Profilbild von JosefineS

JosefineS

Lesejury Star
offline

JosefineS ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit JosefineS über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.02.2022

Ein Debüt, was deutlich Zeit braucht um in Fahrt zu kommen.

Die Tochter des Königsmörders
0

Ein völlig zerrissenes England im Jahre 1657. Der König gestürzt und enthauptet, das zerrüttete Land braucht neue Führung, welche einige in dem Feldherr Oliver Cromwell sehen. Am sozialen Tiefpunkt seines ...

Ein völlig zerrissenes England im Jahre 1657. Der König gestürzt und enthauptet, das zerrüttete Land braucht neue Führung, welche einige in dem Feldherr Oliver Cromwell sehen. Am sozialen Tiefpunkt seines Lebens lediglich der Pächter eines Landgutes, wird er aufgrund der andauernden Unruhen und seiner vielen guten Eigenschaften erst zum Soldat, Feldführer und später zum Protektor. Mitten in diesen stürmischen Entwicklungen befindet sich seine Familie treu an seiner Seite. Doch die neue Würde bringt zugleich auch eine große Bürde mit sich. Darf Frances, seine jüngste Tochter, ihrem Herzen folgen oder muss sie für Macht und Einfluss einen politisch günstigen Mann heiraten um das Gelingen der Cromwell Herrschaft zu sichern.

Da Miranda Malins ein, als Historikerin, fundiertes Wissen über die Geschichte und die Geschehnisse der damaligen Zeit hat, hegte ich große Hoffnungen, dass dieses Buch mich in diese Zeit entführt und nicht zur Liebesromanze in alten Gewändern verkommt. Trotz der enthaltenen Liebesgeschichte, nahm diese nicht gänzlich die Story für sich ein. Leider gilt das für viele andere, in meinen Augen wichtige Details. Ich verstehe, dass sie politisch nicht all zu tief abtauchen wollte um nicht zu langweilen. Doch an einigen Stellen fehlt etwas der historische Hintergrund und stellenweise handelt sie Szenen zu schnell ab. Die ersten 300 Seiten waren leider furchtbar zäh. Unfassbar lange Kapitel, oberflächliche Charaktere und eher ein stoisches runter rattern der Fakten. Politik, Gebalze und gefühlt 150 Namen samt den Amtstiteln geben sich abwechselnd die Klinke in die Hand ohne wirklich zu einer Story zu verschmelzen. Trotz des umfangreichen Glossars zu Beginn, bin ich heillos im Ozean der Namen ertrunken. Mit zunehmendem voranschreiten des Buches besserte sich tatsächlich einiges. Ob ich in die Zeit oder Miranda Malins erst ins schreiben finden musste, vermag ich nicht zu beurteilen. Als es jedenfalls so weit war konnte das Buch sogar begeistern und zu Tränen rühren. Auch wenn sie zum Schluss gerade bei politischen Machenschaften wieder zum anfänglichen Husch- Husch neigte, hat sie das Ruder noch mal rumgerissen und ein bewegendes Ende hingelegt. Möglicherweise stellt sich der Anfang für einen bewanderten Leser dieser zeitlichen Epoche anders dar. Geschichtlich ist die Zeit und auch das Leben der Familie Cromwell sehr interessant und aufschlussreich. Selbst im historischen Nachwort ist viel Wissen und Hingabe, so lässt sie uns nicht über das weitere Leben der handelnden Personen im Unklaren. Ein, wie ich finde, sehr gelungener Abschluss.

Fazit: nach einem qualvollen Start fand entweder ich in die Geschichte oder Miranda Malins in einen guten Schreibstil, wodurch ich das Ende des Buches doch noch genießen konnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.01.2022

Das Ende für Frey und McGray?

Das Geheimnis von Windsor Castle
0

Gerade mal ein Jahr nach dem ersten Zusammentreffen des feinen Engländers auf seinen ungehobelten schottischen Vorgesetzten, steht ihre besondere Abteilung vor dem aus. Die Majestät, Queen Viktoria höchst ...

