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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.07.2026

Charakterliche Tiefe, spannende Geschichte

So kalt die Nacht
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Inhaltlich beginnt dieses Buch gleich super spannend. Eine Mordserie durchzieht Köln und die Presse verpasst dem Unbekannten gleich den (zunächst noch etwas überspitzt klingenden) Name "Der Unbarmherzige". ...

Inhaltlich beginnt dieses Buch gleich super spannend. Eine Mordserie durchzieht Köln und die Presse verpasst dem Unbekannten gleich den (zunächst noch etwas überspitzt klingenden) Name "Der Unbarmherzige". Mit der Bearbeitung dieses Fall wird die Kommissarin Anna Melcher betraut, die aktuell aber auch in ihrem persönlichen Umfeld mit einigen Themen, u.A. Panikattacken zu kämpfen hat. Neben dieser Tatsache erschweren auch die Dynamiken im Kommisariat ihre Arbeit, denn neben ihrem Kollegen Mann, der sich absolut nicht mit dem Gedanken eine Frau in einer tragenden Rolle anfreunden kann, bekommt sie auch noch einen neuen Kollegen Frieder Tann an die Seite gestellt, der von der Arbeitsmoral her und auch von seinem gesamten Wesen fast komplett ihr Gegenteil ist. Aber so schwer ich mich anfangs auch mit den Beiden getan habe, im Verlauf der Geschichte wurde ich immer wärmer mit ihnen.

Ohne zu viel über die schlussendliche Auflösung zu verraten, muss ich eindeutig sagen, dass sie mich etwas überrumpelt und auch betroffen gemacht hat. Ich mochte das stetige Miträtseln, wäre aber auf das was da kam nie so wirklich gekommen. Vielleicht lag das aber auch ein wenig daran, dass ich das Gefühl hatte, dass häufig einfach die Charakterentwicklungen, sowohl Haupt- als auch Nebenfiguren, mehr im Fokus standen als die tatsächlichen Ermittlungen. Diese Tatsache passt schon so grundsätzlich für einen Auftakt einer Reihe, wobei es mMn. auch etwas unterschwelliger gegangen wäre.

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Veröffentlicht am 30.06.2026

Hochaktuelle und dadurch auch eher unbequeme Thematik

Travel is broken
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Dass die Reisebranche in den letzten Jahren immer mehr boomte, dürfte kein Geheimnis mehr sein sein. Immer mehr Menschen reisen immer weiter weg, wollen immer mehr in kürzester Zeit erleben und damit ein ...

Dass die Reisebranche in den letzten Jahren immer mehr boomte, dürfte kein Geheimnis mehr sein sein. Immer mehr Menschen reisen immer weiter weg, wollen immer mehr in kürzester Zeit erleben und damit ein weiteres Puzzlestück ihrer Selbstinszenierung in den sozialen Medien sammeln. Alles in allem handelt es sich also hier um ein Buch, dass den Zahn der Zeit ( vom ersten Einduck her) absolut treffen müsste.

Und dennoch muss ich leider gestehen, dass es mich nicht vollständig mitreißen konnte. Der grundsätzliche Gedanke sich damit auseinanderzusetzen, wie man das Reisen vielleicht nicht komplett aufgeben muss, sondern es wieder bewusster erleben kann, ist mMn. schon gelungen. Nur verstrickt der Autor sich dabei leider in einem Schreibstil, der sich im ersten Moment noch flüssig und interessant anliest, mit zunehmendem Verlauf aber auch etwas anstrengend sein kann. Denn zwischen der Einbettung verschiedenster Anekdoten, wird auch noch auf eine sehr umfangreiche Untermauerung mit wissenschaftlichen Studien und Fakten gesetzt. Das empfinde ich grundsätzlich als echt nicht schlecht, irgendwie hat es aber dann doch den Lesefluss etwas sehr unterbrochen, wenn ständig Aufzählungen von Daten und Fakten auftauchen. Also wer sich wirklich wissenschaftlich und wirtschaftlich mit diesen Thematiken rund um "Overtourism" beschäftigen möchte, hat sicherlich Freude daran, ich hatte mir aber irgendwie etwas Anderes erwartet.

Abschließend lässt sich festhalten, dass dieses Buch so zur Selbstreflexion über das eigene (Reise-) Verhalten ein, zwei ganz interessante ( wenn auch nicht komplett neue) Ansätze bereithält, für mich aber tatsächlich zu viel auf das "Privileg zu Reisen" und zu wenig auf die schädlichen Umweltaspekte eingegangen wird und der Schreibstil mich auch nicht wirklich in einen Sog ziehen konnte, eher musste ich mich teils aktiv dazu auffordern über manche Stellen hinweg zu lesen.

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Veröffentlicht am 22.06.2026

Thematisch spannend, Schreibstil naja

Sunshine Man
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Wir befinden uns in einem kleinen Dorf in Wiltshire, England in den späten 80er Jahren. Zunächst begleiten wir Birdie, die dort mit ihrer Familie ein mehr oder weniger unspektakuläres Leben führt. Tief ...

Wir befinden uns in einem kleinen Dorf in Wiltshire, England in den späten 80er Jahren. Zunächst begleiten wir Birdie, die dort mit ihrer Familie ein mehr oder weniger unspektakuläres Leben führt. Tief in ihr brodelt aber ein Gefühl, das vom ersten Gefühl her nicht in diese geruhsame Atmosphäre passen möchte: Hass und Rachegelüste. Denn vor 18 Jahren wurde ihre kleine Schwester ermordet und in genau diesen Tagen, in denen wir sie hier kennenlernen, soll nun der Mörder wieder freigelassen werden. Und das lässt in ihr nun den Plan reifen ihn endgültig dafür büßen zu lassen für das was er ihrer Schwester ( und somit indirekt auch ihr angetan hat)
Im zweiten Teil der Geschichte erfahren wir dann mehr über den Mann, der während seiner gesamten Zeit im Gefängnis stets immer noch auch unschuldig plädiert hat.
Super spannend dabei ist die Auseinandersetzung mit seiner Kindheit und damit der Frage inwieweit ein Umfeld jemanden zum Mörder aufwachsen lassen kann bzw. ob und wenn ja, welche Einflüsse es sind.
Danach folgen noch weitere Teile in der aber keine ganz klare Trennung der beiden Charaktere mehr möglich ist.
Alles in allem spannend angelegte Charaktere in einem Buch, dass nicht unbedingt ein Thriller sondern eher (auch) ein Roman über Gefühle wie Rache, Vergeltung, Hass,.. und aber auch die Frage, was ein Kind (eventuell) zu einem Mörder aufwachsen lässt, ist.
Ich muss aber leider gestehen, so interessant die Themen auch sind, der Schreibstil konnte mich nicht wirklich nachhaltig mitnehmen. Es gibt Passagen, in denen es durchaus schön dynamisch erzählt wird und dann plätschert die Geschichte wieder nur vor sich hin. Ich hätte mir irgendwie etwas mehr Konstanz diesbezüglich gewünscht und gerade auch zu Beginn etwas weniger "Dialoglastigkeit".

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Veröffentlicht am 06.06.2026

Wonach riecht Sommer ?

The French Escape - Love & Lavender, Band 1
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Eine Frage, die jeder irgendwie ein bisschen anders für sich beantwortet und doch schwebt meiner Meinung nach immer auch so ein bisschen der "klischeehafte" Duft von Lavendel in der Provance mit.
Gerade ...

Eine Frage, die jeder irgendwie ein bisschen anders für sich beantwortet und doch schwebt meiner Meinung nach immer auch so ein bisschen der "klischeehafte" Duft von Lavendel in der Provance mit.
Gerade dieses Buch zeigt aber mMn. auch, dass Düfte noch so viel mehr als nur z.B. das Gefühl von Sommer transportieren können.
Denn Timothee, einer der beiden Hauptprotagonisten hier entstammt einer Parfümdynastie und auch wenn er zum Anfang des Buches durch seine Abschlussprüfung fällt ( eine Szene, bei der ich mich zunächst noch etwas schwergetan habe in die Geschichte hineinzukommen) kann er das Thema auch nach seiner "Flucht" nach Cannes nicht ganz hinter sich lassen.
Denn da wäre auch noch Amber, eine aufstrebende Schauspielerin, die gerade zu den Filmfestspielen in der Stadt ist und ich verrate nicht zu viel ( es steht ja sogar schon im Klappentext) wenn ich sage, dass er durch sie wieder etwas mehr seine Leidenschaft für dieses Handwerk findet. Die beiden sind super sympathisch gezeichnet, auch wenn ich sie mir anfangs irgendwie noch etwas jünger vorgestellt hätte, aber manches wäre dann auch nicht mehr ganz realistisch gewesen. Auch das kleine Spannungselement, dass Ambers Exfreund sie nach wie vor nicht gehen lassen möchte und sie zeitweise richtig stalkt ist durchaus gelungen. Die "Nebenstränge" sind allesamt gut ausgearbeitet und geben einfach noch mal etwas mehr (atmosphärische) Tiefe. Und so ein paar Hinweise auf Dinge, die im zweiten Band noch wichtig werden könnten haben wir da ja auch schon...

Insgesamt eine schöne, sommerliche Lektüre in einem traumhaften Setting, das auch gut transportiert wird. Über das Cover und den Farbschnitt bin ich mit mir selbst zwar noch unentschlossen; es ist schon ein Eyecatcher, aber gleichzeitig für mich einfach schon fast zu rosa und das Wort ( auch mit dem Wissen, dass es sich mit dem zweiten Band ergänzen wird) auf der Seite wirkt etwas deplatziert, aber gut sowas ist ja auch ganz stark Geschmackssache.

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Veröffentlicht am 03.06.2026

Roman oder Sachbuch ? Auf alle Fälle nachhallend

Feine Risse
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Gleich vorne weg, bei diesem Buch handelt es sich um ein Werk, dass einen meiner Meinung nach nicht so schnell wieder loslässt, das mit seinen Gedankenansätzen und Fragen, die es aufwirft durchaus nachhallt.
Aber ...

Gleich vorne weg, bei diesem Buch handelt es sich um ein Werk, dass einen meiner Meinung nach nicht so schnell wieder loslässt, das mit seinen Gedankenansätzen und Fragen, die es aufwirft durchaus nachhallt.
Aber zunächst von ganz Anfang an. Die Schlichtheit des Cover hat mich gleich näher interessiert; gerade in einer Zeit, in der die Cover immer farbenfroher und ( so zumindest mein Empfinden) leider auch immer überladener sind, einfach eine tolle Abwechslung. Und auch das grundsätzliche Konzept des Buches; mehrere Kurzgeschichten bzw. Fälle aus Eva´s vergangenen Jahren als Strafverteidigerin hintereinander gegeschaltet und doch immer durch eine grobe Rahmenhandlung zusammengehalten, finde ich echt gut umgesetzt. Auch wenn ich nach wie vor nicht ganz einordnen kann, in welchem Genre wir uns befinden. Es fehlen irgendwie so richtige "Roman-Elemente", aber für ein Sachbuch ist es dann schon wieder zu erzählend...
Auf alle Fälle werden ganz unterschiedliche Facetten, die die Grenzen ( und auch Grauzonen) zwischen Moral, Recht und Wahrheit ausloten hier miteinander verwoben. Ich muss aber tatsächlich zugeben ( inwieweit das jetzt mit meiner allgemeinen [True-]Crime-Affinität zusammenhängt ist noch fraglich), dass mir manche Sachverhalte mal etwas zu vorhersehbar ( weil doch recht nah an bekannten Fällen) oder vereinzelt auch etwas sehr konstruiert vorkamen. Aber bei näherem Drübernachdenken und im Verlauf der Geschichte merkt man immer mehr, dass das ja auch gar nicht ausschließlich der Mittelpunkt der Handlung ist. Denn eigentlich geht es ja um Eva´s Reflexion und auch all die tiefgründigen Fragen nach Gerechtigkeit, Schuld, Verantwortung, Entscheidungen, die Strafverteidiger manchmal in Grauzonen operieren lassen. Eva als Hauptperson ist dabei wirklich toll herausgearbeitet, vielleicht hängt das auch mit dem Hintergrund der Autorin zusammen, aber insgesamt wirklich eine Protagonistin, die sehr gut gelungen ist ( auch wenn ich manche Entscheidungen nicht ganz nachvollziehen kann) Allgemein werden so einige Punkte angesprochen, die sowohl Diskussions- als auch gesellschaftliches/öffentliches "Eskalationspotential" haben, was ich sehr fesselnd fand.
Eine Lektüre, die mich nicht so schnell wieder loslassen wird und mir auch einmal mehr gezeigt hat, dass ich all diese Themen zwar super interessant finde, charakterlich aber absolut nicht für einen Job wie Eva ihn hat geeignet wäre.

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