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Veröffentlicht am 29.04.2026

„We do not see things as they are, we see them as we are.“ - Anaïs Nin

Liebesrausch
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„Das Schreiben ist das Einzige, was den Ungereimtheiten im Leben Sinn einflößen kann…“
Charlotte von Feyerabend lässt uns in „Liebesrausch“ in die Pariser Welt um das Jahr 1931 eintauchen und erzählt uns ...

„Das Schreiben ist das Einzige, was den Ungereimtheiten im Leben Sinn einflößen kann…“
Charlotte von Feyerabend lässt uns in „Liebesrausch“ in die Pariser Welt um das Jahr 1931 eintauchen und erzählt uns autobiografisch das „ungezügelte und skandalumwitterte Liebesleben“ der beiden Schriftsteller Anaïs Nin und Henry Miller. Anaïs versucht das Leben mit alle ihren Sinnen auszukosten: „Die Welt entdeckte ich am liebsten zwischen den Deckeln eines Buches. Bücher konnten diese Leere in mir ausfüllen, die mich immer wieder von innen heraus aufzufressen drohte.“ An ihr haftet eine „klebrig-süße Melancholie“; Henry jedoch berauscht sie und bringt Leichtigkeit in ihr Leben: „Spaß und Leichtigkeit. Und das brauchte man, um sich lebendig zu fühlen. Leichtigkeit.“ Durch die Zerrissenheit ihrer Persönlichkeit wirkt sie verloren, sucht Zuflucht, glaubt dass Henry und sie ein Geist eint, der in zwei Körpern wohnt. Doch während die beiden das Leben mit allen Sinnen zu fassen versuchen, führt Anaïs auch ein konventionelles Parallelleben mit ihrem Ehemann Hugo: „Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er seinen Kopf verliert.“ Die Autorin versteht es, die „Innenwelt ihrer Protagonisten zu erleuchten“ und ihr Schreibstil ist kreativ und bildgewaltig. Henry vergöttert Anaïs geradezu: „Mit ihren dunklen, unendlichen Augen, die an Märchen aus Tausendundeine Nacht erinnerten, vermischt mit Kakao, Lakritze einer Prise Zimt.“ Er liebt Paris und lässt seiner Fantasie freien Lauf, schlenderte durch die Gassen „so dass ihn frei umher schwebende Geschichten finden konnten. …Es gab bereits genug Schatten und Regenphasen in seinem Leben, über die er schreiben konnte…“ Auch er ist gefangen in seinen grenzenlosen Exzessen: „Sagte nicht André Gide, es sei besser für das, was man ist, gehasst zu werden, als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden.“ Anaïs verarbeitet ihre emotionale Hemmungslosigkeit in ihren Tagebüchern, in die uns faszinierende Einblicke gewährt werden und es stellt sich einmal mehr die Frage: „Wie weit darf die eigene, ungezügelte Leidenschaft gehen?“

„Und wollen wir nicht als Leser in die Erfahrungswelt anderer eintauchen, umso quasi die Möglichkeit zu haben, mehrere Leben leben zu können…“
❤️❤️❤️❤️❤️ | 5

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Veröffentlicht am 28.04.2026

„Wo das Meer schweigt – Ein tödliches Spiel auf Sylt.“

KRIPO SYLT - Der Schrei der Möwe
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Die scheinbar friedliche Insel Sylt verwandelt sich in diesem Band in eine Bühne des Unheimlichen: Eine alte Frau wird grausam ermordet aufgefunden, ihre Tochter ist spurlos verschwunden – und der Täter ...

