Profilbild von Joane123

Joane123

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Joane123 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Joane123 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.03.2026

lost in Berlin

Es war nicht anders möglich
0


Das Buch „Es war nicht anders möglich“ von Svenja Liesau hat mich wirklich begeistert. Schon das Cover hat sofort meine Aufmerksamkeit geweckt – die Gestaltung fällt ins Auge und macht direkt neugierig ...


Das Buch „Es war nicht anders möglich“ von Svenja Liesau hat mich wirklich begeistert. Schon das Cover hat sofort meine Aufmerksamkeit geweckt – die Gestaltung fällt ins Auge und macht direkt neugierig auf das, was einen im Inneren erwartet.

Worum gehts: Svenja Liesau erzählt die Geschichte von Martina, einer Frau Mitte dreißig, die sich in einer Phase der Orientierungslosigkeit befindet. Arbeitslos und ohne festen Halt treibt sie lost durch das Berliner Nachtleben, bis sie vom Tod ihres Vaters erfährt – ein Mann, den sie kaum kannte. Trotzdem wird genau dieses Ereignis für sie zum emotionalen Wendepunkt in ihrem Leben. Sie beginnt sich mit ihrer Vergangenheit, ihrer Familie und vor allem mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Der Roman folgt Martina, die ihr Leben eher erträgt als lebt. Haltlos, müde und innerlich erschöpft und am Ende. Anstatt sich diesem Schmerz direkt zu stellen, flüchtet Martina in lange Nächte. In Alkohol, Gespräche, flüchtige Nähe. Doch genau in diesen Kneipennächten findet Martina halt bei ihren Mitgesellen, eine verlorene Gemeinschaft, die ihr hilft an einen Punkt zu gelangen, an dem Martina anfängt zu fühlen und sich zu hinterfragen, was der Auslöser für all das sein mag.

Der Roman ist intensiv, traurig und gleichzeitig von einer leisen Wärme durchzogen. Er erzählt von Einsamkeit und menschen die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind.
Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen – besonders für alle, die sich selbst schon einmal verloren gefühlt haben. Denn Svenja Liesau gelingt es, genau dieses Gefühl greifbar zu machen und zu zeigen, dass man damit nicht allein ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.03.2026

Prickelnd

Ruthless Creatures
0

J.T. Geissingers Schreibstil zieht einen sofort in die Geschichte:
flüssig, prickelnd, mit viel Humor, viele Emotionen und jeder Menge knisternder, erotischer Spannung. Die Kapitel haben ine gute Länge ...

J.T. Geissingers Schreibstil zieht einen sofort in die Geschichte:
flüssig, prickelnd, mit viel Humor, viele Emotionen und jeder Menge knisternder, erotischer Spannung. Die Kapitel haben ine gute Länge und sind perfekt zum Durchlesen, die Dialoge sind witzig, sexy und zugleich tiefgründig – man spürt einfach die Chemie zwischen den Figuren regelrecht.

Worum es geht: Natalie ist eine starke, selbstbewusste Frau, deren Herz seit dem plötzlichen Verschwinden ihres Verlobten gebrochen ist. Kage dagegen ist geheimnisvoll, gefährlich und auf den ersten Blick alles, was man fürchten würde – und doch kann Natalie seiner Anziehungskraft nicht entkommen. Als sie erfährt, dass Kage wegen einer alten Schuld ihres Verlobten in ihr Leben getreten ist, steigt die Spannung ins Unermessliche. Es entwickelt sich ein Spiel aus Vertrauen, Geheimnissen, gefährlicher Nähe und intensiver Leidenschaft.

Die Nebenfiguren – allen voran Sloane, Natalies beste Freundin – bringen Witz, Herz und jede Menge unvergessliche Momente.

Das Cover und der Farbschnitt sind dabei der perfekte Einstieg in eine Story voller Atmosphäre, prickelnder Erotik und überraschender Wendungen. Für Fans von romantischer Spannung, dunklen Geheimnissen und starken, sexy Figuren ein absolutes Muss.

Mir gefällt die Autorin besonders, weil ich schon weitere Bücher von ihr gelesen habe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.03.2026

Eine starke Frau zwischen Blumen und Baustelle

Schwebende Lasten
0

Schon das Cover von Schwebende Lasten gefällt mir sehr gut. Es wirkt ruhig und gleichzeitig symbolisch und passt damit perfekt zur Geschichte – zu Hannas Leben zwischen der Zartheit der Blumen und den ...

Schon das Cover von Schwebende Lasten gefällt mir sehr gut. Es wirkt ruhig und gleichzeitig symbolisch und passt damit perfekt zur Geschichte – zu Hannas Leben zwischen der Zartheit der Blumen und den schweren Lasten, die sie im Laufe ihres Lebens tragen muss.
Für mich hat das Buch von Annett Gröschner ganz klar fünf Sterne verdient. Die Geschichte von Hanna Krause hat mich schnell gepackt und oft vergessen lassen, dass sie eine fiktive Figur ist. Ihr Leben – geprägt von Armut, Krieg, Verlust und harter Arbeit – steht stellvertretend für viele Frauen des 20. Jahrhunderts, die still unglaublich viel durchgehalten haben. Besonders beeindruckt hat mich Hannas Stärke und ihr Pragmatismus: Sie jammert nicht lange, sondern macht weiter – ob als Blumenbinderin oder später sogar als Kranführerin trotz Höhenangst.
Der Schreibstil ist klar, flüssig und ohne unnötigen Schnickschnack, wodurch sich das Buch sehr angenehm lesen lässt. Gleichzeitig erfährt man viel über die Zeit, in der Hanna lebt. Insgesamt ein sehr berührendes und absolut empfehlenswertes Buch, das ich gerne weiterempfehle. ⭐⭐⭐⭐⭐

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.02.2026

wenn alles wankt

Was ist in meinem Alter sonst noch üblich?
0

Als Scheidungskind habe ich oft nur von außen zugesehen – aber dieses Buch hat mir gezeigt, wie viel Schmerz, Verzweiflung und Wut in den Menschen wohnen können, die wir lieben. Es macht greifbar, wie ...

Als Scheidungskind habe ich oft nur von außen zugesehen – aber dieses Buch hat mir gezeigt, wie viel Schmerz, Verzweiflung und Wut in den Menschen wohnen können, die wir lieben. Es macht greifbar, wie ein einziger Satz das ganze Leben erschüttern kann.
Erika und Jan sind seit Jahrzehnten ein Paar: sie haben zusammen gelebt, gestritten, geliebt, einen Sohn großgezogen. Doch Nähe gibt es längst nicht mehr – zumindest nicht zwischen ihnen. Während eines Urlaubs in Triest sagt Jan diesen einen Satz: er gesteht Erika, dass er eine Affäre mit einer jüngeren Frau hat. Ihre jahrzehntelange Ehe gerät ins Wanken.
Beide sind über sechzig. Jan hat schon lange das Interesse an körperlicher Nähe verloren, während Erikas Begehren nie verschwunden ist. Was zunächst wie der späte Paukenschlag einer müde gewordenen Beziehung wirkt, entwickelt sich zu einer intensiven Reise in Erikas Inneres – durch Wut, Kränkung, Eifersucht und existenzielle Fragen.
Erika stürzt von einer Gedankenspirale in die nächste, entfacht Rachefantasien und Zweifel an sich selbst. Der Roman bleibt dicht an ihrer Perspektive: Man sitzt mit ihr im Restaurant, spürt ihre beklemmende Hilflosigkeit, ihre verzweifelten Gedanken und das brennende Bedürfnis, die Kontrolle über ihr Leben zurückzugewinnen.
Auf eindrucksvolle Weise thematisiert das Buch Sexualität, Begehren und Körperlichkeit im Alter sowie die Frage nach Selbstwert und Identität. Ein unbequemer, ehrlicher Roman über Liebe, Verletzlichkeit und das, was Menschen in Jahrzehnten einer Beziehung wirklich bewegt – ein Buch, das berührt und manchmal richtig wehtut.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.02.2026

Nicht allein

Sternenkindermappe
0

Als wir unsere Tochter verloren, hörte die Welt auf, sich weiterzudrehen. Alles, was eben noch selbstverständlich war, zerbrach in einem einzigen Moment. Wir wussten nicht mehr, wo oben und unten ist, ...

Als wir unsere Tochter verloren, hörte die Welt auf, sich weiterzudrehen. Alles, was eben noch selbstverständlich war, zerbrach in einem einzigen Moment. Wir wussten nicht mehr, wo oben und unten ist, wie man atmet, wie man den nächsten Tag übersteht. Die Zukunft, die eben noch voller Farben, Pläne und leiser Vorfreude gewesen war, wurde plötzlich still und grau. Und mit ihr wurden auch wir still.
Inmitten dieses unfassbaren Schmerzes hatten wir – so paradox es klingt – ein kleines Stück Glück: eine wunderbare Hebamme, die uns nicht allein ließ. Sie machte uns auf Hilfsstellen und Stiftungen aufmerksam. Erst in den Betreuungsstunden dort lernten wir langsam, unserer Trauer Raum zu geben. Wir lernten, dass wir nicht „funktionieren“ müssen. Dass Tränen nicht schwach sind. Dass Trauer kein Zustand ist, den man überwinden muss – sondern ein Ausdruck von Liebe ist. Und dass sie da sein darf.

Der Verlust eines Kindes, eines Sternenkindes, ist ein Thema, über das noch immer viel zu wenig gesprochen wird. Es ist ein Schmerz, für den es kaum Worte gibt – und doch wird oft geschwiegen. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Unsicherheit. Viele Menschen in unserem Umfeld wollten helfen, wollten trösten, wollten da sein – und wussten nicht wie. Aus Angst, etwas Falsches zu sagen, sagten sie manchmal nichts. Und dieses Schweigen kann zusätzlich weh tun.

Genau hier setzt die Sternenkindermappe an – und genau deshalb hat sie mich so tief berührt. Sie richtet sich nicht nur an betroffene Eltern, sondern auch an Angehörige, Freund:innen und Wegbegleitende. Sie schenkt Worte, wo Sprachlosigkeit herrscht. Sie gibt Halt, wo der Boden unter den Füßen fehlt. Sie erklärt, sensibilisiert und ermutigt – einfühlsam und respektvoll.

Man spürt auf jeder einzelnen Seite, wie viel Herzblut, Mitgefühl und echte Erfahrung in dieser Mappe stecken. Sie ist nicht einfach ein Ratgeber. Sie ist eine Brücke – zwischen Trauernden und ihrem Umfeld. Sie ist ein leiser Begleiter durch dunkle Tage. Und sie trägt dazu bei, das Schweigen zu brechen, das so viele Eltern umgibt, die sich von ihrem Kind verabschieden mussten.

Für mich ist dieses Buch nicht nur hilfreich, sondern zutiefst wertvoll. Es schenkt Verständnis, Mut und ein Stück Verbundenheit in einer Zeit, in der man sich oft unendlich allein fühlt. Eine klare, von Herzen kommende Empfehlung – für alle, die selbst betroffen sind, und für alle, die lernen möchten, wie man Trauer liebevoll und achtsam begegnet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere