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Veröffentlicht am 10.08.2024

Gewalt und Poesie

Als wir Schwäne waren
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Der Autor kam als Kind mit seinen Eltern aus dem Iran nach Deutschland. Für seinen Erstling „Hund, Wolf, Schakal‟ hat er Preise erhalten.
In der Geschichte geht es um das Heranwachsen eines jungen Flüchtlings ...

Der Autor kam als Kind mit seinen Eltern aus dem Iran nach Deutschland. Für seinen Erstling „Hund, Wolf, Schakal‟ hat er Preise erhalten.
In der Geschichte geht es um das Heranwachsen eines jungen Flüchtlings in einem Stadtviertel, in dem sich sehr unterschiedliche Kulturen, Nationen und gesellschaftliche Schichten mischen. Wir befinden uns in den 90er Jahren im Ruhrgebiet. In intensiven Episoden schildert der Autor, wie hilflos die Eingewanderten hier sind angesichts so vieler Dinge, die sie nicht verstehen können. Das Zusammenleben scheitert fürchterlich. Man hat diese Menschen in all ihrer Fremdheit und Verschiedenheit alleine gelassen. Hier sehen wir, wie daraus Kriminalität und Grausamkeit entstehen. Das ist auch eine Gesellschaftskritik.
Echte Freundschaften entstehen in diesem Viertel nicht, obwohl die Flüchtlinge in Deutschland eine Menge gemeinsam haben. Man kennt einander, schätzt einander ein und bleibt innerhalb der eigenen Familie. Auch der Erzähler praktiziert Gewalt, Grausamkeit und Kriminalität. Aber gegen Ende der Geschichte zeigt sich, dass er doch anders ist. Denn er verlässt diesen Ort und sucht, wie damals seine Eltern, nach einem neuen Anfang.
Dies sind eher lyrische, philosophische Betrachtungen als ein fortlaufender Roman, auch wenn die Kapitel zeitlich aufeinander folgen. Man kann sie als Prosagedichte lesen, denn die Sprache und die Sichtweise besitzen eine große poetische Kraft. Das ist faszinierend; es ist wunderschön und sehr bewegend geschrieben.

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Veröffentlicht am 03.08.2024

Eine Detektivin erforscht sich selbst

Jezebel Files - Wenn der Golem zweimal klingelt
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Ashira Cohen ist Privatdetektivin in Vancouver, Kanada. In dieser Welt können Menschen Magie ausüben oder nicht – Ashira jedenfalls kann es nicht. Doch dann geschehen einige seltsame Dinge und sie darf ...

Ashira Cohen ist Privatdetektivin in Vancouver, Kanada. In dieser Welt können Menschen Magie ausüben oder nicht – Ashira jedenfalls kann es nicht. Doch dann geschehen einige seltsame Dinge und sie darf sich ganz neu entdecken.
Die Protagonistin ist unangepasst, leidenschaftlich und klug. Zielstrebig löst sie ihre Fälle. Sie ist wie eine Bombe, die jeden Augenblick hochgehen kann. Die Geschichte ist ganz aus ihrer Sicht geschrieben. So lernen wir sie mit allen ihren Selbstzweifeln und den Rätseln, die sie um ihre eigene Identität zu lösen hat, gut kennen und kommen ihr sehr nah. Das ist angenehm zu lesen, die Heldin ist bei aller Explosivität sehr sympathisch.
Die Story selbst ist verrückt und spielt in einer verrückten Welt voller seltsamer Magiewesen und einer strengen Organisation derselben. Das Ganze wird immer komplexer, je länger man liest. Es gibt Anleihen an biblische Gestalten und eine Menge heiße Erotik.
Stil und Sprache sind flüssig und leicht zu lesen. Am Ende bleiben einige Fragen offen, für die weiteren Bände der vierteiligen Reihe. Die Idee, für den Showdown dieses ersten Teils einen Escape Room zu benutzen, fand ich allerdings etwas albern.
Wer das Genre „Urban Fantasy‟ mag oder sich mal darauf einlassen möchte, wird hier gut unterhalten. Besonders toll für unangepasste Frauen, die selbst ein bisschen verrückt sind, aber auch für alle anderen.

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Veröffentlicht am 27.07.2024

Für das kleine Kichern zwischendurch

LEBENSMITTEALLERGIE
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Die Autorin trägt seit einigen Jahren ihre Texte auf Berliner Lesebühnen vor. Eine erste Sammlung hat sie bereits unter dem Titel „Ich habe mit Ingwertee gegoogelt‟ veröffentlicht, nun also eine zweite. ...

Die Autorin trägt seit einigen Jahren ihre Texte auf Berliner Lesebühnen vor. Eine erste Sammlung hat sie bereits unter dem Titel „Ich habe mit Ingwertee gegoogelt‟ veröffentlicht, nun also eine zweite. Die Texte sind durchweg kurz, da die Lesezeit auf so einer Bühne nur fünf oder zehn Minuten beträgt.
Inhaltlich steht das ganz normale Leben im Mittelpunkt. Humorvoll und akzentuiert berichtet Riedel aus ihrem Alltag, in dem eine vierköpfige Familie und die Großstadt, in der sie lebt, ihr alles abverlangen. Wie anders ist es doch, mit drei Männern zu leben als für ein paar Tage mit Freundinnen ein Haus zu teilen. Was bedeutet Würde im Alter, wenn man selbst altert? Und welche Freundlichkeiten und Gemeinheiten hält die Welt für eine Frau, die die fünfzig neuerdings überschritten hat, so bereit? Auch Abenteuer mit der deutschen Bahn, einer esoterischen Reha -Einrichtung und mit jahresüblichen Feierlichkeiten fehlen nicht.
Hier wird sich jede Ü50erin leicht wieder erkennen. Riedel hat Sinn für Alltagskomik und zeigt uns, wo man eigentlich einfach loslachen muss. Ihre Wortschöpfungen machen Spaß, ihre Texte sind witzig. Aber sie gehören auf die Bühne. Im stillen Kämmerlein privat gelesen ist das viel weniger lustig, als wenn man sie live hört. Deshalb hier keine volle Punktzahl.

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Veröffentlicht am 24.07.2024

Feines für Fans

Die Legenden der Albae - Dunkles Erbe
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Die Stadt der Albae ist zerstört. Heimlich lebt hier noch ein einzelner Alb mit seiner Familie, um die Seelen der Verstorbenen mit Kunstwerken zu ehren. Doch sie werden von Zwergen entdeckt. In der Stadt ...

Die Stadt der Albae ist zerstört. Heimlich lebt hier noch ein einzelner Alb mit seiner Familie, um die Seelen der Verstorbenen mit Kunstwerken zu ehren. Doch sie werden von Zwergen entdeckt. In der Stadt Brandenwell leben Albae versteck unter Menschen, doch auch hier werden sie aufgescheucht. Die Albae sind Meister der Intrige, sie sind grausam und sie lieben die Kunst. Diese stellen sie vorzugsweise aus Teilen lebender Wesen her: Skulpturen aus Knochen, Leinwand aus Haut und Malfarbe aus Blut.

Die Hauptpersonen der Geschichte - die einzelnen Albae - sind ganz und gar keine Sympathieträger. Es sind zwielichtige, komplexe Figuren, und bei aller Grausamkeit führen viele ein friedliches Familien- und Gemeinschaftsleben. Doch sie sind auch immer wieder für eine Überraschung gut; wer hier wen betrügt, das erschließt sich von Seite zu Seite neu. Aber der Autor schafft es, dass man mit ihnen mitfühlt, ohne dass man allzu traurig wäre, wenn der Schurke, denn das sind sie fast alle, endlich sein verdientes Ende findet.
Der Stil ist atmospärisch dicht und düster. Von der bildhaften, malerischen Sprache ist man von Anfang an gefesselt. Fantasy und speziell ihre dunkle Seite ist ein Spezialgebiet von Markus Heitz. Er hat uns schon viele Bände lang aus dem Geborgenen Land erzählt, vor allem von den Zwergen, aber auch von den Albae. Einige Figuren aus früheren Geschichten treten wieder auf, aber die meisten sind ganz neu. Das Buch ist für einen Einstieg durchaus geeignet. Hilfreich sind Personen- und Stichwortlisten zum Nachschauen sowie eine Karte des Geborgenen Landes. Aber man muss schon aufpassen, dass man sich die ungewöhnlichen Namen richtig merkt.
Ein Buch das genau das bietet, was es verspricht: spannende Dark Fantasy.

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Veröffentlicht am 19.07.2024

Lehrreich

Der blaue Bien
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Janna ist Restauratorin und lebt mit ihrem Freund Tim zusammen. Sie trifft zufällig auf einen Bienenschwarm, der gerade ausgeflogen ist. Sie fängt ihn ein und gibt den Tieren in ihrem Garten ein Zuhause. ...

Janna ist Restauratorin und lebt mit ihrem Freund Tim zusammen. Sie trifft zufällig auf einen Bienenschwarm, der gerade ausgeflogen ist. Sie fängt ihn ein und gibt den Tieren in ihrem Garten ein Zuhause. Doch der Schwarm, unter Fachleuten auch Bien genannt, zeigt überraschende Eigenschaften. Handelt es sich um eine neue Art?
Die Geschichte um Janna und Tim ist ein wenig vorhersehbar. Sprache und Stil weisen holprige Stellen auf. Doch Janna ist eine sympathische, offene Person, die sich im Laufe dieser Zeit durchaus glaubwürdig weiter entwickelt. Die Bienen sind quasi eingebettet in diese Beziehungsgeschichte. Sie sind der eigentliche Star des Buches.
Gemeinsam mit der Protagonistin lernen wir eine Menge über Bienen. Die Tiere und ihre Lebensweise im Schwarm sind faszinierend und mit nichts zu vergleichen, was man so aus dem Alltag kennt. Wer lieber einen Roman liest anstelle eines Lehrbuchs, ist hier recht gut unterhalten.

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