Gerade mal ein Jahr nach dem ersten Zusammentreffen des feinen Engländers auf seinen ungehobelten schottischen Vorgesetzten, steht ihre besondere Abteilung vor dem aus. Die Majestät, Queen Viktoria höchst selbst trachtet ihnen beiden nach dem Leben. Doch Lord Salisbury macht ihnen Hoffnung, ein kleiner gefallen für die Queen könnte ihre Meinung vielleicht noch ändern. Dieser entpuppt sich jedoch als schier unlösbare Aufgabe und kommt einem Selbstmordkommando gleich. Zudem bringen sie zusätzlich jeden den sie kennen in Lebensgefahr, sogar McGrays geliebte Schwester. Sie stolpern in dem irrwitzigen Versuch ihr Leben zu retten über ein Geheimnis, welches die Herrschaft des Königshauses ins Wanken bringt, doch kann dies sie vor der Guillotine bewahren oder bringt es sie ihr nur noch viel näher?

Der 6. Band von Oscar deMuriel, um die beiden äußerst unterschiedlichen Ermittler hätte spannender nicht sein können. Verzwickte Ermittlungen sind mittlerweile Alltag für beide und heikle Situationen zu meistern, schon beinahe obligatorisch. Doch mit der Queen, der drohenden Guillotine und Salisburys skrupellosen Schlägern im Nacken steuern sie frontal auf ihr verderben zu. Froh den Hexen von Pendle Hill erst vor kurzem heil entkommen zu sein, sollen sie doch allen Ernstes die übrig gebliebenen jetzt aufspüren. Ein mehr als waghalsiges Unterfangen, da diese, nach den zurückliegenden Vorfällen Frey und McGray gegenüber alles andere als wohlgesonnen sind. Eine wilde Jagd beginnt, in der weder die beiden, noch der Leser so wirklich zum Luft holen kommen. Oscar deMuriel neigt in seinen Büchern gern mal zu längen im mittleren Teil, gerade wenn die Ermittlungen ins Stocken geraten. Im 6. Band hatte ich dieses Mal kein solches Gefühl, für mich ging es durchweg mehr oder weniger rasant durch die Story. Er schafft wunderbar den Bogen zum Anfang der Story und fügt sogar historisch belegtes Material in seine Geschichte ein, was er natürlich etwas zweckentfremdet für seine kreative Umdeutung der Ereignisse. Das Miteinander der beiden war dieses mal wieder in gewohnter Hochform, nach dem Frey im letzten Band mit seiner Lethargie die Stimmung etwas runterzog. Doch zurück im neusten und gefährlichsten Fall, zeigen sich die beiden wieder in gewohnter Manier und geben selbst stark angeschlagen noch alles. Man kann die Bücher zwar unabhängig voneinander lesen, da es sich immer um in sich abgeschlossene Fälle handelt, doch für den 6. Teil empfehle ich zumindest den 2. und 5. Band gelesen zu haben. Da man sich sonst bezüglich eben dieser Fälle und deren Aufklärung spoilert. Sehr gut konstruiert und erläutert, mit jeder Menge Action und der Thematik über Hexen konnte mich das Geheimnis von Windsor Castle sehr gut unterhalten.

Fazit: nach dem etwas schwächelnden letzten Teil, schrieb Oscar deMuriel diesmal einen der, für mich, besten Bände. Das Geheimnis von Windsor Castle hatte alles was ein guter historischer Roman über zwei Inspektoren für übernatürliche Fälle braucht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.01.2022

Es bedarf Mut, für die wirklichen Dinge

Perfect Day
0

Für Ann wird ein gewöhnlicher Donnerstagabend bei ihrem Dad zum Beginn eines nicht enden wollenden Alptraums. Walter Lesniak , ihr geliebter Vater und international renommierter Philosophie Professor wird ...

Für Ann wird ein gewöhnlicher Donnerstagabend bei ihrem Dad zum Beginn eines nicht enden wollenden Alptraums. Walter Lesniak , ihr geliebter Vater und international renommierter Philosophie Professor wird festgenommen. Der Vorwurf: Er wird Verdächtigt, die im Laufe der letzten 14 Jahre verschwundenen und leblos aufgefundenen, zwischen 6 und 10 Jahre alten Mädchen getötet zu haben. Rote Schleifenbänder führten die Beamten zu ihren, in abgelegenen Wäldern versteckten Leichen, deswegen nannten sie ihn den Schleifenmörder. Doch nun betitelt ihn die Presse ihren Vater als „Doktor Tod“. Ann kann es nicht fassen, sie wird die Wahrheit herausfinden, koste es was es wolle und dann wird sie seine Unschuld beweisen können.

„Perfect Day“ ist der mittlerweile 3. Thriller aus der Feder von Romy Hausmann. Wir begleiten Ann, die schon früh gelernt hat ihr Gefühle sehr genau zu beschreiben, auf ihrem emotionalen, spiralartigen Weg in den Abgrund. Niemand will ihr glauben, dass ihr Vater unschuldig ist denn es gibt Indizien aber eben auch nur Indizien. Sie erträgt die Situation und das Schweigen ihres Vaters zu diesen Vorwürfen nicht länger und begibt sich selbst auf die Suche nach dem wahren Mörder der kleinen Mädchen. Dabei wird sie zunehmend ungehaltener, stürzt sich Hals über Kopf in Schwierigkeiten, wägt selten die Konsequenzen ab und gerät somit oft an ihre Grenzen und menschliche Abgründe. Da ihr Vater Philosophie Professor ist, ist auch ein großer Dreh- und Angelpunkt dieses Buches sehr philosophisch geschrieben. Neben der Jagd nach der Wahrheit, geht es auch oft um Anns Gefühle, wie sie diese im Laufe ihres Erwachsen Werdens beschreibt und in welcher Konfrontation sie diese stark bzw. zum ersten Mal richtig wahrgenommen hat. Da sie hauptsächlich bei ihrem Vater, der gern Plato und andere Philosophen der Geschichte zitierte, groß geworden ist umgibt auch sie immer ein dezenter philosophischer Hauch. Genau das konnte mich an diesem Buch neben der Spannung mit am meisten begeistern konnte, da es nicht um blindes Gemetzel ging, sondern zum Teil sehr bewegend war. Das Unbehagen stieg mit jedem weiteren Kapitel und jedem Schritt, den Ann der Wahrheit näherkam, da sich bis dahin gefühlt tausend Theorien auftaten. Romy Hausmann sorgte zu dem auch immer für unerwartete, teils schockierende Wendungen. Dank des flüssigen Schreibstils und der beklemmenden Bedrängnis endlich die Aufklärung zu finden, jedoch niemandem trauen zu können, fiel es zunehmen schwer das Buch aus der Hand zu legen. Da das Buch die Entführung und Ermordung von Kindern und den Schmerz der Hinterbliebenen thematisiert, sollte man abwägen ob man sich dem gewachsen fühlt. Ich bin diesbezüglich sehr dünnhäutig, kam jedoch mit der Thematik zurecht, da nirgends zu tief oder gar blutrünstig ins Detail gegangen wurde.

Fazit: ein spannendes, gut konstruiertes Buch, was mich vor allem emotional sehr mitreißen konnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.01.2022

Der Preis, den wir Frauen zahlten

Ich, Ariadne
0

Theseus, der berühmte griechische Held, erschlug das Monster von König Minos, den Minotaurus. Doch möglich machte dies nur eine von Minos Töchtern. Ariadne, die sich schwor, ihr Schicksal selbst in die ...

Theseus, der berühmte griechische Held, erschlug das Monster von König Minos, den Minotaurus. Doch möglich machte dies nur eine von Minos Töchtern. Ariadne, die sich schwor, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, half Theseus ihren Bruder, den Minotaurus zu töten und dem unüberwindbar geglaubten Labyrinth zu entkommen. Doch sie machte den gleichen Fehler wie viele Frauen vor und noch sehr viel mehr Frauen nach ihr. Sie verlor sich in schönen Augen und glaubte an unter dem Sternenhimmel gehauchte Versprechen. Doch der Preis dafür ist höher als die junge Ariadne zu dem Zeitpunkt ahnt.

Ich, Ariadne ist das Debüt der Autorin Jennifer Saint, die sich schon als Kind für griechische Mythologie begeisterte. Doch anders als all die vielen Sagen über Heldentaten, Kämpfe mit Monstern oder ewig andauernde Schlachten setzte sie in ihrem Buch die weibliche Heldin in den Mittelpunkt ihrer Erzählung. Sie lässt Ariadnes Verrat an ihrer Familie, die Mitschuld an dem Tot ihres monströsen Bruders und die Flucht mit Athener Prinzen nicht einfach so als Tatsache und Teil der Sage stehen. Sie verleiht Ariadne Gedanken, Gefühle und eine mächtige Stimme, ihre eigene Geschichte zu erzählen. Doch nicht nur die Erzählung über sie alleine erwacht hier in diesem Buch zum Leben, Jennifer Saint spinnt auch andere bekannte Mythen fadenartig mit in diese Geschichte, setzt diese zueinander in einen Kontext und webt so einen wunderschönen, farbenfrohen, mannigfaltigen und tragischen (Lese-)Stoff, den Athene hätte nicht schöner gestalten können. Ihre Art zu schreiben war durchweg mitreißend, man spürbar ein Teil der Geschichte, was unweigerlich auch zum mitfühlen mit der Protagonistin führte. Wir verliebten uns gleichfalls in Theseus bezaubernde und stürmische Worte, spürten die Verzweiflung auf Naxos und blühten in der Hoffnung Ariadnes erneut auf, hielten den Atem an als alles zu zerbrechen drohte und weinten gemeinsam mit ihr die letzte Träne. Mit der eigenen Interpretation dieses antiken Stoffes, dem Augenmerk auf die Protagonistin und der stimmigen, fulminanten Story konnte sie mich restlos begeistern.

