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Veröffentlicht am 15.11.2022

Die Waffen nieder!

Botschafterin des Friedens
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Der Name Bertha von Suttner ist mir seit meiner Jugend ein Begriff. Im Zuge der aktiven Friedensarbeit damals las ich ihren bekannten Roman „Die Waffen nieder“. Wenn man sich mit Pazifismus beschäftigt, ...

Der Name Bertha von Suttner ist mir seit meiner Jugend ein Begriff. Im Zuge der aktiven Friedensarbeit damals las ich ihren bekannten Roman „Die Waffen nieder“. Wenn man sich mit Pazifismus beschäftigt, kommt man an dieser starken Frau einfach nicht vorbei. Über Bertha von Suttner als Privatperson, über ihr Leben, wusste ich jedoch äußerst wenig. Daher war ich sehr gespannt, als ich entdeckt habe, dass es in der Piper-Reihe „Bedeutende Frauen, die die Welt verändern“ einen Roman über ihr Leben gibt. Dass ich diesen lesen wollte, war sofort klar, denn ihr Leben und Wirken hat mich schon immer interessiert.
In diesem biografischen Roman lernt man Bertha als junge Frau mit einem großen Freiheitsdrang kennen. Entgegen aller Konventionen möchte sie unabhängig leben und nimmt im Hause von Suttner eine Stelle als Gouvernante für die Töchter des Barons an. In Arthur von Suttner, dem jüngsten Sohn der Familie, findet sie die Liebe ihres Lebens, und der einige Jahre jüngere Mann erwidert die Zuneigung von ganzem Herzen. Allerdings war diese Verbindung zur damaligen Zeit skandalös, und als die Baronin dahinter kommt, muss Bertha das Haus verlassen. Sie geht nach Paris und wird die Sekretärin von Alfred Nobel. Der Wissenschaftler forscht mit Sprengstoff, und es entspinnen sich interessante Debatten zwischen ihm und Bertha, ob Dynamit ein Segen oder ein Fluch für die Menschheit ist. Auch als sich ihre Wege trennen, bleiben sie gute Freunde und stehen in regelmäßigem Briefkontakt.
Wo es Bertha dann hin verschlägt und wie ihr weiteres Leben aussieht, ist im Roman sehr lebendig und authentisch erzählt. Sehr ausführlich sind die Jahre geschildert, die sie mit ihrem Mann in Georgien verbringt. Ihr Name verrät ja bereits, dass sie ihre große Liebe, gegen alle Widerstände, geheiratet hat, und fern der Heimat muss sich das Paar arrangieren und schwere Existenzkämpfe ausfechten. Das Geld ist knapp, und das junge Paar hält sich zeitweise mehr schlecht als recht über Wasser. Nicht selten leiden sie Hunger.
Schon zu dieser Zeit führen die damaligen Kriegserlebnisse im Kaukasus dazu, dass Bertha Schriften gegen den Krieg verfasst. Kleinere Zitate und Abschnitte aus ihren Werken sind immer wieder in die Handlung eingebracht, so dass man einen tiefen Einblick über das Denken dieser großartigen Frau erhält.
Man erlebt ihre Rückkehr nach Österreich und ihre immer intensiver werdende Arbeit für die Friedens- und Frauenbewegung. Sie schließt Kontakte zu einigen bekannten Persönlichkeiten, beispielsweise war sie mit Marie von Ebner-Eschenbach eng befreundet.
Zwar ist es ein Roman, aber er bewegt sich sehr nahe an den damaligen realen Begebenheiten. Bertha von Suttner ist eine interessante Persönlichkeit, und hier erfährt man sehr viel über ihr Privatleben, ihre Gedanken und Gefühle. Letztendlich war ihr Wirken ausschlaggebend, dass Alfred Nobel testamentarisch eine Stiftung verfügte, auf deren Basis der Nobelpreis entstand, der seit 1901 alljährlich verliehen wird. Bertha von Suttner musste jedoch noch vier Jahre warten, bis sie diesen Preis, als erste Frau überhaupt, für ihre Friedensarbeit erhielt.
Im Roman werden vor allem die frühen Jahre dieser vielschichtigen Persönlichkeit ausführlich dargestellt. Im letzten Drittel ist die Handlung etwas gerafft, so zumindest mein Eindruck. Hier hätte die Handlung für mich gerne noch etwas ausführlicher sein und noch etwas tiefer gehen können. Aber alles in allem ist der Roman sehr gut geschrieben, und die verschiedenen Personen sind alle gut und sehr plastisch charakterisiert.

