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Veröffentlicht am 26.01.2024

Ausgrenzungen

Nachbarn
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Vierzehn Kurzgeschichten, mitten aus dem Leben. Wir befinden uns im beginnenden zwanzigsten Jahrhundert in den USA. Es sind eher arme Leute, um die es hier geht, meistens Frauen, und immer sind es Schwarze. ...

Vierzehn Kurzgeschichten, mitten aus dem Leben. Wir befinden uns im beginnenden zwanzigsten Jahrhundert in den USA. Es sind eher arme Leute, um die es hier geht, meistens Frauen, und immer sind es Schwarze. Es ist die Zeit der Rassentrennung. Die Autorin verstarb schon 1966 und wird erst jetzt (wieder-)entdeckt. Was für ein Fund!
Die Rassentrennung ist nicht ausdrücklich Thema des Buches, aber der Hintergrund jeder einzelnen Story. Es geht um Abhängigkeiten, Armut und Ausgrenzung. Und in einigen Fällen, nicht in allen, geht es um Unerhörtes: Da will eine schwarze Familie ihr Kind auf eine weiße Schule schicken. Da gehen vier schwarze Menschen in ein Restaurant, um zu Mittag zu essen. Und Winifred geht aufs College. Es ist erst wenige Jahre her, dass Rosa Parks sich weigerte, in einem Bus ihren Sitzplatz einem Weißen zu überlassen; damit nahm die Bürgerrechtsbewegung und letzlich das Ende der Rassentrennung ihren Anfang.
Der Stil der Autorin zeigt die Protagonistinnen aller Geschichten sehr authentisch. Wie sie sich fühlen in ihrem Alltag, wie sie leben und was sie denken, erscheint atmospärisch dicht und man kommt den Menschen sehr nah. Manche Geschehnisse überraschen, andere passieren heute noch: Da ist der Ehemann, der Frau und Kinder verlassen hat. Die Mutter, die mit ihren vier Kindern zum Arzt geht, um sie impfen zu lassen und dann dort im Wartezimmer sitzt und sitzt. Da ist die Frau, die die Tochter ihres Mannes aus dessen erster Ehe kennen lernt. Das sind heutige Geschichten ganz normaler Leute. Gerade dadurch wirkt der Rassismus noch bedückender.
Harte Kost. Aber großartige Literatur.

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Veröffentlicht am 15.01.2024

Amüsant und besonders

Spellbound - Lieber verhext als verstorben
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Spellbound ist ein Ort, in dem ausschließlich magische Wesen leben: Hexen, Vampire, Harpyen, Werwölfe, Gorgonen, Feen und viele andere. Anwältin Emma ist eine Hexe und aus der normalen, menschlichen Welt ...

Spellbound ist ein Ort, in dem ausschließlich magische Wesen leben: Hexen, Vampire, Harpyen, Werwölfe, Gorgonen, Feen und viele andere. Anwältin Emma ist eine Hexe und aus der normalen, menschlichen Welt hergekommen. Das geschah schon vor vier Bänden, dies ist der fünfte. Für mich war es der erste, den ich las. Es ist allerdings keine abgeschlossene Geschichte.
Emma ist Anwältin und arbeitet mit den ermittelnden Sheriffs zusammen. Da macht sie immer wieder den Eindruck einer vernünftigen Person. Doch wenn es um die Liebe geht, ist sie ein unvernünftiger Teenager, was ziemlich witzig erzählt wird. Der Mann, den sie seit mehreren Bänden liebt, wird bald eine andere heiraten. Lässt sich das noch verhindern? Als sie sich mit einem Minotaurus anfreundet, legt sie großen Wert darauf, dass dies „nur“ Freundschaft sei und kein Date. Sie gibt die Hoffnung auf ihren Daniel nicht auf.
Der Stil ist flüssig und leicht zu lesen. All die Geister, Vampire und Medusen machen das Buch amüsant und besonders, man könnte fast sagen: divers. Es gibt auch einen Kriminalfall. Ein Satyr wurde ermordet. Doch das ist eher ein Nebenplot. Im Mittelpunkt stehen die Liebesgeschichte und die zahlreichen seltsamen Wesen, die in größter Selbstverständlichkeit in Spellbound existieren und ihre Eigenarten ausleben. Damit hat mir das Lesen größtenteils Freude gemacht.
Fazit: Eine unterhaltsame Liebesgeschichte vor dem Hintergrund allerhand fantastischer Gestalten und Umstände. Man kommt gut rein, aber ein befriedigendes Ende gibt es nicht. Mit weiteren Fortsetzungen ist zu rechnen.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 05.01.2024

Sinnsuche 1968

Yoga Town
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Corinna ist weg. Ihr Exmann Lou, ein Althippie mit Gitarrenladen, und ihre Tochter Lucy, Yogalehrerin in Berlin, machen sich auf die Suche. Es geht in die Zeit vor Lucys Geburt zurück. Damals reisten viele ...

