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Veröffentlicht am 16.09.2025

Boris Becker und seine Zeit in Haft

Inside
1

Boris Becker, ein Mann, der schon sehr früh im Rampenlicht stand. Mit 17 Jahren wurde er zum jüngsten Wimbledonsieger aller Zeiten und was danach folgte, war eine beispiellose Karriere. David Cup Sieger, ...

Boris Becker, ein Mann, der schon sehr früh im Rampenlicht stand. Mit 17 Jahren wurde er zum jüngsten Wimbledonsieger aller Zeiten und was danach folgte, war eine beispiellose Karriere. David Cup Sieger, Olympiagold im Doppel (Partner Michael Stich), Australian Open oder Sieger der ATP-Weltmeisterschaft, um nur einige seiner vielen Erfolge zu nennen. Dank seiner zahlreichen Turniersiege „flatterten“ ihm einige lukrative Werbeverträge ins Haus. Ab diesen Zeitpunkt könnte man glauben, dass Boris Becker sein Leben lang ausgesorgt hat. Leider ist dem nicht so, denn der junge Mann hat viel Geld für sein luxuriöses Leben ausgegeben und hinzu kamen schlechte Berater, die mehr Geld in ihre Taschen gewirtschaftet haben als in seine. Gescheiterte Beziehungen und schlechte Presse machten die Situation nicht besser. Eher im Gegenteil. Die Presse stürzte wie die Aasgeier, auf jede noch so kleine „Entgleisung“, auf ihn. Seine Insolvenz inkl. Insolvenzverschleppung, war das gefundene Fressen und als sich Boris Becker vor dem britischen Gericht erklären musste, war dies mehr als nur eine Schlagzeile wert. Der Richterspruch lautete: zweieinhalb Jahre Haft und genau über diese Zeit hat Boris Becker das Buch „Inside“, dass im September 2025 im Ullstein EXTRA Verlag erschienen ist, geschrieben.

Obwohl ich kein Fan von Boris Becker bin und auch die damaligen Gerichtsverhandlungen nicht verfolgt habe, wollte ich dieses Buch unbedingt lesen. Für mich ist es immer sehr interessant, wie die betreffenden Menschen die Sicht der Dinge sehen und erzählen. Was bewegt Boris? Mit welchen Gedanken setzt er sich auseinander? Was bedeute der Haftaufenthalt für ihn? Wie denkt er über die damaligen Geschehnisse? Empfindet er sowas von Reue? Wo und wie sieht er seine Zukunft? All diese Aspekte wollte ich in diesem Buch erfahren und hoffte, auf die eine oder andere Antwort.

Der Schreibstil ist sehr sachlich gehalten, aber dennoch sehr prägnant. In diesem Buch geht es in erster Linie um den Prozess vor dem britischen Gericht und der dazugehörigen Haftstrafe, die zweieinhalb Jahre beträgt. Info: davon muss Boris Becker nur siebeneinhalb Monate verbüßen und danach erfolgt die Abschiebung nach Deutschland. Was mir besonders gut gefallen hat, dass er immer wieder seine Gedanken auf seine damalige Karriere abschweifen lässt. Er lässt seine aktive Zeit als Tennisspieler Revue passieren. Vieles was damals um ihn herum passiert ist, hinterfragt er wie z.B.: Was wäre gewesen, wenn ich nicht mit 17 Jahren Wimbledon gewonnen hätte, sondern ein paar Jahre später? Oder waren meine damaligen Freundinnen nur mit mir zusammen, weil ich der erfolgreiche deutsche Tennisspieler bin, der auch ein gut gefülltes Bankkonto besitzt? Zwei Fragen, mit denen sich ein heutiger Boris Becker bestimmt schon ein paar Mal beschäftigt hat. Was mich ein wenig verwundert, denn diese Fragen hätte ich mir schon früher gestellt. An dieser Stelle merkte man, dass er mit der damaligen Situation (früher Erfolg, Ruhm und Geld) komplett überfordert war, was sein naives Verhalten ein wenig erklärt. Dies bezieht sich auch auf seine damaligen Berater, denen er viel zu blauäugig vertraute (im Nachhinein ist man fast immer klüger). Seine detaillierten Erzählungen über die Haftstrafe in zwei britischen Gefängnissen wirkten sehr authentisch und glaubwürdig. Besonders seine Ängste, die sich nicht nur auf Übergriffen von anderen Häftlingen bezieht, sondern auch was seine Zukunft anbelangte, waren stets präsent. Seinen mentalen Halt fand er u.a. in seinem Glauben, in seiner neuen großen Liebe namens Lilian und in seinen Kindern, die stets zu ihm hielten und für ihn da waren. Leider musste er auch private Rückschläge hinnehmen. Angebliche Freunde, die er in dieser Krise gebraucht hätte, haben ihn im Stich gelassen. Auch wenn es hart klingt: jetzt weiß er ganz genau, auf wen er sich verlassen kann und auf wen nicht!
Hier und da werden Briefe veröffentlicht, die ihm während seiner Haft erreicht haben. Schade, dass er, uns Lesern, den Brief von Michael Stich vorenthalten hat. Umso mehr freut es mich, dass die „angeblichen Erzrivalen“ (laut Presse) in schweren Stunden zueinander fanden, um Halt zu geben.