Fazit: eine klare Leseempfehlung für alle Fans von griechischer Mythologie, jedoch auch ohne jegliches Vorwissen lässt sich dieses Buch wunderbar lesen. Eine großartig und mitreißend tragisch erzählte Geschichte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.12.2021

Tödlicher Glaube

Das Korsett
0

Miss Dorothea Truelove, Dame aus gutem Hause, führt ihre wohltätige Arbeit ins Oakgate Gefängnis. Ihre Besuche und die Zuwendung zu den Gefangenen ist jedoch nicht ganz uneigennützig. Heimlich widmet sie ...

Miss Dorothea Truelove, Dame aus gutem Hause, führt ihre wohltätige Arbeit ins Oakgate Gefängnis. Ihre Besuche und die Zuwendung zu den Gefangenen ist jedoch nicht ganz uneigennützig. Heimlich widmet sie sich dem Studium der Phrenologie. Doch als sie Ruth Butterham kennen lernt, muss sie sich der Frage stellen, ob der Glaube so stark sein kann um Menschen zu töten. Denn Ruth verleiht in ihrer Arbeit als Näherin ihren Werken mit der Nadel und Emotionen, die Macht Leben zu nehmen. Ein langer blutiger Faden dieser Künste zieht sich durch ihre Existenz. Kann Dorothea zum wahren Kern der Geschichte vordringen oder muss sie erkennen, dass sich zwischen Himmel und Erde auch Mysterien verbergen, die man nicht mit einem Kraniometer messen kann.

Laura Purcell ist als englische Autorin fasziniert von den dunklen Seiten der Geschichte. Das Korsett ist mittlerweile ihr 2. ins deutsch übersetzte Werk. Sie schafft es den rauen Ton und die damaligen Sitten des viktorianischen Zeitalters lebensnah und schon fast greifbar in ihr Buch einfließen zu lassen. Ihre beiden Protagonistinnen könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Herkunft, Bildung und die Art der Lebensführung liegen in zwei völlig fremden Welten und doch existieren beide Frauen im gleichen Moment. Ohne jegliche Romantisierung dieser Zeit nimmt sie uns mit in die Schrecken des Alltags einer Arbeiter Familie, deren Existenz vom kleinsten Ungleichgewicht komplett aus den Fugen geraten kann. Ruth erzählt uns, wie sich ihr bisheriges Leben zugetragen hat und obwohl Dorothea beim Verlassen der Zelle in ihr sorgloses Leben zurückkehrt, plagen sie ganz eigene Nöte. Diesem ganzen Schauspiel und der nicht enden wollenden Abwärtsspirale bei zu wohnen war äußerst fesselnd, wenn gleich die menschlichen Abgründe eine stetig grausen lassen. Die Umsetzung der historischen Komponente war in meinen Augen sehr gelungen und just in dem Moment, als ich anfing bemängeln zu wollen, dass es sich jedoch nicht um einen Thriller handelt, kommt die Autorin mit dem Ende um die Ecke. Ich habe die letzten Kapitel, im Unglauben über die Geschehnisse kaum atmen können und meine Augen hetzten förmlich über die Wörter. Wie auch in „die stillen Gefährten“ überlässt Laura Purcell am Ende dem Leser was er Glauben möchte. In diesem Buch ist alles möglich, von der rationalen bis zur mysteriösen Seite oder sogar einer Koexistenz von beidem. Ein sehr einnehmender Schreibstil, gelungene Umsetzung historischer Begebenheiten, ein Gespür für die Darbietung von Dramatik und einem Ende, was einen keinesfalls unberührt zurücklässt, konnten mich restlos überzeugen.

Fazit: Ein klares Must- Read. Gelungene historische Umsetzung, menschliche Abgründe aus dem viktorianischen Zeitalter und fesselnde Traurigkeit, verpackt in ein wunderschönes Buch mit einer unglaublichen Geschichte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere