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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.01.2018

Berührt und regt zum Nachdenken an

Lied der Weite
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In der fiktiven Kleinstadt Holt, im US-Bundesstaat Colorado, lebt die 17-jährige Victoria. Als sie ungewollt schwanger wird, wirft ihre Mutter sie aus dem Haus. Ihre Lehrerin Maggie nimmt sie zunächst ...

In der fiktiven Kleinstadt Holt, im US-Bundesstaat Colorado, lebt die 17-jährige Victoria. Als sie ungewollt schwanger wird, wirft ihre Mutter sie aus dem Haus. Ihre Lehrerin Maggie nimmt sie zunächst selbst auf, sorgt dann aber dafür, dass sie bei zwei alten Viehzüchtern unterkommt. Der Lehrer Tom Guthrie hat mit ganz anderen Problemen zu kämpfen, denn seine Frau leidet unter Depressionen und die Ehe steht kurz vorm Scheitern. Guthrie muss sich um seine beiden Söhne kümmern und bekommt außerdem noch Schwierigkeiten mit einem Schüler. Die Schicksalsfäden der Kleinstadtbewohner verweben sich langsam miteinander....

Nach und nach lernt man die unterschiedlichen Protagonisten der Geschichte und ihre Probleme kennen. Zunächst scheinen die Handlungsfäden lediglich parallel zu verlaufen und nichts miteinander zu tun zu haben. Doch im Verlauf der Handlung nähern sie sich einander an.

Dem Autor gelingt es hervorragend, die Bewohner der Kleinstadt zu beschreiben. Man hat sie lebhaft vor Augen und kann sich gut in die jeweiligen Situationen hineinversetzen. Dadurch hat man das Gefühl, ein Teil der Geschichte zu sein und alles genau zu beobachten. Der Schreibstil ist recht einfach, aber sehr angenehm lesbar. Jedes Wort ist so treffend gewählt, dass man ganz in die Geschichte eintauchen kann und das Buch bereits nach kurzer Zeit nicht mehr aus der Hand legen mag. Denn die zwischenmenschlichen Beziehungen, die sich im Verlauf der Handlung entwickeln, gehen zu Herzen und regen zum Nachdenken an.

Ich habe mich beim Lesen dieses Romans sehr gut unterhalten und mochte ihn bereits früh nicht mehr aus der Hand legen. Denn die Bewohner und ihre Probleme sind mir schnell ans Herz gewachsen. Obwohl die Geschichte eher ruhig ist, habe ich jede Seite genossen und mochte mich zum Schluss nur ungern von den Kleinstadtbewohnern verabschieden. Von mir gibt es deshalb alle fünf Bewertungssterne und eine ganz klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 26.01.2018

Faszinierende Lebensgeschichte

Die amerikanische Prinzessin
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In "Die amerikanische Prinzessin" erzählt Annejet van der Zijl die Lebensgeschichte von Allene Tew, die 1872 in der amerikanischen Provinz geboren wurde, und im Jahr 1955 in Frankreich starb. In dieser ...

In "Die amerikanische Prinzessin" erzählt Annejet van der Zijl die Lebensgeschichte von Allene Tew, die 1872 in der amerikanischen Provinz geboren wurde, und im Jahr 1955 in Frankreich starb. In dieser wahren Geschichte erfährt man viel über die Frau, die eine der reichsten der Welt war, vom New Yorker Geldadel, sogar zur europäischen Prinzessin aufstieg und Patentante der niederländischen Königin Beatrix wurde.

Der Schreibstil von Annejet van der Zijl ist recht nüchtern, aber dennoch gut zu lesen. Es gelingt ihr hervorragend, die Lebensgeschichte dieser einzigartigen Frau, die, trotz vieler Schicksalsschläge, nie den Mut zum Leben verlor, so zu vermitteln, dass man schon beinahe meint, einen Roman zu lesen. Fakten und Hintergrundinformationen werden so in die Handlung eingestreut, dass man sich Allenes Leben mühelos vorstellen kann. Allene war fünf Mal verheiratet und hat zwei Weltkriege und den Bankenkrach erlebt. Das Schicksal hat es nicht immer gut mit ihre gemeint, doch sie hat nie aufgegeben, sondern immer versucht, das Beste aus ihrer Situation zu machen und sich selbst und ihren Werten treu zu bleiben.

