Profilbild von Kleinbrina

Kleinbrina

Lesejury Star
offline

Kleinbrina ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Kleinbrina über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.08.2024

Es war nicht meins

Yoko
0

"Yoko" von Bernhard Aichner ist derzeit in der Buchbubble in aller Munde und somit bin auch ich auf den Thriller mit dem ansehnlichen Cover aufmerksam geworden. Aufgrund der vielen positiven Bewertungen ...

"Yoko" von Bernhard Aichner ist derzeit in der Buchbubble in aller Munde und somit bin auch ich auf den Thriller mit dem ansehnlichen Cover aufmerksam geworden. Aufgrund der vielen positiven Bewertungen waren meine Erwartungen an das Werk enorm hoch und leider wurde ich bitterlich enttäuscht, denn "Yoko" und ich wollten auf vielerlei Hinsicht nicht zusammenpassen.

Dies begann bereits auf den ersten Seiten, als sehr detailliert beschrieben wird, wie ein Hund zu Tode misshandelt wird. Für mich, die selbst einen Hund hat, war dieser Moment unerträglich und es fiel mir dadurch von Anfang an schwer, mich auf die Geschichte gänzlich einzulassen. Auch anderer Missbrauch wird in dem Buch für meinen Geschmack zu detailliert. Hartgesottene Thriller-Fans mögen dies vielleicht, aber für mich war es dann doch zu viel des Guten, obwohl ich normalerweise nur selten Probleme mit dem Genre habe. Die Dialoge sind teilweise gewöhnungsbedürftig, allerdings konnte ich mich gut daran gewöhnen.

Ein weiteres großes Problem sind für mich die Figuren. Vor allem Yoko wirkt auf mich unnahbar, oft eiskalt und anderen Menschen gegenüber von oben herab. Dass sie aufgrund der Ereignisse, die ihr und ihrer Lebensgefährtin in dem Buch passieren, knallhart ist und ihren eigenen, oftmals blutigen Weg gehen muss, ist grundsätzlich nicht das Problem, allerdings habe ich oft das Gefühl gehabt, dass der Autor immer wieder einen drauf setzen musste, um noch mehr zu schockieren, was aufgrund des Plots eigentlich gar nicht nötig ist.

Natürlich wird Yoko, nachdem sie den Hund vor einem Restaurant retten wollte, von der chinesischen Mafia entführt. Gewöhnliche Kriminelle, die keiner Organisation angehören, waren anscheinend für diesen Fall nicht "gut" genug. Auch die Brutalität ist in "Yoko" vollkommen übertrieben, denn vieles hätte gar nicht so ausführlich beschrieben werden müssen. Dadurch, dass die gesamte Brutalität aufgelistet und beschrieben wurde, bleibt nicht viel übrig, was sich die Leserschaft noch selbst bildlich vorstellen kann. Gleichzeitig kam dadurch immer mehr das Gefühl auf, als würde ich mich in einem Splatterfilm und nicht in einem Thriller befinden.

So sehr ich "Yoko" auch mögen wollte: Der knapp 300 Seiten lange Thriller und ich wollten in jeglicher Hinsicht nicht zusammenpassen, sodass ich große Mühe hatte, das Buch überhaupt zu beenden. Wer mit Missbrauch, Tierquälerei und übertriebener Brutalität in Büchern keine Probleme hat, wird sich mit der Geschichte möglicherweise anfreunden können, für mich war es jedoch zu viel.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.07.2024

Texte, die zum Nachdenken anregen

Ein wenig mehr Wir
0

Von Leah Weigand kannte ich bislang nur ihren Poetry Slam-Text "Ungepflegt", der mir sehr zugesagt und mich zum Nachdenken gebracht hat. Als ich entdeckt habe, dass sie mit "Ein wenig mehr Wir" ein erstes ...

Von Leah Weigand kannte ich bislang nur ihren Poetry Slam-Text "Ungepflegt", der mir sehr zugesagt und mich zum Nachdenken gebracht hat. Als ich entdeckt habe, dass sie mit "Ein wenig mehr Wir" ein erstes großes Werk mit zahlreichen Texten über die Menschlichkeit verfasst hat, musste ich das einhundertsechzig Seiten lange Buch unbedingt haben und wurde nicht enttäuscht.

