Profilbild von Karin1910

Karin1910

Lesejury Star
offline

Karin1910 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Karin1910 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Oberflächliches Sammelsurium diverser Artefakte

Texte, die es nicht geben dürfte
0

Der Titel dieses Buch ist etwas irreführend, werden hier doch nicht nur Texte präsentiert, sondern diverse Arten von historischen Hinterlassenschaften angesprochen.
Vor allem die ersten zwei Drittel bieten ...

Der Titel dieses Buch ist etwas irreführend, werden hier doch nicht nur Texte präsentiert, sondern diverse Arten von historischen Hinterlassenschaften angesprochen.
Vor allem die ersten zwei Drittel bieten dabei kaum Überraschungen. Angebliche Runen in Nordamerika, seltsam geformte Figuren der Inka, Pyramidentexte, Geheimnisse des Sphinx usw – eben eine bunte Mischung von Themen, die von den sogenannten Grenzwissenschaftlern immer wieder gerne angesprochen werden.
Im letzten Kapitel wird der Inhalt dann zumindest etwas origineller, dieses befasst sich mit rätselhaften Schriften und Bauwerken, die mit den Habsburgern in Verbindung stehen, beispielsweise in Schönbrunn oder – besonders ausführlich – an der Fassade des Goldenen Dachl in Innsbruck.

Reinhard Habeck versucht also, relativ viel Inhalt auf nur 200 Seiten unterzubringen, was zwangläufig dazu führt, dass die einzelnen Punkte jeweils nur sehr oberflächlich behandelt werden können. Das könnte aber vielleicht durchaus beabsichtigt sein, überdeckt es doch, dass der Autor über keine wirklich tiefergehenden Informationen verfügt. Statt aus wissenschaftliche fundierten Bemerkungen besteht ein nicht geringer Teil seiner Ausführungen daher aus mehr oder weniger gewagten Spekulationen.

Als kurz gefasster Überblick darüber, was für (angebliche) Rätsel unsere Welt zu bieten hat , ist dieses Werk daher vielleicht ganz brauchbar, es gibt aber auch abseits der etablierten Wissenschaft bessere Autoren.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Kunstdiebstahl und Holocaust

Trügerisches Bild
0

Ich muss vorausschicken, dass ich die anderen Spenser-Romane nicht gelesen habe, sonst wäre es mir vielleicht leichter gefallen, in die Handlung einzutauchen.

Der Erzählstil an sich hätte mir durchaus ...

Ich muss vorausschicken, dass ich die anderen Spenser-Romane nicht gelesen habe, sonst wäre es mir vielleicht leichter gefallen, in die Handlung einzutauchen.

Der Erzählstil an sich hätte mir durchaus gut gefallen, die Beschreibungen sind eher einfach und auf das Wesentliche beschränkt, dafür aber mit einigem trockenen Humor gewürzt.

Privatdetektiv Spenser hat hier einen Fall zu lösen, mit dem ihn ein besonderes persönliches Interesse verbindet. Denn der Mann, als dessen „Leibwächter“ er fungieren sollte, wurde vor seinen Augen von einer Bombe zerfetzt.

Die daran anschließende Geschichte rund um ein „entführtes“ Gemälde, deren Hintergründe bis in die Zeit des Holocaust zurückreichen, wird dann allerdings immer unrealistischer und ist auch teilweise etwas verworren.

Außerdem handelt es sich bei der Aufklärung am Ende in weiten Teilen nicht um handfeste Ermittlungsergebnisse, sondern um Vermutungen, die jemand äußert, und Schlüsse, die Spenser daraus zieht.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Was geschah mit Dylan?

Die stille Kammer
0

Susan hat die letzten drei Jahre in Oakdale verbracht, einer Anstalt zur psychiatrischen Betreuung von Rechtsbrechern. Zwar hat die keine Erinnerung an den schrecklichen Tag, an dem ihr Leben jäh aus den ...

Susan hat die letzten drei Jahre in Oakdale verbracht, einer Anstalt zur psychiatrischen Betreuung von Rechtsbrechern. Zwar hat die keine Erinnerung an den schrecklichen Tag, an dem ihr Leben jäh aus den Angeln geriet, doch es gab genügend Beweise um sie des Mordes an ihrem damals drei Monate alten Sohn Dylan zu überführen.
Nach ihrer Entlassung wünscht sie sich nichts mehr als ein Leben in Ruhe und Anonymität, doch bald schon holt die Vergangenheit sie wieder ein. Plötzlich wird sie mit Hinweisen konfrontiert, die in ihr die Hoffnung wecken, dass Dylan doch noch am Leben sein könnte.
Zusammen mit ihrer besten Freundin Cassie und dem etwas geheimnisvoll wirkenden Journalisten Nick begibt sie sich auf eine Spurensuche, in deren Verlauf sie auch selbst in große Gefahr gerät.

Das ist der Inhalt des Hauptteils dieses Thrillers, der aus Susans Sicht in Ich-Form erzählt wird, sodass man sich besonders gut in sie hineinversetzen kann.
Dazwischen werden immer wieder Episoden aus der Vergangenheit eingeflochten, die sich um eine Clique privilegierter Jungs drehen.
Was die beiden Handlungsstränge miteinander zu tun haben, wird erst nach und nach stückweise enthüllt, die endgültige Auflösung am Schluss ist dann doch überraschend.
Davor erwarten den Leser viele Seiten spannendes Lesevergnügen, die ohne übertriebene Schilderungen von Gewalttaten auskommen. Dafür kann man mit einer Protagonistin mitfiebern, die alles verloren hat, was ihr wichtig war, immer wieder an sich selbst zweifelt und dennoch nicht aufgibt, nach der Wahrheit zu suchen, und lernt interessante Charaktere kennen, bei denen oft lange unklar bleibt, wer zu den „Guten“ und wer zu den „Bösen“ gehört.

Allerdings gibt es doch einige Ungereimtheiten und am Ende bleibt manche Frage offen, wodurch der an sich positive Eindruck etwas getrübt wird.

Dennoch ein gelungenes Debüt der Autorin, von der ich gerne mehr lesen würde.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ergreifender Roman über eine beängstigende Krankheit

Still Alice
0

Alzheimer bzw Demenzerkrankungen generell sind ein Thema, das die meisten Menschen möglichst weit von sich schieben, mit dem man sich nicht auseinander setzen möchte. Dies kann aber nichts an der Tatsache ...

Alzheimer bzw Demenzerkrankungen generell sind ein Thema, das die meisten Menschen möglichst weit von sich schieben, mit dem man sich nicht auseinander setzen möchte. Dies kann aber nichts an der Tatsache ändern, dass praktisch jede Familie einmal in irgend einer Form davon betroffen sein wird.
Dieser Roman ermöglicht es, sich in die Betroffenen hineinzufühlen und das Verständnis für sie zu verbessern:

Alice, angesehne Harvard-Professorin und Mutter dreier erwachsener Kinder hat gerade erst ihren 50. Geburtstag gefeiert, als sie besorgt feststellt, dass ihr Gedächtnis sie immer öfter im Stich lässt. Einige Arztbesuche und ausführliche neurologische Tests später dann die schockierende Diagnose: früh einsetzende Alzheimer-Krankheit.
Wie stark werden die Auswirkungen auf ihre Karriere, ja überhaupt ihre ganze Existenz sein? Was bedeutet diese Diagnose einer genetisch determinierten Krankheit für ihre Kinder? Wie wird sich die Beziehung zu ihrem Ehemann John entwickeln? Und vor allem: wird ihr Leben überhaupt noch lebenswert sein, wenn sie mehr und mehr von dem verliert, was sie bisher ausgemacht hat?
All dies sind Fragen, mit denen Alice sich fortan auseinandersetzen muss, die aber mit dem weiteren Fortschreiten ihrer Krankheit für sie auch immer bedeutungsloser werden.