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Veröffentlicht am 15.11.2022

Fesselnder erster Band der Schönbrunn-Saga

Die Frauen von Schönbrunn (Die Schönbrunn-Saga 1)
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Eine kleine Vorbemerkung zum Klappentext: Der Roman beginnt im Juli 1914, und der Epilog spielt im Frühling 1918. Wir befinden uns also mitten im Krieg, so dass ich den ersten Satz der Kurzbeschreibung ...

Eine kleine Vorbemerkung zum Klappentext: Der Roman beginnt im Juli 1914, und der Epilog spielt im Frühling 1918. Wir befinden uns also mitten im Krieg, so dass ich den ersten Satz der Kurzbeschreibung hier irreführend finde und nicht so ganz nachvollziehen kann, denn der Krieg dauerte ja bis zum Spätherbst 1918, aber das nur am Rande.

Der Roman dreht sich um die Schwestern Emma und Greta. Emma begleitete ihren Vater schon als Kind zur kaiserlichen Menagerie, wo er als Tierarzt tätig war. Ihr größter Wunsch war, eines Tages in seine Fußstapfen zu treten, aber in Wien sind Frauen für das Studium nicht zugelassen. Emma lässt sich jedoch nicht so schnell unterkriegen und arbeitet im Tierpark Schönbrunn, um sich das Geld für ihren Traum, ein Studium der Veterinärmedizin in der Schweiz, zusammen zu sparen. Aber dann kommt der Krieg. Der Vater wird eingezogen, ebenso wie Gretas Mann Gustav, und das Geld reicht nicht einmal mehr für den täglichen Lebensunterhalt. Noch dazu ist Greta schwanger, und Emma macht sich Sorgen um die Gesundheit der Schwester. Auch im Zoo sind die Mittel knapp, und die Mitarbeiter kämpfen um ihre Schützlinge. Es werden Rufe laut, wieso hier Tiere gefüttert werden, während Wiens Bevölkerung hungert. Zusammen mit dem jungen Tierarzt Julius nimmt Emma den Kampf gegen Kälte und Hunger auf und hilft den Tieren so gut sie kann. Schon bald verliebt sie sich in den feinfühligen Mann, aber sie muss feststellen, dass es einige missgünstige und eifersüchtige Zeitgenossen gibt, die ihrem Glück im Wege stehen.

Mit der kaiserlichen Menagerie von Schönbrunn hat dieser historische Roman einmal ein ganz anderes Setting. Man erfährt viel über die Tiere, die von Emma und ihren Kollegen betreut werden, und vor allem die Orang-Utan-Dame Fanny habe ich schnell ins Herz geschlossen. Da wird von Freude und Leid berichtet, und gerade die außergewöhnlichen Ereignisse, die im Buch Erwähnung finden, haben wirklich stattgefunden, wie die Autorin im Nachwort berichtet. Sehr gut haben mir auch die Charakterisierungen der Menschen gefallen, die im Roman eine Rolle spielen. Die Atmosphäre während des Kriegs, der Zeitgeist und das Elend, das in der Bevölkerung herrschte, sind feinfühlig und detailgenau dargestellt. Es gibt noch so einige interessante und fesselnde Verwicklungen in der Handlung, die ich gebannt verfolgt habe. Sowohl die zweibeinigen als auch die vierbeinigen Protagonisten sorgen für Spannung. Es bleiben am Ende ein paar Fragen offen, aber zu meiner Freude habe ich nun festgestellt, dass es im Frühling 2023 eine Fortsetzung geben wird und damit alle Chancen, dass sich noch vieles klären kann. Ich habe dieses Buch genossen und freue mich auf ein Wiedersehen mit den Protagonisten im nächsten Jahr.

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Veröffentlicht am 07.11.2022

Medizinisches Wissen sehr kurzweilig vermittelt

Ein Muskelkater will auch gekrault werden
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Die Ärztin hat in diesem Buch wissenswerte Fakten über die verschiedensten Funktionen und Phänomene des menschlichen Körpers zusammengetragen. Dabei beantwortet sie Fragen, die sich wohl viele im Lauf ...