Abschließend gibt es einen kleinen Einblick in sein neues Leben, dass er als Ehemann an Lilians Seite in einem neuen Land gefunden hat.

Fazit: „Inside“ ist ein sehr persönlicher Einblick in ein Leben eines ehemaligen Tennisspielers, dem die Welt zu Füssen lag. Einst hochgejubelt und dann der tiefe Fall. Ich bin der Meinung, dass dieses Buch (vor allen Dingen für Boris Becker) sehr wichtig ist. Es gibt den Leser die Möglichkeit, ein wenig hinter die Kulissen von Boris Beckers Leben zu schauen. Auch wenn einiges vielleicht nicht nachvollziehbar ist, so scheint Boris Becker seinen Weg gefunden zu haben. Die Haft hat ihm die Möglichkeit zu geben, um über vieles nachzudenken und allen voran zu überdenken. Ich hoffe, dass er seine Gedanken, Wünsche oder gar Träume irgendwann umsetzt, um, mit den Menschen, die ihm wirklich wichtig sind, ein ruhigeres Leben führen zu können. Alles Gute Boris Becker!

Dieses Buch konnte einige Fragen beantworten, aber die eine oder andere blieb offen.

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Veröffentlicht am 06.09.2025

Mads Madsen erster Fall

Über die Toten nur Gutes
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Inhalt:

Mads Madsen ist Trauerredner und liebt seinen Beruf. Als sein damaliger Jugendfreund Patrick plötzlich stirbt, soll Mads ihm eine Rede schreiben. Nur über was schreibt man, wenn seit Jahren Funkstille ...

Inhalt:

Mads Madsen ist Trauerredner und liebt seinen Beruf. Als sein damaliger Jugendfreund Patrick plötzlich stirbt, soll Mads ihm eine Rede schreiben. Nur über was schreibt man, wenn seit Jahren Funkstille zwischen den beiden herrscht? Kurzerhand beschließt Mads einige von Patricks Freunden zu befragen, aber dies ist keine gute Lösung. Alle mit denen er über den Verstorbenen sprechen will, reden nur schlecht über den Toten. Warum? Berufsbedingt ist Mads Neugierde sehr ausgeprägt und gerade die ist es, die ihn antreibt, hinter den Grund kommen zu wollen. Je weiter er das Geheimnis lüftet, desto tiefer bringt er sich in Gefahr. Mit welchen Leuten hat sich Patrick angelegt und wird Mads das langgehegte Geheimnis lüften können, ohne dass er selbst mit dem Tod bezahlen muss?