Fotos, auf denen Allene, ihre Familie und andere Persönlichkeiten, die man im Verlauf der Handlung kennenlernt, zu sehen sind, lassen das Gelesene noch authentischer wirken. Man merkt beim Lesen, dass die Autorin jahrelang recherchiert und viel Herzblut in die Geschichte gesteckt hat.

Ich habe mich beim Lesen jedenfalls ausgesprochen gut unterhalten und Allenes Geschichte durchgehend interessiert verfolgt. Allerdings muss ich zugeben, dass mein Lesefluss gelegentlich von englischen Zitaten, was beispielsweise die damalige Presse über Allene oder ihre Familie schrieb, etwas unterbrochen wurde. Trotzdem habe ich viel über diese außergewöhnliche Frau, von der ich bisher nie gehört hatte, gelernt und werde diese interessante Lebensgeschichte noch lange in Erinnerung behalten.

Veröffentlicht am 24.01.2018

Nicht so spannend, wie erhofft

Kalte Seele, dunkles Herz
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Vor drei Jahren verschwanden die 15-jährige Cass und ihre zwei Jahre ältere Schwester Emma spurlos. Trotz intensiver Nachforschungen durch das FBI liefen alle Ermittlungen ins Leere. Dr. Abby Winter, forensische ...

Vor drei Jahren verschwanden die 15-jährige Cass und ihre zwei Jahre ältere Schwester Emma spurlos. Trotz intensiver Nachforschungen durch das FBI liefen alle Ermittlungen ins Leere. Dr. Abby Winter, forensische Psychologin beim FBI, hat diesen Fall nie vergessen und eine ungewöhnliche Theorie entwickelt. Als Cass völlig unverhofft wieder vor der Haustür ihrer Mutter steht, bekommt Dr. Winter die Chance, den Fall erneut aufzurollen. Cass hat den sehnlichen Wunsch, dass ihre Schwester Emma ebenfalls gefunden wird und erzählt deshalb alle Details, an die sie sich erinnern kann. Dr. Abby Winter kommt daran allerdings etwas merkwürdig vor. Was ist damals wirklich geschehen?

In Wendy Walkers Spannungsroman wird das Geschehen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Cass erzählt die Geschichte ihres Verschwindens in der Ich-Form. Dabei geht sie allerdings nicht immer chronologisch vor. Es gibt außerdem Rückblicke in das Familienleben, sodass man auch erfährt, was sich innerhalb der Familie alles zugetragen hat, als die beiden Mädchen noch gemeinsam dort lebten. Dabei enthüllt Cass nach und nach einiges. In einer weiteren Perspektive beobachtet man Dr. Abby Winter. Von ihr erhält man psychologische Hintergrundinformationen und erfährt, dass ihr in Cass Geschichte Ungereimtheiten auffallen.

Der Einstieg in die Geschichte ist interessant. Man fragt sich sofort, was damals wohl passiert ist und ob Emma, die ja nicht gemeinsam mit Cass zurückkehrt, gefunden werden kann. Cass erzählt die Ereignisse sehr detailliert. Doch man hat schon bald das Gefühl, dass irgendwas merkwürdig ist. Doch was genau das ist, kann man nicht greifen. Die Einschätzungen von Dr. Abby Winter sind ebenfalls informativ, auch wenn man manchmal das Gefühl hat, dass sie sich ebenfalls nicht richtig in die Karten schauen lässt. Deshalb tappt man beim Lesen lange Zeit im Dunkeln und rätselt, wie das alles wohl enden wird. Obwohl beide Perspektiven interessant sind, kommt es in der ersten Hälfte des Buchs auch zu einigen Längen. Man hat das Gefühl, dass sich vieles wiederholt und dass Cass vom FBI ziemlich viel Zeit eingeräumt wird, um ihre Geschichte zu erzählen. Denn eigentlich sollte doch alles ganz schnell gehen, damit auch Emma zurückkehren kann. Da man das Rätsel um Emma unbedingt lösen möchte, bleibt man, trotz der am Anfang auftretenden Längen, dennoch gerne am Ball.