Die scheinbar friedliche Insel Sylt verwandelt sich in diesem Band in eine Bühne des Unheimlichen: Eine alte Frau wird grausam ermordet aufgefunden, ihre Tochter ist spurlos verschwunden – und der Täter bleibt beunruhigend still. Keine Forderungen, keine Hinweise, nur ein perfides Spiel, das die Ermittler zunehmend in seinen Bann zieht.
Für Nele Petersen und Ole Schiller beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, der sie tiefer und tiefer in ein Geflecht aus Lügen, Angst und verborgenen Motiven führt. Mit jedem Schritt verdichtet sich die Bedrohung, mit jedem Hinweis wächst die Gewissheit, dass der Täter näher ist, als ihnen lieb sein kann. Als eine weitere junge Frau verschwindet, kippt die angespannte Suche endgültig in einen Albtraum, der keinen Raum mehr für Fehler lässt.
Lea Jansen erzählt diese Geschichte in einer Sprache, die zugleich klar und von leiser Poesie durchzogen ist. Die Nordseeküste wird dabei mehr als nur Kulisse: Wind, Wellen und das flirrende Licht über den Dünen scheinen die Ereignisse zu begleiten, als würden sie die düsteren Geheimnisse selbst mit sich tragen. Diese besondere Atmosphäre verbindet sich mit einer straff geführten Handlung, die den Leser unaufhaltsam durch die Seiten treibt.
So entsteht ein Küstenkrimi, der nicht nur durch Spannung überzeugt, sondern auch durch seine dichte, fast märchenhaft-düstere Stimmung. Ein leiser, stetig wachsender Sog, der schließlich in einem überraschenden Finale mündet.
🪼🪼🪼🪼🪼 | 5

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Veröffentlicht am 22.04.2026

„Klein gedacht, groß geträumt!“

Logbuch einer Himmelsstürmerin
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Klein ist Mini nur auf den ersten Blick – in ihr steckt eine Welt voller Ideen, Träume und kluger Gedanken. In ihrem tagebuchartigen Logbuch erzählt sie mit Witz und Herz von ihrem großen Ziel, Erfinderin ...

Klein ist Mini nur auf den ersten Blick – in ihr steckt eine Welt voller Ideen, Träume und kluger Gedanken. In ihrem tagebuchartigen Logbuch erzählt sie mit Witz und Herz von ihrem großen Ziel, Erfinderin zu werden, von Robotern, Nobelpreisplänen und einer Freundschaft, die plötzlich auf die Probe gestellt wird.
Frauke Angel gelingt eine warmherzige, humorvolle Geschichte über Anderssein, Selbstvertrauen und die Kraft, an den eigenen Träumen festzuhalten. Die originelle Gestaltung mit liebevollen Illustrationen verleiht dem Ganzen einen besonderen Charme.
Ein leises, kluges und zugleich funkelndes Buch – wie Mini selbst: unscheinbar klein, aber voller Größe. Ein Buch, das Mut macht, die eigene Einzigartigkeit zu feiern. Und das zeigt, dass wahre Größe immer von innen kommt. Es lädt dazu ein, die Welt mit neugierigen Augen zu betrachten und an Wunder zu glauben.
🧑🏻‍🚀🚀⭐️🪐🌝 | 5

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Veröffentlicht am 22.04.2026

„Zwischen Nacht und Abgrund – Martinas taumelnde Suche nach Wahrheit und Wärme“

Es war nicht anders möglich
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Dieser Debütroman von Svenja Liesau ist kein sanfter Einstieg, sondern ein Sturz – hinein in eine Welt, die zugleich nach Bier, Sehnsucht und verlorenen Möglichkeiten riecht.
Martina, eine Frau in der ...