In den Texten geht es um viele Alltagsmomente, aber auch um Missstände, die in der heutigen Gesellschaft alles andere als gut sind. Besonders gut ist dabei, dass die Autorin, die selbst in der Pflege arbeitet, auch den Notstand in der Pflege kritisiert und in ihren Texten über die jeweiligen Situationen berichtet.

Die Texte sind allesamt gut ausgearbeitet, wirken aber manchmal schon fast zu sehr ausgearbeitet und zu sehr durchdacht, was beinahe so wirkt, als kämen die Gedanken nicht spotan, was ich ein wenig schade finde. Dennoch gefallen mir die verschiedenen Themen, die hier angesprochen werden, bei denen so manches Mal auch der Zeigefinger erhoben wird. Dies wirkt jedoch nicht aufdringlich, sondern bewirkt eher, dass man zum Nachdenken angeregt wirkt und sich die einzelnen Texte zu Herzen nehmen kann.

Kurz gesagt: "Ein wenig mehr Wir" ist eine tolle Zusammenstellung an Texten, die an die Menschlichkeit appeliert und auf Missstände hinweist, ohne dabei zu aufdringlich zu wirken. Die Texte stimmen nachdenklich und somit ist das kleine, aber feine Buch auch bestens als Geschenk geeignet.

Veröffentlicht am 26.07.2024

Was für eine Enttäuschung

Yellowface
0

Nachdem ich "Babel" von Rebecca F. Kuang absolut toll fand und mich besonders die Charakterentwicklung begeistern konnte, habe ich mich schon sehr auf ihr neuestes Werk "Yellowface" gefreut, das schnell ...

Nachdem ich "Babel" von Rebecca F. Kuang absolut toll fand und mich besonders die Charakterentwicklung begeistern konnte, habe ich mich schon sehr auf ihr neuestes Werk "Yellowface" gefreut, das schnell in aller Munde war und dessen PR einen online schon fast erschlagen hat. Meine Erwartungen waren somit sehr hoch und ich habe mich auf eine spannende und interessante Geschichte gefreut, die ich jedoch leider nicht bekommen habe.

Bislang mochte ich den Schreibstil der Autorin sehr und ich finde, dass sie mit "Yellowface" auch durchaus ein interessantes Thema gewählt hat, allerdings war das Buch für mich auf vielerlei Weise einfach nur anstrengend. Normalerweise habe ich nicht unbedingt etwas gegen gendern. Hier wurde allerdings so sehr übertrieben, dass nie wirklich ein Lesefluss entstehen konnte und es komplett genervt hat. Durch das Gendern, aber auch durch die Charaktere, die ich allesamt nicht sympathisch und nur als anstrengend empfunden habe, kam es häufig vor, dass ich das Buch zur Seite legen musste und zwischendurch am liebsten abgebrochen hätte.

"Yellowface" erzählt die Geschichte von June Hayward und Athena Liu. Beide sind Autorinnen und kennen sich bereits seit ihren anfänglichen Schreiberfahren auf dem College. Während Athena mittlerweile mit ihren Werken Erfolg hat und ihre Werke sogar verfilmt werden sollen, ist June dagegen alles andere als erfolgreich und durchlebt bereits seit langer Zeit eine Schreibblockade. June ist neidisch und hasserfüllt, wenn es um Athena geht und sie wünscht ihr - trotz ihrer eher oberflächlichen Freundschaft - nur das schlimmste. Genau das tritt ein, als die beiden Frauen in Athenas Wohnung sind und Athena an einem Pencake qualvoll erstickt und schließlich stirbt. Für June bleibt nicht lange Zeit zu trauern, denn diese stiehlt lieber Athenas letztes Manuskript und ihr Notizbuch, um sich daran zu bereichern, als ihrer Freundin in der Not beizustehen.

Natürlich wird genau dieses Werk namens "Die letzte Front", indem es um Chinesen im ersten Weltkrieg geht, zu einem absoluten Erfolg, allerdings gibt es auch viele Menschen, die daran zweifeln, dass June das Werk tatsächlich selbst geschrieben hat und es gibt schnell Gerüchte, dass eigentlich Athena, die chinesischer Herkunft ist, die Autorin des Werkes ist. Für June kommt es jedoch nicht in Frage, ihren Fehler einzugestehen, sondern sie verstrickt sich immer mehr in ein Netz aus Lügen, legt sich öffentlich mit Kritikern an und sorgt sogar dafür, dass Verlagsmitarbeiter entlassen werden. June ist eiskalt, sehr berechnend, lügt in nahezu jeder Situation und redet sich selbst immer wieder ein, dass sie genau diesen Erfolg verdient hat, weil sie zu lange in Athenas Schatten stand.

