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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.03.2025

Beklemmend, spannend und ganz viele Tauchergeschichten!

Die Kammer
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Wir lesen aus der Perspektive von Ellen Brooke, die als Tiefseetaucherin doch schon eine seltene Rolle in einem Männerberuf einnimmt. Sie ist Teil von einem Team aus insgesamt 6 Personen und alle sind ...

Wir lesen aus der Perspektive von Ellen Brooke, die als Tiefseetaucherin doch schon eine seltene Rolle in einem Männerberuf einnimmt. Sie ist Teil von einem Team aus insgesamt 6 Personen und alle sind sich größtenteils unbekannt. Das ist jetzt kein so gängiger Beruf und fordert extreme Belastungen für Geist und Körper und Ellen macht uns recht schnell klar, dass man sich in dieser Domäne als Frau sehr standhaft behaupten musss. Aber auch wo sie beginnt von den Umständen eines solchen Tauchganges zu erzählen, die Bedingungen, was gefordert wird und unter welchen Umständen, verstehe ich die begrenzte Zahl an Qualifizierten. Das war schon der erste große Pro-Punkt in diesem Buch, das alles sehr ausführlich, verständlich und dennoch spannend erklärt wurde. Man bekommt sofort ein bedrückendes Gefühl in der Bauchgegend, als die enge Kabine, das spärliche Essen und die Aufgaben beschrieben wurden. Durch die anderen Druckverhältnisse unter Wasser ändert sich nämlich nicht nur die Stimme, sondern auch die Belastungsgrenzen eines jeden Einzelnen und wie ganz oft betont wurde, geht alles etwas langsamer. Wenn man also nicht routiniert einem Ablaufplan folgt, kann das den sofortigen Tod bedeuten. Es dauert auch nicht lange bis der Erste davon betroffen ist und statt die Mission abzubrechen und die Taucher so schnell wie möglich an die Oberfläche zu holen, muss erst der Druck abgebaut werden und die Rückführung eingeleitet. Da das eben nicht in 5 Minuten gemacht ist, stellen sich den Beteiligten neuen anspruchsvollen Aufgaben.

Wie ich schon erwähnte haben mich schon die ersten Seiten an das Buch gebunden. Jede Beschreibung und Erklärung haben für mich einen neuen interessanten Reiz gegeben dran zu bleiben und zu erfahren, wer alles wie managt. Dazu kommen noch die undurchsichtigen Teilnehmer, wo jeder nur zum Arbeiten da ist und nicht für Freundschaften. Schwierig auf diesen engen Raum und mit den Aufgaben. Ich hatte auch sofort klaustrophobische Gedanken im Kopf, obwohl ich dafür nicht veranlagt bin, aber daran erkennt man den guten Schreibstil. Als dann diesen besagten Todesfall gibt und die Mission abgebrochen wird, gibt es in dieser Zeit nichts anderes außer das Ganze auszusitzen. An sich wurden die Langeweile, strikte Routinen und Alltag gut dargestellt, aber es zog sich auch enorm. Um sich abzulenken erzählen sich die Taucher Erlebnisse aus ihrem Leben, die mit ihrer Karriere verbunden waren und das zog sich. Klar ist es interessant diesen Geschichten zu folgen, aber es wurde immer skurriler, brutaler und kritischer an Sinn und Verhalten der Gesellschaft. Trotzdem bleiben die Beteiligten für mich recht undurchsichtig und die Erlebnisse hätten auch jedem anderen passieren könne. Ich konnte sie zwar namentlich voneinander unterscheiden, aber nicht persönlich und charakterlich. Man fiebert dennoch dem Countdown entgegen, wenn die Besatzung endlich wieder ins Freie kommt und wer das Ganze übersteht.

Hier findet ihr keinen reißerischen Thriller, der mit Blut und Brutalität um sich wirft. Eher eine ganz ruhige, bedachte und kritische Story über das Tauchen und alle ihren Gefahren. Für mich hätte es wesentlich kürzer sein dürfen und ich finde es bemerkenswert von dem Autor wie viele Geschichten er zu diesem Thema gefunden hat und wie groß das Thema Vertrauen in diesem Beruf spielt. Kleinste Gegebenheiten können den Tod bedeuten und das wurde hier eindringlich und intensiv dargestellt.

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Veröffentlicht am 24.02.2025

122 Überlebende, 1 Mörder, 107 Stunden bis zum Ende der Welt!

Der letzte Mord am Ende der Welt
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Überleben auf der Welt ist nur noch möglich auf einer kleinen Insel, da der Rest durch einen undurchdringlichen Nebel ausgelöscht wurde. Verantwortlich dafür sind drei Wissenschaftler, die auf der Insel ...

Überleben auf der Welt ist nur noch möglich auf einer kleinen Insel, da der Rest durch einen undurchdringlichen Nebel ausgelöscht wurde. Verantwortlich dafür sind drei Wissenschaftler, die auf der Insel auch als die Ältesten bekannt sind. Sie sind die einzigen die die Apokalypse damals miterlebten und einen Weg gefunden haben die Insel zu schützen. Nur leider ist der Friede durch den Tod eines Ältesten davon bedroht und wir lesen die Geschichte unter dem Druck einer Zeituhr, die auch noch das letzte Leben auslöschen wird.

Abi ist eine Stimme in dem Kopf eines jeden Bewohners und mit dieser allwissenden Stimme lernen wir die Insel, ihre Bewohner und den Alltag kennen. Niema, Hephaistos und Thea sind die drei Ältesten, die schon mehr als 100 Jahre ihr Leben auf der kleinen Insel verbringen. Diese Gunst ist leider nur den Dreien gewährt, denn jeder andere Bewohner stirbt an seinem 60. Geburtstag. Neben nützlichen Aufgaben zum Gemeindewohl gibt es auch feste Schlafzeiten, wichtige Regeln und eine Schule, die jedem Neuling erstmal die Situation erklärt und wie zerbrechlich das Gefüge ist. Der Alltag ist somit jeden Tag gleich und nichts darf davon abweichen. Da Abi alle Gedanken kennt und er auch zu jedem Bewohner spricht, sollte man meinen, dass ein Mordfall unmöglich erscheint, aber genau diesen kleinen Krimi erleben wir und nun begibt sich Emory auf die Suche nach dem Täter um alle zu retten.

Wie wir es von Stuart Turton gewöhnt sind, wartet auch hier wieder ein tolles Buch auf euch. Durch die allwissende Erzählweise nimmt man eigentlich an, dem Rätsel recht schnell auf die Spur zu kommen und dennoch macht das Lesen und erkunden die ganze Zeit über Spaß. Es ist spannend in jeden einmal hinein zu hüpfen und seine Gründe oder Anschauungen zu lauschen und damit bekommen wir eine abwechslungsreiche und interessante Geschichte präsentiert. Obwohl die Bewohner angehalten sind nicht übermäßig emotional zu reagieren, geht einem die Geschichte doch recht oft nahe und mit jeder überraschenden Wendung zieht es einen mehr ins Buch.

Nicht nur das dystopische Konstrukt, was diese Welt ausmacht, auch jede Nachforschung was den Mord angeht ist ein toller Mix verschiedener Genre. Perfekt vereint und ereignisreich verfasst macht das Lesen einfach nur Spaß und ich konnte es selten aus der Hand legen. Auch wenn ich nicht der größte Fan von Krimis bin, finde ich ihn hier sehr unterhaltsam und somit kann ich das Buch jeden empfehlen, der offene für neue Welten, Probleme und deren Lösung ist.

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Veröffentlicht am 04.02.2025

Frauenknast, Corona und der Gedanke an die Freiheit!

Sing mir vom Tod
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Wir starten im Frauenknast von Arizona, wo wir Kace, Dios und Florida kennenlernen. Die drei Frauen haben eine seltsame Beziehung zueinander, die sich mir bis zum Ende hin nicht wirklich erklärt hat. Kace ...

Wir starten im Frauenknast von Arizona, wo wir Kace, Dios und Florida kennenlernen. Die drei Frauen haben eine seltsame Beziehung zueinander, die sich mir bis zum Ende hin nicht wirklich erklärt hat. Kace ist mehr die Beobachtende an der Seite mit einer dermaßen cholerischen Art, das es schon unpassend wirkte. Dios und Florida verbindet eine Hassbeziehung, die ich von Anfang schon nicht begriffen habe. Auch als beide frühzeitig das Gefängnis verlassen dürfen und scheinbar getrennte Wege gehen, entsteht eine Co-Abhängigkeit, die ich nur noch nervig und toxisch empfand. Ich habe weder die Gründe noch die Motivation dahinter verstanden. Dios strahlt für mich von Beginn an eine ganz unangenehme Aggressivität aus und ihre Art Dinge zu regeln, finde ich mehr als bedenklich.

Wir schlüpfen in dem Buch in 4 verschiedene Perspektiven. Kace, Dios, Florida und Lobos erzählen uns in der Ich-Perspektive ihren Standpunkt und das ohne weitere Kapiteleinteilung darunter. Das bedeutet, dass es manchmal doch ein wenig zu lange Kapitel mit wenigen Absätzen sind und so etwas demotiviert mich immer beim Lesen. Dazu kommt noch ein sehr statischer Schreibstil mit kurzen und prägnanten Sätzen. Stellenweise von Vorteil, weil es die brutalen Handlungen auch stilistisch unterstreicht, aber meist hinderlich, weil ich keiner Person eine Bindung aufgebaut habe. Also nicht so richtig ein ausführlicher, ausschweifender Schreibstil, dafür umso ausführlicher in der Erzählung. Das wurde schnell eintönig und zog sich stellenweise wie Gummi, da viele dieser Informationen nicht zur Geschichte beigetragen haben. Auch diverse Logiklücken, was Essen oder Zusammenhänge betrifft, ließen mich stutzen oder innehalten. Ich habe viel mehr in die Sache hinein interpretiert und spekuliert, wie es schlussendlich gedacht war.
Die Geschichte würde sich sehr gut für eine Verfilmung eignen. Die Bilder, die das Buch im inneren Auge entstehen lässt, wäre ideal für das Kino mit Breitbild und Zeitlupe als ideale Stilmittel. Leider in der Buchform etwas zäh und stellenweise zu wenig Informationen, also ausreichend für den Film, zur Serie reicht es nicht. In Endeffekt wird viel erzählt, aber nichts passiert, was die Handlung vorantreibt. Für mich ist das auch kein Thriller, nur weil ein paar blutige und brutale Momente auftauchen. Es hat keine Elemente, die die Spannung hochtreiben und dahalten. Ab der Hälfte erscheint dann Lobos, wie eine Art Lückenfüller auf dem Schirm und da wird eine gewisse Grundspannung erzeugt, aber für mehr leider nicht ausreichend.
Mit dem Thema Corona komme ich immer noch nicht klar und bin nach wie vor genervt davon. Hier ist es recht passend, denn wer weiß, mit wie vielen Opfern die beiden sonst noch den Weg gepflastert hätten. Im Großen und Ganzen erscheint das Buch wie ein moderner Western, wo sich ein Duell dem anderen anknüpft. Auch das Cover ist mit dem Gelb-Orange und den Palmen in diesem Sinne gestaltet und strahlt schon eine gewisse Einsamkeit und Aggressivität aus. Der Spannungsbogen und auch der Inhalt haben mich wenig überzeugt, aber die Grundidee war nicht sc

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Verteidigung einer jungen Frau, die des Kindsmords bezichtigt wurde!

Die Lungenschwimmprobe
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Hier haben wir meiner Meinung nach ein ganz besonderes Werk. Ich bin über das Portal "Vorablesen" darauf gestoßen und obwohl man, bevor man die Bewerbung für ein Buch einreicht, erst die Leseprobe lesen ...

Hier haben wir meiner Meinung nach ein ganz besonderes Werk. Ich bin über das Portal "Vorablesen" darauf gestoßen und obwohl man, bevor man die Bewerbung für ein Buch einreicht, erst die Leseprobe lesen muss, bestand sie hier nur aus 2 Seiten und dem Cover. Ich hatte also keine Ahnung auf was ich mich einlasse und was für ein Highlight hier auf mich wartet. Man muss aber auch dazu sagen, dass es kein Buch für jedermann ist. Aber dazu später!

Wir befinden uns im Jahre 1681 und damit mitten in der Zeit der Aufklärung und nach den zermürbenden Tagen des 30-jährigen Krieges. Die junge Anna Voigt wird dem Kindsmord angeklagt, behauptet aber fest, dass das Kind tot zur Welt kam und sie damit unschuldig ist. Jetzt kommt der strebsame Anwalt Christian Thomasius auf den Plan, der die Verteidigung Annas übernimmt. Er ist sehr zielstrebig und ehrgeizig und verbeißt sich so in den Fall, was für mich total faszinierend zu lesen ist. Auch der innovative Arzt Schreyer wird zur Autopsie beordert, um seine sehr belesene Meinung zum Fall kundzutun. Die Rivalitäten zwischen Annas Vater und den Landesherren gipfeln mit dem allgemeinen Geplauder des Volkes in einen spannungsgeladenen Prozess. Im Großen und Ganzen lernen wir nicht viele Personen kennen, aber dafür sehr intensiv.

Der Roman ist verfasst wie ein Gerichtsprotokoll. Das bedeutet sehr lange Kapitel, eine Sprache aus der Zeit und damit viele Schachtelsätze und altmodische Formulierungen. Wir erfahren nur das, was in Protokollen überliefert wurde und dazu ein paar fiktive Fakten, wo der Autor sich sogar direkt an den Leser wendet. Man bekommt ein gutes Gespür für den historischen Bewegungsraum der Figuren. Die Dialoge und Marotten der Charaktere sprühen demgegenüber vor Leben und Details. Nicht nur die herausragende Recherchearbeit glänzt hier im Vordergrund, sondern auch das Gespür für die Zeit, die Emotionen der Beteiligten und der zähe Verlauf der Verhandlung. Das ist auch mein einziger Kritikpinkt. Ab der Mitte zieht es sich doch etwas und es treten ein paar Wiederholungen auf, wo man Durchhaltevermögen zeigen muss. Es gibt immer mal wieder Momente für die sich die Geduld auszahlt, wie zum Beispiel Gedicht, Märchen oder Mythen, die spielerisch in die Handlung gewoben wurden.

Am Ende des Buches ist ein QR-Code bzw. ein Link, der zu einer Datei führt in der die verwendete Sekundärliteratur, ein Namensverzeichnis historischer Personen und Abbildungen zu finden sind. Angesichts der Länge des Buches ist verständlich, weshalb der Verlag dies nicht mit in den Roman aufgenommen hat und ich finde es hilfreich, dass ich so einen Blick auf die Quellen werfen konnte. Wobei eine Karte und ein Register noch Platz im Buch gefunden hätten.
Abschließend ist es ein einzigartiger Roman, der sehr sorgfältig und zeitaufwendig recherchiert wurde und mit Fingerspitzengefühl und Herzblut geschrieben. Sehr zu empfehlen allen die wirklich Interesse an der Zeit, dem Umschwung des Denkens und Gerichtsprozessen haben, sonst könnte das Buch etwas langatmig werden.

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Veröffentlicht am 28.11.2024

3 Schwestern, die sich durch die Hürden der NS-Zeit kämpfen!

Die Mitford Schwestern
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Für mich war das eine richtig emotionale und super geschriebene Geschichte. Von den Geschwistern war mir tatsächlich nur Unity Mitford ein Begriff im Zusammenhang mit Adolf Hitler, aber was genau passiert ...

Für mich war das eine richtig emotionale und super geschriebene Geschichte. Von den Geschwistern war mir tatsächlich nur Unity Mitford ein Begriff im Zusammenhang mit Adolf Hitler, aber was genau passiert ist und was für eine Rolle ihre Schwestern dabei gespielt haben, war für mich richtig interessant. Das Cover mit seiner schlichten Art, finde ich passend, hätte aber auch mehr geschmückt sein dürfen. So ist es leider kein Blickfang, aber der Inhalt umso besser.

Der Schreibstil lässt sich super lesen und durch die 3 Perspektiven sind wir immer voll im Bild. Gerade auf emotionaler Ebene sind alle Drei zu gut zu verstehen, aber dass das zu familiären Reibereien führt war auch zu erwarten. Ich fand keine Ansicht langweilig oder dachte mir, "oh nein, nicht die schon wieder", sondern habe gespannt den Schwestern durch die Kriegszeiten gefolgt. Leider sind die anderen beiden Rebekka und Deborah etwas zu kurz gekommen, denn gerade Rebekka mit ihrer kommunistischen Haltung bringt noch einmal ordentlich Zunder in die Sache. Es ist also weniger ein Geschichtsbuch, sondern eher ein Familiendrama mit geschichtlichen Eckpunkten.

Auch das Ende war sehr rund und zum richtigen Abschluss beendet. Die wichtigsten Eckdaten sind genannt und auch was jede aus ihrer Situation gemacht hat, wurde ausreichend erläutert. Ich kann jedem dieses Werk empfehlen, den die Familie interessiert und wer auch mal die andere Seite hören möchte und warum man so blind gefolgt ist. Wohl bemerkt war es auch das erste Buch seit langem, was mich zum Googlen und Nachforschen angeregt hat.

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