Reisen mit offenen Augen – inspirierend, ehrlich und absolut lesenswert ★★★★★
Beim Lesen wurde ich von einer ganz persönlichen Erinnerung eingeholt - an ein wunderbares Urlaubshaus meiner jungen Erwachsenenzeit, das für viele Jahre das Sommerparadies meiner kleinen Familie war. ...
Beim Lesen wurde ich von einer ganz persönlichen Erinnerung eingeholt - an ein wunderbares Urlaubshaus meiner jungen Erwachsenenzeit, das für viele Jahre das Sommerparadies meiner kleinen Familie war. Gerade diese Nostalgie hat mir noch einmal bewusst gemacht, wie eng Reisen mit Emotionen und Erinnerungen verbunden ist, dass man für tiefe Erlebnisse nicht weit fahren muss und dass auch in der scheinbaren nuancierten Wiederholung ein ganz eigener Reiz liegen kann .
Für mich bringt die Überschrift des Kapitels „Vom Anspruchsdenken zur gesunden Demut“ die zentrale Botschaft des Buches perfekt auf den Punkt. Besonders überzeugt hat mich der Gedanke, dass Reisen ein Privileg und zugleich ein zutiefst menschliches Bedürfnis ist. Die Lösung besteht nicht darin, aufs Reisen zu verzichten, sondern die Augen zu öffnen, sensibel wahrzunehmen, Widersprüche auszuhalten und mit einem ehrlichen statt permanent schlechten Gewissen unterwegs zu sein.
Das Buch liefert keine einfachen Patentrezepte – und genau das macht seine Stärke aus. Stattdessen regt es mit vielen klugen Gedanken und anschaulichen Beispielen dazu an, das eigene Reiseverhalten zu hinterfragen. Themen wie alter und neuer Kolonialismus oder die Auswirkungen unseres Reisens auf die Natur und die Menschen vor Ort werden differenziert und nachvollziehbar behandelt.
Mich hat das Buch sehr zum Nachdenken gebracht und in meinem Wunsch bestärkt, künftig bewusster, langsamer und weniger weit zu reisen. Es steht für mich ganz klar auf der Verschenkliste und erhält verdiente 5 von 5 Sternen.