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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.08.2025

Charmant

Nächsten Sommer
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Felix hat ein Haus am Meer geerbt. Zusammen mit drei Freunden macht er sich in einem alten VW-Bus auf dem Weg dorthin, von Berlin nach Südfrankreich. Felix, der die Geschichte selbst erzählt, ist ein cooler ...

Felix hat ein Haus am Meer geerbt. Zusammen mit drei Freunden macht er sich in einem alten VW-Bus auf dem Weg dorthin, von Berlin nach Südfrankreich. Felix, der die Geschichte selbst erzählt, ist ein cooler Typ mit einer besonderen Beziehung zu Primzahlen und Quadratwurzeln, außerdem ein begnadeter Schachspieler. Marc spielt Gitarre, ihm gehört der Bus. Bernhard und Zoe sind eine Art Liebespaar, unterwegs kommen noch Lilith und Jeanne dazu.
Es geht täglich vorwärts, und es gibt einige Abenteuer zu erleben. Einmal geraten sie sogar in Lebensgefahr. Trotzdem ist der Stil stets entspannt und lässig. Die Reise bringt alle beteiligten Persönlichkeiten einen kleinen Schritt weiter in ihrer persönlichen Entwicklung.
Da war ich gerne dabei! Ein leichtes, fröhliches Sommerbuch.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Gewichtig

Wedding People (deutsche Ausgabe)
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Phoebe will sich umbringen und bucht dafür ein teures Hotel. Sie trifft auf eine Hochzeitsgesellschaft, die hier sechs Tage lang feiern wird.
Hochdramatisches ereignet sich in diesen Tagen, wie es auf ...

Phoebe will sich umbringen und bucht dafür ein teures Hotel. Sie trifft auf eine Hochzeitsgesellschaft, die hier sechs Tage lang feiern wird.
Hochdramatisches ereignet sich in diesen Tagen, wie es auf Hochzeiten wohl leicht passieren kann, besonders dann, wenn sie sehr groß gefeiert werden. Dabei ist das eigentliche Drama ein leises, das eher am Rande passiert.
Die Tage sind straff geplant und durchgetaktet. Der Schwerpunkt des Romans liegt nicht auf der Handlung, sondern auf den Fragestellungen der Personen. Die Konfrontation der Frau, die nicht mehr leben will, mit den Menschen, die das Leben und die Zukunft feiern wollen, gibt vielen Aspekten der Geschichte eine tiefe Bedeutung. Es geht um Leben und Sterben, um Liebe, Verlust und Selbstfindung.
Es gibt seltsame und aberwitzige Szenen. Und es gibt Szenen, die die Beteiligten auf sehr unterschiedliche Weise schildern, zum Beispiel wie Braut und Bräutigam einander kennenlernten. Das hat der spätere Bräutigam ganz anders erlebt als sein bester Freund, der doch dabei war. Was ist wahr? Worauf kommt es an?
Phoebe ist eine sympathische Hauptperson, die an einem Tiefpunkt ihres Lebens angekommen ist. Lila, die junge Braut, steckt voller Selbstzweifel und weiß nicht so recht, was sie eigentlich will. Beide fand ich in ihrer Entwicklung sehr glaubwürdig und auf ihre Weise ziemlich verrückt.
Ein Buch mit gewichtigen Fragestellungen und leicht verrückten Menschen, die versuchen, ganz normal zu sein. Eine spannende Geschichte kommt nicht zustande. Deshalb von mir nur 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 01.08.2025

Stimmungsvoll

Das Geschenk des Meeres
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Im schottischen Fischerdorf Skerry wird ein kleiner Junge an Land gespült. Er lebt, und er erholt sich bei der Lehrerin Dorothy, die vor vielen Jahren einen kleinen Jungen an das Meer verloren hat.
Die ...

Im schottischen Fischerdorf Skerry wird ein kleiner Junge an Land gespült. Er lebt, und er erholt sich bei der Lehrerin Dorothy, die vor vielen Jahren einen kleinen Jungen an das Meer verloren hat.
Die Geschichte entwickelt sich auf zwei Zeitebenen. Im Jahre 1900 kommt Dorothy ins Dorf, um zu unterrrichten. In der Gegenwart nimmt das Geschehen um den Findeljungen seinen Lauf, dabei werden Erinnerungen an die damalige Zeit wach. Ich musste manchmal nachschauen, ob ich gerade eine frische Erinnerung lese oder eine nacherzählte Vergangenheit. Aber alle Kapitel sind so betitelt, dass man sich stets gut orientieren kann.
Das Lebensgefühl der Menschen ist damals wie heute eng mit dem Meer verbunden. Einzelheiten gehen besonders zu Herzen: ein verlorener Stiefel, ein roter Ball zeigen die Machtlosigkeit des Einzelnen gegenüber der wilden Natur. Alte Sagen vom Meer werden erzählt und man fragt sich, was davon wahr sein könnte.
Der Stil ist sehr emotional. Nah an den Figuren werden ihre Sehnsüchte und Verletzungen beschrieben. Niemand hier ist ohne Vorgeschichte, insbesondere nicht Dorothy, die von einer lieblosen Mutter gelernt hat, keine Gefühle zu zeigen. So ist die Atmosphäre im Roman stets stürmisch, kühl und rau.
Eine fesselnde und stimmungsvolle Reise ans Meer.