Der Schreibstil ist flüssig und angenehm lesbar. Man kann sich die beschriebenen Szenen mühelos vorstellen und mag bei einigen Schilderungen von Cass kaum glauben, was man dort liest. Dadurch steigt die Spannung an und ein ungutes, bedrohliches Gefühl schleicht sich ein. Auf die Auflösung muss man bis zum Schluss warten, denn nach und nach werden die einzelnen Puzzleteile aufgedeckt, die am Ende dann ein überraschendes Bild ergeben.

Ich habe mich beim Lesen dieses Romans im Großen und Ganzen gut unterhalten. Denn ich wollte unbedingt erfahren, ob es gelingt, auch Emma zu finden. Das hat mich allerdings viel Geduld gekostet, da es für mich einige Szenen gab, die auf mich zu langatmig wirkten. Deshalb war der Roman für mich nicht so spannend, wie ich mir das erhofft hatte. Auf meiner persönlichen Bewertungsskala vergebe ich deshalb drei von fünf möglichen Sternchen.

Veröffentlicht am 15.01.2018

Harmonischer Lesegenuss

Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie
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Frank hat einen kleinen Plattenladen in der Unity Street. Er hat das besondere Talent, für jeden Kunden genau die Musik zu finden, die er gerade braucht. Obwohl die Straße ein wenig heruntergekommen wirkt, ...

Frank hat einen kleinen Plattenladen in der Unity Street. Er hat das besondere Talent, für jeden Kunden genau die Musik zu finden, die er gerade braucht. Obwohl die Straße ein wenig heruntergekommen wirkt, halten die Bewohner zusammen und sind eng miteinander verbunden. Die Menschen kommen gerne in Franks Laden und genießen es, dass er sich Zeit für sie nimmt. Doch plötzlich taucht eine geheimnisvolle Frau vor Franks Schaufenster auf. Das Unfassbare geschieht: Frank kann nicht spüren, welche Musik sie glücklich machen könnte.....

Der Einstieg in diesen Roman, der märchenhaft mit den Worten "Es war einmal ein Plattenladen" beginnt, gelingt mühelos. Denn genau wie Mr. Frank, hat auch die Autorin Rachel Joyce eine besondere Gabe: Sie versteht es vom ersten Moment an, eine wunderbare Atmosphäre zu erschaffen, in der man sich einfach wohlfühlen muss. Man lernt ganz besondere Charaktere kennen, die, obwohl sie ganz unterschiedlich sind, eine eingeschworene Gemeinschaft bilden. Man spürt den Zusammenhalt und kann sich das Leben in der Unity Street mühelos vorstellen.

Der Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm lesbar. Rachel Joyce beschreibt Charaktere und Handlungsorte so lebendig, dass man sie regelrecht vor Augen hat. Außerdem gelingt es ihr, Franks Leidenschaft für die Musik so glaubhaft zu vermitteln, dass man schon beinahe meint, die Melodien der entsprechenden Lieder zwischen den Zeilen zu spüren.

Die Geschichte selbst plätschert zunächst ein wenig vor sich hin, was aber nicht negativ zu werten ist, da die Autorin sich Zeit nimmt, die Charaktere einzuführen und das Leben in der Straße zu beschreiben. Außerdem gibt es immer wieder Rückblicke in Franks Vergangenheit, die nach und nach erklären, wie er zu dem Mensch wurde, der er ist. In die Handlung eingeflochten ist eine zarte Liebesgeschichte, die anders verläuft, als man zunächst annimmt. Zum Ende hin gerät die Harmonie, die sich durch das Buch zieht, ein wenig ins Wanken und wartet förmlich darauf, neu belebt zu werden.

Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen, da die Autorin es geschafft hat, dass ich mich vom ersten Moment an in der Geschichte wohlgefühlt und die lebendigen Charaktere förmlich vor mir gesehen habe. Es fiel mir leicht, mich auf die Handlung einzulassen und mit den Protagonisten mitzufiebern. Allerdings muss ich zugeben, dass mir das Ende ein wenig zu kurz abgehandelt wurde und deshalb nicht ganz so harmonisch und rund auf mich wirkte, wie der Rest des Buchs.

Veröffentlicht am 14.01.2018

Spannender Thriller

Hangman. Das Spiel des Mörders (Ein New-Scotland-Yard-Thriller 2)
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Eineinhalb Jahre sind vergangen, seit Emily Baxter den Ragdoll-Killer zur Strecke gebracht hat. Mittlerweile ist sie zum Chief Inspector befördert worden. Nun ersuchen US-Ermittler um ihre Mithilfe, denn ...