Der Roman ist durchgehend aus der Perspektive von Alice erzählt, sodass man sich sehr gut in sie hineinversetzen und nicht nur ihre Gedanken und Gefühle nachvollziehen, sondern auch miterleben kann, wie sich im Laufe relativ weniger Monate ihr Geisteszustand zunehmend verschlechtert und sie sich immer öfter in einer Situation wiederfindet, die sie nicht versteht.
Auch die Reaktionen ihrer Umgebung werden – von Alice´s Warte aus gesehen – dargestellt, die Überforderung ihres Ehemannes, der vor all dem am liebsten die Augen verschließen würde, die Unbeholfenheit ehemaliger Kollegen, die ihr peinlich berührt aus dem Weg gehen, aber auch die Art, wie ihre Beziehung zu ihren Kindern sich weiterentwickelt und vertieft.

So wird verständlich, was das Leben mit Alzheimer für den Betroffenen wie auch die Angehörigen bedeutet.
Außerdem wird deutlich, dass man Demenzkranke nicht zu früh abschreiben sollte und dass , auch wenn die Erinnerungen verblassen, die Gefühle noch lange lebendig bleiben.

Weiters dürfte die Autorin sehr gründlich recherchiert haben, in die Handlung sind viele Hintergrundinformationen über die Alzheimer-Krankheit, die Diagnosemethoden und (leider beschränkten) Therapiemöglichkeiten verpackt.

Veröffentlicht am 15.09.2016

David gegen Goliath

Der Untergang Barcelonas
0

Marti Zuviria, genannt Zuvi, blickt als alter Mann auf sein Leben zurück. Er erzählt von seiner Lehrzeit bei dem großen Ingenieur Vauban, wo er sowohl lernte, wie eine beinahe uneinnehmbare Festung beschaffen ...

Marti Zuviria, genannt Zuvi, blickt als alter Mann auf sein Leben zurück. Er erzählt von seiner Lehrzeit bei dem großen Ingenieur Vauban, wo er sowohl lernte, wie eine beinahe uneinnehmbare Festung beschaffen sein muss, als auch, mit welchen Mitteln eine solche doch bezwungen werden kann, von seinen Erlebnissen an diversen wichtigen Schauplätzen des spanischen Erbfolgekrieges, vor allem aber von den Geschehnissen, die nicht nur seinem persönlichen Schicksal, sondern auch dem des ganzen katalanischen Volkes eine entscheidende Wendung geben sollten: Die monatelangen Belagerung und schließlich totale Zerstörung Barcelonas durch eine französisch-spanische Armee, die dazu führte, dass die Katalanen all ihre angestammten Rechte und Freiheiten verloren. Doch die Barcelonesen ergaben sich ihren Feinden nicht kampflos, sondern rangen oftmals buchstäblich bis zum letzten Atemzug darum, das Unvermeidliche zumindest aufzuschieben.

Das Buch ist mit vielen Informationen zu den damaligen politischen Verhältnissen, den Hintergründen des Erbfolgekrieges, dem Verlauf von Schlachten und dem Tätigkeitsbereich der Ingenieure im Kriegsdienst gespickt, sodass sich die Lektüre bisweilen etwas trocken gestaltet.

Auch wirkt der Protagonist vor allem zu Beginn nicht wirklich sympathisch, er ist unfreundlich, feige, tendiert dazu, immer den leichtesten Weg zu gehen etc. Dies ändert sich aber im Laufe der Zeit. Zuvi bleibt zwar weiterhin ein zwiespältiger Charakter, bei der Verteidigung seiner von einem übermächtigen Gegner bedrohten Heimat wächst er aber immer mehr über sich hinaus. Und er ist damit nicht der einzige. Es ist spannend, zu beobachten, wie Bürger aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten unter der Leitung eines herausragenden Oberbefehlshabers ihre Kräfte bündeln, um für ihre Stadt zu kämpfen. Umso frustrierender ist es dann, wenn ihre Bemühungen durch die Geltungssucht und Eitelkeit der Mächtigen zunichte gemacht werden.

So kann man hier einen Kampf David gegen Goliath miterleben, und obwohl schon von Beginn an feststeht, dass Goliath den Sieg davontragen wird, ist das Drama in seinem ganzen Ausmaß dann doch niederschmetternd.

Für Leser, die an der katalanischen Geschichte interessiert sind und einen teilweise etwas zähen Erzählstil nicht scheuen, ist dieses Werk also durchaus empfehlenswert.