Als June jedoch den Fehler macht und eine weitere Idee von Athena klaut und veröffentlicht, ist ihr Plagiat in diesem Fall bewiesen, denn was June nicht wusste, ist, dass genau das Thema bereits von Athena in einem Seminar als Beispiel ausgearbeitet wurde. June gerät in Erklärungsnot und muss sich erneut mit Kritikern befassen, die sie jedoch auch weiterhin wieder als die Bösen, die neidisch sind, darstellt und verstrickt sich immer mehr in einem Netz aus Lügen.

Das Thema Plagiatismus ist an sich ein wichtiges Thema, dass man nicht außer Acht lassen sollte, aber durch die extreme Überspitzung des Themas und die Darstellung der Verlagswelt, fiel es mir zunehmend schwerer, mich auf das Buch einzulassen. In "Yellowface" wird praktisch 90% der Verlagswelt als rassistisch, knallhart und oberflächlich beschrieben. Natürlich ist die Verlagswelt ein knallhartes Geschäft, bei dem es in erster Linie ums Geld geht, allerdings hätte ich mir eine etwas realistischere Darstellung gewünscht. Mir ist zwar durchaus bewusst, dass es hier auch ein stückweit um Satire geht, allerdings hat dies für mich nicht immer ins Bild gepasst.

Kurz gesagt: Ich hätte "Yellowface" aufgrund der Thematik wahnsinnig gern gemocht und mindestens auf eine Stufe wie "Babel" gestellt, aber leider ist dies aufgrund der unsympathischen Figuren und der Ausarbeitung des Themas für mich nicht möglich. Ich kann somit nur hoffen, dass mir das nächste Werk der Autorin mehr zusagen wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.07.2024

Würdiger Abschluss

The Golden Sheep 3
0

Auf der Suche nach Mangas, die nicht gerade alle um die zwanzig Bände haben, bin ich auf die dreiteilige Miniserie „The Golden Sheep“ von Kaori Ozaki gestoßen und habe alle drei Bände in einem Rutsch verschlungen. ...

Auf der Suche nach Mangas, die nicht gerade alle um die zwanzig Bände haben, bin ich auf die dreiteilige Miniserie „The Golden Sheep“ von Kaori Ozaki gestoßen und habe alle drei Bände in einem Rutsch verschlungen. Nachdem ich bereits den ersten beiden Bände sehr gemocht habe, geht es Schlag auf Schlag mit dem dritten und letzte Band weiter und ich finde, dass die Geschichte einen guten Abschluss erhalten hat.

In dieser Slice-of-Life-Geschichte geht es dabei nicht nur um die Freundschaft zwischen vier Jugendlichen, sondern es werden auch wichtige Themen wie Gewalt, Ausgrenzung und die Suche nach sich selbst angesprochen. Nachdem sich Tsugu, Sora und Yushin in Tokio begegnet sind und sie sich mehr oder weniger ausgesprochen haben, geht es für die Oberschüler zurück in ihre kleine Heimatstadt, in der bereits Asari auf das Trio wartet. Asari, die mittlerweile selbst von ihren Mitschülern aufgrund eines Fehler ausgegrenzt wurde, bereut ihr Verhalten gegenüber Tsugu mittlerweile zutiefst und möchte mit ihren ehemaligen Freunden Frieden schließen.

Interessant ist dabei, dass die Autorin die Konflikte unter den Jugendlichen sehr authentisch darstellt und dabei auch aufzeigt, dass man möglicherweise verzeihen, aber nicht vergessen kann. Freundschaften sollten immer gepflegt und nicht als selbstverständlich angesehen werden und die Botschaft wird hier gut an den Leser vermittelt.

Gleichzeitig muss ich aber auch sagen, dass noch einige offene Fragen für mich vorhanden sind, die die Autorin leider nicht beantwortet hat. Einerseits ist das gut, weil man selbst nie weiß, was die Zukunft letztendlich bringt, allerdings hätte ich schon etwas mehr darüber erfahren, wie die vier Oberschüler zukünftig miteinander umgehen werden, nachdem man sich nun wieder angenährt hat.

