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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.05.2026

„Du kannst Erinnerungen nicht wachsen lassen, sind die Wurzeln erst verlor‘n…“

Brombeerblaue Tage
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„Brombeerblaue Tage“ ist ein stiller, warmherziger Roman über das Loslassen und die leise Kraft eines Neuanfangs. Simone Veenstra erzählt mit feinem Humor und poetischer Bildsprache von Elisa, die zwischen ...

„Brombeerblaue Tage“ ist ein stiller, warmherziger Roman über das Loslassen und die leise Kraft eines Neuanfangs. Simone Veenstra erzählt mit feinem Humor und poetischer Bildsprache von Elisa, die zwischen überwucherten Brombeerranken, wilden Gärten und der rauen Schönheit Rügens nicht nur ihre Liebe zu Pflanzen wiederentdeckt, sondern auch sich selbst. Die entschleunigende Atmosphäre zieht sich durch jede Seite – begleitet von botanischen Details, Meeresluft und einem Hauch Melancholie. Besonders berührend ist die feinfühlige Beziehung zwischen Elisa und ihrem Vater, deren gemeinsame Geschichte von Versöhnung und unerwarteter Nähe geprägt ist. „Brombeerblaue Tage“ ist ein naturverbundener Familienroman voller leiser Töne, der zeigt, wie leicht der Blick auf das Wesentliche im hektischen Alltag verloren geht – und wie heilsam es sein kann, wieder Wurzeln zu schlagen.

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Veröffentlicht am 16.05.2026

„Wo Fäden flüstern und verlorene Herzen den Weg nach Hause finden“

Heimkehr nach Morioka
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„Heimkehr nach Morioka“ von Yuki Ibuki ist eine leise, beinahe schwebende Geschichte über Rückzug, Verlust und das vorsichtige Wiederfinden des eigenen Selbst.
Mio, siebzehn Jahre alt und innerlich erschöpft ...

„Heimkehr nach Morioka“ von Yuki Ibuki ist eine leise, beinahe schwebende Geschichte über Rückzug, Verlust und das vorsichtige Wiederfinden des eigenen Selbst.
Mio, siebzehn Jahre alt und innerlich erschöpft vom ständigen Ausgeliefertsein in der Schule, zieht sich in ihr Zimmer zurück wie in einen Kokon. Halt gibt ihr nur der rote Schal ihrer verstorbenen Großmutter – ein gewebtes Erinnerungsstück, warm wie eine Umarmung aus einer anderen Zeit. Als der Druck zu groß wird, flieht sie heimlich in die ländliche Präfektur Iwate zu ihrem Großvater, der dort eine Weberei betreibt.
Zwischen sanften Hügeln, ruhigen Schafweiden und dem rhythmischen Klang des Webstuhls entfaltet sich eine Welt, die im Kontrast zu Mios innerem Chaos steht. Hier, wo Wolle gesponnen, gefärbt und zu Stoff verwoben wird, beginnt auch in Mio ein langsamer, zarter Prozess: das Wiederverknüpfen dessen, was in ihr zerrissen war. Das Handwerk wird zur Sprache, die sie lange nicht sprechen konnte – eine stille Form des Heilens.
Ibuki erzählt diese Entwicklung ohne große Dramatik, dafür mit viel Feingefühl und einer fast märchenhaften Bildsprache. Farben, Texturen und Landschaften verschmelzen zu einer Atmosphäre, die Geborgenheit ausstrahlt, ohne je kitschig zu wirken. Die Begegnungen mit den Menschen vor Ort sind warm und unaufdringlich – sie geben Mio Raum, statt sie zu formen.
Im Kern ist der Roman eine sanfte Erinnerung daran, dass Heilung Zeit braucht und oft dort beginnt, wo unsere Wurzeln liegen. Dass Loslassen nicht Verlust bedeutet, sondern Bewegung. Und dass es manchmal einen Ortswechsel braucht, um innerlich anzukommen.
„Heimkehr nach Morioka“ ist kein lauter Roman – er flüstert. Doch wer sich auf diesen Ton einlässt, findet zwischen den Zeilen etwas Seltenes: Ruhe, Trost und die leise Hoffnung, dass selbst brüchige Fäden wieder zu einem Ganzen verwoben werden können.
🐑🐑🐑🐑🧶 | 5

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Veröffentlicht am 11.05.2026

„Wenn die Lüge erwacht, wird dein Albtraum Wirklichkeit…“

Home Before Dark
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Düster, geheimnisvoll und von einer beklemmenden Schönheit: Dieser Nordic-Noir-Thriller entführt in die karge Weite Islands, wo Vergangenheit und Gegenwart unheilvoll ineinanderfließen. Im Zentrum steht ...

Düster, geheimnisvoll und von einer beklemmenden Schönheit: Dieser Nordic-Noir-Thriller entführt in die karge Weite Islands, wo Vergangenheit und Gegenwart unheilvoll ineinanderfließen. Im Zentrum steht Marsi, deren Schwester vor zehn Jahren spurlos verschwand – ein Ereignis, überschattet von Schuld, Schweigen und einer folgenschweren Lüge. Als ein Brief aus der Vergangenheit auftaucht, beginnt für sie eine verstörende Reise in brüchige Erinnerungen, in denen Traum und Wirklichkeit ununterscheidbar scheinen.
Die Geschichte entfaltet sich wie ein frostiger Nebel: langsam, eindringlich und voller unterschwelliger Bedrohung. Atmosphärisch dicht und psychologisch raffiniert wird spürbar, dass die Wahrheit ihren Preis fordert – und dass das Böse nie wirklich verschwunden ist. Ein Thriller wie ein dunkles Märchen, in dem jede Erkenntnis ein Stück tiefer ins Ungewisse führt und die Angst stets einen Schritt voraus ist.

