Starker Beginn, weichgezeichnetes Ende
Mit anderen AugenWährend „Mit anderen Augen“ von Jane Tara mich im ersten Drittel noch voll überzeugen konnte, ließ die Begeisterung dann leider schnell nach. Frech und plakativ geht die Autorin das Thema Unsichtbarkeit ...
Während „Mit anderen Augen“ von Jane Tara mich im ersten Drittel noch voll überzeugen konnte, ließ die Begeisterung dann leider schnell nach. Frech und plakativ geht die Autorin das Thema Unsichtbarkeit bei Frauen ab 50 zunächst an. Gut gefiel mir die gesellschaftliche Kritik, die sympathischen Figuren und die vorherrschende Diversität. Im Handlungsverlauf verrutscht der Ton dann aber leider zunehmend zu einem schlechten Lebensratgeber. Prinzipiell sind die vermittelten Botschaften zur eigenen Wahrnehmung und Selbstfürsorge sicher nicht ganz falsch. Allerdings klang es aber zunehmend danach, dass jede Person selbst für das eigene Selbstbewusstsein/Mindset verantwortlich ist. Und wenn man nur genug an sich arbeitet, dann wird alles gut. Für mich problematisch, da es eben die Lebensrealität vieler verkennt und oft eben jahrelange Therapie für Veränderungen nötig ist. Darüber hinaus überhöht die Autorin meiner Meinung nach völlig den Wert von Meditation und heilt in ihrer Geschichte damit mal eben ein Kindheitstrauma. Ein weiterer Kritikpunkt war für mich außerdem Tildas doch sehr privilegierte Situation und jegliche feministische Botschaft verliert sich sowieso im schnulzigen Happy End mit einem gutaussehenden Traummann. Was so vielversprechend begann ließ mich letztendlich enttäuscht zurück. Da ich noch mehr Kritikpunkte vorbringen könnte, wie etwa der besorgniserregende Alkoholkonsum mehrerer Charaktere, hilft es leider auch nicht viel das der Schreibstil durchaus angenehm zu lesen ist. Mit viel Wohlwollen und weil zahlreiche wichtige Themen zumindest kurz angesprochen werden, vergebe ich 3 Sterne.