Die Ärztin hat in diesem Buch wissenswerte Fakten über die verschiedensten Funktionen und Phänomene des menschlichen Körpers zusammengetragen. Dabei beantwortet sie Fragen, die sich wohl viele im Lauf ihres Lebens stellen, beispielsweise wieso der Magen knurrt, wenn man Hunger hat, was es mit Schluckauf auf sich hat und wann Schnarchen gesundheitlich bedenklich sein kann. Manches, was unser Körper veranstaltet, ist uns peinlich, dabei ist es ganz normal, und auch wenn es nicht in der Öffentlichkeit kommuniziert wird, betrifft es uns doch alle.
Im zweiten großen Abschnitt räumt die Autorin mit Mythen rund um die Gesundheit und Medizin auf. Kann beispielsweise Kaugummi den Magen verkleben, wie wir es in unserer Kindheit oft zu hören bekamen? Macht das Lesen im Dunkeln die Augen kaputt? Enthält Spinat besonders viel Eisen? Macht Schokolade Pickel? Diese und viele weitere Fragen werden beantwortet, viele Behauptungen dieser Art dabei entkräftet.
Im dritten großen Teil erfahren wir, was uns gut tut und worauf wir achten sollten. Superfood ist im Trend, aber es müssen nicht immer die exotischen Zutaten sein, die gut für uns sind. So kann man statt Acerola auch Sanddorn zu sich nehmen und Hirse statt Quinoa.
Auch auf Stress, Schlaf und langes Leben geht die Autorin ein. So gibt es beispielsweise zwei unterschiedliche Schlaftypen, gesteuert durch die individuelle innere Uhr, nämlich die Lerchen und die Eulen. Die Ausführungen dazu helfen, sich selbst und seinen Körper besser zu verstehen.
Mit 190 Seiten ist das Buch nicht übermäßig dick und schnell gelesen. Außerdem ist der Inhalt sehr kurzweilig und leicht verständlich dargestellt. Da die Autorin hier quasi eine Erklärungsreise durch den gesamten Körper macht, kann sie auf die einzelnen Punkte jeweils nur kurz und eher oberflächlich eingehen. Aber ich finde es gut so, denn in diesem Büchlein erfährt man viel Neues, und gerade weil die einzelnen Themen nicht in die Tiefe gehen, ist es eine interessante Lektüre für Laien.

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Veröffentlicht am 06.11.2022

Fesselnde Fortsetzung zu "Das Kreuz des Pilgers"

Das Geheimnis des Pilgers
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Dies ist Band 2 der Pilger-Trilogie, und ich möchte eine dringende Empfehlung aussprechen, auf jeden Fall zuerst Band 1 zu lesen, da die Bücher aufeinander aufbauen.
Die Handlung spielt in Koblenz im ...

