Profilbild von Jille

Jille

Lesejury Profi
online

Jille ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Jille über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.03.2026

Slow Slow-Burn

Summer Tides
0

Starten wir zunächst mit dem Cover, was wirklich sehr passend zur Geschichte ist und sich auch sehr gut für eine ganze Reihe, immer mit zur Jahreszeit passenden Farben eignet. Auch der Farbschnitt passt ...

Starten wir zunächst mit dem Cover, was wirklich sehr passend zur Geschichte ist und sich auch sehr gut für eine ganze Reihe, immer mit zur Jahreszeit passenden Farben eignet. Auch der Farbschnitt passt mit den Möwen perfekt zur maritimen Atmosphäre, in der die Geschichte spielt.

Wir begleiten Scarlett nach St. Ives, an die Küste Cornwalls wo sie mit einem alten Strandkiosk einen Neustart, nicht nur für ihre berufliche Laufbahn sondern auch für ihre Selbstfindung starten möchte. Dabei stolpert sie über Jonah, einen Rettungsschwimmer, den das Fernweh und die Sehnsucht nach einem ungebundenen Leben antreibt. Zwischen den beiden wächst langsam eine immer stärkere Anziehung, die aber noch durch die Tatsache, dass Scarlett in London noch einen Freund hat ( der ihr aber echt nicht gut tut) und Jonah verschiedenste Gründe hat sich auf niemanden zu sehr einzulassen, erschwert und noch zusätzlich verlangsamt wird.

Und da ist tatsächlich auch mein größter Kritikpunkt an dieser Geschichte. Ich wusste ja, dass es sich um eine Slow- Burn Geschichte handelt, aber so slow hätte es dann auch nicht sein müssen. Zeitweise möchte man die beiden Hauptcharaktere einfach nur schütteln und sagen: " Jetzt kommuniziert doch mal ordentlich". Ein weiterer Punkt, der mir aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass super viele Themen angerissen werden, aber viele nicht zu Ende geführt werden. Ganz prominent ist da Scarletts Charakterentwicklung in der wirklich Potential gewesen wäre, die aber leider auf einem naiven Niveau stecken bleibt.

Als Auftakt einer Reihe meiner Meinung nach okay, man bekommt schonmal einen ersten Eindruck der Atmosphäre, der Menschen, etc.. Mich persönlich konnte die Liebesgeschichte hier nicht ganz abholen, dazu war sie teilweise zu zäh.

Für Personen, die Slow Burn (und dabei Betonung auf dem "Slow") mögen und bereit sind zu Gunsten einer schönen Atmosphäre, die sich über mehrere Bände hinwegzieht, einige Lücken in der Handlung zu tolerieren, ein schönes Sommerbuch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.03.2026

Gut Ding will Weile haben

Die Känguru-Rebellion (Die Känguru-Werke 5)
0

Wahnsinn, wenn man sich überlegt, dass die ersten ( im Print erschienenen) Geschichte mit und über das Känguru schon 2009 erschienen sind. Und hier sind wir nun 17 Jahre später und es gibt immer noch Einiges ...

Wahnsinn, wenn man sich überlegt, dass die ersten ( im Print erschienenen) Geschichte mit und über das Känguru schon 2009 erschienen sind. Und hier sind wir nun 17 Jahre später und es gibt immer noch Einiges zu erzählen.
Ich muss gestehen, dass ich lange gar nichts von dieser Reihe wusste und irgendwann so 2017/2018 zufällig von ner Freundin mit rein gezogen wurde und seitdem ein riesiger Fan bin; Bücher und Hörspiele teilweise Wort für Wort mitsprechen und ( unabsichtlicherweise) auch immer wieder einfach so im Alltag zitieren kann.Und dieser Sog war auch nun im fünften Band eindeutig zu spüren.
Man merkt aber, dass das Känguru und seine Ansichten sich über die Jahre auch gewandelt haben. Am Anfang der Reihe wirkte es auf mich häufig eher meckernd und erstmal immer dagegen um sich abzugrenzen und hier beschließt es, ähnlich wie auch schon mit der Gründung des Asozialen Netzwerkes, aktiv mit einer Rebellion ( in Form eines Art Kettenbriefs, der sich durch das gesamte Buch zieht) einzugreifen. Und auch wenn die einzelnen Episoden, teils auch aus Sicht des Kängurus geschrieben, in sich abgeschlossen sind, wirkt dieser Plan wie ein roter Faden.
Über die grandiose humoristische Aufarbeitung unterschiedlichster Themen glaub ich muss ich wenig schreiben; es ist bekannt wie Kling mit einer Mischung aus albernen Wortspielen, absurden Einfällen und sehr präzisen Beobachtungen des deutschen Politiktreibens einfach stets kurzweilige Lektüren, die dennoch auch stark zum Nachdenken anregen, schafft.

