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Veröffentlicht am 16.05.2025

Über die heilende Kraft der Literatur und die Magie der Freundschaft

Die geheime Sehnsucht der Bücher
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Nina George hat es wieder getan: Mit „Die geheime Sehnsucht der Bücher“ legt sie einen Roman vor, der gleichermaßen philosophisch wie herzerwärmend ist, humorvoll wie tröstlich und dabei sprachlich so ...

Nina George hat es wieder getan: Mit „Die geheime Sehnsucht der Bücher“ legt sie einen Roman vor, der gleichermaßen philosophisch wie herzerwärmend ist, humorvoll wie tröstlich und dabei sprachlich so originell, dass man sich staunend in ihren Sätzen verlieren möchte.

Ein Wiedersehen mit Monsieur Perdu und der heilenden Kraft der Literatur

Im Mittelpunkt steht erneut der charismatische Buchhändler Jean Perdu, den viele Leserinnen und Leser bereits aus „Das Lavendelzimmer“ und „Das Bücherschiff des Monsieur Perdu“ kennen. In seiner „Pharmacie Littéraire“, der literarischen Apotheke auf einem Bücherschiff in Paris, verschreibt er Geschichten gegen alle erdenklichen seelischen Leiden, von Liebeskummer über Einsamkeit bis hin zu tiefer existenzieller Erschöpfung. Für Perdu sind Bücher nicht einfach nur Lektüre, sondern seelische Arznei, individuell dosiert, feinfühlig ausgewählt und voller heilender Wirkung.

Unterstützt wird er diesmal von Pauline Lahbibi, die mit ihren 17 Jahren ein ebenso sensibles Gespür für Menschen und deren verborgene Sehnsüchte hat. Doch während sie anderen hilft, ihre inneren Brüche zu verstehen, ist sie selbst auf der Suche nach dem, was ihr eigenes Herz zum Klingen bringt. Die Geschichte nimmt Fahrt auf, als die geheimnisvolle zwölfjährige Françoise auftaucht, ein Kind voller Fragen, Geheimnisse und Mut, das sich mit Perdu und Pauline auf eine leise, aber kraftvolle Mission begibt: Bücher vor dem Verschwinden zu retten, gegen Zensur zu verteidigen und damit das freie Denken selbst zu bewahren.

Ein Roman wie eine Hommage an das Lesen und an das Leben

Was Nina Georges Werk so besonders macht, ist nicht nur der liebevolle Blick auf ihre Figuren, sondern auch ihr unverwechselbarer Sprachstil. Geistreich, poetisch und durchsetzt mit fantasievollen Neologismen, die wie kleine Wortgeschenke wirken, verleiht sie ihrer Geschichte eine ganz eigene Klangfarbe. Die gewählten Begriffe begegnen dem Leser nicht als Effekthascherei, sondern als liebevolle Erfindungen, die exakt jene Zwischenräume benennen, für die die Alltagssprache oft keine Worte findet.

Nina George erzählt mit großer Wärme und einem augenzwinkernden Humor, ohne je ins Kitschige abzudriften. Ihre Sprache ist ein Spielplatz für die Fantasie, ihre Dialoge sind klug, oft von leiser Ironie durchzogen und stets voller Menschlichkeit. Hinter der charmanten Kulisse eines schwimmenden Bücherparadieses verbirgt sich ein tiefgründiges Nachdenken über das Leben, das Erinnern, das Loslassen und über die Frage, welche Geschichten wir brauchen, um zu heilen oder heil zu bleiben.

Fazit: Ein leuchtendes Plädoyer für die Freiheit des Geistes

„Die geheime Sehnsucht der Bücher“ ist nicht nur die poetische Fortsetzung einer einzigartigen Romanwelt, sondern ein eigenständiges, kraftvolles Werk über die heilende, ja rettende Macht der Literatur. Philosophisch in seinem Kern, tröstlich in seiner Wirkung und getragen von einem Stil, der vor Kreativität nur so sprüht, ist dieses Buch ein Muss für alle, die Bücher nicht nur lesen, sondern lieben. Diesen Roman schlägt man nicht einfach nur zu, sondern legt ihn ehrfürchtig zur Seite mit dem Gefühl, ein kleines bisschen klüger, getrösteter und beseelter zu sein. Kurzum, eine klare Empfehlung für Buchbegeisterte und alle, die es noch werden wollen.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Wenn Hunde zu Lebensrettern werden!

Hope
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Niall Harbison führt lange ein Leben am Limit: Als Unternehmer ist er erfolgreich, aber auch tief in seiner Alkohol- und Spielsucht gefangen. Arbeit und exzessive Partys bestimmen seinen Alltag – bis er ...

