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Veröffentlicht am 05.12.2019

Erschütternde Utopie, die Morgen schon wahr werden könnte!

Mirror
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Carl Poulsen hat es geschafft, mit seinem Geschäftspartner und Technikchef Eric hat er ein revolutionäres Gerät, den „Mirror“ entwickelt, das einen digitalen Spiegel seines Nutzers erschafft und alles ...

Carl Poulsen hat es geschafft, mit seinem Geschäftspartner und Technikchef Eric hat er ein revolutionäres Gerät, den „Mirror“ entwickelt, das einen digitalen Spiegel seines Nutzers erschafft und alles tun wird, diesen zu unterstützen und glücklich zu machen. Selbstoptimierung auf ganz hohem Level. Anhand einiger speziell ausgewählter Protagonisten folgen wir deren Lebensverlauf unter Beeinflussung der völlig faszinierend neuen Mirrorwelt. Eine Welt voller berauschender neuer Erfahrungen, voller Hoffnungen, doch es lauern auch Gefahren…..



Mit seinem beängstigendem Zukunfts-Szenario in „Mirror“, ist dem Autor Karl Olsberg ein beeindruckende und überzeugend vorstellbare Handlung gelungen. Der Schritt geht in eine kuschelig-einfache Sorglos-Welt, in der eine künstliche Intelligenz, dir die Welt erklärt und dir deine Probleme, Handicaps und Entscheidungen abnehmen kann. Das scheint schon jetzt nicht mehr fern zu sein und ist daher auch sehr gut vorstellbar! Olsberg beschreibt daher eine Situation, die schon morgen möglich sein könnte, mit erschreckender Deutlichkeit und zeigt uns gekonnt die Vor- und Nachteile auf. Die Vorstellung das der „Mirror“ mit seinem großen Datenabgleich und all dem persönlichen Input gute Empfehlungen abgeben kann ist nett, gar keine Frage, durch Gesichtserkennung Gefühle des Gegenübers deuten praktisch und Blinde sicher durch die reale Welt zu manövrieren, machen ihn uns sympathisch. Doch sobald der Mirror etwas falsch interpretieren sollte, in unsere Gefühlswelt hinenpfuscht, uns manipuliert, oder gar bedroht, wendet sich das Blatt und wird zur wahren Horrorvorstellung.

Mich als begeisterten Technik Anhänger hat das Buch sehr fasziniert, es hat Möglichkeiten gezeigt die verlocken, aber auch die Gefahren und Auswirkungen der Technik auf den Einzelnen aufgezeigt, die lauern und über die sich im vorher niemand Gedanken macht. Dieser sorglose Umgang ist leider auch schon mit unserer vergangenen Technisierung erfolgt und daher so real, erst heutzutage werden uns die Auswirkungen bewusst, wie beispielsweise Manipulation, Mobbing und Kriminalität im Internet, die Auswirkung der Industrialisierung auf das Klima oder unser Umgang mit Plastik, zukünftig werden sogar Menschen zu schwer entsorgbaren Sondermüll (Implantate) werden.

Wie viele Menschen sind schon durch falsche Navigation an den unmöglichsten Orten gelandet, da ihr Vertrauen in die Technik größer war als die Schilder und Gegebenheiten ihrer Umwelt….selbstständiges Denken sollte eben trotz Technik und Fortschritt immer Priorität haben, auch wenn "Neuerungen" noch so attraktiver daher kommen;) Nachdenken über die Auswirkung des eigenen Handelns wird gerade in unserer modernen Welt immer wichtiger!

Mit den Worten des Autors gesagt: „Nicht die Technik ist unser Problem, sondern die Art, wie wir damit Umgehen.“

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.12.2019

Ein etwas privater aber auch faszinierender Fall für den Kraken

Das Ritual des Wassers
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Handlungsort, die Stadt Vitoria im Baskenland 2016
Inspektor Unai Lopez des Ayala, Profilingexperte und Fallanalytiker der Kriminalpolizei von Vitoria ist noch krankgemeldet, da schwer gehandicapt vom ...