Corinna ist weg. Ihr Exmann Lou, ein Althippie mit Gitarrenladen, und ihre Tochter Lucy, Yogalehrerin in Berlin, machen sich auf die Suche. Es geht in die Zeit vor Lucys Geburt zurück. Damals reisten viele junge Leute nach Indien, um Erleuchtung zu finden, unter anderem auch die Beatles. Wie erreichen wir den Weltfrieden? Und was geschah mit Lous Bruder Marc?
Die gemeinsame Suche nach Corinna wird aus der Sicht der Tochter geschildert, die hier ihre Eltern von einer ganz anderen Seite kennen lernt, und damit auch sich selbst. Lou lässt in Rückblicken die damalige Zeit aufleben: Auf dem Hippie-Trail ging es zu Viert nach Süden und durch den Orient. Im Grunde waren sie in der Wildnis unterwegs, aber wenn mal ein Auto liegenblieb, fand sich ein anderes für die Weiterreise. Denn viele waren "on the road", unterwegs.
In dem kleinen indischen Ort Rishikesh sind noch heute die Reste des "Beatles-Ashram" zu besichtigen. Man spürt, dass der Autor persönlich vor Ort war, wenn auch viele Jahre später. Hier prallten östliche Spiritualität und westliche Popkultur aufeinander. Vor dem exotischen Hintergrund Indiens verfolgt man die weitere Entwicklung der Hauptpersonen, bis in die Meditation hinein und in den kreativen Schaffensprozess. Die Geschehnisse wirken sehr authentisch, und die Personen finden alle etwas, aber nicht immer das, was sie suchen. Immerhin hat Lou seine Bestimmung gefunden, damals. Und nun sucht auch Lucy.
Die Personen sind durchweg glaubhaft und sympathisch, auch wenn es Streit gibt. Das Buch liest sich sehr spannend, wie ein Thriller. Und es bleibt bewegend, bis zum Schluss. Eine besondere Empfehlung für Menschen, die in den Sechzigern und Siebzigern jung waren. Und für alle, die gerne mal auf eine weite Reise gehen.
Als besonderes Plus gibt es eine Playlist unter dem Titel "Yoga Town" auf den gängigen Streaming-Plattformen.

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Veröffentlicht am 31.12.2023

Im Schlaf erlebt

Die Welt der Träume
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Träume kennt jeder. Dieses Buch zeigt die wissenschaftliche Forschung dazu.
Gegliedert nach den Epochen der Menschheitsgeschichte finden wir hier zahlreiche Beschreibungen von Träumen, sogenannte Traumnotate, ...

Träume kennt jeder. Dieses Buch zeigt die wissenschaftliche Forschung dazu.
Gegliedert nach den Epochen der Menschheitsgeschichte finden wir hier zahlreiche Beschreibungen von Träumen, sogenannte Traumnotate, auch aus ganz fremden Kulturkreisen. Weil Träume häufig die Kunst inspiriert haben, gibt es literarische Texte, Skulpturen und Gemälde zu entdecken. Auch in Musikstücken, Filmen und Computerspielen werden Träume dargestellt. Zeittypische Analysen und Auslegungen ergänzen die Sammlung. Angesichts der ungeheuren Menge an Material hätte ich mir mehr Einordnung und Struktur gewünscht.
Dies ist kein Buch über Traumdeutung und kein Lesefutter für Bücherjunkies. Es ist ein prachtvolles Werk für den Bücherschrank oder die Vitrine: großformatig, hochwertig und äußerst umfassend. Man muss sich Zeit dafür nehmen, am besten immer wieder einmal, um sich mit den Träumen der Welt zu beschäftigen. Wer Kunst liebt und sich für Kulturgeschichte interessiert, ist hier richtig.

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Veröffentlicht am 28.12.2023

Wohlfühlgeschichte über Elternschaft

Der Schacherzähler
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Ein alter Mann geht jeden Tag in den Park, um mit seiner verstorbenen Frau Schach zu spielen. Eines Tages lernt er Janne dort kennen, einen überdrehten Neunjährigen, der sich für sein Spiel interessiert. ...

Ein alter Mann geht jeden Tag in den Park, um mit seiner verstorbenen Frau Schach zu spielen. Eines Tages lernt er Janne dort kennen, einen überdrehten Neunjährigen, der sich für sein Spiel interessiert.
Die Geschichte, die sich entwickelt, wird aus den Perspektiven der verschiedenen Personen erzählt. Janne und Malu, seine alleinerziehende Mutter, sind ebenso liebevoll dargestellt wie der schwule Cafebesitzer Hinnerk und der alte Mann selbst, der von allen Oldman genannt wird. Die Menschen haben alle ihr Päckchen zu tragen, aber sie sind eine Spur zu gut, um echt zu sein. Doch bevor es allzu klischeehaft wird, kommt ein Thema auf, mit dem man zunächst nicht gerechnet hat. Es geht um Eltern und Kinder, um überraschende Schwangerschaften, verschwundene Väter, verheimlichte Nachkommen und wie das alles zum Lebensglück beiträgt. Oder auch nicht.
Ein Buch über Familie, Freundschaft und Glück also. Liebevoll erzählt und nur ein ganz kleines bisschen kitschig.

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