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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.09.2025

Die russische Seele

Moscow Mule
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Ein Roman wie der Cocktail, nach dem er benannt ist - 'Moscow Mule' - Spritzig herb, erfrischend, und alle Figuren scheinen ständig mit leichtem Standgas unterwegs zu sein. 😂
Karina und Tonya leben in ...

Ein Roman wie der Cocktail, nach dem er benannt ist - 'Moscow Mule' - Spritzig herb, erfrischend, und alle Figuren scheinen ständig mit leichtem Standgas unterwegs zu sein. 😂
Karina und Tonya leben in Moskau, gefangen zwischen gesellschaftlichen Extremen und politischen Zwängen.
Ihr gemeinsamer Traum: ein neues Leben in Europa. Dort, wo alles besser sein soll - frei von Korruption und mit mehr Raum zur Selbstverwirklichung, besonders als Frau.
Auf dem Weg dorthin ist ihnen fast jedes Mittel recht.
Doch trotz aller Herausforderungen kommt eines nie zu kurz: exzessive Partys, durchzechte Nächte und jede Menge alkoholgeschwängerten Begegnungen.
Die Autorin Maya Rosa schafft es, diesen Drang nach Freiheit, die Suche nach Identität und weiblicher Selbstbestimmung in einem ebenso unterhaltsamen wie nachdenklich stimmenden Roman zu packen.
Besonders gelungen fand ich die ungezähmte Dynamik zwischen den beiden Freundinnen - herrlich unangepasst und mit Dialogen, die mich regelmäßig zum Schmunzeln gebracht haben. Weniger amüsant, dafür umso eindringlicher: Karinas Mutter, die scheinbar alles daran setzt, das Selbstwertgefühl ihrer Tochter zu zerschmettern - eine Figur, über die ich mich regelmäßig aufregen musste.
Zugegeben: Die meisten Charaktere waren mir ein wenig zu überzeichnet - mit einer rühmlichen Ausnahme. Die Oma. Die war einfach großartig und hat sofort mein Herz gewonnen.
Die Handlung selbst folgt weniger einem stringenten Plot als einem atmosphärischen Treiben - mehr Beobachtung als Zielstrebigkeit.
Kein Buch, das mir dauerhaft im Gedächtnis bleiben wird, aber definitiv eines, das sich leicht, unterhaltsam und stellenweise auch überraschend ehrlich liest.

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Veröffentlicht am 07.09.2025

no pain, no gain

Gym
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Hm, ich weiß nicht so recht, wie ich das Buch bewerten soll.
Ich hatte mich ziemlich auf 'Gym' von Verena Kessler gefreut. Mein Gefühl sagte mir, dass das ein Buch für mich ist.
Am Anfang hat es mir auch ...

Hm, ich weiß nicht so recht, wie ich das Buch bewerten soll.
Ich hatte mich ziemlich auf 'Gym' von Verena Kessler gefreut. Mein Gefühl sagte mir, dass das ein Buch für mich ist.
Am Anfang hat es mir auch echt gut gefallen, und wäre es in dem Stil weitergegangen, hätte ich es auch zufrieden beenden können.
Aber es ist mir etwas zu sehr in die Richtung von 'Nightbitch' abgedriftet und da war ich ja auch schon kein besonderer Fan von.
Wie gesagt, es fängt gut an und zwar bewirbt sich die namenlose Ich-Erzählerin in einem Fitnessstudio, dem Mega-Gym.
Ihre kleine Notlüge am Anfang, sie wäre frisch gebackene Mama und deshalb etwas außer Form geraten, bringt sie des Öfteren in Erklärungsnöte, und das war lustig zu lesen.
Als sie anfing, ihren Body zu transformieren, dachte ich noch: Ach Schade -, aber war gespannt, wie es weitergeht und vor allem, was in ihrer Vergangenheit passiert ist und wann der Showdown kommt, der das ganze Kartenhaus zum Einstürzen bringt.
Es kam anders, als ich dachte, und vielleicht stand mir dann auch mein im Kopf vorgesponnenes Ende im Weg, kann gut sein.
Ich mochte alle Figuren wirklich gerne, die waren sehr passend und gut gezeichnet.
Die Protagonistin hat mich auch nur zum Ende hin verloren, anfangs war alles super.
Der Roman hat natürlich eine absolute Sogwirkung entwickelt, aber hat mich dann etwas erschöpft wieder ausgespuckt.
Ich kann allerdings auch die begeisterten Stimmen verstehen, es ist einfach anders, und wer es etwas abgedreht und überzeichnet mag, der wird seine Freude dran haben.
Meinen Geschmack hat es nicht zu hundert Prozent getroffen.

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Veröffentlicht am 30.08.2025

Schreiblust

Die Briefeschreiberin
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Auf diesen Roman war ich wirklich gespannt und hatte tatsächlich auch leise Bedenken - ein komplettes Buch in Briefform, ob das funktioniert?!
Was soll ich sagen ... Ja, funktioniert und das auch noch ...

Auf diesen Roman war ich wirklich gespannt und hatte tatsächlich auch leise Bedenken - ein komplettes Buch in Briefform, ob das funktioniert?!
Was soll ich sagen ... Ja, funktioniert und das auch noch richtig, richtig gut.
Die 73-jährige Sybil van Antwerp, geborene Stone, Juristin im Ruhestand und ehemalige Referentin und rechte Hand eines erfolgreichen Richters, 3-fach-Mutter, geschieden und, was ich besonders schön fand - begeisterte Buchliebhaberin.
Sie begleiten wir durch ihre Vergangenheit und das Hier und Jetzt.
Das geschriebene Wort ist ihre favorisierte Ausdrucksform, da kann sie vorher genau überlegen, was sie zu sagen hat, und Sybil hat viel zu sagen.
Ich bin völlig eingetaucht in ihren Briefwechsel mit Freunden, Familie, Verehrern und Unbekannten.
Ich fand ihre ehrliche Art äußerst erfrischend und habe oft geschmunzelt, aber auch mitgelitten oder mich über Sybil geärgert, wenn sie doch wieder mal überraschend kritisch über zwei ihrer Kinder spricht.
Im hinteren Teil des Buches gibt es ein Verzeichnis der Menschen, mit denen sie schreibt, und nach und nach entwickelt sich eine Geschichte, ein Leben.
Ein sehr schöner und kurzweiliger Roman, der mich komplett mitgenommen hat in Sybils Welt.
Ich hatte viel Freude an dem Roman und habe immer gerne danach gegriffen.
Überzeugt Euch gerne selbst.

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Veröffentlicht am 25.08.2025

Rauschhaft

Top Girls
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Den Debütroman 'Top Girls' von Ana Drezga kann man schwer anhand einer Story beschreiben, sondern als Gefühl oder noch eher als Rausch.
Wir begleiten Liv und ihre Mitbewohner Dana und Nore durch den kalten ...

Den Debütroman 'Top Girls' von Ana Drezga kann man schwer anhand einer Story beschreiben, sondern als Gefühl oder noch eher als Rausch.
Wir begleiten Liv und ihre Mitbewohner Dana und Nore durch den kalten November in Wien. Hin und wieder eine wilde Party mit offenem Ende - ekstatisch.
Liv ist Tänzerin am Theater, aber es ist nicht ihre Passion. Sie ist eine Suchende, verloren gegangen in dieser großen Stadt. Sie ist auf der Suche nach sich selbst, nach Schlaf, nach Liebe und nach ihren Gefühlen. Bindungs- und Existenzängste machen ihr das Leben schwer.
Nach einem Schicksalsschlag in der Familie besucht sie ihre alte Heimat und findet auch dort keine Ruhe.
Die Top Girls in Livs Straße sind Spiegel ihrer Seele und repräsentieren für mich die Vergänglichkeit der schillerndsten Momente.
Ein Buch, das einen durch die Seiten treibt, wie der harte Bass durch eine Clubnacht.
Meine Lesevorliebe hat es nicht ganz getroffen - das Tempo war mir persönlich zu schnell und ich damit leicht überfordert.

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Veröffentlicht am 20.08.2025

Zeitgeschichte

Treppe aus Papier
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Mit dem Roman 'Treppe aus Papier' hat Henrik Szántó ein beeindruckendes Werk geschaffen, das durch seine erzählerische Tiefe und seine vielschichtige Thematik besticht.
Das besondere an diesem Buch ist ...

Mit dem Roman 'Treppe aus Papier' hat Henrik Szántó ein beeindruckendes Werk geschaffen, das durch seine erzählerische Tiefe und seine vielschichtige Thematik besticht.
Das besondere an diesem Buch ist die Erzählung, die sich um ein Mehrfamilienhauses dreht und die vielfältigen Geschichten und Ereignisse, die dieses Haus im Laufe der Jahrzehnte erlebt hat.
Da ein Haus Erinnerungen anders speichert als ein Mensch, sind die Erzählungen oft vielschichtig und überlagert.
Dies macht das Lesen manchmal herausfordernd, da man gelegentlich einen Moment zurückblättern muss, um den zeitlichen Kontext besser zu erfassen.
Der Roman spannt den Bogen von der NS-Zeit bis in die Gegenwart und schildert die Geschichte der Bewohner*innen sowie die Zeitgeschichte, die das Haus geprägt hat.
Irma, die 90 Jahre alt ist, hat vieles miterlebt.
Sie lebte bereits während der Hitlerzeit mit ihren regimegetreuen Eltern in diesem Haus und kehrte später zurück - getragen von einer schweren Schuld, die sie nie ganz loslassen konnte.
Nele, die im vierten Stock wohnt - ehemals die Wohnung der jüdischen Familie Sternheim - lernt durch Irma viel über diese dunkle Zeit.
Durch die Erzählungen der Zeitzeugin wird Nele neugierig und vertieft sich in die Geschichte, insbesondere in die Familiengeschichte ihrer eigenen Vorfahren.
Mich hat der poetische Schreibstil von Szántó sehr fasziniert.
Trotz gelegentlicher Unterbrechungen im Lesefluss hat mich die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird, tief berührt.
Besonders begeistert hat mich die originelle Idee eines erzählenden Hauses, das die Geschichte seiner Bewohner lebendig werden lässt.
Ich kann Euch 'Treppe aus Papier' nur ans Herz legen und finde, dass es ein berührendes Buch ist, das zum Nachdenken anregt.

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