Der Zeichenstil von Kaori Ozaki gefällt mir sehr gut. Sie hat einen sehr sauberen Stil, legt viel wert auf kleinere Details, kann Emotionen perfekt einfangen und rückt die Figuren immer gut in den Vordergrund.

Kurz gesagt: "The Golden Sheep #3" ist insgesamt ein gelungener Abschluss der Trilogie rund um die vier Oberschüler Tsugu, Asari, Sora und Yushin und zeigt auf, dass Freundschaften oft zerbrechlich sind und dies ein gesamtes Leben verändern kann. Ich werde Kaori Ozaki sicherlich nicht aus den Augen lassen und noch einige Werke von ihr lesen.

Veröffentlicht am 22.07.2024

Spannende Geschichte in typischer King-Manier

Später
0

Ein Buch, auf dem der Name Stephen King steht, muss gekauft werden. Obwohl ich mir mit „Später“ leider viel zu viel Zeit gelassen habe, waren meine Erwartungen enorm hoch, da ich Geistergeschichten schon ...

Ein Buch, auf dem der Name Stephen King steht, muss gekauft werden. Obwohl ich mir mit „Später“ leider viel zu viel Zeit gelassen habe, waren meine Erwartungen enorm hoch, da ich Geistergeschichten schon immer sehr interessant fand. So hat mich King auch mit diesem Werk nicht enttäuscht, sondern mich mit seiner einzigartigen Art begeistern können.

Stephen King konnte dabei wieder einmal mit seinem grandiosen Schreibstil bei mir punkten: Stellenweise salopp, immer direkt, es wird nichts beschönigt und gleichzeitig kann man sich in nahezu jeden einzelnen Moment hineinversetzen, sodass „Später“ letztendlich sehr gut durchdacht und spannend wirkt.

"Später" handelt von dem neunjährigen Jamie Conklin und seiner Mutter Tia, die ein ganz besonderes Mutter-Sohn-Duo sind, denn Jamie kann nicht nur Geister sehen, sondern hat auch zusätzlich auch noch die Gabe, dass die Geister ihm jede Frage wahrheitsgemäß beantworten müssen. Tia arbeitet als Literaturagentin und hat nahezu immer mit Geldproblemen zu kämpfen. Diese verstärken sich, als ihr lukrativster Autor Regis Thomas stirbt, dessen letztes Werk unvollendet geblieben ist. Tia möchte dessen Reihe beenden und bittet nicht nur ihren Sohn, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, sondern auch ihre Freundin, die Polizistin Liz, zu Thomas Anwesen zu fahren, um seinen Geist zu finden, damit dieser Jamie das Ende seiner Buchreihe verraten kann. Je mehr sich Jamie jedoch mit den Geistern beschäftigen Muss, umso mehr fällt auf, dass nicht alle Geister gut zu ihm sind und nicht nur er, sondern auch andere schon bald in Gefahr sind.

Interessant ist bei dieser Geschichte, dass King sich nicht nur bewusst vom Hollywood-Film "The Sixth Sense" hat inspierieren lassen, sondern dass es auch zahlreiche Anspielungen auf seinen eigenen Erfolgsroman "ES" gibt. So wird gleich mehrfach das sogenannte Makroversum erwähnt, dass eine große Rolle in "ES" gespielt hat.

Obwohl "Später" gerade einmal etwas mehr als 300 Seiten hat und somit deutlich dünner als seine anderen Werke ist, hat es King dennoch geschafft, denn Spannungsbogen beinahe über die gesamte Geschichte durchweg hoch zu halten. Die Figuren sind allesamt gut ausgearbeitet, wenn auch nicht immer sympathisch und ich mochte die vielen Anspielungen, die hier gut eingearbeitet wurden, ohne dabei deplatziert zu wirken.

Wer jedoch hier eine reine Horrorgeschichte erwartet, der wird eventuell enttäuscht sein, denn es handelt sich hierbei auch teilweise um einen "Coming-of-Age"-Roman, womit ich zunächst nicht gerechnet habe.

Kurz gesagt: "Später" ist insgesamt eine gelungene und spannende Geistergeschichte, die mit interessanten Figuren und einem gut ausgearbeiteten Plot durchaus überzeugen kann. Es ist zwar bei Weitem nicht sein bestes Werk, allerdings ist es eine schöne Geschichte für Zwischendurch.