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Veröffentlicht am 17.04.2018

Wahrscheinliche Zukunft, aber weniger hoffnungsvoll als bei den Bienchen

Die Geschichte des Wassers
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"Die Geschichte des Wassers" ist der zweite Band, in Maja Lundes Reihe über die Natur und unsere Zukunft. Ich habe auch schon "Die Geschichte der Bienen" gelesen und bin mit großen Erwartungen an das neue ...

"Die Geschichte des Wassers" ist der zweite Band, in Maja Lundes Reihe über die Natur und unsere Zukunft. Ich habe auch schon "Die Geschichte der Bienen" gelesen und bin mit großen Erwartungen an das neue Buch herangegangen.
Wie schon in der ersten Geschichte begleiten wir eine gegenwärtige und eine zukünftige Person in ihrer Lebensgeschichte, die wir im Laufe der Erzählung nach und nach erfahren. Dieses Mal sind es:
Signe, schon beinahe 70 Jahre alt; Die Norwegerin war ihr ganzes Leben lang Umweltaktivistin, hat schon in jungen Jahren für den Erhalt der Flüsse und des Gletschers in ihrer Heimat gekämpft und tut es noch. Sie wurde ihr Leben lang enttäuscht von Menschen, denen Profit, Wohlstand und Bequemlichkeit wichtiger waren als die Natur - etwas, das Signe überhaupt nicht verstehen kann. Als sie sieht, wie ihr geliebter Gletscher abgetragen werden soll um als Eiswürfel in Drinks reicher Leute zu enden, beschließt sie einen Schlussstrich zu ziehen, denn ihr ehemaliger Verlobter ist dafür verantwortlich. Sie macht sich mit dem Eis auf die beschwerliche Reise, mit ihrem kleinen Segelboot von Norwegen bis nach Frankreich um ihn zur Rede zu stellen. Im Laufe der Reise erleben wir mit ihr alle Hochs und Tiefs und erfahren ihre harte Lebensgeschichte.
Und David, mit seiner kleinen Tochter Lou, im Frankreich des Jahres 2041. Man könnte denken, dass das noch nicht so weit in der Zukunft liegt, und doch sind die Geschehnisse recht realistisch, auch auf die kurze Zeit. Trinkwasser wird überall knapper, Dürre und Wüsten breiten sich aus, längst bietet auch Südeuropa, genauer Südfrankreich keine Überlebensbedingungen mehr, so machen sich auch David und seine Freundin Anna mit ihren beiden kleinen Kindern auf den Weg, auf die Flucht nach Norden, in die Wasserländer. Sie hoffen irgendwo ein Visum oder eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen, bis dahin müssen sie in Flüchtlingslagern in Nordfrankreich bleiben. Auf dem Weg dorthin werden sie getrennt. David kommt mit der kleinen Lou im Flüchtlingslager an und weiß nicht, wo der Rest der Familie ist. Sie fristen ein trostloses Dasein im Flüchtlingslager, lernen ein paar Leute kennen, aber keine richtigen Freunde. Sie müssen miterleben, wie die Vorräte und das Wasser immer knapper werden, wie Dürre und der Krieg um Wasser immer näher kommen. Eigentlich sollten sie weiter nach Norden ziehen, aber sie wollen auf den Rest der Familie warten. Wir erleben das harte Leben mit und erfahren nach und nach was zuvor geschehen ist. Ein Hoffnungsschimmer ist das Boot, das die beiden in einem verlassenen Garten finden. Dort können sie spielen und tatsächlich wieder neue Hoffnung fassen.

Wie die beiden Geschichten am Ende verknüpft werden, will ich noch nicht verraten, es ist aber vorhersehbar und wenig spektakulär. Ich hätte mir den versprochenen Schatz, den sie finden irgedwie hoffnungsvoller und weltumspannender vorgestellt. Ich war am Ende über die Aussichten, die in der zukünftigen Geschichten für David und Lou noch bleiben sehr enttäuscht und hoffe, dass es in unserer Zukunft doch etwas anders aussieht. Im Jahr 2041 werde ich genau 50 Jahre alt sein, das erlebe ich hoffentlich und ich freue mich darauf, dann zu sagen, siehts du: Wir haben es geschafft, es ist nicht zum Krieg um Wasser gekommen und wir leben alle noch. (Ja, das ist etwas utopisch, aber lasst mich optimistisch sein).