Eineinhalb Jahre sind vergangen, seit Emily Baxter den Ragdoll-Killer zur Strecke gebracht hat. Mittlerweile ist sie zum Chief Inspector befördert worden. Nun ersuchen US-Ermittler um ihre Mithilfe, denn an der Brooklyn-Bridge wurde ein Toter aufgehängt und es hat den Anschein, als ob jemand den Ragdoll-Killer kopieren würde. Gemeinsam mit Agenten vom CIA und FBI versucht sie der Sache auf den Grund zu gehen. Doch schon bald droht der ganze Fall aus dem Ruder zu laufen. Der Killer scheint den Ermittlern immer einen Schritt voraus zu sein und schlägt nicht nur in Amerika, sondern auch in London zu. Ein gefährliches Katz- und Mausspiel beginnt....

"Hangman" ist nach "Ragdoll" der zweite Band um die Ermittlerin Emily Baxter. Man kann den zweiten Fall auch ohne Vorkenntnisse lesen, da der Autor immer wieder Informationen zu den Ereignissen des ersten Teils einstreut. Allerdings erschweren fehlende Kenntnisse aus dem ersten Teil den Einstieg in "Hangman" etwas. Denn ohne Vorwissen wird man am Anfang mit vielen Informationen geradezu erschlagen, sodass es nicht ganz leicht fällt, alles in den richtigen Zusammenhang zu bringen.

Das Buch beginnt mit einer interessanten Vernehmung, die sofort neugierig auf das Geschehen macht. Man möchte unbedingt erfahren, was wirklich geschehen ist und stürzt sich deshalb mitten in den Fall. Es gibt unterschiedliche Perspektiven und mehrere Handlungsstränge, die miteinander verknüpft werden. Dadurch wird bereits früh Tempo aufgebaut, sodass man schnell in den Sog der Ereignisse gerät.

Der Schreibstil von Daniel Cole ist flüssig und angenehm lesbar. Man kann sich die beschriebenen Szenen mühelos vorstellen. Da der Killer einiges mit seinen Opfern und den Ermittlern anstellt, sollte man beim Lesen nicht allzu zartbesaitet sein. Denn gelegentlich hat man das Gefühl, dass das Blut förmlich aus den Seiten heraustropft. Dennoch gelingt es dem Autor hervorragend, neben der Ermittlungsarbeit und dem blutigen Gemetzel sogar noch eine Prise Humor einzustreuen, bei der man dann etwas aufatmen und unverhofft schmunzeln kann.

Die Charaktere sind nicht ganz einfach. Besonders Emily Baxter hat eine Art, mit der nicht jeder umgehen kann. Im Verlauf der Handlung gewöhnt man sich allerdings daran, dass sie niemandem vertraut, viel zu viel trinkt, immer sagt was sie denkt, auch wenn es nicht angebracht ist und stellenweise sogar sehr distanziert und etwas überheblich wirkt. Auch wenn man ihr Verhalten nicht immer nachvollziehen kann, wirkt sie sehr lebendig. Auch die anderen Charaktere sind facettenreich. Sie haben Ecken und Kanten und wirken dadurch ebenfalls glaubhaft, sodass man den Ermittlungen gespannt folgen kann.

Die Spannung baut sich bereits früh auf und kann durchgehend gehalten werden. Denn der Killer lässt sich immer wieder etwas Neues für seine Opfer und die Ermittler einfallen. Auch wenn sein Vorgehen und die Umsetzung seiner Pläne nicht immer logisch erscheinen, ist der Thriller doch spannend zu lesen und gipfelt in einem rasanten Showdown.

Ich habe mich beim Lesen dieses Thrillers sehr spannend unterhalten gefühlt, obwohl ich den ersten Fall nicht gelesen habe. Das hat mir zwar den Einstieg etwas erschwert, doch der aktuellen Handlung konnte ich trotzdem folgen. Mit Emily Baxter hatte ich zunächst meine Probleme, da sie mir durch ihre Art nicht sofort sympathisch war. Doch das hat sich zum Glück schnell gegeben, sodass ich das spannende Geschehen dann ganz auf mich wirken lassen konnte. Auf meiner persönlichen Bewertungsskala bekommt "Hangman" deshalb vier von fünf möglichen Bewertungssternchen.