Nach zahlreichen Veröffentlichungen (wie z.B. „Kein guter Mann“ oder die „Wege der Zeit“- Reihe) hat Andreas Izquierdo nun sein neustes Werk „Über die Toten nur Gutes“, dass im September 2025 im Dumont – Verlag erschienen ist, vorgelegt. Mit großer Begeisterung habe ich schon einige Romane des Autors gelesen. Als ich erfuhr, dass er nun seinen ersten Krimi herausgebracht hat, wuchs meine Neugierde. Das Cover und auch der dazugehörige Klapptext trugen dazu bei, dass ich dieses Buch unbedingt lesen wollte. So startete ich (buchtechnisch) meine Reise nach Glücksburg

Wer den einen oder anderen Roman des Autors schon gelesen hat, weiß den flüssigen und leichten Schreibstil zu schätzen. Bereits auf den ersten Seiten zieht der schwarze Humor seine Bahnen und ließ mich hier und da auflachen. Die dazugehörige Situationskomik bescherte mir ein Kopfkino der allerfeinsten Art. Großes Kompliment an Andreas Izquierdo, denn besser hätte man dies nicht umsetzen können. Selbst bei den Charakteren bewies der Autor ein sehr gutes Händchen. Jede einzelne Figur bereichert auf seine eigene Art und Weise die Geschichte. Hinzu kommt noch die detaillierte Kulissenbeschreibung, die dazu trägt, dass man meint, man sei mitten im Geschehen.

Die Handlung ist ein wirklich gut durchdachter und humorvoller Krimi, der wirklich Lust auf mehr macht („Niemals geht man so ganz“ – Band 2 soll im September 2026 erscheinen). Während des Lesens merkte ich wieviel Herzblut er in diesen Krimi gesteckt hat. Seine intensiven Recherchen über die Berufe Trauerredner, Bestatter oder Anwalt zahlen sich aus. Geschickt lässt er seine Informationen in die Geschichte einfließen und dadurch wirkt die Szenerie mehr als authentisch. Obwohl Patricks Tod und dessen Leben hier eine sehr große Rolle spielt, so erfährt der Leser auch eine Menge über Mads Leben, dass genauso interessant ist, wie der eigentliche Fall. Ein perfektes Zusammenspiel, dass dem Leser die Möglichkeit gibt, die Hauptfiguren näher kennenzulernen. Die zahlreichen Wendungen sorgen dafür, dass es ein völlig unerwartetes Ende gibt.

Schon heute freue ich mich schon auf ein Wiedersehen mit Mads Madsen und (hoffentlich) auch mit Mills, der schlecht gelaunten Kommissarin.

4 von 5 Sternen und wer schwarzen Humor liebt, der ist hier bestens aufgehoben!

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Eine emotionale Reise in Lauras Familiengeschichte

Die Verlorene
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Inhalt:
Lauras Großmutter Änne stammt ursprünglich aus Schlesien, wo sie als junges Mädchen auf dem Familiengutshof „Pappelhof“ aufwuchs. Trotz zahlreicher Fragen ihrer Mutter bzw. Enkelin erzählt sie ...

Inhalt:
Lauras Großmutter Änne stammt ursprünglich aus Schlesien, wo sie als junges Mädchen auf dem Familiengutshof „Pappelhof“ aufwuchs. Trotz zahlreicher Fragen ihrer Mutter bzw. Enkelin erzählt sie nur von den wunderbaren goldenen Sommertagen, die sie dort erleben durfte. Ihre Vergangenheit, wozu auch die damaligen Einwohner des Dorfes zählen, verschweigt sie. Warum bloß? Als Änne nah einem Sturz verstirbt, entdeckt ihre Enkelin Laura ein Foto, dass sehr viele Fragen aufwirft. Sie beschließt Nachforschungen bezüglich ihrer Familie anzustreben und reist zu dem ehemaligen Gutshof, der einst ihren Vorfahren gehörte. Ob sie dort Antworten auf ihre Fragen bekommt, bleibt abzuwarten.

Nach zahlreichen Veröffentlichungen (wie z.B. die Dilogie „Elbleuchten“ oder „Nordwind“) hat Miriam Georg ihr neustes Werk „Die Verlorene“, dass im August 2025 im Fischer Verlag erschienen ist, vorgelegt. Ich muss gestehen, dass ich zwar die Autorin und deren Bücher vom Namen her kenne, aber noch keins ihrer Romane gelesen habe. Das Cover, dass ein wahrer Eye-Catcher ist, und der dazugehörige Klapptext haben meine Neugierde mehr als nur geweckt. Dieses Buch wollte, nein, musste ich unbedingt lesen und so ging meine Reise (buchtechnisch) zum einen nach Frankfurt und zum anderen in Richtung Schlesien.

Obwohl der flüssige und leichte Schreibstil der Autorin mir sehr gut gefiel, hatte ich auf den ersten knapp hundert Seiten meine Schwierigkeiten, der Geschichte in irgendeiner Weise zu folgen. Es fiel mir regelrecht schwer dranzubleiben und ich kann noch nicht einmal erklären, woran es lag. Ich zwang mich weiterzulesen und wurde mehr als nur belohnt. Was danach folgte, war ein wahrer Leserausch. Jede Seite zog mich magisch in seinen Bann und ans (vorzeitige) Aufhören war nicht mehr zu denken. Zu jeder Sekunde musste, nein, wollte ich wissen, was passiert bzw. wie die Familiengeschichte weiter geht. Zu dieser Begeisterung trugen die authentischen und lebensnahen Charaktere auch eine Menge bei. Alle Emotionen übertrugen sich auf mich und so fieberte, litt und freute ich mich mit ihnen. Vieles ließ mich wütend zurück und bei einigen Szenen hatte ich sogar Tränen in den Augen, so emotional war das Gelesene.

Die Geschichte spielt in zwei Zeitebenen. Zum einen im Jahr 2019, als Lauras Großmutter Änne verstarb und zum anderen im Jahr 1941 – 1947, als Ännes Familie noch auf dem Pappelhof lebte.
Ich kann noch nicht einmal schreiben, welche der beiden Zeitebenen spannender war. Die heutige Zeit fand ich enorm wichtigen, denn hier ließ mich die Autorin teilhaben an dem Familienleben von Laura und ihrer Mutter Ellen, die mit all den ungeklärten Fragen regelrecht allein dastanden. Ihre unermüdliche Recherche, bei der sie einzelne Puzzleteile fanden, sie zusammenbauten, um so vielleicht eine Antwort auf eine der vielen Fragen zu bekommen. Die angespannte Gefühlswelt der beiden bekommt man deutlich zu spüren.

Die damalige Zeit ist dramatischer und emotionaler, denn sie spielt in der Kriegszeit, wo in erster Linie Hungersnot oder Verluste durch Gefallene zu verzeichnen waren. Die beiden Schwestern Luise und Änne wuchsen sehr eng miteinander auf. Als Änne krank wurde, wurde sie auf dem Dachboden versteckt. Ihr Eltern mussten die schmerzhafte Maßnahme treffen, um sie, im schlimmsten Fall, vor dem Tod zu bewahren. Dieses traumatische Erlebnis hat Änne nie überwunden. Ihre Lebensfreude bzw. dir Leichtigkeit, die sie früher in sich trug, verlor sie. Aber nicht nur die Krankheit überschattete das Leben der Familie, auch Schicksalsschläge oder die abscheulichen Kriegsereignisse prägten alle.
Bei dieser Art von Romanen finde ich es immer wieder sehr interessant, wie die zwei Handlungsstränge miteinander verknüpft und zu einem stimmigen Ende werden.

Miriam George hat mit „Die Verlorene“ es geschafft, einen wahren emotionalen und spannenden Familienroman zu schreiben, der gedanklich noch Tage nachhängt. Das Buch kann man zwar zuschlagen, aber das Gelesene und die dazugehörigen Gedanken lassen sich schwer aus dem Kopf verdrängen. Im Nachwort der Autorin erfährt man zwar, dass die Geschichte um Änne / Luise rein fiktiver Natur ist, aber dennoch ist ein kleiner Teil von Miriams Familiengeschichte hineingeflossen.

