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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.08.2022

Süß und kreativ

Der kleine Herr Heimlich bastelt am Glück
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Das Leben des aufgeräumten Wichtels Heimlich verläuft in geordneten, ruhigen Bahnen, bis … er eine kleine laute Person aus der Nachbarschaft kennenlernt, die ihm trotz ihrer schlimmen Krachpolter-Schimpferitis ...

Das Leben des aufgeräumten Wichtels Heimlich verläuft in geordneten, ruhigen Bahnen, bis … er eine kleine laute Person aus der Nachbarschaft kennenlernt, die ihm trotz ihrer schlimmen Krachpolter-Schimpferitis eine Karussellitis im Bauch beschert. Gegensätze ziehen sich nun mal an.

Bisher erschienen im Carlsen Verlag:
„Der kleine Herr Heimlich hat Großes vor: Ein unHEIMLICH tolles Vorlesebuch für Mädchen und Jungen ab 5“
„Der kleine Herr Heimlich bastelt am Glück: Eine unHEIMLICH tolle Wichtelgeschichte zum Vorlesen für Mädchen und Jungen ab 5“

Der Stil der Autorin zeichnet sich durch altersgerechte Sprache mit kreativen, kindlichen Neologismen aus. Der Spannungsbogen der Geschichte könnte stellenweise stärker ausgeprägt sein, um die jungen Rezipientinnen durchgängig bei der Stange zu halten. V.a. während der vereinzelt für 5 - 7jährige langen Textpassagen.

Die Illustrationen sind wunderbar gelungen: Bunt und kreativ setzen sie das Wichtigste in Szene. Auch ein paar schöne Bastelideen wurden grafisch in die Handlung eingeflochten.

Fazit: Ein kreatives Kinderbuch, für Jungen wie Mädchen gleichermaßen geeignet. Ab 5 ist ein gutes Alter. Ich könnte mir vorstellen, dass auch 10jährige Grundschüler
innen noch ihre Freude mit den schönen „Herr Heimlich“ Büchern haben.
Den Preis von 14 Euro erachte ich für diese Hardcover Augenweide als absolut angemessen.

Veröffentlicht am 06.12.2021

Intensiv

Deine Liebe fühlte sich an wie Hass
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Die Tochter einer Psychopathin packt aus.

Mir ging das Buch sehr nahe. Es tut fast körperlich weh, sich selbst und/oder andere wiederzuentdecken.
Vom Stil her absolut flüssig lesbar, sehr angenehm.

Das ...

Die Tochter einer Psychopathin packt aus.

Mir ging das Buch sehr nahe. Es tut fast körperlich weh, sich selbst und/oder andere wiederzuentdecken.
Vom Stil her absolut flüssig lesbar, sehr angenehm.

Das Buch ist ein reiner Erfahrungsbericht, ohne gehobenen fachlichen Anspruch. Keinesfalls für (Selbst-)Diagnosezwecke geeignet. Kann aber für viele sicherlich ein Türöffner (z.B. für eine Therapie) sein.

Lydia Benecke - Kriminalpsychologin und selbst Autorin vieler populärwissenschaftlicher Bücher - die im deutschsprachigen Raum zu den Koriphäen auf dem Gebiet der Psychopathie zählt, wird auf dem Buchrücken wie folgt zitiert:
"Genauso funktionieren Psychopathinnen - toll geschrieben!"

Hut ab vor der mutigen Erzählerin!

Veröffentlicht am 20.10.2021

Mal was anderes

Der Lärm der Fische beim Fliegen
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Ein Öko-Thriller mit vielschichtigen Charakteren. Der Autor ist ein in Skandinavien bekannter Tausendsassa und Angel-Profi.

Der hiesige Roman kommt vom Erzählstil leider etwas hölzern daher. Kein durchgängiger ...

Ein Öko-Thriller mit vielschichtigen Charakteren. Der Autor ist ein in Skandinavien bekannter Tausendsassa und Angel-Profi.

Der hiesige Roman kommt vom Erzählstil leider etwas hölzern daher. Kein durchgängiger Spannungsbogen, maliziöse Ideen werden nonchalant hingeworfen, sind dabei aber teilweise so abstrus, dass die Leserschaft mehr stutzt als mitfiebert.
Interessante, mannigfaltige Charaktere, deren Verhalten ich aber in einigen (wichtigen) Situationen nicht nachvollziehen konnte.

Zur Ökologie und Ökonomie der Lachszucht habe ich sehr viel erfahren und auch den gesellschaftskritischen Einblick ins moderne Norwegen habe ich genossen.

Summa summarum: Mal was anderes und durchaus wert, gelesen zu werden. Story- und Charakterentwicklung haben noch Luft nach oben.

Veröffentlicht am 02.09.2021

Durchwachsen

Mein Wille geschehe
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Ein Geistlicher, der in seiner kleinen Gemeinde angesichts leerer Kirchenbänke sowie anstrengender Kollegen und Vorgesetzter innerlich fast schon kapituliert hat. Realistisch und zeitgemäß.
Doch der brave ...

Ein Geistlicher, der in seiner kleinen Gemeinde angesichts leerer Kirchenbänke sowie anstrengender Kollegen und Vorgesetzter innerlich fast schon kapituliert hat. Realistisch und zeitgemäß.
Doch der brave Schein seiner Schäfchen trügt. Und verpflichtet nicht die Theologie, die Moral, ja das Menschsein dazu, Leid auf den Grund zu gehen ... und dann zu handeln?


Gut sichtbar bewirbt Sebastian Fitzek auf dem Cover den Inhalt des Buches: "Ein neues, sensationelles Leseerlebnis: Spannung, Tiefgang und (Bernd) Schwarzer Humor!"

Neues Leseerlebnis: Ja, neuartig. Aber nach meinem Dafürhalten noch nicht ausgereift. Das Buchinnere verrät hierzu: "Für Liebhaber ungewöhnlicher Kriminalromane mit wenig Blut und philosophischem Dreh." Lassen wir das an dieser Stelle mal so stehen.

Sensationell: Ähm, nunja.

Spannung: Keine klassische Krimispannung, da die Kriminalgeschichte gar nicht im Vordergrund steht. Es erscheint mir irreführend, das Buch als "Kriminalroman" auf den Markt zu bringen. Insgesamt erlebte ich persönlich den Spannungsbogen als mäßig.

Tiefgang: Zumindest tiefgreifende Gedanken en masse.

(Bernd) Schwarzer Humor: Kaum vorhanden.


Was mir gefiel:
Der Stil des Autors. Er beherrscht das Show don't Tell - Prinzip, schreibt bildhaft und  metaphorisch ... Man spürt schleichenden Wahn und aufziehendes Grauen im scheinbar Alltäglichen.

Was ich kritisch sehe:
Für mich ist nicht ganz klar, was der Roman sein möchte: Philosophisches Essay, aktuelle Gesellschaftskritik, Krimi, Thriller, dialogisches Instrument, ... ?

Tolle dialogische Ansätze, aber vermeintlich im falschen Genre platziert? Bzw. unter falschem Label auf den Buchmarkt geworfen? Theologie, Philosophie, Psychologie, Moral, siebter Sinn, Ratio, Wunderglaube, Poesie und nackte Emotionen prallen in diesem Roman aufeinander ... wie Teilchen in CERN. Und was entsteht daraus, für Protagonist und Leser*in? Ein schwarzes Loch?
Was kann die Leserschaft bei dieser überbordenden Horizonterweiterung letztlich mitnehmen?

Die Krimielemente jedenfalls fallen leider hinten runter. Schade. Manchmal ist weniger mehr.

Veröffentlicht am 14.04.2021

Eifert Stieg Larsson nach ...

Geiger
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... kommt aber (noch) nicht an ihn heran.

Die schwedische Kleinstadtidylle einer Familie wird durch einen rätselhafte Mord aus den Angeln gehoben. Doch was zunächst als isolierte Tragödie anmutet, stellt ...

... kommt aber (noch) nicht an ihn heran.

Die schwedische Kleinstadtidylle einer Familie wird durch einen rätselhafte Mord aus den Angeln gehoben. Doch was zunächst als isolierte Tragödie anmutet, stellt sich bald als größer heraus - bedeutend größer.

Der Aufbau des Werkes erinnert an Stieg Larssons Millennium-Trilogie: Die Leserschaft wird durch kognitive Dissonanzen en masse gezerrt. (Hier könnte weniger mehr sein.) Das bewährte Dreiergespann aus Krimielementen, diversen Protagonisten und Gesellschaftskritik - der Autor räumt mal ordentlich mit bigotten Elementen v.a. schwedischer Geschichte und Jetztzeit auf - eifert Larsson nach, kommt aber m.E. (noch) lange nicht an ihn heran.

Die inhaltliche Idee hinter dem Ganzen scheint hingegen atemberaubend.

Es handelt sich hier um den Auftakt einer Trilogie, die gleichzeitig das literarische Debüt des Schweden Gustaf Skördeman ist. Sein Stil lässt deutlich erkennen, dass Skördeman vom Film kommt: Szenisch und plastisch geschrieben, was mir persönlich sehr gut gefällt. Geht es jedoch um das Innenleben handelnder Charaktere, spürt man, wie schwer der Autor sich mit dem Romanschreiben tut: Das für mitreißende Bücher unabdingbare Prinzip des "Show, don't tell!" (dt.: "Zeigen, nicht erzählen!") wurde sträflich vernachlässigt.
Der Plot ist explizit auf eine Trilogie angelegt worden, was leider in diesem ersten Buch dazu führte, dass die Story arg in die Länge gezogen wurde und mich erst nach zwei Dritteln des Buches gepackt hat.


Fazit: Super Idee, handwerklich schlecht umgesetzt.
Man muss sich im Klaren sein, dass die komplette Trilogie gelesen werden muss und dieses erste Buch inhaltlich sehr gedehnt wirkt.
Wird bestimmt mal verfilmt werden und wurde bereits in mehrere Sprachen übersetzt.

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