Insgesamt war ich von den Geschichten, von den Personen und deren Entwicklung im Vergleich zum Teil 1 etwas enttäuscht. Es wäre für sich alleine gestellt eine gute, realistische Geschichte, aber hinter der "Geschichte der Bienen" steht sie einfach an Qualität und Tiefe zurück. Deswegen gibt es leider nur vier Sterne, und auch die nur, weil ich hoffe, dass die nächsten (versprochenen 2) Teile wieder eher werden wie der erste und dass sich alles dann zu einem guten Ganzen zusammenfügt, auch wenn der zweite Teil für mich vielleicht ein Schwachpunkt war. Ich möchte eben Happy Ends und wenn ich das wieder Erwarten nicht ganz bekomme, bin ich enttäuscht...

Veröffentlicht am 06.04.2018

Grandioser Teil 2!

Scythe – Der Zorn der Gerechten
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„Scythe – der Zorn der Gerechten“ ist der zweite Teil der zukünftigen Scythe-Trilogie von Neil Shusterman.

- gleich vorweg die Warnung: Ich versuche nichts zu spoilern, aber meine emotionalen Reaktionen ...

„Scythe – der Zorn der Gerechten“ ist der zweite Teil der zukünftigen Scythe-Trilogie von Neil Shusterman.

- gleich vorweg die Warnung: Ich versuche nichts zu spoilern, aber meine emotionalen Reaktionen lassen vielleicht schon etwas vorausahnen -

Citra ist nun Scythe Anastasia, die junge rebellische Stimme der alten Garde der Scythe, die es für verachtenswert halten, mit Spaß und in Massen nachzulesen. Sie erfüllt ihre Rolle gut. Immer mehr gerät Citra Terrranova in den Hintergrund und die Ehrenwerte Scythe Anastasia tritt in den Vordergrund. Sie lebt nach wie vor bei ihrer zweiten Lehrmeisterin Scythe Curie. Sie praktiziert ihre eigene Art des Nachlesens: Sie kündigt ihren Opfern an, dass sie nachgelesen werden und gibt ihnen einen Monat Zeit, sich von ihren Lieben zu verabschieden und ihre Todesart selbst zu wählen. Für diese Art des Nachlesens wird sie von vielen Seiten kritisiert, besonders weil viele es für grausam halten, die Opfer einen Monat „zappeln zu lassen“. Doch Anastasia erlebt das Gegenteil: Die meisten Opfer sind dankbar für die letzte Chance ihr Leben zu ordnen und die Möglichkeit, selbst über ihren Tod zu entscheiden.

Rowan ist nun ein gesellschaftlicher Außenseiter und versteckter Kopfgeldjäger, der schwarze Scythe Luzifer, der alle Scythe meuchelt, die dekadent leben und keine Achtung mehr vor dem Nachlesen und ihren Opfern empfinden. Dafür wird er von der Scythe-Gesellschaft gejagt, doch man kommt ihm nicht auf die Schliche, obwohl der beste Ermittler, Scythe Constantine auf ihn angesetzt ist.

Auch der Thunderhead kommt viel öfter zu Wort, als im ersten Teil, aber das ist meiner Meinung nach, nicht unbedingt gut. Er klingt sehr überheblich und schon beinahe selbstüberschätzend. Es ist eigentlich selbstverständlich, dass eine überlegen programmierte und sich selbst weiterentwickelnde KI perfekt vorausberechnet und keine Fehler macht – aber so oft, wie sich der Thunderhead hier selbst beweihräuchert und von sich schwärmt, erwartet man schon fast, dass ihm bald ein unvorhergesehener und fataler Fehler unterläuft… Wir werden sehen. Vielleicht ist das nur meine Ansicht.

Doch es überschlagen sich die Ereignisse: Es gibt Mordanschläge auf Anastasia und Curie. Rowan wird gefangen genommen – doch nicht von offizieller Seite. Und das Schlimmste will ich hier noch gar nicht verraten. Lest selbst. Alle, die den ersten Teil geliebt haben, werden den zweiten noch mehr lieben und mitfiebern. Lasst euch genau so begeistern und schocken wie ich!

Das Ende bildet ein fulminanter, hollywoodreifer Showdown, der uns Leser völlig ratlos und schockiert zurücklässt.

Nach dem fantastischen und aufrührenden ersten Teil habe ich gehofft, dass es bei dieser Trilogie nicht so sein wird, wie bei vielen Trilogien, dass der zweite Teil nur ein langweiliger, einfallsloser Lückenfüller ist. DIESE HOFFNUNG WURDE WEIT ÜBERTROFFEN! Der zweite Teil „Der Zorn der Gerechten“ ist noch spannender, gefühlvoller und bewegender als der erste Teil, auch wenn ich nach dem ersten Teil nicht geglaubt hätte, dass das geht. Nach dem Ende des zweiten Teils braucht man allerdings erst einmal etwas Zeit um das Gelesene zu verarbeiten, denn zuerst kann man noch gar nicht alles überblicken. Nach und nach fällt einem dann auf, was das nun alles bedeutet und man ist noch schockierter. Es war wirklich sehr spannend und fantastisch, aber wenn ich nicht wüsste, dass es noch einen dritten Teil geben wird, wäre ich am Boden zerstört. Lest! Aber lasst euch Zeit, denn der dritte Teil, das Finale, wird wahrscheinlich noch ein Jährchen auf sich warten lassen – und die Wartezeit ist für mich jetzt schon kaum mehr erträglich!

Insgesamt also klare fünf Sterne (ok, eher 10, 100) und eine Leseempfehlung – für Teil eins und Teil zwei!

Veröffentlicht am 10.03.2018

Fasten - nichts für mich, aber ein besseres Körpergefühl

Wie neugeboren durch Fasten
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Ich habe mit dem Buch "Wie neugeboren durch Fasten" an der Leserunde teilgenommen. Wir haben uns vogenommen 5 Tage zu fasten (+ Vor- und Nachbereitungstage) und uns dabei zu begleiten und zu unterstützen. ...

Ich habe mit dem Buch "Wie neugeboren durch Fasten" an der Leserunde teilgenommen. Wir haben uns vogenommen 5 Tage zu fasten (+ Vor- und Nachbereitungstage) und uns dabei zu begleiten und zu unterstützen.
Als Vorbereitung habe ich das Buch durchgelesen und den anderen, erfahreneren Fasterinnen Fragen gestellt. Ich fühlte mich psychisch und körperlich gut vorbereitet. Es gab im Buch ausführliche Infos über das Wie und das Warum des Fastens und alle Schritte zur Vorbereitung wurden genau erklärt.
Leider hat mir dann mein Körper einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Entlastungstag (= Vorbereitungstag) verlief noch super, mein Körper hatte noch kein Problem mit den leicht verdaulichen kleinen Portionen. Aber der erste Fasttag begann schon damit, dass ich wahrscheinlich die Menge Glaubersalz falsch abgemessen habe. Ich glaube, ich habe zu viel genommen. Dann hatte ich schon am ersten Tag mit nur flüssiger Nahrung schlimme Kopfschmerzen. Am Abend wollte mein Magen nicht mehr aufhören zu rumoren und ich habe viel Wasser getrunken um ihn zu beruhigen, doch das half nicht, denn es war gar kein Hunger: Mein Körper war stark geschwächt, und mein Magen hat die wenige flüssige Nahrung wieder von sich gegeben. Das werde ich jetzt nicht weiter erklären ...
Danach hatte ich einen Schwächeanfall und habe das Fasten für beendet erklärt. Der nächste Morgen begann für mich mit vorsichtigem Fastenbrechen. Die Tage nach dem Fasten waren für mich dann wieder super: Ich werde jetzt, fast zwei Wochen nach dem Fasten, immer noch von kleinsten Portionen satt und habe ein besseres Körpergefühl. Ich weiß genau wann ich Hunger habe und wann ich aufhören muss zu essen. Das finde ich gut. Trotzdem werde ich das Experiment sicher nicht in nächster Zeit wiederholen.


Nun dazu, wie mir das Buch beim Fasten geholfen hat: Die Teile zur Vorbereitung sind ausführlich gestaltet. Man fühlt sich gut informiert und vorbereitet, Ängste und Zweifel werden beruhigt. Es gibt auch extra Tipps für Menschen mit niedrigem Blutdruck, was mich sehr beruhigt hat. Doch sobald etwas nicht so läuft, wie es sollte, lässt uns das Buch ganz alleine. Das beginnt schon beim Abführen und zieht sich durch die Fasttage, nicht einmal für die klassischen Fastenbeschwerden wie Kopfschmerzen durch den Zuckerentzug werden Tipps oder Hilfestellungen geboten. Bei solch schwerwiegenden Problemen wie ich sie hatte, wird man vollends verlassen: Die Möglichkeit, dass der Körper die Schwächung und flüssige Nahrung nicht vertragen könnte, wird überhaupt nicht erwähnt.
Das hat mich am meisten gestört. Bei den Rezepten zum Fastenbrechen und an den Aufbautagen hatte ich das Problem, dass ich vieles nicht vertrage, aber keine Alternativen angeboten wurden. Zum Beispiel soll man zum ersten Fastenbrechen einen rohen oder gedünsteten Apfel essen, beides vertrage ich nicht, ich konnte ja aber auch nicht nicht fastenbrechen... Ich bin auf andere, sehr magenschohnende Kost ausgewichen, aber das hätte auch schiefgehen können.