Für mich war dieser Roman ein wahres Lesehighlight, dass mich aber auch sehr nachdenklich zurück läßt.
5 von 5 Sternen und ich spreche eine Leseempfehlung aus!!!

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Veröffentlicht am 02.08.2025

Anns Geheimnis

Schwestern des brennenden Himmels
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Kurz nachdem der zweite Weltkrieg beendet worden ist, treffen sich die drei Großmächte in Potsdam. Bei der Potsdamer Konferenz auf dem Schloss Cecilienhof wollen Churchill, Truman und Stalin wichtige Entscheidungen, ...

Kurz nachdem der zweite Weltkrieg beendet worden ist, treffen sich die drei Großmächte in Potsdam. Bei der Potsdamer Konferenz auf dem Schloss Cecilienhof wollen Churchill, Truman und Stalin wichtige Entscheidungen, die die Zukunft der Welt betreffen, verhandeln. Unter der britischen Delegation befindet sich Ann Miller, die als junges Mädchen nach London geflohen ist. Jetzt ist sie erstmals wieder in Potsdam und versucht Familienangehörige ausfindig zu machen. Diese Aktion ist nicht ungefährlich, denn keiner weiß, dass sie in Wahrheit eine Deutsche ist. Als sie Jackson, einen amerikanischen Soldaten kennenlernt, erhofft sie sich Hilfe von ihm. Seine Aussage, was er über die Deutschen denkt bzw. von ihnen hält, ist erschreckend und so muss Ann ihre wahre Identität vor ihm verborgen halten. Ob es ihr gelingen wird, bleibt abzuwarten, denn bald verlieben die beiden sich ineinander.

Nach zahlreichen Veröffentlichungen (wie z.B. die Reihe „Gut Greifenau“ oder „Schloss Liebenberg“) hat Hanna Caspian nun ihr neustes Werk „Schwestern des brennenden Himmels“, dass im Juli 2025 im Knaur Verlag erschienen ist, vorgelegt. Seit etlichen Jahren bin ich ein großer Fan dieser Autorin und sobald sich ein neuer Roman von ihr ankündigt, weiß ich ganz genau, dass dieser von mir unbedingt gelesen werden muss. So war es auch bei diesem Buch und meine Reise ging diesmal nach Potsdam.

Wer schon den einen oder anderen Roman von Hanna Caspian gelesen hat, weiß ihren flüssigen und leichten Schreibstil zu schätzen. Bereits ab der ersten Seite hat mich Anns Geschichte mehr und mehr in ihren Bann gezogen, so dass ich dieses Buch schwer aus den Händen legen konnte. Zu jedem Zeitpunkt wollte ich mehr über Ann und der Potsdamer Konferenz wissen. Leider muss ich gestehen, dass mir dieses politische Ereignis überhaupt nichts sagte und so bin ich dankbar, dass ich meine Wissenslücken, dank dieser Geschichte, ein wenig schließen durfte. Zu dem unverwechselbaren Schreibstil darf sich der bildhafte Erzählstil sehr gerne gesellen. Immer wenn ich Bücher von der Autorin lese, läuft während des Lesens ein wahres Kopfkino ab. Bei mir entsteht das Gefühl, ich wäre mitten im Geschehen, so lebendigt wird die Geschichte erzählt. Auch bei den Charakteren erweist die Autorin ein glückliches Händchen. Ihre authentische und lebensnahe Art und Weise machen sie zu Figuren, die realistischer nicht hätten sein können. Einfach brillant.

Die Handlung ist ein besonderer schöner Mix zwischen fiktiver und reeller Handlung. Wer die Arbeit von Hanna Caspian kennt, weiß, dass die Autorin eine Liebe fürs Detail hat. Ihre akribische Recherche, die einiges an Material zusammentragen lässt, wertet sie gekonnt aus, um sie dann perfekt in ihre Geschichten einfließen zu lassen. Die Einzigartigkeit lässt ihre Handlung zu wahren Lesehighlights werden. Für mich erzählt die Autorin auch keine Geschichte, nein, sie nimmt ihre Leserschaft auf eine intensive und historische Zeitreise mit. Authentisch und realitätsnah hat sie die damalige politische und Lebenssituation eingefangen. Erneut haben mich die grausamen Ereignisse, die zu dieser Zeit herrschten sprachlos gemacht und zwang mich, das Gelesene erst einmal zu verarbeiten. Vergewaltigungen, Hunger oder sogar Suizid beherrschten die Stadt. Wer geschichtlich mehr erfahren will, ist hier bestens aufgehoben.

Was mich ein wenig störte, war das offene Ende. Hier hätte ich gerne ein paar Antworten auf meine Fragen gehabt, aber dies ist meine Meinung.

Trotz des einen kleinen Minuspunkt ist „Schwestern des brennenden Himmels“ erneut ein wahres Lesehighlight, dass ich nur weiterempfehlen kann. Ein Muss für alle diejenigen, die ein bisschen mehr von der damaligen Geschichte erfahren bzw. sie verstehen wollen.
5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Ein sehr emotionaler Roman, der tief berührt

Der Sommer am Ende der Welt
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Ihr neustes Projekt bringt die Journalistin Hanna und ihre 15jährige Tochter auf die Insel Borkum, wo die beiden in das neu eröffnete Hotel „Dünenschloss“ einchecken. Das sie genau dort wohnen, ist kein ...

Ihr neustes Projekt bringt die Journalistin Hanna und ihre 15jährige Tochter auf die Insel Borkum, wo die beiden in das neu eröffnete Hotel „Dünenschloss“ einchecken. Das sie genau dort wohnen, ist kein Zufall. Das heutige Hotel ist die einstige Kinderkurklinik „Villa Aurelia“, in der Verschickungskinder zur Erholung hingeschickt worden sind. Unter diesen Kindern war auch Hanna Mutter, die allerdings zu klein war, um sich an die unwürdigen Erziehungsmaßnahmen zu erinnern. Dank Zeitzeugen und eines aufgetauchten Tagebuchs einer ehemaligen Erzieherin werden nach und nach schreckliche Geheimnisse dieser Zeit aufgedeckt, die keiner so erwartet hätte.

Nach zahlreichen Veröffentlichungen hat Eva Völler nun ihr neustes Werk „Der Sommer am Ende der Welt“, dass im Juli 2025 im Droemer Verlag erschienen ist, vorgelegt. Seit geraumer Zeit weiß ich die Autorin sehr zu schätzen und so war für mich sehr schnell klar, dass ich auch diesen Roman unbedingt lesen wollte. Zudem interessiere ich mich sehr für das Thema „Verschickungskinder und deren Kururlaub“.

Wer schon das eine oder andere Buch von Eva Völler schon gelesen hat, weiß deren flüssigen und bildhaften Schreibstil zu schätzen. Bereits ab der ersten Seite merkte ich, wie mich die Geschichte um Hanna immer mehr in ihren Bann zog und ich dieses Buch kaum noch aus den Händen legen mochte. Auch die grausamen Erzählungen, die mich tief berührt haben, konnten meinen Lesefluss nicht mindern. Eher das Gegenteil traf ein. Ich wollte unbedingt mehr über diese schrecklichen Erziehungsmaßnahmen wissen und zudem fragte ich mich immer wieder, warum keiner eingegriffen hat, um die Kinder zu beschützen?

Trotz des schwierigen Themas hat die Autorin es geschafft, einen emotionalen Roman zu schreiben, der einen zu tiefst berührt und der immer wiederkehrende Perspektivenwechsel trug dazu bei, dass die Leichtigkeit in dieser Handlung zurückkehren kann.

Wer mehr über Kinderverschickung und deren Schicksale erfahren möchte, ist hier bestens aufgehoben.
Für mich ein weiteres Lesehighlight 2025!
5 von 5 Sternen

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