Auffällig fand ich hier aber abschließend, dass ich irgendwie das Gefühl hatte, dass dieser fünfte Teil nochmal politischer und programmatischer war als seine Vorgänger. Ein Fakt, der ja stets in seinen Texten mitschwang, mir aber hier irgendwie besonders beim Lesen ins Auge stach. Ob positiv oder negativ lässt sich schwierig einordenen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.03.2026

Noch eine neue Stufe skandinavischer Spannungsliteratur

Dunkelmann
0

Die dunkle, mysteriöse Atmosphäre, die einem schon vom Cover her entgegenstrahlt, wird auch innerhalb der Geschichte sehr gut umgesetzt.
Das Wesen dieses Buches als ein hochaktueller Spionagethriller, ...

Die dunkle, mysteriöse Atmosphäre, die einem schon vom Cover her entgegenstrahlt, wird auch innerhalb der Geschichte sehr gut umgesetzt.
Das Wesen dieses Buches als ein hochaktueller Spionagethriller, der eine gute Balance zwischen packender Unterhaltung und politischer Realität findet, fesselt von der ersten Seite an.
Die Geschichte arbeitet mit verschiedenen Perspektiven, die nach und nach immer mehr zu einem Gesamtbild werden. Was als scheinbar kleiner Verdacht beginnt, eskaliert sich mit der Zeit immer mehr.
Besonders gelungen ist hier auch die Darstellung der Geheimdienstarbeit. Es wird nicht mit den klassischen Klischees und übertriebener Action, sondern mit weitgehend glaubwürdiger Ermittlungsarbeit, politischen Reiberein und auch psychologischem Druck gearbeitet. Da merkt man richtig, dass diese Materie den Autoren ( im Speziellen natürlich einem konkret) nicht unbekannt ist. Auch die Figuren sind so gezeichnet, dass man gut mit ihnen mitfühlen kann.
Und die Einbindung aktueller Themen wie u. A. geopolitischer Machtkämpf und natürlich Chinas immer wachsender Einfluss passt logischerweise sehr gut dazu.

Als kleineren Kritikpunkt muss ich aus meiner persönlichen Perspektive sagen, dass ich bei all den, zeitweise schon eher komplexen politischen Hintergründen nicht mehr ganz mitgekommen bin und mich so teilweise etwas schwer getan habe in der Geschichte zu bleiben.

Insgesamt aber ein super spannender Thriller, der gerade durch das Insiderwissen natürlich nochmal zusätzlich aufgewertet wird. Für alle, die politische Thriller und/oder skandinavische Krimis ( die Atmosphäre ist halt echt nochmal besonders) mögen durchaus eine Empfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.03.2026

Wie wichtig doch Freundschaft ist

Zum ersten Mal
0

Ich möchte vorneweg schicken, dass mir der Podcast der Beiden zuvor nichts sagt, irgendwie gibt es in den letzten Jahren immer mehr so "Laberpodcasts" und ich muss gestehen, dass das nicht ganz mein Genre ...

Ich möchte vorneweg schicken, dass mir der Podcast der Beiden zuvor nichts sagt, irgendwie gibt es in den letzten Jahren immer mehr so "Laberpodcasts" und ich muss gestehen, dass das nicht ganz mein Genre ist. Um so gespannter war ich nun auf dieses Buch, gerade eben weil es vom Klappentext her so "wie die Faust aufs Auge" zu meiner Lebensrealität passt.