Dies ist Band 2 der Pilger-Trilogie, und ich möchte eine dringende Empfehlung aussprechen, auf jeden Fall zuerst Band 1 zu lesen, da die Bücher aufeinander aufbauen.
Die Handlung spielt in Koblenz im Jahr 1379. Die Hochzeit von Reinhild und Conlin steht kurz bevor, aber es gibt noch einige Probleme aus der Welt zu schaffen. Conlin muss seinen Bruder ablösen und trägt nun nicht nur den Titel Graf von Langenreth, sondern ist auch für Wohl und Ehre seiner Familie verantwortlich. Außerdem gibt es zwischen ihm und seiner Verlobten Reinhild noch so einiges zu klären.
In einem weiteren Handlungsstrang begleiten wir den jungen Kaufmann Palmiro bei seinen Geschäften und Reisen. Er sieht sich plötzlich einem neuen Mitarbeiter gegenüber, der ihm nicht recht geheuer ist, denn Benedikt von Heidenstein taucht ganz spontan bei ihm auf und mischt sich in ungebührlicher Weise in Palmiros Entscheidungen ein. Palmiro, der die wunderbare Gabe hat, das Seelenlicht seiner Mitgeschöpfe zu sehen, scheitert an Benedikt, denn bei ihm erkennt er absolut nichts! Hat Benedikt demnach gar keine Seele? Es ist wieder geheimnisvoll und spannend, und eine wichtige Rolle nimmt auch hier wieder das Kreuz des Zachäus ein, eine wertvolle Reliquie, die der Legende nach aus dem Gralsschatz stammen soll. Das silberne Kreuz kann Gut und Böse unterscheiden, und nur Menschen reinen Herzens können es unbeschadet tragen und berühren. Seinen Träger warnt es bei Gefahr.
Auch diesmal tritt das Kreuz wiederholt in Aktion, und seine Signale sind oft verwirrend.
Neben den wichtigsten Personen im Roman gibt es noch einige sehr interessante Charaktere in Nebenrollen, so zum Beispiel den Handelsgesellen Mathys le Smithy, der schon im ersten Band dabei war und den man nun etwa näher kennenlernt. Die Dialoge zwischen ihm und Reinhilds jüngerer Schwester Mariana sind sehr amüsant zu verfolgen, und ich bin gespannt, wie sich diese Episode eventuell im nächsten Band weiter entwickelt.
Ergänzend zu einer fesselnden Handlung lernt man auch in diesem Roman wieder sehr viel über das damalige Leben der verschiedenen Gesellschaftsklassen. Auch historisch belegte Personen finden ihren Platz in der Geschichte, so beispielsweise die jüdische Geldverleiherin Reynette Bonenfant, und die Informationen über die damaligen Gepflogenheiten und Sachverhalte, die man hier so ganz nebenbei erhält, fand ich sehr interessant. Durch das geheimnisvolle Kreuz und Palmiros besondere Gabe kommt auch ein Hauch Mystik in die Geschichte.

Im Nachwort erklärt Petra Schier ihr Anliegen, eine Mischung der unterschiedlichsten Lebensentwürfe der damaligen Zeit vorstellen zu wollen. Hier geht es um Themen wie Standesunterschiede, die großen Einfluss auf Verbindungen hatten, und ein interessantes Thema, das die Autorin hier aufgreift, ist die gleichgeschlechtliche Liebe, die zur damaligen Zeit als Ketzerei angesehen war.
Alles in allem ist dies wieder ein Roman, den man kaum aus der Hand legen kann, so lebendig und fesselnd schreibt die Autorin. Die Protagonisten hatte ich schon im ersten Band lieb gewonnen, und die Entwicklungen der verschiedenen Personen sind spannend dargestellt.
Einen winzigen und absolut subjektiven Kritikpunkt habe ich, wenn ich auch gut verstehe, worum es der Autorin dabei geht. Es sind diesmal mehr erotische Szenen im Buch, gegen die ich generell gar nichts habe, denn sie sind wirklich gut und niveauvoll geschrieben, und auch dieser Lebensbereich gehört einfach dazu. Nur nehmen diese Szenen diesmal einen besonders großen Stellenwert ein, ziehen sich doch etwas in die Länge und sind ausschweifender als sonst und über mehrere Seiten sehr detailliert beschrieben, so dass ich dann gerne mal ein paar Abschnitte quer gelesen habe. Das ist natürlich absolut Geschmackssache, und ich denke, dass gerade diese „spicy“ Szenen einen großen und begeisterten Leserkreis anziehen.
Insgesamt hat mich die Geschichte jedoch völlig überzeugt, und da am Ende doch so einiges offen bleibt, bin ich schon sehr gespannt auf den dritten Band.

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Veröffentlicht am 29.10.2022

Wieder ein großartiges Leseerlebnis

Drachenbanner
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„Drachenbanner“ ist der siebte Band der Waringham-Saga von Rebecca Gablé und schließt sich chronologisch ziemlich eng an den vorherigen Band „Teufelskrone“ an. Es ist die Regierungszeit von Henry III. ...