Handlungsort, die Stadt Vitoria im Baskenland 2016
Inspektor Unai Lopez des Ayala, Profilingexperte und Fallanalytiker der Kriminalpolizei von Vitoria ist noch krankgemeldet, da schwer gehandicapt vom vergangenen Fall der Doppelmordserie. Da ein rätselhafter Ritualmord geschieht, wird er aber dennoch zu Hilfe gerufen. Das Mordopfer ist Anabell Lee, eine bekannte Comic-Autorin, schwanger und grauenvoll ermordet, gefesselt am Baum hängend, mit dem Kopf in einem kupfernen antiken Kessel getaucht. Ayala erkennt die Tote sofort, es ist seine erste Jugendliebe, die hier so grauenvoll zu Tode kommt! Schwer erschüttert, erinnert sich Unai an die Ereignisse des Sommers 1992, als er mit seinen vier Freunden in einem Ferienlager an der kantabrischen Küste das Opfer kennenlernte. Unai setzt alles daran den Täter zu finden…..

Der Thriller „Das Ritual des Wassers“ ist schon der zweite Fall für Inspektor Ayala genannt „Kraken“, der aus der Feder der spanischen Autorin Eva Garcia Sáenz stammt und auch gut lesbar ist ohne Kenntnisse des Vorgängerbandes. Ihr Schreibstil ist sehr intensiv und anschaulich und die Beziehungen ihrer Protagonisten interessant aufgebaut und genial ineinander verstrickt. Dieser Fall, weitet sich dieses Mal beängstigend weit in das private Umfeld des „Kraken“ aus. Die Ereignisse versetzen den Inspektor in längst vergangene Zeiten und bringt Erinnerungen zutage, die schon längst vergessen schienen!

Die Lösung des außergewöhnlichen Mordes bekräftigen Ayala, auch seine akute Sprachstörung zu therapieren um so schnell wie möglich, wieder in den aktiven Dienst zurückzukehren. Sein Großvater, sein Bruder Germaine, Kollegin Esti, sowie auch seine Chefin und neue Liebe Alba unterstützen ihn dabei, jeder auf seine eigene Art und Weise. Eine große Rolle spielen in diesem Band die alten Kultplätze und Riten der Kelten, die von der Autorin auf gekonnte Weise erklärt und recherchiert wurden. Götter, Fruchtbarkeits- und Opferrituale, sowie Missbrauch und Gewalt in der Familie, sind in diesem Thriller die Hauptthemen. Auch die Jugendzeit, das Freundes- und Privatleben des Inspektors spielen eine große Rolle in der Handlung. Die Spannung und Verwirrung steigt kontinuierlich im Verlauf des Buches und das Rätselraten, ob der Wahrheiten oder Lügen vorherrscht, machen die Lektüre interessant und packend. Wer verbirgt sich hinter welcher Maske, wer ist Freund oder Feind, Kraken wird nicht geschont und muss einige Verluste ertragen.

In diesem Thriller menschelt es gewaltig, Liebe und Leiden liegen dicht beieinander und geben der Handlung ihren Reiz. Auch die Ausflüge in die vorchristliche Kulturgeschichte und vergangene Kulte fand ich fesselnd und faszinierend. Das die Ermittlungen so viel mit dem Privatleben des Ermittlers zu tun hatten, mich jetzt nicht gestört, ist aber schon sehr ungewöhnlich. Eigentlich verlieh gerade diese Privatisierung der Geschichte den Kitzel. Gefallen hat mir dabei besonders das Spiel mit den verschiedenen Zeitebenen und den Empfindungen der Beteiligten damals und im Hier und Jetzt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.11.2019

Ein Plan die Welt zu retten, mutig und konsequent

Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen!
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„Mit dem Weiter-so-wie bisher muss jetzt Schluss sein!“, diese Aussage aus dem Vorwort, von Wissenschaftler und Physik-Professor Harald Lesch, kann ich nur zustimmen.

Wenn man mit offenen Augen durch ...

„Mit dem Weiter-so-wie bisher muss jetzt Schluss sein!“, diese Aussage aus dem Vorwort, von Wissenschaftler und Physik-Professor Harald Lesch, kann ich nur zustimmen.

Wenn man mit offenen Augen durch unsere Welt geht, sieht man allzu deutlich, das etwas im Argen liegt und es unverzichtbar und höchste Zeit wäre endlich eine ökologisch denkende Gesellschaft zu schaffen. Eine Abwendung vom Egoismus des Einzelnen wäre wünschenswert, doch die Einstellung „Nach mir die Sintflut“, ist leider sichtlich weit verbreitet.

Das Fachbuch „Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen!“, wurde initiiert von dem Jugendrat der Generationen Stiftung und herausgegeben von der Unternehmerin und Gründerin der Internetplattform Utopia, Claudia Langer. Acht junge Leute haben sich Gedanken gemacht, zu den großen Themen unserer Zeit, zu Problemen, die uns bewegen und versucht konkrete Pläne zur Lösung zu schmieden.

Sie halten unserer Gesellschaft gnadenlos den Spiegel vor und sagen rigoros was sie meinen, die ungeschminkte und oft unbequeme Wahrheit. Allerdings die vorwurfsvolle Art und Weise wie zu Beginn des Buches mit den älteren Generationen abgerechnet, wird fand ich nicht angebracht, denn im Nachhinein sind immer alle Schlauer und Wissen alles besser. Das kann man sich ehrlich gesagt schenken, es ist Geschichte und im Nachhinein sowieso nicht mehr zu ändern. Mit dieser Tatsache muss man umgehen und es in der Zukunft eben besser machen, ohne Urteil und Vorurteil, sonst wird man nichts erreichen außer Empörung.

Viele dringende Themen und deren Lösung werden im Buch aber endlich einmal offen angesprochen und dargelegt. Darauf eingehend versuchen die jungen Autoren Lösungen zu generieren, die nicht immer angenehm klingen und auch auf Ablehnung stoßen werden, da unbequem, unvorstellbar, unannehmbar, unfinanzierbar, ungeheuerlich……einfach provokant, ein Aufschrei, wohl beiderseits;)
Unsere Gesellschaft wird aber um Änderungen in vielen Bereichen nicht umhinkommen und hier werden sie endlich mal konkret, ehrlich und auch mahnend ausgesprochen.

Dieses mutige und politische Manifest lohnt es auf alle Fälle zu lesen und zu diskutieren. Sicherlich wird nicht alles umsetzbar sein, steht aber hiermit zur Diskussion. Auch wird es bei vielen Angelegenheiten auf ein globales Engagement ankommen, von dem wir gefühlt gerade Meilen entfernt stehen. Doch ein Anfang mit Vorschlägen in die richtige Richtung ist mit diesem Buch gemacht. Auch wenn es vielleicht einige aufregen wird, regt es doch zum Nachdenken und zu politischem Denken an.

Veröffentlicht am 28.11.2019

Bei diesem Krimi lacht mein fränkisches Herz:)

Bülent Rambichler und der störrische Karpfen
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Bülent Rambichler, Hauptkommissar bei der Nürnberger Kripo wird vonseiten seiner Mutter unfreiwillig zurück in seinen Heimatort beordert. Dort ist seine Person gefragt, gibt es doch Arbeit, in Form einer ...

Bülent Rambichler, Hauptkommissar bei der Nürnberger Kripo wird vonseiten seiner Mutter unfreiwillig zurück in seinen Heimatort beordert. Dort ist seine Person gefragt, gibt es doch Arbeit, in Form einer kunstvoll ins Karpfenbecken hinein drapierten Leiche. Der Tote ist der „Bubblers Schorsch“, zweiter Bürgermeister und Fischerkönig von Strunzheim.
Dummerweise war der Schorsch aber auch der Lieblingsfeind von Rambichlers Vater Erkan, der mit dem Toten öfters im Clinch lag und somit gleich zum Tatverdächtigen Nummer 1 mutiert.
Kein Wunder das sich Bülent nun doch noch dazu überreden lässt den wirklichen Mörder zu finden….

Der Provinzkrimi „Bülent Rambichler und der störrische Karpfen“, von der Autorin Anja Bogner ist eine grandios amüsante und außergewöhnlich schräge Krimi Kost. Es ist schon der zweite Fall für den sensiblen Hauptkommissar Bülent Rambichler und seine smarte vegane Kollegin, der auch diesmal seinen Heimatort Strunzheim erschüttert. Der ersten Band der Serie kenne ich leider noch nicht, aber keine Sorge die Lektüre gelingt auch ohne große Vorkenntnisse.
Der Krimi kommt deftig mit viel fränkischem Lokalkolorit daher und wird sicherlich bei dem ein oder anderem Leser für Verständigungsprobleme sorgen, da er auch kräftig mit Dialekt gewürzt ist. Für mich mit fränkischen Wurzeln natürlich kein Problem, mehr eine große Freude:) Diese feinen Details, haben die Lektüre zu einem wahren Genuss werden lassen:) Auch die liebevoll gestrickten Charaktere konnten mich begeistern und haben sofort für bildhaftes Kopfkino gesorgt! Bei der Lektüre flogen die Seiten nur so dahin und das Grinsen im Gesicht war kaum zu stoppen bei dieser Art von Humor, I like:)
Dieser sehr schräge Kriminalroman wird sicherlich nicht jedermann/fraus Krimi-Geschmack sein, da er schon sehr speziell ist.
Doch wer, wie ich, großer Fan von lustig/derben Lokalkrimis mit ungewöhnlichen Figuren ist, ist bei dieser Serie gut aufgehoben und wird sich sehr gut unterhalten. Der Vorgängerband „Bülent Rambichler und die fliegende Sau“, steht schon auf meinem Wunschzettel!

Veröffentlicht am 28.11.2019

Geheimnisvoller Recherche-Roman zu einem berühmten Helden der Geschichte

Codex 632. Wer war Christoph Kolumbus wirklich?
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Der Historiker und Kryptologe Professor Tomás Noronha, Dozent an der Universität in Lissabon, bekommt von einer New Yorker Stiftung das lukrative Angebot, die Arbeit zum „Jahrestag der Entdeckung Brasiliens“ ...

Der Historiker und Kryptologe Professor Tomás Noronha, Dozent an der Universität in Lissabon, bekommt von einer New Yorker Stiftung das lukrative Angebot, die Arbeit zum „Jahrestag der Entdeckung Brasiliens“ eines plötzlich verstorbenen Kollegen zu vollenden. Noronha kommt dieses Angebot sehr gelegen, eine Finanzspritze für bessere Betreuung seiner kranken Tochter ist dringend notwendig. Bei der Entschlüsselung der hinterlassenen Unterlagen, stößt Tomás dann aber auf ein großes Geheimnis, das sich um die wahre Identität des großen Admirals und Seefahrers Christoph Kolumbus rankt….



In dem Roman, „Codex 632. Wer war Christoph Kolumbus wirklich“, versucht Autor J.R. Dos Santos anhand zahlreicher Indizienbeweise und auch handfester Fakten das Geheimnis um die Identität und Herkunft vom berühmten Entdecker Christoph Kolumbus zu lüften.

Für diese Recherchen setzt der Autor einen fiktiven Charakter in Person des rätselerfahrenen Professor Tomás Noronha ein, um der Sache auf den Grund zu gehen.
Der Leser bekommt neben einer fachliche und spannenden Schnitzeljagd durch alte Urkunden, Verschlüsselungen und Dokumente, auch noch eine Story um das Familien und Liebesleben des Professors geliefert, die auf mich allerdings ein wenig gezwungen und konstruiert wirkt.
Die Recherchen dazwischen wirken dagegen, sehr gut recherchiert, wissenschaftlich und interessant dargeboten.
Das die Herkunft von Kolumbus so umstritten ist, war mir persönlich vor der Lektüre des Romans gar nicht bewusst und so finde ich das Thema eine richtig spannende Angelegenheit.
Am Ende des Romans hat man schließlich diverse Hypothesen zur Herkunft Kolumbus erfahren und einiges dazu gelernt. Das Ende überrascht und ist geschickt gewählt:)


Das Buch und sein Thema, haben mich auf alle Fälle sehr fasziniert und gut unterhalten. Diese Rätsel um Columbus bieten einfach unglaublich viel Stoff für Spekulationen, für eine gute Geschichte und machen zusätzlich Lust sich weiter mit dieser Zeit und Person zu beschäftigen!