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Veröffentlicht am 20.08.2021

Eine junge Sklavin ermittelt in einem Mordfall

Verrat in Colonia
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Köln im 3. Jahrhundert nach Christus: Der vierte Teil der Reihe um die Sklavin Invita führt sie und ihre Herrin nach Colonia. Auch Invitas Lebensgefährte, der Sklave Flavus, ist dabei. Unterwegs werden ...

Köln im 3. Jahrhundert nach Christus: Der vierte Teil der Reihe um die Sklavin Invita führt sie und ihre Herrin nach Colonia. Auch Invitas Lebensgefährte, der Sklave Flavus, ist dabei. Unterwegs werden sie überfallen, und kurz nach ihrer Ankunft erfahren sie vom Tod eines hohen Beamten. Schnell wird klar, dass der Tote umgebracht wurde, und Flavus gerät in Verdacht, der Mörder zu sein. Was ihm bevorsteht, kann sich Invita nur allzu gut vorstellen, und sie setzt alles daran, den geliebten Mann zu retten. Ihre Herrin Marcella, die ihr mittlerweile zur Freundin geworden ist, tut ebenfalls alles in ihrer Macht stehende, um den Irrtum aufzuklären. Dabei gerät sie jedoch selbst in Gefahr. Und Invita, die verbissen um das Leben und die Freiheit der ihr liebsten beiden Menschen kämpft, hat plötzlich das Gefühl verfolgt zu werden.
Sehr bildhaft und mit vielen Details ausgeschmückt beschreibt die Autorin die örtlichen Gegebenheiten, so dass ich mich sehr intensiv in die verschiedenen Situationen hineinversetzen konnte. Eine Karte von Köln zur damaligen Zeit vorne im Buch und ein Modell des Praetoriums helfen zusätzlich, sich alles gut vorstellen und einordnen zu können. Da ich vor einiger Zeit bereits den dritten Band der Reihe gelesen habe, waren mir die wichtigsten Charaktere, Invita, Marcella und Flavus, bereits bekannt, und ich habe sie schon bei ihren vorherigen Abenteuern lieb gewonnen. Ich finde es faszinierend, auf wie lebendige Art mich die Autorin in diese uralte Zeit mitnimmt und mir so ganz nebenbei sehr viel interessantes, historisches Wissen darüber vermitteln konnte. Maria W. Peters Romane sind immer sehr gut recherchiert und nahe an den wahren geschichtlichen Begebenheiten. Und in diesem ganzen historischen Setting spielt sich dann ein fesselnder Krimi ab, der für mich nicht vorhersehbar war und dessen Ende mich überrascht hat.
Eigentlich kann man jeden der Invita-Bände für sich lesen, denn die kriminalistische Handlung ist jeweils abgeschlossen, und für die Geschichte wichtige Informationen erhält man durch kleine Rückblicke in Invitas Vergangenheit. Ich selbst bin erst beim dritten Band „eingestiegen“ und kam bestens zurecht. Allerdings wurde meine Neugier angestachelt, so dass ich mir auch die ersten beiden Bände inzwischen zugelegt habe und lesen möchte.
Ich finde diesen Roman (und seine Vorgänger) so toll, weil er mir auf unterhaltsame Weise eine Zeit nahe bringt, über die ich bisher kaum etwas wusste, die aber doch einen wesentlichen Teil deutscher Geschichte darstellt.

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Veröffentlicht am 17.08.2021

Patricia Koelles Romane sind etwas Besonderes, auch dieser hier

Die Träume der Bienen
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Auch im dritten Band von Patricia Koelles Inselgärten-Reihe lernen wir wieder interessante Menschen kennen. Die Autorin hat ein Gespür für besondere Geschichten mit außergewöhnlichen Charakteren. Ihre ...

Auch im dritten Band von Patricia Koelles Inselgärten-Reihe lernen wir wieder interessante Menschen kennen. Die Autorin hat ein Gespür für besondere Geschichten mit außergewöhnlichen Charakteren. Ihre Protagonisten sind Menschen mit speziellen Interessen, die sich in hohem Maße für die Natur und Umwelt einsetzen. Was sie im Verlauf der Geschichte finden, sind wunderbare Oasen, in denen nicht nur die Menschen, sondern auch Tiere Geborgenheit und Sicherheit finden, und auch Pflanzen aller Art haben ihren Platz in diesen besonderen Gärten, die entstehen bzw. wieder neu erweckt werden.
Wie schon die vorherigen Bände, so ist auch dieser Roman eher ruhig, was die Handlung betrifft. Es ist kein Spannungsroman zum Mitfiebern, sondern hier kann man sich quasi in die Geschichte fallen lassen und wird von den bunten Kissen in Lexis Garten weich aufgefangen. Ich habe mich wieder sehr wohlgefühlt an den beschriebenen Handlungsorten und mit den faszinierenden Personen, die einem im Roman begegnen. Es ist eine Geschichte zum Eintauchen und Entspannen, und auch wenn einiges vorhersehbar ist und sich manches einfach zu perfekt fügt, so hatte ich viel Freude am Roman. Was mir besonders gut gefällt, ist das viele Wissen über Pflanzen und Tiere, das die Autorin in allen ihren Romanen bereitwillig mit uns teilt. Da geht es um Tierarten, von denen ich noch nie etwas gehört habe und die durch besondere Lebensgewohnheiten herausstechen, so zum Beispiel die Schneckenhausbiene, die hier ausführlich beschrieben wird. Es gibt so vieles, was ich durch Patricia Koelles Romane schon kennengelernt habe, und während des Lesens gab es immer wieder Momente, in denen ich parallel bei Google nach besonderen Begriffen geforscht habe, zum Beispiel wusste ich bisher nicht, was eine Benjeshecke ist. Am Ende habe ich das Buch sehr zufrieden und ein ganz klein wenig klüger zugeklappt. Auf diese Weise mein botanisches Wissen zu erweitern, macht mir viel Freude. Wie auch die anderen Bände, kann man diesen Roman für sich lesen. Die Protagonisten der früheren Bücher kommen zwar zum Teil auch hier wieder in die Geschichte, werden aber eher am Rande erwähnt. Wenn man sich aber erst einmal auf die Reihe eingelassen hat, wird man sie alle lesen wollen.

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Veröffentlicht am 13.08.2021

Sehr gelungene Fortsetzung

Mörderisches Mallorca – Toni Morales und der Lohn der Habgier
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Im ersten Band habe ich Toni und seine Frau Mel kennengelernt. Im vorliegenden, zweiten Band war es wie ein Wiedersehen mit guten Bekannten, denn das Paar war mir von Anfang an sympathisch. Auch Tonis ...