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Veröffentlicht am 01.08.2025

Schwierig

Zwischen zwei Leben
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Jenni Mäki verlässt ihren Ehemann, bezieht eine eigene Wohnung und nennt sich ab sofort Jenny Hill. Sie schildert ihre Gedanken, Gefühle und Erinnerungen, spricht mit einer Therapeutin und schreibt Briefe ...

Jenni Mäki verlässt ihren Ehemann, bezieht eine eigene Wohnung und nennt sich ab sofort Jenny Hill. Sie schildert ihre Gedanken, Gefühle und Erinnerungen, spricht mit einer Therapeutin und schreibt Briefe an Brigitte Macron. All das wird kommentiert von Ajattaras, weiblichen Dämonen aus der Welt der Brüder Grimm.
In den Märchen sollen Dornröschen, Schneewittchen, Aschenputtel und all die anderen Vorbilder sein für ganz normale Frauen: angepasst, hübsch gemacht und den Männern dienend. Aber in Wahrheit – in diesem Buch – sind sie ganz anders. Und sie haben der geflohenen Ehefrau eine Menge zu sagen.
Es geht darum, mit welchem Lebensgefühl Menschen heute Frauen sind. Wie selbstverständlich Jenni ihr Äußeres und ihr ganzes Dasein optimiert hat, um Ansprüchen, Erwartungen und Geschichten zu entsprechen. Aschenputtel und Rotkäppchen aber haben sie genau gesehen. Und sie empfehlen: Sei wie du bist, denn so bist du richtig. Sie erzählen ihre eigene Geschichte und rufen sie dazu auf, sie selbst zu sein.
Das Buch ist schwierig zu lesen und teilweise ganz schön düster. Die Hauptperson steckt in einer Krise und weiß im Moment nicht weiter. Es gibt keine spannende Geschichte, sondern Betrachtungen, Erinnerungen und anders erzählte Märchen. Das ist ambitioniert, aber schwer zu lesen.

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Veröffentlicht am 29.07.2025

Brutales Mittelalter

Das Lied der Rose
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Guillaume (Wilhelm) ist im elften Jahrhundert der Herzog von Aquitanien. Seine Frau Philippa möchte an ihrem Hof feinere Sitten einführen. Dazu gehören neue Tischsitten und Besteck, ein gutes Benehmen ...

Guillaume (Wilhelm) ist im elften Jahrhundert der Herzog von Aquitanien. Seine Frau Philippa möchte an ihrem Hof feinere Sitten einführen. Dazu gehören neue Tischsitten und Besteck, ein gutes Benehmen der Ritter gegenüber den Hofdamen, eine schöne Einrichtung sowie Gesang und Poesie. Sahar ist eine der Sängerinnen und lebt ebenfalls am Hof. Als Guillaume auf einen Kreuzzug gehen muss, verliert Philippa an Einfluss.
Wir erhalten einen Einblick in das „finstere“ Mittelalter, in dem politische Intrigen zwischen weitgehend gleichberechtigten Fürsten an der Tagesordnung sind. Die Kirche hat die große Macht, und Einflüsse aus Nordafrika beginnen, Poesie und Kunst herüber zu tragen.
Philippa ist sehr glaubwürdig und sympathisch dargestellt Auch Guillaume, ihren Gatten, kann man sich als Kind jener Zeit gut vorstellen. Beide entwickeln und verändern sich im Laufe ihres Lebens. Die meisten Figuren im Buch hat es wirklich gegeben, so wie diese beiden.
Die Geschichte um das zentrale Liebespaar ist ebenfalls stringent und überzeugend erzählt. Insgesamt entsteht der Eindruck eines Bilderbogens von Sitten und Denkweisen, die uns heute, tausend Jahre später, sehr brutal erscheinen. Doch ausgerechnet in jener Zeit wurden die ersten zarten, weltlichen Liebeslieder gesungen – der Minnesang entstand. Doch das wird nur erzählt, leider kann man die Musik nicht hören.
Mir fiel es nicht immer leicht, den zahlreichen, detalliert ausgestalteten Hauptpersonen und Handlungsfäden richtig zu folgen. Es sind einfach zu viele. Wer sich in Ruhe darauf konzentrieren will, findet in diesem opulenten Werk gute und lehrreiche Unterhaltung.

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