„Drachenbanner“ ist der siebte Band der Waringham-Saga von Rebecca Gablé und schließt sich chronologisch ziemlich eng an den vorherigen Band „Teufelskrone“ an. Es ist die Regierungszeit von Henry III. Von England, dem Sohn von John Ohneland, um den es im letzten Band ging. Nun lernen wir also seine Kinder kennen, denn neben Henry geht es auch um seine Schwester Eleanor Sie ist mit Simon de Montfort verheiratet, und dieses Paar spielt im Roman eine tragende Rolle.
Neben den historisch belegten Personen gibt es natürlich auch den fiktiven Ort Waringham, in dem der gleichnamige Earl mit seiner Familie lebt und die territoriale Herrschaft inne hat. Für ihn arbeiten zahlreiche Leibeigene, unter ihnen auch Bedric Archer und seine Familie. Bedric hat eine besonders innige Beziehung zu Adela of Waringham. Die beiden erblickten am gleichen Tag das Licht der Welt und sind wie Geschwister aufgewachsen, denn Bedrics Mutter war Adelas Amme. Als sie erwachsen werden, verwandelt sich die kindliche Freundschaft langsam in Liebe. Diese erscheint hoffnungslos, denn zu groß ist der Standesunterschied.
Adela wird zu Prinzessin Eleanor an den Königshof geschickt und findet in ihr eine Freundin und Vertraute. Bedric setzt alles daran, seinen Traum wahr werden zu lassen, denn er hofft, sich eines Tages aus der Leibeigenschaft frei kaufen zu können. Die Wege der jungen Liebenden trennen sich, und eine gemeinsame Zukunft scheint kaum möglich, denn Adela wird mit einem Ritter verheiratet. Und doch kreuzen sich ihre Wege immer wieder, und die kurzen Begegnungen lassen ihre Hoffnung neu aufflackern.
Einen Roman von Rebecca Gablé zu lesen, ist für mich immer etwas Besonderes, vor allem wenn es sich um einen Teil der Waringham-Saga handelt, da ist auch „Drachenbanner“ keine Ausnahme. Ich schätze die Art, wie die Autorin wahre Geschichte mit Fiktion verbindet. Da die Familie Waringham stets enge Verbindung zum englischen Königshaus hat, „erlebt“ man die historischen Ereignisse aus nächster Nähe sehr lebendig mit. Bei ihren Schilderungen hält sich Rebecca Gablé sehr nahe an der Realität, und ich bin immer wieder begeistert, wie großartig ihre Geschichten recherchiert und ausgearbeitet sind. In diesem Band ist unter anderem die Gleichberechtigung aller Menschen ein wichtiges Thema, und wir sehen nicht nur, wie der Adel lebt, sondern die Situation des Volkes wird sehr detailliert und authentisch dargelegt. Schwere Hungersnöte, ausgelöst durch Klimaveränderungen und Temperaturstürze wegen eines Vulkanausbruchs in Indonesien, bringen gerade die einfache Bevölkerung in schwere Existenznöte, sind für ausbrechende Seuchen verantwortlich und kosten viele Menschenleben.
Simon de Montfort setzte sich für gleiche Rechte aller ein. Sein Schicksal ist sehr eindrucksvoll dargestellt und hat mich letztendlich sehr berührt. Dass Bedric, der in Leibeigenschaft aufgewachsen ist, Simon de Montfort treu ergeben ist, verwundert nicht, denn er erlebt Montforts humanitäre Bemühungen aus nächster Nähe.
Ich gestehe, dass ich auch diesen Band wieder bewusst langsam und mit Genuss gelesen habe, um möglichst lange etwas von der Geschichte zu haben. Es ist faszinierend, mit welcher Leichtigkeit hier große Geschichte und ernste Themen sehr detailliert und fachlich kompetent, dabei aber verständlich und kurzweilig dargeboten werden.
Die Protagonisten konnten mich vom ersten Moment für sich einnehmen, denn Adela ist eine typische Waringham, pferdenärrisch, mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, mutig und nicht auf den Mund gefallen. Und auch Bedric hat mich fasziniert, denn er ist ein kritischer Geist, und wenn man bedenkt, was er schon in früher Jugend erleben und erdulden musste und was er dann aus seinem Leben gemacht hat, das ist der Stoff, aus dem die Helden sind. Und trotzdem wirken Adela und Bedric menschlich und glaubwürdig, denn sie sind nicht unfehlbar dargestellt, sondern haben beide auch ihre Macken und schwachen Seiten.
Alles in allem ist dieses Buch auf jeden Fall ein Jahreshighlight für mich, und ich hoffe sehr, auch in Zukunft noch mehr großartige Geschichten über weitere Generationen der Waringhams zu lesen.

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