Das Buch an sich ist in einzelne Episoden unterteilt, die sich dann wieder rum in unterschiedliche Anekdoten der beiden Autorinnen zu unterschiedlichen Zeiten ihres Lebens aufgliedern. An diesen Stil musst ich mich zunächst etwas gewöhnen, für mich war der Podcast-Erzählstil verschriftlich in den ersten Seiten etwas gewöhnungsbedürftig, aber das legte sich mit dem weiteren Verlauf. Insgesamt lässt sich eindeutig als Stärke dieses Buches verzeichnen, dass mehr oder weniger ungeschönt von Unsicherheiten, Fehlentscheidungen und anderen Stolpersteinen erzählt. Die einzelnen Themen werden
dabei so offen und direkt erzählt, dass man eindeutig das Gefühl bekommt, dass es keine Tabus gibt und manches auch einfach mal erzählt werden muss.
Die Freundschaft der Autorinnen zieht sich wie ein roter Faden durch all die unterschiedlichen Erzählungen, aber auch die andere Freundschaften zeigen auf, wie relevant ein stabiles, soziales Netzwerk aus Personen ist, denen man vertrauen kann, gerade wenn man in seinen Zwanzigern das Gefühl bekommt, dass alles über einem zusammenbricht.

Ich würde sagen, ein toll geschriebenes, humorvoll und dennoch auch informativ gehaltenes Buch, das weniger mit einem Ratgeber zu tun hat, sondern mehr darauf setzt durch die Erfahrungen der Autorinnen den Leser:innen nahe zu bringen, dass sie nicht allein in dieser so prägenden und deshalb häufig auch so überfordernden Phase sind.

Es ist ein Buch, dass vermutlich eher Leserinnen in ihren Zwanzigern anspricht, die eine ähnliche Lebensrealität wie Annika und Gesina haben, also eher urban und akademisch geprägt sind. Dennoch kann es auch für alle anderen spannend sein, die vielleicht verstehen möchten, was junge Frauen gerade in dieser Zeit alles beschäftigen und belasten kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.03.2026

Beklemmend realistischer Thriller

EDEN - Wenn das Sterben beginnt
0

Marc Elsberg entwirft hier eine super packende und an einigen Stellen echt beängstigend realistische Geschichte über den Kollaps der natürlichen Lebensgrundlagen und die Folgen für unsere global vernetzte ...

Marc Elsberg entwirft hier eine super packende und an einigen Stellen echt beängstigend realistische Geschichte über den Kollaps der natürlichen Lebensgrundlagen und die Folgen für unsere global vernetzte Welt. Im Zentrum stehen dabei ein KI‑System, das die ökologische Superkrise voraussagt sowie eine Handvoll ungleicher Protagonist:innen, die versuchen, diese Warnung gegen politische und wirtschaftliche Interessen hörbar zu machen.

Auch wenn ich einen Moment gebraucht habe mit dem schnellen Erzählstil, den vielen Perspektivsprüngen und all den wissenschaftlichen Fakten klar zu kommen, hat mich dieses Buch über seine ganzen 768 Seiten gefesselt. Und um all die wissenschaftlichen Zusammenhängen wirklich zu verstehen hab ich es tatsächlich schon zweimal habe. Und die Sache mit den Verweisen auf "Blackout" ( ein anderes Buch von ihm) hab ich auch erst dann einordnen können, dieses Buch war halt doch mein erstes, aber sicherlich nicht letztes Buch von Herrn Elsberg. Denn die Brisanz des Themas für unserer reale Welt, die über den gesamten Verlauf der Geschichte immer mitschwingt und dennoch auch der Charakter eines fiktiven Umweltthrillers ergeben zusammen einfach ein total interessantes Bild und lassen mich auch für seine anderen Bücher auf packende Geschichten schließen.

Und am Ende bleibt nicht nur ein fesselndes Leseereignis, sondern auch die verstärkte Überzeugung, dass es ( auch wenn manches sicherlich zunächst überspitzt dargestellt scheint) unsere erste Priorität sein sollte, genau solche Szenarien durch unser Verhalten zu verhindern. Denn an einigen Stellen sind wir gar nicht mehr so weit davon entfernt, aber genau solche Geschichten führen uns das nochmal eindrücklicher vor Augen. Denn ohne Verhaltensänderungen schaffen wir uns stückchenweise unseren eigenen Umweltthriller.

Abschließend ein grandioses Buch mit unglaublicher Relevanz, die es in den nächsten Jahren hoffentlich noch ausbauen wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere