky, sich rechtzeitig zu zügeln. Ständig wird alles mit Vergleichen garniert, die manchmal unpassend sind ("der Mann starrt die Frau an wie eine überreife Ananas"), die sich ständig wiederholen (die Bösen bewegen sich oder klingen immer wieder "wie eine Schlange") oder eine Sache wird mehrmals verglichen (etwas hängt herab erst "wie Leichen von einem Galgen", kurz darauf "wie Kugeln am Weihnachtsbaum" und wiederum kurz darauf "wie Eiszapfen"). Das ist auf Dauer eher nervtötend als große Sprachkunst. Vor allem fühle ich mich als Hören nicht ernst genommen, denn ich möchte mir gerne auch beim Hören meine eigenen Bilder machen können. So wird jede Fantasie beim Hörer in Keim erstickt.

Was mir den Spaß am Hörbuch dann vollends verleidet hat, war der religiöse Überbau, den Chbosky der Handlung gegeben hat. Natürlich gibt es das auch bei anderen Romanen, auch bei Stephen KIng (z.B.: Needful Things"), doch auch hier schießt Chbosky übers Ziel hinaus. Dass der Teufel das Böse ist, geht ja noch an, aber andere Personen werden zum leibhaftigen Messias, eine Frau zur Jungfrau Maria, Gott ist ein Mörder usw.

Insgesamt hätte dies von der Grundidee her ein guter Roman werden können, aber dazu hätte Chbosky den Roman (meiner Meinung nach) gut um die Hälfte kürzen und sich auf das Beziehungsgeflecht der Personen konzentrieren müssen (von denen viele entbehrlich erscheinen). So wurde das Hörbuch mehr und mehr zur Herausforderung und ich war ein paarmal kurz davor abzubrechen, da mich das Ende nicht mehr wirklich interessiert hat. Vor allem die tolle Stimme David Nathans, der das Hörbuch sehr gut liest, haben mich bis zum Ende durchhalten lassen.

Für David Nathan und den guten Anfang gibt es 2 Sterne, insgesamt aber eher 1,5 als 2 Sterne.

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