Insgesamt muss ich sagen, dass das Buch auf den ersten Blick umfassend wirkt, aber doch sehr viel zum Drumherum erklärt und wenig für die konkrete Anwendung. Hier fehlt es an mehreren Ecken und Enden.
Ich habe zuerst zwischen drei und vier Sternen geschwankt, aber nachdem es ja nicht jedem Körper mit dem Fasten so schlecht gehen kann wie meinem und nicht jeder so viele Unverträglichkeiten hat wie ich, ist das Buch wahrscheinlich für die meisten Menschen ausreichend. Deswegen sind es gute 3,5 bis 4 Sterne geworden.

Veröffentlicht am 06.03.2018

Wie Sherlock Holmes in der Weimarer Klassik

Die Affäre Carambol (Goethe und Schiller ermitteln)
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"Die Affäre Carambol" ist der zweite Goethe und Schiller Krimi von Stefan Lehnberg.
Ich war sofort Feuer und Flamme, als ich festgestellt habe, dass es so etwas wie Goethe und Schiller-Krimis gibt und ...

"Die Affäre Carambol" ist der zweite Goethe und Schiller Krimi von Stefan Lehnberg.
Ich war sofort Feuer und Flamme, als ich festgestellt habe, dass es so etwas wie Goethe und Schiller-Krimis gibt und habe mir auch gleich den ersten Teil gekauft.

Goethe und Schiller besuchen gemeinsam Goethes Geburtsstadt Frankfurt (Franckfurth) um dem Alltagstrott zu entgehen. Doch ihre grauen Zellen werden auf höchste gefordert, denn es scheint, als möchte jemand den zarten Frieden und Waffenstillstand der zwischen Frankfurt und Frankreich herrscht, gefährden. Napoleons Truppen haben in jüngster Vergangenheit auf ihren Feldzügen oft großen Schaden angerichtet und der Frankfurter Stadtrat möchte um jeden Preis einen neuen Krieg verhindern, nicht zuletzt, weil das Geld schon sehr knapp ist und die Zerstörungen groß. Doch es scheint in den Reihen der Stadträte Verschwörer zu geben und zwei Stadträte sind schon auf offener Straße ermordet worden - wohl, weil sie zu viel wussten. Es ist also höchste Zeit, dass jemand unabhängiger, mit großer Intelligenz sich der Sache annimmt: Goethe und Schiller geraten unversehens mitten hinein ins Geschehen, selbst ihr eigenes Leben ist des öfteren in Gefahr. Doch sie tun alles, was sie können um den Frankfurtern zu helfen.
Ich möchte hier natürlich nicht mehr verraten, nur so viel: Es wird sehr spannend!

Stefan Lehnberg findet eine wunderbare Mischung aus einer Sprache, die wir modernen Menschen gut und flüssig lesen können, ohne uns anstrengen zu müssen und genügend altertümlichen Begriffen und Redewendungen, damit wir uns zurückversetzt fühlen ins damalige Frankfurt. Der Erzählstil erinnert wunderbar an die Abenteuer von Sherlock Holmes, die von Doktor Watson aufgezeichnet werden, denn genau so zeichnet Schiller die Abenteuer für Goethe und sich bis ins kleinste Detail auf, wir fühlen uns als würden wir die beiden persönlich begleiten.

Mir hat das Abenteuer mit den beiden Literaturklassikern sehr gut gefallen und ich freue mich schon auf weitere Fälle, die wir hoffentlich mit den beiden lösen dürfen.

Veröffentlicht am 25.02.2018

Eine starke Frau in schierigen Zeiten

Frau Einstein
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Der Roman "Frau Einstein" von Marie Benedict erzählt einen Teil der Lebensgeschichte von Mileva Maric, der ersten Ehefrau von Albert Einstein.

Wohl niemand von uns hatte, bevor man auf diesen Roman aufmerksam ...

Der Roman "Frau Einstein" von Marie Benedict erzählt einen Teil der Lebensgeschichte von Mileva Maric, der ersten Ehefrau von Albert Einstein.

Wohl niemand von uns hatte, bevor man auf diesen Roman aufmerksam wurde, schon etwas von Mileva Maric gehört. Ich für meinen Teil hatten sogar überhaupt keine Ahnung, dass Albert Einstein überhaupt verheiratet war und dass er Kinder hatte. Da ist es am Anfang sehr überraschend, zu lesen, dass Einsteins Jugendliebe und erste Ehefrau seine Studienkollegin am Polytechnikum in Zürich war und dort mit ihm Physik und Mathematikstudierte. Mileva oder Mitza, wie ihre Freunde sie nennen, war eine der ersten Frauen, die für das Studium am Polytechnikum zugelassen wurden. Sie war schon von frühester Kindheit an von der Physik und Newtons Gesetzen begeistert und ihr Vater förderte diese Interessen, auch wenn ihre Mutter sie lieber in einer normalen Hausfrauenkarriere gesehen hätte. Sie durfte eine weiterführende Schule besuchen - im erzkonservativen Serbien, zur damaligen Zeit unter österreich-ungarischer Herrschaft, ein Skandal! Für Sie ist es eine Befreiung in die lieberalere Schweiz ziehen zu dürfen und dort unter gleichgesinnten zu studieren. Zwar machen es ihr ihre Mitstudenten und Professoren nicht leicht, sie ist die einzige weibliche Physikstudentin und noch dazu mit einer verformten Hüfte und hinkend ein leichtes Ziel für Spott. Doch so weit kommt es nicht. Schnell erkennen die anderen Mitzas Fähigkeiten und es gibt lobendes Gemurmel, wenn sie Fragen beantworten kann, auf die keiner ihrer Mitstudenten die Antwort wusste. Abends ist sie in ihrer Pension gut versorgt: Sie lebt dort mit drei anderen Mädchen, die ebenfalls studieren, ein munterer Kreis intellektueller Damen, die sich gut verstehen, zusammen musizieren und sogar Freundinnen werden. Bis ein Mitstudent, der Mitza schon von Anfang an mehr Aufmerksamkeit geschenkt hat als die anderen, ihr seine Liebe gesteht: Der chaotische Albert Einstein. Mitza weiß nicht, was sie tun soll, sie versucht Abstand zu gewinnen, aber es hilft alles nichts: Sie gibt seinem Werben nach, denn sie ist auch in ihn verliebt. Er verspricht ihr von Anfang an, dass sie gleichberechtigt weiterforschen werden, auch wenn sie ein Paar sind.
Natürlich kommt alles ganz anders. Ich werde hier nicht mehr verraten, nur so viel: Die Diskussionen ob nicht eigentlich Mileva die gefeierte und weltberühmte Erfinderin der Relativitätstheorie ist, sind nicht aus der Luft gegriffen, sondern in der Wissenschaft aktuell.

Ein bemerkenswertes Buch über eine eindrucksvolle und besondere Frau, die von ihrer Zeit und besonders von einem Mann daran gehindert wurde, zu erblühen und der Welt ihr Können zu beweisen.
Marie Benedict erzählt die Geschichte sehr lebensnah und gefühlvoll. Wir leben mit Mitza in ihrer Welt und erleben alle ihre Gedanken und Gefühle mit. Der Erzählstil und die Sprache unterstützen dieses Miterleben noch, man ist jedes Mal verzweifelt, wenn Mitza noch tiefer in Probleme gerät. Ich konnte an mehreren Stellen erst einmal nicht weiterlesen, weil ich so berührt und gefangen war von den heftigen Gefühlen und Schicksalsschlägen.

Ich bin der Autorin auch sehr dankbar für die Infos am Ende, in der die Geschichte relativiert wird (haha). Sie erklärt genau, wie sie für ihren Roman nachgeforscht hat, und was Realität und was Fiktion ist.

Auch das Cover finde ich sehr gelungen. Dadurch bin ich erst auf das Buch aufmerksam geworden und ich finde es zeigt sehr gut, worum es geht: Eine Frau, die alleine stark ist und einen Aufbruch in ein neues Leben wagt.

Vielen Dank für diesen intensiven Roman und eine neue starke Frauenfigur, die ich noch nicht kannte, mit der ich mich aber noch eingehender befassen möchte.
Vielen Dank Vorablesen und dem Verlag Kiepenheuer und Witsch für das Rezensionsexemplar.