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Veröffentlicht am 03.01.2019

Gute Zeiten - schlechte Zeiten

Jahre aus Seide
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„Jahre aus Seide“ ist der 1. Band der Trilogie über Ruth Meyer, die älteste Tochter der jüdischen Familie Meyer aus Krefeld und umfasst die Jahre 1926 – 1938.

Ruth wächst mit ihrer Schwester Ilse in einem ...

„Jahre aus Seide“ ist der 1. Band der Trilogie über Ruth Meyer, die älteste Tochter der jüdischen Familie Meyer aus Krefeld und umfasst die Jahre 1926 – 1938.

Ruth wächst mit ihrer Schwester Ilse in einem liebevollen und wohlhabenden Elternhaus auf. Ihre Eltern halten sich nicht für sehr religiös, pflegen aber die jüdischen Traditionen. Doch sie sind auch anderen Religionen gegenüber sehr tolerant und so gibt es zu Weihnachten auch geschmückte Tannenzweige, weil ein Tannenbaum Ruth völlig fasziniert hat. Standesdünkel ist ihnen völlig fremd und zu ihrem Chauffeur und seiner Familie pflegt Familie Meyer ein geradezu freundschaftliches Verhältnis.
Die ersten Jahre in Ruths Kindheit sind geprägt von der elterlichen Fürsorge, dem liebevollen Miteinander und dem nahezu idyllischen Familienleben im eigenen Haus. Und gerade diese relativ unspektakulären Alltagsschilderungen zeigen die gelebten Werte im Hause Meyer: Toleranz, Wertschätzung und Nächstenliebe. In dieser Zeit entdeckt Ruth auch ihre Liebe für schöne Stoffe und erlernt das Nähen von ihrer Großmutter.

Im Laufe der Jahre wird die vorherrschende Leichtigkeit und Unbeschwertheit des bis dahin sorgenfreien Familienlebens aber schleichend durch die Änderung der politischen Situation und den damit einhergehenden Repressalien den Juden gegenüber unterwandert. Selbst den angehenden Teenagern bleibt die unter den Erwachsenen zunehmende Angst und Unsicherheit nicht verborgen, die einen Schatten über das bisherige glückliche Leben wirft.

Wie schon bei der Ostpreußen-Saga war der Schreibstil wieder wunderbar flüssig und die Kapitel flogen nur so dahin. Obwohl im 1. Band die Schilderungen des Alltags der Familie Meyer im Fokus stehen und Spannung erst im letzten Teil aufkommt, hat mich das überhaupt nicht gestört. Gerade durch die Gegenüberstellung von guten Zeiten und schlechten Zeiten wird einmal mehr deutlich gemacht, was nicht nur Familie Meyer verloren hat und das dies völlig unabhängig von Einkommen oder gesellschaftlichem Stand erfolgt ist.
Obwohl ich schon einige Bücher und Dokumentationen aus dieser Zeit gelesen habe und auch weiß, dass der eigentliche Wahnsinn gerade erst beginnt, hat mich die Geschichte um Ruth und ihre Familie doch sehr berührt und natürlich mit der Frage zurückgelassen, wie sie die nächsten Jahre überstehen werden. Leider gilt es jetzt, die Wartezeit bis zum Sommer zu überbrücken.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Geschichte
  • Figuren
  • Authentizität
Veröffentlicht am 25.12.2018

Erinnerungen verblassen, das Gefühl der Liebe bleibt

Unter uns nur Wolken
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„Unter uns nur Wolken“, so beschreibt der an Alzheimer erkrankte Florian seine einzigartige Liebe zu Greta, seiner bereits verstorbenen Frau. Denn wenn ihm auch nach und nach die Erinnerungen entgleiten, ...

