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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.08.2025

Einfallsreich, scharfsinnig, spannend und mit unerwartetem Tiefgang

Die Bibliothek meines Großvaters
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Kaede wächst ohne Mutter auf, die Verbindung zu ihrem Großvater ist daher voller inniger Liebe und auch Sorge um ihn, seit er an einer speziellen Art von Demenz erkrankt ist. Ihrer beider Hobby ist es, ...

Kaede wächst ohne Mutter auf, die Verbindung zu ihrem Großvater ist daher voller inniger Liebe und auch Sorge um ihn, seit er an einer speziellen Art von Demenz erkrankt ist. Ihrer beider Hobby ist es, sich Geschichten um mysteriöse Begebenheiten auszudenken, die sich, obwohl nur Gedankenspiele basierend auf Hinweisen, unerwartet exakt der Realität nähern. Doch was als Spiel begonnen hat, wird für Kaede auf einmal bedrohliche Wirklichkeit.

Das wunderschöne Cover ist malerisch und durch die Blüten und den Baustil erkennt man: das Buch spielt in Japan. Und ich finde, der Erzählstil von Masateru Konishi weist auch diese Besonderheit auf, die man bei japanischen Geschichten oft spürt. Er schreibt ruhig und besonnen, mit wohl überlegter Wortwahl und einem schlichten und poetischen Ausdruck. Durch detailreiche und lebendige Beschreibungen findet man sich schnell zurecht und empfindet warme Sympathie für die liebenswerten, ja manchmal etwas eigensinnigen Protagonisten. Besonders beeindruckt haben mich die klugen und durchdachten Gedankenspiele, die so manchen Kriminalisten in den Schatten stellen.
Die Bibliothek meines Großvaters ist ein wunderbar abwechslungsreiches, warmherziges und bewegendes Buch, das auch reichlich Spannung und Überraschung bietet. Ich finde es genial erdacht, es hat mir ausgezeichnet gefallen und Charlotte Puders warme, wohltönende Stimme hat im Hörbuch zusätzlich für die perfekte Atmosphäre gesorgt.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Über die Macht der Liebe, und wie sie unser Leben bestimmt

Die Geschichte des Klangs
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Der Zufall führt Lionel und David in einer Bar in Maine zusammen. Beide lieben die Musik. David studiert Musik und Lionel, der mit dem perfekten Gehör gesegnet ist, Gesang. Ein intimer, inniger Sommer ...

Der Zufall führt Lionel und David in einer Bar in Maine zusammen. Beide lieben die Musik. David studiert Musik und Lionel, der mit dem perfekten Gehör gesegnet ist, Gesang. Ein intimer, inniger Sommer verbindet die beiden, die durch die Gegend streifen, um alte Lieder zu sammeln und sie für die Nachwelt zu konservieren. Sie verlieren sich aus den Augen, aber nie aus dem Sinn…

Auf dem Cover sieht man die jungen Männer durch den Wald radeln, und diese zauberhafte, viel zu kurze Geschichte der beiden zieht einen sofort in den Bann. Gegen alle Konventionen und in einer vom Krieg geprägten Zeit entdecken sie die Liebe, die gemeinsame Leidenschaft zur Musik und die Hingabe zu alten Volksliedern. Ihre Suche danach verbindet sie einen magischen Sommer lang. Danach gehen beide ihrer Wege und wir dürfen Lionel und weiteren Protagonisten bei ihren Betrachtungen über die Liebe, das Leben und ihre Erwartungen begleiten. Dieses kleine Buch bewegt, berührt und verbreitet Magie. Es erzählt von tiefer Zuneigung, Sehnsucht, Liebe und Nähe, aber auch von Opfern und unverstandenen Erwartungen. Diese Geschichte erscheint mir wie aus dem Leben gegriffen, macht nachdenklich, aber auch demütig. Es ist eine Hommage an die Liebe, der wir uns nicht entziehen können, und die unser Leben auf eigenwillige Weise bestimmt. Ein grandioses Büchlein, das mich absolut fasziniert hat.
Reinhard Kuhnert und Tessa Mittelstaedt lesen mit Bravour und verleihen den Protagonisten Ausdruck, Charakter und Wärme. Unbedingt lesen oder hören!

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Die wundersamen Erlebnisse eines armen Krabbenfischers

Der Krabbenfischer
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Thomas Flett, Anfang zwanzig, hat seinem Großvater zuliebe die Schule verlassen und verdient nach dessen Tod den Lebensunterhalt für sich und seine junge Mutter. Ihrer beider Leben ist karg, die Arbeit ...

Thomas Flett, Anfang zwanzig, hat seinem Großvater zuliebe die Schule verlassen und verdient nach dessen Tod den Lebensunterhalt für sich und seine junge Mutter. Ihrer beider Leben ist karg, die Arbeit als Krabbenfischer verlangt Tom viel ab, sie ist hart, ungesund und gefährlich. Und sein heimlicher Traum von Musik und Glück liegt in weiter Ferne.

Das Cover ist wirklich fantastisch gelungen und harmoniert sehr eindrucksvoll mit dem Titel. Man bekommt sogleich eine Vorstellung der harten Arbeit, die Benjamin Wood sehr eindringlich beschreibt. Überhaupt scheint Toms Leben sehr eintönig und schwer zu sein. Bis eine seltsame Begegnung nicht nur Abwechslung, sondern auch eine neue Wendung bringt.
Benjamin Wood erzählt flüssig, ruhig und auch sehr melancholisch über Toms Alltag. Man erfährt viel über die Gefahren des Krabbenfischens, darf an Toms Gedanken teilhaben und kann seine Ängste und Träume nachvollziehen. Es ist die Begegnung mit dem Regisseur Edward Acheson, der dieses gleichmäßige Leben durcheinanderbringt, eine wage Hoffnung erzeugt und letztendlich zu einer Veränderung führt. Ich war hin- und hergerissen von den sonderbaren Begebenheiten, wusste nicht recht, wie ich sie sehen sollte: witzig oder traurig? Von beidem etwas? Das Ende ist auf jeden Fall versöhnlich und sehr warmherzig und macht zufrieden.
Das Hörbuch wird exzellent gelesen von Raschid Daniel Sidgi, der Emotion und Hingabe in seine angenehme Stimme legt und den Grundton der Geschichte hervorragend wiedergibt.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Ein melancholischer Roman über Liebe, Verlust und den Trost der Natur

Wilder Honig
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Als Hannah ihren John verliert, hinterlässt er Trauer und elf Briefe. Was dieses Vermächtnis in Hannah auslöst und wie sie versucht, es zu bewältigen, das erzählt dieser leise, sehr melancholische Roman.

Das ...

Als Hannah ihren John verliert, hinterlässt er Trauer und elf Briefe. Was dieses Vermächtnis in Hannah auslöst und wie sie versucht, es zu bewältigen, das erzählt dieser leise, sehr melancholische Roman.

Das romantische Gemälde wie auch der Titel passen sehr gut zu dieser Geschichte. Caryl Lewis nimmt uns mit in die walisische Landschaft, in der Hannah seit Kindheitstagen lebt. In diesem alten, vertrauten Landhaus, umrundet von Obstgärten und Natur, hat sie ihre Zeit mit John verbracht, der allerdings ein unerwartetes Geheimnis hütete.
Was diese warmherzigen, sehr offenen Briefe in Hannah nun an zwiespältigen Gefühlen auslösen, wie zwei weitere Frauen ihr dabei bewusst und unbewusst helfen, diese zu verarbeiten, das wird hier sehr melancholisch und puristisch, eingebettet in die Jahreszeiten erzählt, große Emotionen bleiben aber aus und man hat stets das Gefühl, die Szenerie von außen zu betrachten.
Trotz der großen Enttäuschung bleibt der Erzählstrang von Hannah ruhig, an ihren Empfindungen kann man kaum teilhaben, aber man versteht die Wendung und kann damit Frieden schließen. Sehr beeindruckt hat mich das große Wissen und die Zuneigung zu den Bienen, deren Fortbestand (im Buch) glücklicherweise gesichert ist.
Ein melancholischer Roman, ruhig und fließend, der auch viel Lebensweisheit vermittelt.

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Veröffentlicht am 09.08.2025

Wahre Freundschaft hilft auch durch die schwersten Zeiten

Wir sehen uns wieder am Meer
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Trude Teige erzählt die Geschichte dreier Mädchen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. In der schwersten Zeit ihres Lebens schließen sie Freundschaft, die für immer hält.

Die drei fröhlichen jungen ...

Trude Teige erzählt die Geschichte dreier Mädchen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. In der schwersten Zeit ihres Lebens schließen sie Freundschaft, die für immer hält.

Die drei fröhlichen jungen Frauen auf dem Cover könnten auch meine Mutter und ihre Schwestern in der Nachkriegszeit darstellen. Es geht aufwärts, der Krieg ist überstanden. Was uns die Autorin aber erzählt, ist alles andere als fröhlich. Denn sie berichtet vom Leben und Überleben in der Kriegszeit, von Bedrohung, Verfolgung, Gewalt und Tod. Jedes der Mädchen hat ein anderes Schicksal, nur gemeinsam können sie sich unterstützen und Mut machen, die Zeit zu überstehen. Es ist beinahe schwer zu ertragen, was den dreien, insbesondere Birgit und Nadja, zustößt. Denn Trude Teige schreibt sehr detailreich und lebendig, offen und schonungslos, man ist betroffen, bewegt und gerührt. Und man muss sich vor Augen halten, dass der Krieg den drei Mädchen die eigentlich unbeschwerte Jugend raubt, sie in einen Abgrund aus Angst und Gewalt stürzt und Traumata auslöst, die sie nur schwer oder gar nicht überwinden können. Zurück bleiben aber auch gute Momente, die Erinnerung an unerwartete Unterstützung und helfende Hände.
Wir sehen uns wieder am Meer ist ein trauriges, sehr bewegendes Buch, unglaublich real geschrieben und daher umso erschreckender. Es ist aktueller denn je und sollte uns daran erinnern, wie unverzichtbar Frieden ist.
Das Hörbuch wird von Yara Blümel gelesen. Sie erzählt mitreißend, voller Wärme und Gefühl und ist die perfekte Stimme für dieses Buch.

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