Dieser Debütroman von Svenja Liesau ist kein sanfter Einstieg, sondern ein Sturz – hinein in eine Welt, die zugleich nach Bier, Sehnsucht und verlorenen Möglichkeiten riecht.
Martina, eine Frau in der Schwebe, treibt durch ein Berliner Leben zwischen Nacht und Nüchternheit, zwischen Selbstflucht und verzweifelter Selbstsuche. Der Tod des Vaters wirkt dabei weniger wie ein Ende als vielmehr wie ein Riss, durch den alles Verdrängte nach oben drängt. In Briefen an ihn spricht sie, tastend und tobend zugleich, und genau hier entfaltet der Roman seine größte Kraft: in einer Sprache, die zärtlich streichelt und im nächsten Moment schneidend entblößt.
Wie in einem düsteren Märchen wandert Martina durch Kneipen, die zu Zwischenreichen werden – bevölkert von gestrandeten Seelen, nächtlichen Philosophen und verlorenen Gewinnern. Diese Orte wirken wie magische Schwellen: zwischen Wirklichkeit und Abgrund, zwischen Trost und Selbstzerstörung. Berlin erscheint dabei nicht nur als Kulisse, sondern als lebendiges, atmendes Wesen – rau, flirrend, erbarmungslos ehrlich.
Der Ton ist radikal: schnell, derb, manchmal obszön, oft von schwarzem Humor durchzogen. Man liest atemlos, als würde man mit überhöhter Geschwindigkeit durch seelische Landschaften rasen, in denen Schmerz, Wut und eine leise, kaum greifbare Hoffnung miteinander ringen. Dabei scheut Liesau nicht davor zurück, dorthin zu gehen, wo es weh tut – in die dunklen Kammern von Verlustangst, familiären Wunden und verdrängten Traumata.
Und doch liegt in all der Finsternis etwas beinahe Märchenhaftes: ein flackerndes Licht, das sich nicht löschen lässt. Es ist die Suche nach Nähe, nach Wahrheit, nach einem Ort, an dem man bleiben darf – oder wenigstens kurz ankommen kann.
Dieser Roman ist nicht bequem. Er fordert, verstört und berührt zugleich. Er lässt Distanz und Nähe nebeneinander bestehen, zwingt zur Auseinandersetzung und bleibt im Gedächtnis. Wer sich darauf einlässt, blickt in einen Abgrund – und entdeckt darin, ganz unerwartet, einen Funken Menschlichkeit.
🎈🎈🎈🎈🎈 | 5

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Veröffentlicht am 22.04.2026

„Zwischen Erinnerung und Rätseln – Ein leises Märchen über die Spuren des Lebens.“

Die Rätsel meines Großvaters
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Wie ein leiser Windhauch aus Japan entfaltet sich auch der zweite Band um die junge Lehrerin Kaede und ihren demenzkranken Großvater – zart, geheimnisvoll und voller verborgener Geschichten. Gemeinsam ...

Wie ein leiser Windhauch aus Japan entfaltet sich auch der zweite Band um die junge Lehrerin Kaede und ihren demenzkranken Großvater – zart, geheimnisvoll und voller verborgener Geschichten. Gemeinsam wandeln sie durch eine Welt kleiner und großer Rätsel, in der die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Erzählung sanft verschwimmen. Mithilfe von Kriminalliteratur spinnen sie feine Fäden aus Fantasie, folgen dem Verschwinden eines Weihnachtsmanns oder dem Schatten einer rätselhaften Suizidserie – und geraten dabei selbst immer tiefer in ein Netz aus Geheimnissen.
Doch dieses Buch ist weit mehr als ein klassischer Krimi. Es ist eine stille, berührende Erzählung über Erinnerung, Vergänglichkeit und die unsichtbaren Bande zwischen den Generationen. Die Beziehung zwischen Kaede und ihrem Großvater leuchtet dabei wie ein warmes Licht: getragen von Vertrauen, Zuneigung und einer leisen, gelebten Weisheit. Gerade in den unscheinbaren Momenten liegt seine größte Kraft.
Masateru Konishi schreibt mit einer ruhigen, poetischen Stimme, die ohne große Dramatik auskommt und doch tief berührt. Seine Worte wirken wie behutsam gesetzte Spuren im Sand – flüchtig und zugleich bedeutungsvoll. Die Kriminalfälle fügen sich harmonisch in die Erzählung ein, ohne das Herzstück der Geschichte zu überlagern: das menschliche Miteinander und die Zerbrechlichkeit des Erinnerns.
Trotz gelegentlich gemächlichem Tempo und einer episodenhaften Struktur entfaltet der Roman eine besondere Atmosphäre. Er erinnert daran, dass hinter jedem Menschen eine Geschichte verborgen liegt – und dass es Zeit, Geduld und ein offenes Herz braucht, um sie zu hören.
„Die Rätsel meines Großvaters“ ist damit ein stilles, warmherziges Buch voller Nachdenklichkeit – wie ein Märchen für Erwachsene, das uns daran erinnert, wie kostbar die Geschichten sind, die wir miteinander teilen.
🍁🍁🍁🍁🍁 | 5

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