„Unter uns nur Wolken“, so beschreibt der an Alzheimer erkrankte Florian seine einzigartige Liebe zu Greta, seiner bereits verstorbenen Frau. Denn wenn ihm auch nach und nach die Erinnerungen entgleiten, das Gefühl der Liebe ist ihm noch geblieben. Florian ist Toms Großvater und einer der drei Protagonisten dieser bewegenden Geschichte. Er hadert noch mit seiner Erkrankung und will sich nicht der Realität stellen, nämlich, dass er täglich Hilfe oder zumindest Aufsicht benötigt. Alle bisherigen Pflegerinnen hat er erfolgreich durch seine ganz spezielle Art verscheucht.
Tom will das Bestmögliche für seinen Großvater, bei dem er aufgewachsen ist. Er sieht sich zunehmend überfordert im täglichen Spagat zwischen den Anforderungen der Betreuung und seines Arbeitsplatzes in seiner Bar, kommt zusehends an seine körperlichen Grenzen.
Anika, kurz Ani genannt, ist nach der Trennung von ihrem Freund ohne Job und Wohnung und finanziell ziemlich abgebrannt in einer aussichtslosen Lage. Als sie durch Zufall von dem Jobangebot erfährt ergreift sie die Chance, die sich gerade als ihr Rettungsanker erweist.
Alle 3 Charaktere haben ihr „Lebenspäckchen“ zu tragen und jede/r versucht, auf seine Art damit umzugehen. Florian läuft wieder einmal beim Pflegerinnen Vergraulen zu Höchstformen auf, wobei er auch vor recht makabren „Scherzen“ nicht zurückschreckt. Aber in Ani hat er einen ebenbürtigen Gegenpart gefunden und die sich daraus ergebenden Wortgefechte sind sehr unterhaltsam und gelungen.
Die Protagonisten sind alle sehr realistisch und authentisch dargestellt und es fällt leicht, sich in die jeweilige Situation des einzelnen hineinzuversetzen. Florians Verzweiflung an seinen guten Tagen, wenn er sich darüber im Klaren war, was ihm schon alles abhanden gekommen war, war greifbar und hat mich sehr bewegt. Toms Hilflosigkeit und sein verzweifelter Versuch, alles nur denkbar Mögliche für seinen Großvater zu organisieren, hat mir einen Bruchteil der Ohnmacht gezeigt, in der sich viele Angehörige in solch einer Situation befinden müssen. Und Ani s Reaktion auf Florians Spielchen fand ich großartig.
Wenn nicht, wie so oft, das Leben dazwischen gekommen wäre hätte ich dieses Buch am Stück verschlungen. Es ist eine sehr einfühlsam beschriebene Geschichte , die ihre leisen Töne hat, aber auch trotz aller Probleme dabei die Lust am Leben nicht vergisst.

Veröffentlicht am 06.12.2018

Die Glücklichmacherin

Juli verteilt das Glück und findet die Liebe
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Juli Mahlo ist schon eine ganz spezielle Sorte Mensch. Nachdem sie Großmutter und Mutter bis zu deren Tod gepflegt hat wohnt sie seitdem im Großelternhaus umgeben von alten Möbeln, Stille und Einsamkeit. ...

Juli Mahlo ist schon eine ganz spezielle Sorte Mensch. Nachdem sie Großmutter und Mutter bis zu deren Tod gepflegt hat wohnt sie seitdem im Großelternhaus umgeben von alten Möbeln, Stille und Einsamkeit. Der Einkauf beim Bäcker und Schlachter und die Mieter ihres Blumenladens sind ihre einzigen Sozialkontakte.
Wie andere Leute Briefmarken sammeln sammelt sie deren Ängste und pflegt ihre eigenen. Glücklich macht sie nur der Duft nach selbst gebackenen Keksen aus Omas alter Suppenschüssel, denn ihr eigenes Glück hat Juli noch nicht gefunden.


Durch eine glückliche Fügung hilft sie eines Tages im Blumenladen aus und trifft so auf Herrn Habakuk, und endlich erkennt sie die Aufgabe, die ihren bisher sehr leeren Alltag sinnvoll füllen könnte.
Denn Juli hat auch ein ganz besonders Talent – sie erkennt das belastende Unglück anderer und bringt diese Leute dazu, ihre Geschichten zu erzählen. Auf diese Weise verhilft sie ihnen zu ihrem ganz persönlichen Glück.

Es ist ein Buch der leisen Töne, denn die Geschichten in Julis Geschichte sind sehr emotional, berührend, machen nachdenklich, zeigen aber auch, dass Mut sich lohnt und geben Hoffnung.
Juli selbst muss man einfach gern haben und es hat mir viel Freude gemacht, sie auf ihrem Weg vom verhuschten, weltfremden Mäuschen zur selbstbewussten Frau zu begleiten, die sich in die Welt hinauswagt, sich vom Muff der Vergangenheit befreit und sich traut, Risiken einzugehen und dabei auch die Liebe findet.
Was als schwarz-weiß-Film begann endet in brillanter Farbe.

Wer gefühlvolle, zauberhafte Geschichten mag und sich auch nicht vor einer Achterbahnfahrt der Gefühle scheut wird von diesem Roman begeistert sein.

Veröffentlicht am 23.11.2018

Herbstliches Wohlfühlbuch mit Apfelduft

Die Rückkehr der Apfelfrauen
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Auf das Wiedersehen mit den 5 Apfelfrauen habe ich mich sehr gefreut, denn schon der Vorband „Eva und die Apfelfrauen“ hat mich sehr gut unterhalten.
Die 5 Freundinnen Eva, Nele, Marion, Dorothea treffen ...