Niall Harbison führt lange ein Leben am Limit: Als Unternehmer ist er erfolgreich, aber auch tief in seiner Alkohol- und Spielsucht gefangen. Arbeit und exzessive Partys bestimmen seinen Alltag – bis er eines Tages alles hinter sich lässt. Ohne vorherige Ankündigung verlässt er seine Firma und zieht nach Thailand. Dort erreicht er seinen Tiefpunkt: Seine Sucht bringt ihn an den Rand des Todes.

In dieser existenziellen Krise findet Niall einen ungewöhnlichen Ausweg. Auf der Insel Ko Samui begegnet er den Straßenhunden. Gezeichnet vom Leben, wie er selbst. Was als zufällige Begegnung beginnt, wird zu seiner Lebensaufgabe. Er beginnt, die Tiere zu füttern, bringt sie zum Tierarzt und versorgt ihre Wunden. Mit unerschütterlicher Hingabe gewinnt er das Vertrauen der Hunde und entdeckt dabei auch sich selbst neu.

Was als persönliche Rettung beginnt, entwickelt sich zu einer Mission: Niall Harbison will jeden Monat 10.000 Straßenhunden helfen. Seine Tage sind erfüllt von Pflege, Organisation und Notfalleinsätzen. Es ist mehr als ein Vollzeitjob. Doch die Dankbarkeit der Tiere gibt ihm Kraft, Trost und ein Gefühl von Sinnhaftigkeit.

Seine Erlebnisse dokumentiert er mit der Kamera. Millionen Menschen weltweit folgen ihm inzwischen auf Social Media und fiebern mit, wenn Hunde wie McMuffin, Hope, King Whacker, Britney oder Tina gerettet werden.

Es war naheliegend, dass Niall Harbisons Geschichte irgendwann in einem Buch festgehalten wird. Dieses ist nun auch auf Deutsch erschienen und trägt den perfekt passenden Titel HOPE. Es erzählt nicht nur vom Überleben, sondern von echter Transformation, denn es handelt von einem Mann, der an einem abgelegenen Ort seine wahre Bestimmung findet.

Alles in allem ist HOPE ein tief berührendes Buch, das voller Hoffnung steckt. Wer gerne außergewöhnliche Lebensgeschichten liest und vielleicht auch noch Hundefan ist, wird dieses beeindruckende Buch auf jeden Fall lieben und nach der Lektüre nicht so schnell vergessen.

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Veröffentlicht am 12.04.2025

Ein Roman mit Widerhall. Spannend und eindrucksvoll erzählt.

Kumari
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Kumari von Philip Krömer basiert auf historischen Geschehnissen, die sich 2001 in Nepal ereignet haben.

Inhaltlich geht es um ein Mädchen, das als Kindgöttin in einem Tempel lebt. Ihr Kontakt zur Außenwelt ...

Kumari von Philip Krömer basiert auf historischen Geschehnissen, die sich 2001 in Nepal ereignet haben.

Inhaltlich geht es um ein Mädchen, das als Kindgöttin in einem Tempel lebt. Ihr Kontakt zur Außenwelt beschränkt sich im Wesentlichen auf Pilger, die sie tagtäglich aufsuchen. Doch ihre Zeit neigt sich dem Ende entgegen. Denn während ein mehrtägiges Opferfest ihr zu Ehren stattfindet, planen maoistische Rebellen die Entmachtung der Königsfamilie ... Um nicht zu spoilern, sei an dieser Stelle nicht mehr verraten.

Kumari ist ein gleichsam kompakter und komplexer Kurzroman, der einem einiges abverlangt, doch wer sich darauf einlässt, wird nicht enttäuscht. Den interessierten Leser erwartet eine sprachgewaltige Geschichte, die aus Sicht der Kumari erzählt wird. Allein dies ist ein geschickter Schachzug.

Viele verschiedene Themen wie Tradition und Rebellion, Zwang und Freiheit sowie Liebe und Verrat werden aufgegriffen und sehr ausdrucksstark dargestellt. Historische Wahrheiten verschmelzen mit fiktiven Ideen. Das macht den Roman umso lesenswerter.

Den einzigen Kritikpunkt, den ich vorbringen möchte, sind die Darstellungen sämtlicher Bluttaten. Diese sind doch ziemlich heftig und definitiv nichts für zartbesaitete Leser*innen. Sonst ist die Lektüre dieses Romans aber durchaus empfehlenswert, denn die Inhalte sind absolut packend und eindrucksvoll. Zudem lernt man viel über die nepalesische Geschichte und Kultur.

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Eine außergewöhnliche spirituelle Reise. Authentisch und eindringlich geschrieben.

Viele Steine bilden einen Weg
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Mit Viele Steine bilden einen Weg legt Marya Grathwohl ein eindrucksvolles autobiografisches Werk vor, das spirituelle Suche, interkulturelle Begegnung und ökologisches Engagement in einer berührenden ...

Mit Viele Steine bilden einen Weg legt Marya Grathwohl ein eindrucksvolles autobiografisches Werk vor, das spirituelle Suche, interkulturelle Begegnung und ökologisches Engagement in einer berührenden Lebensgeschichte vereint.

Als Judy Grathwohl in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen, zeichnet sie sich schon früh durch eine besondere Sensibilität für die Natur aus – eine Wahrnehmung, die weit über das bloße Sehen hinausgeht. Diese tiefe Verbindung zur Umwelt bildet das Fundament für ihren späteren Lebensweg als Franziskanerin Marya.

Besonders prägend wird für sie der Aufenthalt in Montana, wo sie Kinder des indigenen Crow-Stammes unterrichtet. Die Auseinandersetzung mit der dortigen, erdverbundenen Spiritualität bringt nicht nur ihr bisheriges Glaubensverständnis ins Wanken, sondern öffnet zugleich den Weg zu einer tiefergehenden Einsicht: dass spirituelle Wahrheit in vielfältiger Gestalt erscheint – und dass Gottes Gegenwart im gesamten Schöpfungsgefüge erfahrbar ist.

Grathwohl beschreibt diesen inneren Wandel authentisch, klar und voller Demut. Ihr Stil ist eindringlich, dabei nie belehrend. Besonders hervorzuheben ist ihre Fähigkeit, komplexe spirituelle Prozesse nachvollziehbar zu machen, ohne sie zu simplifizieren. Die Verflechtung von religiöser Reflexion und ökologischem Bewusstsein wirkt in keinem Moment konstruiert, sondern ergibt sich organisch aus ihrem Erleben.

Das Buch ist nicht nur ein persönlicher Erfahrungsbericht, sondern auch ein Plädoyer für eine ganzheitliche Sicht auf Glaube, Natur und Verantwortung. Es lädt dazu ein, eingefahrene Denkmuster zu hinterfragen und Spiritualität im Einklang mit der Erde neu zu entdecken.

Ein stimmiges Gesamtwerk – vom aussagekräftigen Titel über das gelungene Cover bis hin zur inhaltlichen Tiefe. Viele Steine bilden einen Weg ist eine klare Empfehlung für alle, die sich für spirituelle Fragen interessieren, Sinn in der Natur suchen oder sich für die Verbindung von Glauben und ökologischem Handeln öffnen möchten.

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Veröffentlicht am 20.03.2025

Ein wichtiges Thema. Mit viel Herz und Humor erzählt.

Das Herz kennt keine Demenz
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Mit seinem Buch Das Herz kennt keine Demenz gibt Jim Ayag, Altenpfleger und TikTok-Star, einen tiefen und berührenden Einblick in die Welt der Pflege – und setzt sich mit Nachdruck für mehr Menschlichkeit ...

Mit seinem Buch Das Herz kennt keine Demenz gibt Jim Ayag, Altenpfleger und TikTok-Star, einen tiefen und berührenden Einblick in die Welt der Pflege – und setzt sich mit Nachdruck für mehr Menschlichkeit im Umgang mit Demenzkranken ein.

Wer kümmert sich um die Ältesten unserer Gesellschaft? Wie gehen wir mit Menschen um, die sich in der digitalen Welt nicht mehr zurechtfinden oder gar den eigenen Heimweg vergessen? Und wie gut ist unser Gesundheitssystem auf die wachsende Zahl hilfsbedürftiger Menschen vorbereitet? Ayag stellt diese drängenden Fragen und bringt sie mit persönlichen Geschichten, Fachwissen und einer Prise Humor den Leserinnen und Lesern näher.

Besonders bewegend sind die Episoden mit Frau Tippelkamp, die stellvertretend für viele wunderbare Menschen steht, denen der Autor in seinem Berufsalltag begegnet ist. Diese Momente machen deutlich, dass Demenz weit mehr ist als nur das Vergessen – sie ist eine Herausforderung für Betroffene und Angehörige, die mit Würde, Geduld und Wertschätzung begleitet werden sollte.

Mit seinem lockeren, eingängigen Schreibstil gelingt es Ayag, ein schweres Thema greifbar zu machen. Die 190 Seiten lesen sich flüssig, berühren und stimmen nachdenklich. Besonders beeindruckend ist, dass der Autor nie belehrend wirkt, sondern auf Augenhöhe mit seinen Leserinnen und Lesern spricht. Sein Engagement und seine Leidenschaft für die Pflegeberufe sind auf jeder Seite spürbar.

Fazit: Das Herz kennt keine Demenz ist weit mehr als ein Erfahrungsbericht – es ist ein Plädoyer für ein respektvolleres und empathischeres Miteinander. Jim Ayag zeigt, dass Humor, Menschlichkeit und Fachwissen keine Gegensätze sind, sondern der Schlüssel zu einer besseren Pflege. Ein absolutes Muss für alle, die sich näher mit dem Thema Demenz auseinandersetzen möchten – sei es beruflich oder privat. Denn eines ist sicher: Früher oder später wird dieses Thema uns alle betreffen.

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