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Veröffentlicht am 29.04.2026

„We do not see things as they are, we see them as we are.“ - Anaïs Nin

Liebesrausch
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„Das Schreiben ist das Einzige, was den Ungereimtheiten im Leben Sinn einflößen kann…“
Charlotte von Feyerabend lässt uns in „Liebesrausch“ in die Pariser Welt um das Jahr 1931 eintauchen und erzählt uns ...

„Das Schreiben ist das Einzige, was den Ungereimtheiten im Leben Sinn einflößen kann…“
Charlotte von Feyerabend lässt uns in „Liebesrausch“ in die Pariser Welt um das Jahr 1931 eintauchen und erzählt uns autobiografisch das „ungezügelte und skandalumwitterte Liebesleben“ der beiden Schriftsteller Anaïs Nin und Henry Miller. Anaïs versucht das Leben mit alle ihren Sinnen auszukosten: „Die Welt entdeckte ich am liebsten zwischen den Deckeln eines Buches. Bücher konnten diese Leere in mir ausfüllen, die mich immer wieder von innen heraus aufzufressen drohte.“ An ihr haftet eine „klebrig-süße Melancholie“; Henry jedoch berauscht sie und bringt Leichtigkeit in ihr Leben: „Spaß und Leichtigkeit. Und das brauchte man, um sich lebendig zu fühlen. Leichtigkeit.“ Durch die Zerrissenheit ihrer Persönlichkeit wirkt sie verloren, sucht Zuflucht, glaubt dass Henry und sie ein Geist eint, der in zwei Körpern wohnt. Doch während die beiden das Leben mit allen Sinnen zu fassen versuchen, führt Anaïs auch ein konventionelles Parallelleben mit ihrem Ehemann Hugo: „Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er seinen Kopf verliert.“ Die Autorin versteht es, die „Innenwelt ihrer Protagonisten zu erleuchten“ und ihr Schreibstil ist kreativ und bildgewaltig. Henry vergöttert Anaïs geradezu: „Mit ihren dunklen, unendlichen Augen, die an Märchen aus Tausendundeine Nacht erinnerten, vermischt mit Kakao, Lakritze einer Prise Zimt.“ Er liebt Paris und lässt seiner Fantasie freien Lauf, schlenderte durch die Gassen „so dass ihn frei umher schwebende Geschichten finden konnten. …Es gab bereits genug Schatten und Regenphasen in seinem Leben, über die er schreiben konnte…“ Auch er ist gefangen in seinen grenzenlosen Exzessen: „Sagte nicht André Gide, es sei besser für das, was man ist, gehasst zu werden, als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden.“ Anaïs verarbeitet ihre emotionale Hemmungslosigkeit in ihren Tagebüchern, in die uns faszinierende Einblicke gewährt werden und es stellt sich einmal mehr die Frage: „Wie weit darf die eigene, ungezügelte Leidenschaft gehen?“

„Und wollen wir nicht als Leser in die Erfahrungswelt anderer eintauchen, umso quasi die Möglichkeit zu haben, mehrere Leben leben zu können…“
❤️❤️❤️❤️❤️ | 5

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Veröffentlicht am 28.04.2026

„Wo das Meer schweigt – Ein tödliches Spiel auf Sylt.“

KRIPO SYLT - Der Schrei der Möwe
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Die scheinbar friedliche Insel Sylt verwandelt sich in diesem Band in eine Bühne des Unheimlichen: Eine alte Frau wird grausam ermordet aufgefunden, ihre Tochter ist spurlos verschwunden – und der Täter ...

Die scheinbar friedliche Insel Sylt verwandelt sich in diesem Band in eine Bühne des Unheimlichen: Eine alte Frau wird grausam ermordet aufgefunden, ihre Tochter ist spurlos verschwunden – und der Täter bleibt beunruhigend still. Keine Forderungen, keine Hinweise, nur ein perfides Spiel, das die Ermittler zunehmend in seinen Bann zieht.
Für Nele Petersen und Ole Schiller beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, der sie tiefer und tiefer in ein Geflecht aus Lügen, Angst und verborgenen Motiven führt. Mit jedem Schritt verdichtet sich die Bedrohung, mit jedem Hinweis wächst die Gewissheit, dass der Täter näher ist, als ihnen lieb sein kann. Als eine weitere junge Frau verschwindet, kippt die angespannte Suche endgültig in einen Albtraum, der keinen Raum mehr für Fehler lässt.
Lea Jansen erzählt diese Geschichte in einer Sprache, die zugleich klar und von leiser Poesie durchzogen ist. Die Nordseeküste wird dabei mehr als nur Kulisse: Wind, Wellen und das flirrende Licht über den Dünen scheinen die Ereignisse zu begleiten, als würden sie die düsteren Geheimnisse selbst mit sich tragen. Diese besondere Atmosphäre verbindet sich mit einer straff geführten Handlung, die den Leser unaufhaltsam durch die Seiten treibt.
So entsteht ein Küstenkrimi, der nicht nur durch Spannung überzeugt, sondern auch durch seine dichte, fast märchenhaft-düstere Stimmung. Ein leiser, stetig wachsender Sog, der schließlich in einem überraschenden Finale mündet.
🪼🪼🪼🪼🪼 | 5

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