Auf das Wiedersehen mit den 5 Apfelfrauen habe ich mich sehr gefreut, denn schon der Vorband „Eva und die Apfelfrauen“ hat mich sehr gut unterhalten.
Die 5 Freundinnen Eva, Nele, Marion, Dorothea treffen sich in Venedig mit Julika zu einem Mädelswochenende, und da es auf Evas Apfelplantage wieder mal „brennt“ wird kurzerhand die gemeinsame Zeit durch einen Arbeitseinsatz in der brandenburgischen Provinz verlängert.
Dani, die Verwalterin der Apfelplantage, musste kurzfristig verreisen und nun sehen sich die 5 einer wahren Apfelflut gegenüber.

Trotz ihrer Unterschiedlichkeit eint die 5 Frauen eines – eine Freundschaft und ein Gemeinschaftsgefühl, bei dem ich immer an die Musketiere denken muss, ganz nach dem Motto „Eine(r) für alle, alle für eine(n). Da wird sich auch mal angezickt und herumgemeckert, aber letztendlich wird jede mit ihren eigenen Macken respektiert. Ich habe die Freundinnen wieder sehr gerne durch den traumhaften Altweibersommer begleitet und mich in ihrer Gesellschaft ausgesprochen wohl gefühlt. Auch der fiese Nachbar hat die Idylle nicht gestört. Ganz im Gegenteil, denn Eva und ihre Freundinnen laufen hier zu Hochform auf. Sehr gut gefallen haben mir auch wieder die Beschreibungen der Landschaft und vor allem Neles Streifzug durch den Wald. Der war so realistisch beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, dabei zu sein. Auch die immer wieder eingestreuten Informationen über alte Apfelsorten oder gefährdete Tiere haben sich gut in die Handlung eingefügt.
Die Apfelzitate zu Beginn jedes Kapitels waren wieder ein ganz besonderes Schmankerl genau so wie die Rezepte am Schluss, von denen ich sicher einiges nachkochen/-backen werde.

Da beim letzten Kapitel für mich gefühlt noch lange nicht Schluss war hoffe ich doch sehr auf eine Fortsetzung. Schließlich haben die 5 Apfelfrauen doch auch einen großen Teil dazu beigetragen, dass das Baumblütenhotel entstehen kann.

Für dieses Wohlfühlbuch gibt es von mir 4 Sterne.

Veröffentlicht am 18.11.2018

perfekter Einstieg in die Adventszeit

Dünenwinter und Lichterglanz
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Schon allein beim Anblick des Covers habe ich mir gewünscht, dass die Geschichte hält, was der Titel verspricht – und ich bin nicht enttäuscht worden.
Moderatorin Alida hat ein Händchen für Wohndekorationen. ...

Schon allein beim Anblick des Covers habe ich mir gewünscht, dass die Geschichte hält, was der Titel verspricht – und ich bin nicht enttäuscht worden.
Moderatorin Alida hat ein Händchen für Wohndekorationen. Aus heiterem Himmel erfährt sie, dass ihre TV-Sendung eingestampft worden ist. Als wäre das nicht schon schlimm genug stirbt kurz darauf auch noch ihre Oma. Als Alida im Nachlass Liebesbriefe und ein altes Foto aus St. Peter Ording findet möchte sie dort den Mann suchen, den ihre Oma über Jahrzehnte nicht vergessen konnte.
Die Handlung an sich verläuft relativ unspektakulär und plätschert über die ersten 2/3 Drittel des Buches eher ruhig dahin. Trotzdem gelingt es der Autorin, eine ganz besondere Atmosphäre zu schaffen, die bis z um Schluss anhält. Die Landschaftsbeschreibungen und Schilderungen der Spaziergänge durch St. Peter Ording sind so realistisch, dass man beim Lesen geradezu mitgenommen wird und den Salzduft fast erahnen kann.
Die einzelnen Charaktere sind sehr authentisch beschrieben und gleich auf den ersten Blick sympathisch.
Besonders die Beschreibungen der Weihnachtsdekorationen haben mir sehr gut gefallen, da ich mir die einzelnen „Stationen“ sehr gut vorstellen konnte. Gerade im letzten Abschnitt strömt die Weihnachtsstimmung förmlich aus den Seiten. Auf dem Adventsfest wäre ich am liebsten mit dabei gewesen, so einladend war es geschildert. Den Geruch von Punsch und frisch gebackenen Plätzchen hatte ich dabei direkt unter der Nase. Auch die immer wieder eingestreuten Informationen über friesische Traditionen und Weihnachtsbräuche waren sehr interessant.
Die Geschichte ist perfekt für einen Nachmittag auf dem Lieblingsleseplatz, um sich in eine winterliche, vorweihnachtliche Stimmung versetzen zu lassen. Aber Vorsicht, bei mir hat sie auch extremes „Meerweh“ verursacht.