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Veröffentlicht am 14.09.2025

Nichts für schwache Nerven und sicherlich keine leichte Unterhaltung - Polarisation par excellence

Zeitbrand: Genesis
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Dieses Buch polarisiert. Durch seine Schonungslosigkeit, durch seine Unbequemlichkeit, durch seine Konsequenz, hässliche Dinge beim Namen zu nennen – ungeschönt. Dabei ist es inhaltlich gespickt mit subtiler, ...

Dieses Buch polarisiert. Durch seine Schonungslosigkeit, durch seine Unbequemlichkeit, durch seine Konsequenz, hässliche Dinge beim Namen zu nennen – ungeschönt. Dabei ist es inhaltlich gespickt mit subtiler, brandaktueller Gesellschaftskritik und zahlreichen Anregungen, das eigene Verhalten, eigene Einstellungen kritisch zu hinterfragen und dabei auch bewusst das Augenmerk auf die Aspekte zu legen, die uns unangenehm sind. Ja, jede Entscheidung oder Überzeugung hat ihre Schattenseiten und negative Konsequenzen. Ob für uns oder andere, ist dabei unerheblich. Es gibt sie. Sie existieren. Darum und die Auseinandersetzung damit geht es.

Eryx Vail hält den Leser:innen mit stoischer Konsequenz diesen unerfreulichen Spiegel vor, was das Lesen des Buches, wie er selbst schreibt, zu einer Zumutung macht.

Um jedoch ein tieferes Verständnis dieses in weiten Teilen äußerst brutal geschriebenen Textes zu erlangen, ist es notwendig, sich intensiv damit auseinander zu setzen. Fahriges Drüberlesen oder Berieseln-Lassen wird nicht funktionieren. Und selbst wenn die Leserin oder der Leser sich darauf einlassen kann, wird es zahlreichen davon nicht gefallen. Aber das muss es auch nicht, wenn andersartige, zum Nachdenken anregende Literatur und nicht gefällige gewünscht ist.

Es ist sehr schwer, das Buch genauer zu beschreiben, ohne zu viel von der Story oder den Charakteren zu verraten. Allerdings so viel: Der Klappentext der ersten Auflage lässt nicht einmal erahnen, wie heftig und unbequem der Inhalt ist und wie tief die Abgründe der gezeichneten Charaktere. Empfindsamen, sensiblen oder gewaltaversen Leser:innen kann ich daher nur dringend abraten, dieses Buch zu lesen. Auch ist es in meiner Wahrnehmung ausschließlich für erwachsene Leser geeignet.

Neben den von mir positiv empfundenen Punkten, nämlich, dass dieses Fantasy-Buch so ganz anders daherkommt als erwartet, gibt es allerdings auch Kritikpunkte: Die Charaktere verlieren im Laufe der Geschichte teilweise an Zeichnung und waren für mich zum Ende hin nicht mehr stimmig. Grundsätzlich werden sehr viele Charakter in die Geschichte eingeführt, was verwirrend sein kann.

Insbesondere zum Ende hin hat die Story für mich an Dichte verloren. Zu viele Zufälle und „glückliche“ Fügungen, um mich zufrieden zu stellen und bei der Geschichte zu halten.

Bezugnehmen auf die erste Auflage besticht das Buch, leider, auch negativ durch nur mäßige Lektoratsarbeit. Es finden sich zahlreiche, vermeidbare Fehler, die ggfs. den inhaltlichen Lesefluss stören.

Ein womöglich ebenfalls wichtiger Hinweis: Es handelt sich um den ersten Band einer Serie. Das Buch ist damit nicht in sich abgeschlossen und es bleiben viele Fragen offen.

Und damit schließt sich der Kreis zum Beginn dieser Rezension: Dieses Buch polarisiert. Entscheidet selbst, ob es etwas für euch sein könnte.

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Veröffentlicht am 02.09.2025

Ein Roman voller Stimmen – doch ohne bleibende Nähe

Die Hummerfrauen
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Der Roman "Die Hummerfrauen" erzählt von einer Gruppe Frauen und ihren Verstrickungen in Liebe, Freundschaft, Verlust und der Suche nach Halt. Im Mittelpunkt stehen Mina, Sam, Ann und Julie, deren Lebenswege ...

Der Roman "Die Hummerfrauen" erzählt von einer Gruppe Frauen und ihren Verstrickungen in Liebe, Freundschaft, Verlust und der Suche nach Halt. Im Mittelpunkt stehen Mina, Sam, Ann und Julie, deren Lebenswege durch familiäre und persönliche Brüche geprägt sind. Themen wie Schuld, unausgesprochene Geheimnisse und die Schwierigkeiten von Beziehungen ziehen sich durch die Handlung.

Die Geschichte entfaltet sich auf drei Zeitebenen, wobei die Gegenwart nur als Prolog und Epilog einen Rahmen bildet. Der Hauptteil spielt in der Vergangenheit und versucht, den Figuren und ihrem Schicksal Tiefe zu verleihen. Dieser Aufbau könnte Spannung erzeugen, wirkt aber durch die Gewichtung unausgewogen: Das "Heute" bleibt zu blass, um als wirkungsvolle Klammer zu dienen.

Ein zentrales Problem ist für mich die Vielzahl an auftretenden Personen. Viele Figuren bleiben Randerscheinungen, die für den Handlungsverlauf keine Relevanz haben. Dadurch verliert der Roman an Fokus und nimmt den Hauptcharakteren die Möglichkeit, sich wirklich zu entfalten. Mina, Sam, Ann und Julie bleiben trotz ihrer zentralen Rollen eher oberflächlich gezeichnet. Besonders Sams wiederholtes Verschwinden wird zwar auffällig inszeniert, aber nie erklärt – ein unaufgelöstes Rätsel, das Distanz schafft, anstatt Nähe aufzubauen.

Auch im Plot finden sich für mich zu viele lose Fäden. Der Unfall, in den die Brüder von Sam und Mina verwickelt waren, wird anfangs als zentrales Spannungsmoment aufgebaut. Doch im letzten Drittel des Buches verschwindet dieses Thema fast vollständig, ohne dass der genaue Hergang aufgeklärt würde. Ein starker Einstieg verpufft so ins Leere.

Leider bleiben ebenso die familiären Konflikte um Mina unbefriedigend offen. Ihre schwierige Beziehung zu ihrer Mutter Judith sowie zum Vater verliert sich zum Ende hin völlig. Ob und wie diese Figuren später eine Beziehung zu Enkelin Luca entwickeln, bleibt im Dunkeln – ebenso wie Lucas eigener Charakter, der nur schemenhaft gezeichnet wird und kaum Konturen erhält.

Fazit
Die Hummerfrauen versucht viel: es geht um generationsübergreifende Wunden, familiäre Brüche und die Suche nach Verbindlichkeit. Doch durch die Vielzahl an Figuren, unaufgelöste Handlungsstränge und oberflächlich bleibende Charaktere gelingt es dem Roman nicht, seine anfängliche Spannung und Tiefe einzulösen. Am Ende bleibt das Gefühl zurück, dass viele wichtige Fragen unbeantwortet bleiben – und damit auch die Chance, eine nachhaltige emotionale Bindung zu den Figuren aufzubauen.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Facettenreich, stark, mutig und zugleich bedrückend

Sorry not sorry
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In ihrem Essay-Band "Sorry not sorry: Über weibliche Scham" nimmt Anika Landsteiner kein Blatt vor den Mund und beleuchtet in eindringlicher Sprache sowie anhand zahlreicher, sehr persönlicher Beispiele ...

In ihrem Essay-Band "Sorry not sorry: Über weibliche Scham" nimmt Anika Landsteiner kein Blatt vor den Mund und beleuchtet in eindringlicher Sprache sowie anhand zahlreicher, sehr persönlicher Beispiele vom Leben mit ihrer Scham, die sinnbildlich für so viele weibliche Leben und Erfahrungen marginalisierter Gruppen stehen dürfte.

Das Buch taucht tief ab und streift historische Themenfelder, die bis heute Relevanz für unsere Gesellschaft und unser "Selbstverständnis" haben. Von griechischer Mythologie jahrtausendelang geprägten, beschämenden Begriffen, welche ich inhaltlich nie hinterfragt, sondern schlicht benutzt habe, hinüber zum Hier und Jetzt und der kritischen Frage, wo wir denn eigentlich stehen. Sind Frauen, Männer und andere Gruppen wirklich gleichberechtigt? Begegnen wir uns tatsächlich auf Augenhöhe oder liegt der Teufel doch mehr als nur einmal im Detail, wenn ich nur ganz genau hinschaue und es mir (und anderen) unbequem mache?

Das Buch hat mich tief bewegt, erschüttert, wütend gemacht und manchmal auch fassungslos, deprimiert und beschämt zurückgelassen, weil ich mich ertappt fühl(t)e. Es ist so leicht, verbal gegen Ungerechtigkeit (vermeintlich) ins Feld zu ziehen, aber eine ganz andere, den Rücken gerade zu halten und konsequent zu leben, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Es sagt sich nur so einfach, sich nicht mehr zu schämen oder nicht mehr schämen zu wollen, wenn das Gefühl so tief in mir wohnt, dass selbst eine Räumungsklage kaum Aussicht auf Erfolg haben dürfte.

Gerade deshalb ist dieses Buch so wertvoll und hilfreich: Weil es das Augenmerk auf Missstände, tradierte Verhaltensweisen und Zuschreibungen richtet und der Leserin / dem Leser so die Chance gibt, zu reflektieren. Zugegeben, es wird gewiss nicht Jedem und nicht Jeder gefallen, was Anika Landsteiner hier schreibt. Und umso mehr ist es essenziell, dass sie es schreibt.

Danke, Anika Landsteiner, in mir hat ein wichtiger, schmerzhafter und trotzdem nötiger Prozess seinen Anfang genommen!

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Veröffentlicht am 02.08.2025

Gangsta-Spaß im königlichen Großbritannien

Gangsta-Oma schlägt wieder zu!
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Ben hat sich nach dem Tod seiner Großmutter wieder gut in sein wenig aufregendes Leben eingefunden. Edna, die Cousine seiner Großmutter, ist zu einer echten Freundin avanciert. Als plötzlich wieder Diebstähle ...

Ben hat sich nach dem Tod seiner Großmutter wieder gut in sein wenig aufregendes Leben eingefunden. Edna, die Cousine seiner Großmutter, ist zu einer echten Freundin avanciert. Als plötzlich wieder Diebstähle stattfinden, die ganz unter dem Zeichen der "schwarzen Katze" - also Bens verstorbener Oma - stehen, ist die Verwirrung groß. Doch Ben wäre nicht Ben, wenn er sich nicht in haarsträubenden Begebenheiten auf die Suche nach der neuen "schwarzen Katze" begeben würde.

Auch Teil zwei der Serie dürfte für abenteuerlustige Kinder ein echter Spaß sein. Ben landet so oft in komplett absurden, übertriebenen Situationen (oder hat glorreiche Ideen, wie er sich in solche manövieren kann), dass absolut keine Zeit für Langeweile ist. Als erwachsene Vorleserin war mir das Buch an einigen Stellen doch etwas zu überzogen, waren die Beispiele etwas zu ausufernd und hat sich jemand bei der Gestaltungs der zig verschiedenen Fonts auf den Seiten etwas zu sehr ausgetobt. Auch waren mir die zum Teil komplett unvermittelten Gefühlsumstürze von Ben nicht nachvollziehbar - ich bin hier aber auch sicher nicht die Zielgruppe


Alles in allem eine schöne (Vor-)Lesegeschichte mit sehr kreativem Kontext.

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Veröffentlicht am 17.07.2025

Eine poetische Reise zur Insel über allen Bergen

Über allen Bergen
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Vadim ist auf der Flucht. Er wird es zunächst nicht so nennen und auch ist nicht ganz klar, vor wem er eigentlich flüchtet - seinem Asthma, Menschen, die anderen Menschen schlimme Dinge antun, am Ende ...

Vadim ist auf der Flucht. Er wird es zunächst nicht so nennen und auch ist nicht ganz klar, vor wem er eigentlich flüchtet - seinem Asthma, Menschen, die anderen Menschen schlimme Dinge antun, am Ende gar sich selbst - und so beginnt eine poetische Reise in atemberaubende Kulisse.

"Über allen Bergen" hat mich überrascht, da ich aufgrund des Klappentextes eine gewisse Vorstellung zu Vadim, der Hauptfigur dieses Romans hatte, und diese bereits auf den ersten Seiten widerlegt bekam. Vadim ist nämlich kein Erwachsener, sondern noch ein Kind, das auf eine schier unvorstellbare Reise in ein verstecktes Tal irgendwo in Frankreich, nahe der Schweizer Grenze geschickt wird. Dabei ist die Fantasie dieses Jungen schier grenzenlos und auch, mit welcher Intensität er die kraftvolle Welt der Berge, seine neue Identität, neue Gebräuche und Wörter in sich aufnimmt.

Valentine Goby nimmt die Leser:innen mit auf eine durch und durch intensive und anspruchsvolle Reise. Der Roman ist wunderschön, tiefgründig, poetisch und nur bedingt tauglich als entspannte Abendlektüre. Der Anspruch und Tiefgang braucht Zeit und Raum, um zu wirken. Eine klassische Spannungskurve gibt es zudem nicht. Das Buch ist eher eine Erzählung, in deren Zuge die Leserin / der Leser Vadim bzw. Vincent durch seine Zeit in Vallorcine, dem Tal der Bären, begleitet.

Warum also viereinhalb Sterne und nicht fünf? - Am ehesten deshalb, weil ich mir etwas anderes vorgestellt hatte. Nämlich einen Erwachsenen, der auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung durch abgelegene Bergdörfer zieht. Und weil ich eine leichtere Lektüre erwartet hatte, kein Werk von so literarischer Dichte. Wer also möchte und mit den richtigen Erwartungen an dieses Buch herangeht, darf gerne auch fünf Sterne daraus machen und jede Seite, jede Zeile und jedes Wort genießen.

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