Profilbild von Krani

Krani

Lesejury Star
offline

Krani ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Krani über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.08.2022

Dating-Spiele

Der schönste Zufall meines Lebens
0

Penny führt in London ein kleines Cafe. Sie lernt Francesco kennen, der sie mit Brot beliefert. Es entsteht eine Liebesbeziehung. Dann reist Penny nach Derbyshire, um den Pub ihres Onkels zu übernehmen, ...

Penny führt in London ein kleines Cafe. Sie lernt Francesco kennen, der sie mit Brot beliefert. Es entsteht eine Liebesbeziehung. Dann reist Penny nach Derbyshire, um den Pub ihres Onkels zu übernehmen, der einen Herzinfarkt hatte. Hier lernt sie zwei andere Männer kennen, mit denen sie ebenfalls engere Beziehungen eingeht. Welcher soll es sein?
Pennys Gefühle stehen im Mittelpunkt dieser Geschichte. Sie bespricht sie ausführlichst mit Schwester, Freundin, Verwandten, Mitarbeitern und Kollegen. Wir erleben Penny als irrational und selbstsüchtig. Gründe für dieses Verhalten werden angedeutet, aber nicht weiter gezeigt.
Leider ist das weder unterhaltsam noch witzig. Der Stil ist locker, teilweise unangenehm schlampig. Die Story ist so oberflächlich wie die Charaktere. (Mit-)Gefühl kommt beim Lesen nicht auf. Schade um die Zeit.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.08.2022

Einen Teppich knüpfen

Fischers Frau
0

Fischerteppiche wurden zu Beginn des vorigen Jahrhunderts an der Ostsee von Hand geknüpft. Es gibt typische Muster und Farben, die die Echtheit bezeugen. Ein solcher Fischerteppich landet auf dem Tisch ...

Fischerteppiche wurden zu Beginn des vorigen Jahrhunderts an der Ostsee von Hand geknüpft. Es gibt typische Muster und Farben, die die Echtheit bezeugen. Ein solcher Fischerteppich landet auf dem Tisch von Mia Sund.
Mia ist Museumskuratorin und Faserarchäologin. Sie hat sich nach schwierigen Erfahrungen in einer gewissen Sicherheit eingerichtet. Dennoch regt sie dieser grüne Knüpfteppich und die Art, wie er sie erreicht, zu einer Suche an, die sie durch halb Europa führt. Sie ertappt sich dabei, dass die Geschichte des Teppichs neu erfindet - orientiert an den Fakten, die ihr vorliegen..

Das Buch ist nicht leicht zu lesen. Man erwartet doch ein logisches Vorgehen, wenn jemand nach alten Tatsachen recherchiert. Doch dies ist kein Krimi. Es ist eine Reise der Hauptperson zu sich selbst. Erst wenn man sich auf das Bild des Teppichs einlässt, wird die Geschichte rund. Alles ist miteinander verbunden. Die Geschichte der weit gereisten Knüpferin, die in Schweden ein neues Zuhause findet und dort den Ostseeteppich knüpft – grün wie die Wälder und mit Moriven des Meeres. Und die Geschichte Mias, die forscht und sucht und dabei schließlich Fehlendes erfindet.
Was ist echt und was gefälscht? Was ist ausgedacht, was wahr? Während des Knüpfens werden Geschichten erzählt, wie in tausendundeiner Nacht. Und es kommt nicht darauf an, ob sie wirklich passiert sind, sondern darauf, dass sie fesseln und unterhalten. Und dass sie vielleicht im Leben weiterhelfen.

Das ist wunderschön erzählt. Die Sprache ist so poetisch, dass man immer wieder besonders gelungene Sätze anstreichen möchte. Ein ruhiges, ein langsames Buch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.08.2022

Eher etwas für Spezialisten

Die Buchhändlerin von Paris
1

Hauptperson ist Silvia Beach, die 1917 aus den USA nach Paris kommt. Sie eröffnet den Buchladen „Shakespeare and Company“ und beginnt eine Liebesbeziehung mit der Buchhändlerin Adrienne Monnier. Hier verkehren ...

Hauptperson ist Silvia Beach, die 1917 aus den USA nach Paris kommt. Sie eröffnet den Buchladen „Shakespeare and Company“ und beginnt eine Liebesbeziehung mit der Buchhändlerin Adrienne Monnier. Hier verkehren zahlreiche berühmte Künstlerinnen und Schriftsteller. Das Buch fängt die Atmosphäre ein, die direkt nach dem Großen Krieg in den Kreisen der Intellektuellen herrscht: Eine Aufbruchstimmung, die sich in ihrer Kunst widerspiegelt. Homosexualität gehört selbstverständlich dazu. Das große Werk, das Beach schließlich als Verlegerin herausgibt, ist in den USA aus Prüderie verboten: James Joyces Ulysses.