Im ersten Band habe ich Toni und seine Frau Mel kennengelernt. Im vorliegenden, zweiten Band war es wie ein Wiedersehen mit guten Bekannten, denn das Paar war mir von Anfang an sympathisch. Auch Tonis Schwiegermutter ist wieder mit von der Partie, und ich muss sagen, sie ist mein Lieblingscharakter. Vor allem die Dialoge zwischen ihr und Toni sind amüsant und lockern die Handlung immer etwas auf.
Eigentlich will Toni Nachforschungen über den ungeklärten Mord an seinem Halbbruder anstellen. Aber wieder kommt ihm ein Fall dazwischen, denn so ruhig wie erhofft ist es nicht auf Mallorca. Diesmal wird bei Renovierungsarbeiten die Leiche einer Frau gefunden, die in einem Hotel eingemauert war. Wie die Autorin im Nachwort erklärt, ist diese Geschichte an einen wahren Fall angelehnt. Der Zustand der Leiche weist darauf hin, dass dieses Verbrechen lange zurück liegt, und selbst wenn der Mörder gefunden würde, könnte man ihn für die Tat nicht mehr belangen. Aber dann passiert in der Gegenwart etwas, das nicht nur Tonis Schwiegermutter an die Nieren geht, sondern allen, die mit der Sache in Berührung kommen. Auch ich war beim Lesen regelrecht geschockt. Ich möchte hier gar nicht zu viel verraten, denn das muss man einfach selbst lesen. So sehr sich Toni auf einen Segeltörn mit seiner Frau freut, es kommt ständig etwas dazwischen, denn das eine Verbrechen ist noch nicht geklärt, geschieht bereits ein weiteres, und Toni befürchtet, dass die Taten in gewisser Weise zusammenhängen. Wie und wieso, das verrate ich hier nicht. Es ist auf jeden Fall wieder sehr spannend, noch dazu kriselt es in Tonis Team an allen Ecken und Enden, und er muss Entscheidungen treffen, die ihm nicht leicht fallen. Mel hat Ärger mit ihrer Zulassung als Anwältin auf der Insel, und auch das beschäftigt Toni sehr.
Neben diesem vielschichtigen, spannenden Kriminalfall berichtet die Autorin auch einiges über Gesetzeslücken und Missstände auf Mallorca, und ich habe wieder dazu gelernt, beispielsweise dass auch Mord verjähren kann.
Wunderbare Schilderungen der Schönheit Mallorcas und Einblicke in das knappe Privatleben der Protagonisten runden diesen Krimi wieder sehr gut ab. Der Fall ist abgeschlossen, wobei sowohl Toni als auch Mel nicht wirklich glücklich mit der Lösung sind, aber so ist eben das Gesetz, und die Justiz kann ja nicht mit zweierlei Maß messen.
Wie Elena Bellmar im Nachwort verrät, ist die Spur für den dritten Band bereits gelegt, und ich bin schon sehr gespannt darauf.
Ich hoffe, ich konnte euch mit meinen vagen Andeutungen ebenfalls neugierig auf diese schöne Krimireihe machen. Man kann jeden Band für sich lesen, wobei es auf jeden Fall mehr Spaß macht, die Bücher in chronologischer Reihenfolge zu lesen.

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Veröffentlicht am 12.08.2021

Zafóns Vermächtnis

Der Friedhof der vergessenen Bücher
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Vor vielen Jahren, als ich „Der Schatten des Windes“ gelesen habe, war ich vollkommen gefesselt, und einige Monate später bei „Das Spiel des Engels“ habe ich mich endgültig in den Schreibstil des Autors ...

Vor vielen Jahren, als ich „Der Schatten des Windes“ gelesen habe, war ich vollkommen gefesselt, und einige Monate später bei „Das Spiel des Engels“ habe ich mich endgültig in den Schreibstil des Autors verliebt. Weitere Bücher von Carlos Ruiz Zafón sind im Lauf der Zeit bei mir eingezogen, und ich möchte sie nach und nach lesen. Viel zu früh ist der Autor verstorben, und man kann sagen, dass diese Geschichtensammlung quasi sein Vermächtnis ist, und es ist ein wahrhaft großartiger Nachlass! In den oben erwähnten Romanen geht es um den Friedhof der vergessenen Bücher, und diese Anthologie trägt den gleichen Namen, zu Recht wie ich finde, denn auch in seinen kurzen Geschichten geht es um diesen verborgenen Ort im Untergrund von Barcelona. Die elf Geschichten in dieser Sammlung können jede für sich allein gelesen werden, und doch haben sie einen lockeren Bezug zu den Romanen des Autors. Der Schreibstil ist auch hier unvergleichlich. So unterschiedlich die Geschichten sind, sie haben doch jede Menge Gemeinsamkeiten. Alle sind auf ihre Weise geheimnisvoll, rätselhaft, düster und manchmal ein wenig schaurig. Der Autor war für mich ein Meister des magischen Realismus, und auch das spiegelt sich in den Kurzgeschichten wieder. Mit Uve Teschner hat das Hörbuch den idealen Sprecher, denn ich finde, ihm gelingt es, die Geschichten ganz im Sinn des Autors umzusetzen. Er erzählt ausdrucksvoll und lebendig, aber immer auch mit diesem unergründlichen Unterton, der den morbiden Charme der Erzählungen unterstreicht. Ich habe das Hörbuch zuerst einmal von Anfang bis Ende durch gehört. Aber immer wieder ertappe ich mich, wie ich mir einzelne Geschichten herauspicke und erneut auf mich wirken lasse, und jedes Mal entdecke ich wieder etwas Neues, Unerklärliches darin. Wer einmal ein Buch von Carlos Ruiz Zafón gelesen hat, wird mich vielleicht verstehen können, wenn ich sage, man kann nicht mehr davon lassen.

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Veröffentlicht am 04.08.2021

Eine starke Heldin im Kampf für Gerechtigkeit und Freiheit

Die Highlanderin
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Enja, die Heldin des Romans, ist keine gebürtige Highlanderin. Ihre Vergangenheit liegt im Dunkeln. Als junges Mädchen wird sie schiffbrüchig, und Sklavenhändler retten sie, um sie später zu verkaufen. ...

Enja, die Heldin des Romans, ist keine gebürtige Highlanderin. Ihre Vergangenheit liegt im Dunkeln. Als junges Mädchen wird sie schiffbrüchig, und Sklavenhändler retten sie, um sie später zu verkaufen. Nach einer abenteuerlichen Zeit im Orient kommt sie nach Schottland und wird dort sesshaft. Die Menschen, die auf ihrer Burg leben, vertrauen ihr und halten ihr die Treue. Aber sie muss um die Eigentumsrechte kämpfen, denn Frauen hatten zur damaligen Zeit in Schottland kaum Rechte. Enja ist eine gewandte Kriegerin, und meist spürt sie Gefahren schon im Voraus. Aber einmal versagt ihr Gefühl, und sie wird schwer verletzt. Der Clanführer James Douglas findet sie und nimmt sie mit, um sie auf seiner Burg gesund pflegen zu lassen. Von da an steht sie in seiner Schuld, und sie erhält im Verlauf der Geschichte auch die Gelegenheit, sich zu revanchieren.
Der Roman spielt auf mehreren Zeitebenen, wobei man stets anhand der Kapitelüberschriften über Zeit und Ort der einzelnen Abschnitte im Bilde ist.
Enja hat eine abenteuerliche, bewegte Vergangenheit. Über ihre Herkunft weiß sie nur sehr wenig und kann viele Erinnerungen nicht einordnen. Wir erleben hier eine außergewöhnliche, kluge und starke Protagonistin. Mit dem schottischen Volk hat sie eine Gemeinsamkeit, denn beide kämpfen um ihre Unabhängigkeit. Enja ist ein Freigeist mit einer unkonventionellen Lebensführung. Ich mochte sie vom ersten Moment an und habe ihre Erlebnisse geradezu atemlos verfolgt. In Schottland kämpft sie für Unabhängigkeit und Gerechtigkeit. Auf ihrer Burg Caerlaverock bildet sie auch Frauen zu Kriegerinnen aus und nimmt für sich und die ihr Anvertrauten Freiheiten in Anspruch, die zur damaligen Zeit für Frauen nahezu unmöglich waren. Nicht nur Enja selbst, auch die Menschen in ihrem Umfeld sind mutig und sehr sympathisch.
Immer wieder gibt es Rückblicke zu früheren Ereignissen, die zeigen, wie alles begann. Nach und nach lernt man die Protagonistin immer besser kennen und erfährt auch viel über das Schicksal der Menschen, die ihr wichtig sind und waren.
Es bahnt sich im Buch auch eine Romanze an, wobei diese eher eine untergeordnete Rolle spielt. In erster Linie ist dies ein historischer Abenteuerroman vom Feinsten.
Neben vielen tollen fiktiven Charakteren begegnen wir im Lauf der Handlung auch immer wieder realen historischen Persönlichkeiten, beispielsweise Robert de Bruce, James Douglas, William Wallace oder auch Hassan I-Shabbah. Was die genauen Zeitangaben betrifft, hat sich die Autorin hier die künstlerische Freiheit gestattet, ein paar Termine zu verschieben und anzupassen, um die Ereignisse für ihren Roman nutzen zu können. Eva Fellners Schreibstil ist lebendig und bildhaft. Man kann in diese Geschichte regelrecht eintauchen und ist gefesselt von der wundervollen Kulisse, den spannenden Ereignissen und den interessanten Protagonisten. Das Ende der Geschichte ist gut gelöst, aber es gibt einen Cliffhanger, der mich schon sehr neugierig auf die Fortsetzung macht, die im kommenden Oktober erscheinen wird.

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