Als Unterhaltungsroman ist das Buch schwer zu lesen. Der Stil ist recht flüssig, aber wenig lebendig und reich an Floskeln. Sylvia Beaches Leidenschaft für Bücher wird nur behauptet und nicht gezeigt, ebenso ihre Homosexualität. Es dauert viele Seiten, bis man ein Gefühl dafür entwickelt, wer sie ist und was sie will. Es sei denn, man kennt sie bereits.
Für Literaturwissenschaftler*innen ist diese Bearbeitung der schon bekannten Geschichte sicherlich sehr unterhaltsam. Für andere eher ein Name-Dropping ohne besondere Höhepunkte. Wer trotzdem weiter liest, dem wachsen die Menschen dann doch ans Herz.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.08.2022

Ein Aufruf zu mehr Wertschätzung und Ehrlichkeit

30 Women
0

Die Autorin ist Bloggerin und Journalistin. Sie berichtet über Begegnungen mit Frauen, die sie geprägt haben. Frauen, die ihr im richtigen Moment die richtigen Fragen stellten und auch einige Vorbilder, ...

Die Autorin ist Bloggerin und Journalistin. Sie berichtet über Begegnungen mit Frauen, die sie geprägt haben. Frauen, die ihr im richtigen Moment die richtigen Fragen stellten und auch einige Vorbilder, die sie immer noch inspirieren.

Das Buch ist flüssig zu lesen, die Texte sind kurz genug, dass man sie zwischendurch und nebenbei lesen kann. Und manches gibt einem ganz schön zu denken. Einiges betrifft absolut jede Frau, zum Beispiel die Texte über Bodyshaming und Schlampen-Dreschen, deren Inhalt Allgemeingut sein sollte. Aber andere Begegnungen sind auch zu speziell, als dass jede damit etwas anfangen könnte. Ab und zu bleibt trotzdem eine wichtige Frage hängen: Was willst du wirklich? Worin bist du gut? Wer willst du (nicht) sein?
Nicht nur Frauen, die bekannt und berühmt sind, bringen uns weiter. Sondern auch die Oma, die Lehrerin, die Apothekerin. Selbst die falsche Freundin und die fiese Chefin können wichtige Inspiration sein.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.08.2022

Erbsendosen im Blumenbeet

Denk ich an Kiew
0

Cassie ist seit einem Jahr Witwe. Ihre Mutter überredet sie, mit der kleinen Tochter zur (Ur-)Großmutter Bobby umzuziehen. Die alte Dame scheint wunderlich zu werden. Sie schreibt kyrillische Notizen und ...

Cassie ist seit einem Jahr Witwe. Ihre Mutter überredet sie, mit der kleinen Tochter zur (Ur-)Großmutter Bobby umzuziehen. Die alte Dame scheint wunderlich zu werden. Sie schreibt kyrillische Notizen und fängt an, Essen zu verstecken. Parallel dazu wird die Geschichte der jungen Katja erzählt. Katjas Familie sind ukrainische Bauern, sie führen ein einfaches, aber auskömmliches Leben. Das ändert sich, als Stalin an die Macht kommt. Alles Private wird verstaatlicht. Zum Leben (und Essen) lässt man den Menschen nichts. Eine jahrelange Hungersnot fordert zahlreiche Opfer.

Warum das Buch diesen Titel trägt, bleibt unklar, denn Kiew kommt nicht vor.
Stil und Sprache sind flüssig und gut zu lesen. Die Hauptpersonen sind sympathisch und man folgt ihnen gerne. Das Ganze wirkt allerdings ein bisschen konstruiert. Die Frauen gehen sehr liebevoll miteinander um, nie treten größere Konflikte zwischen auf. Das erscheint eher unglaubwürdig.
Vom Holodomor, dem Verhungernlassen des ukrainischen Volkes in den 1930er Jahren, hatte ich bisher noch nichts gehört. Erschreckend: Genauso wie es heute in den Medien verschiedene Wahrheiten gibt und andere geleugnet werden, so wurde auch diese Hungersnot jahrzehntelang verschwiegen und klein geredet. Lange bevor es soziale Medien überhaupt gab. Fake News brauchen kein Facebook.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere