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Veröffentlicht am 06.03.2023

Nettis Familiengeschichte, die mich sehr bewegt hat

Das Mädchen aus Ostpreußen
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Inhaltsangabe:
Lüneburg 1945: Der Krieg hat viele aus ihrer Heimat vertrieben, so wie auch Netti samt Familie, die aus Ostpreußen fliehen mussten. Nach tagelanger Flucht kommen sie endlich in Lüneburg ...


Inhaltsangabe:
Lüneburg 1945: Der Krieg hat viele aus ihrer Heimat vertrieben, so wie auch Netti samt Familie, die aus Ostpreußen fliehen mussten. Nach tagelanger Flucht kommen sie endlich in Lüneburg an, aber die Stadt ist hoffnungslos mit Flüchtlingen überfüllt. Nicht nur die vielen Menschen machen Netti zu schaffen, sondern auch der Hunger und die Not, die sich breit gemacht hat. Aber aufgeben, niemals! Dank eines unschönen Zwischenfalls erhält Netti die Chance ihres Lebens: sie soll bei einem englischen Major arbeiten. Leider ist seine Art und Weise ihr gegenüber sehr unfreundlich. Ob sie die Stelle trotzdem behält? Aber nicht nur ihr neuer Arbeitgeber ist abweisend, auch ihre neue Vermieterin ist alles andere als umgänglich.

Lüneburger Heide 1993: Eigentlich wollte Johanna nur zum Geburtstag ihres geliebten Großvaters in ihre alte Heimat reisen, aber kurzerhand hat sie ihre Pläne geändert. Aus dem geplanten Urlaub ist eine überstürzte Flucht geworden, denn in Köln hat sie nicht nur ihren Job gekündigt, sondern auch ihren Freund verlassen. Es gibt nichts mehr was sie dort hält, aber was nun? Erst einmal ablenken und so stürzt Johanna sich in die Geburtstagsvorbereitungen und genau bei diesen entdeckt sie eine Box mit alten Fotos. Bei genaueren betrachten fällt ihr auf, dass nicht ihr Opa abgebildet ist, sondern britische Soldaten. Nur wer sind diese Männer und was hat Netti mit ihnen zu tun gehabt? Johannas Neugierde ist geweckt und so beginnt sie mit ihren Nachforschungen.



Nach einigen Buchveröffentlichungen hat Karin Lindberg nun ihr neustes Werk „Das Mädchen aus Ostpreußen“, dass im Februar 2023 bei dem Verlag Tinte und Feder erschien, vorgelegt. Nachdem ich den Klapptext gelesen hatte, war mir sofort klar, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss.

Der flüssige und leichte Schreibstil hat mich von Beginn an in seinen Bann gezogen. Bereits nach der ersten Seite wollte bzw. konnte ich diesen Roman kaum noch aus den Händen legen. Zu jedem Zeitpunkt musste ich wissen, wie es mit Netti oder Johanna weitergehen wird. Das Karin Lindberg ihr Handwerk versteht, hat sie mit ihrer eindrucksstarken Kulissenbeschreibung von 1945 bewiesen. Authentisch und detailliert hat sie damalige Zeit wieder aufleben lassen und ich als Leserin hatte das Gefühl, hautnah im Geschehen zu sein. Elend, Hunger, Not und allen voran den Überlebungswillen konnte ich förmlich spüren und dieser ging unter die Haut. Dieser Krieg bzw. Nachkriegszeit macht einen immer noch sprachlos und lässt einen wütend zurück. Immer wieder fragt man sich: wie konnte ein Mann soviel Leid und Elend über die Welt bringen!

Nicht nur mit der damaligen Atmosphäre oder Kulissenbeschreibung kann die Autorin punkten, sondern auch mit ihren facettenreichen Charakteren. Netti, eine starke Frau, die das Wort „aufgeben“ nicht kennte und an eine bessere Zeit glaubt. Walter, der durch seine Kriegsverletzung ebenfalls seine Hoffnungen nie aufgab. Johanna, eine junge Frau, die noch nicht im Leben angekommen ist. Anstatt an sich zu glauben oder gar zu vertrauen, läuft sie davon. Das sind nur drei Hauptfiguren, die ich nennen möchte. Eigentlich ist es egal, welche Person wir hier herausnehmen würde, jede einzelne bereichert durch seine Anwesenheit die Geschichte und macht sie stimmig.

Die Handlung basiert auf zwei Zeitebenen. Die eine spielt um 1945 (Nachkriegszeit) in der die junge Agnes (Netti) und ihre Familie eine Rolle spielt. Karin Lindberg nimmt ihre Leser auf eine sehr bewegende und emotionale Zeitreise mit. Sie schildert die damalige Zeit mit all seinen Widrigkeiten, die diese Menschen erleben mussten. Man fiebert, leidet und freut sich mit ihnen.

Die andere Zeitebene spielt im Jahr 1993 in der Johanna ihre Großeltern besucht. Dort muss sie sich nicht nur ihrer Vergangenheit stellen, sondern sucht auch noch nach dem Sinn ihres Lebens. Zeitgleich begibt sie sich auf eine Reise in die Vergangenheit ihrer Großeltern, die nie über die Nachkriegszeit sprachen.

Karin Lindberg hat es geschafft, diese zwei Zeitzonen perfekt miteinander zu verweben, so dass hier eine brillante und spannende Reise entstehen konnte. Ich könnte jetzt nicht schreiben, welche der beiden Zeitzonen mich mehr fasziniert zurück ließ. Jede war auf ihre eigene Art und Weise bewegend und interessant.

Auch wenn es sich hierbei um eine fiktive Geschichte handelt, so denke ich, dass sie sich bei der einen oder anderen Familie ähnlich abgespielt hat. Für mich war sie sehr realitätsnah dargestellt worden.


Das Mädchen aus Ostpreußen ist für mich jetzt schon ein Lese - Highlight 2023. Wer gerne Familienromane, die einen historischen Teil beinhalten, liest, ist hier bestens aufgehoben. Ich kann, nein, ich muss diesen Roman nur weiterempfehlen.

5 von 5 Sternen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.03.2023

Eine Erbschaft inkl. Campingurlaub

Liebe ist schön, von einfach war nie die Rede
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Inhaltsangabe:

Die 92jährige Großtante Lisbeth ist gestorben und nun soll Evi und ihre Familie das Erbe antreten, aber ganz so einfach scheint die ältere Dame es ihnen nicht zu machen. An dem Vermächtnis ...

Inhaltsangabe:

Die 92jährige Großtante Lisbeth ist gestorben und nun soll Evi und ihre Familie das Erbe antreten, aber ganz so einfach scheint die ältere Dame es ihnen nicht zu machen. An dem Vermächtnis sind Bedingungen geknüpft und so soll Evis Vater einen Halbmarathon laufen, Evis Schwester Isabell Gesangsstunden inkl. einen öffentlichen Auftritt absolvieren. Für Evi hat sich Lisbeth was ganz Besonderes einfallen lassen: ein dreiwöchigen Campingurlaub (Reiseziel egal) und dabei weiß sie ganz genau, dass Zelten definitiv nicht zu Evis Lieblingsurlauben gehört, aber was macht man nicht alles, um ans Erbe heranzukommen. Kurzerhand packt Evi ihre 14jährige Tochter Helena samt Campingausrüstung ein und auf geht’s nach Rügen. Dort angekommen stellen die beiden fest, dass es der gewohnte Komfort und die Privatsphäre fehlt. Hinzu kommt noch das schlechte Wetter, eine schlechtgelaunte Tochter und die übrigen Campingurlauber scheinen auch ein wenig seltsam zu sein. Das kann ja heiter werden. Allerdings gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer namens Hendrik, der direkt neben ihrem Zelt sein Familienzelt aufgebaut hat. Kann er ihr diesen Urlaub „versüßen“ oder reisen beide vorzeitig wieder ab? Eine turbulente Zeit beginnt

Nach der Veröffentlichung „Liebe beginnt, wo Pläne enden“ hat Sandra Poppe nun ihr neustes Werk „Liebe ist schön von einfach war nie die Rede “, das im März 2023 im Bastei – Lübbe Verlag erscheint, vorgelegt. Leider muss ich gestehen, dass ich weder die Autorin noch das oben genannte Buch kenne bzw. gelesen habe und so feierte ich mein Debüt. Schon nach der Leseprobe stand fest, dass Evi und Helena eine Mitreisende bekommt und zwar mich. Diesen Urlaub konnte und wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Der flüssige und leichte Schreibstil der Autorin gefiel mir auf Anhieb und so tauchte ich in Evis Urlaubserlebnissen ein und ab. Bereits nach der ersten Seite merkte ich, dass mich dieser Roman immer weiter in seinen Bann zog und ich ihn kaum noch aus den Händen legen wollte bzw. konnte. Zudem versteht Sandra Poppe ihr Handwerk und sie weiß ganz genau, womit sie ihre Leserschaft begeistern kann. Zum einen mit einer atemberaubenden und detaillierten Kulissenbeschreibung Rügens. Einfach herrlich! Am liebsten hätte ich sofort meinen Koffer gepackt und wäre dort hingereist, nur um festzustellen, ob es tatsächlich so ein fantastisches Reiseziel ist und sich die Reise lohnt. Aber nicht nur mit der brillanten Kulisse kann die Autorin punkten, auch mit ihren facettenreichen Charakteren. Authentisch, lebensnah und vielschichtig setzt sie ihre Figuren in Szene, die den Roman perfekt abrunden. Neben den Neucamper Evi und Helena, gibt es noch den Chakra-Klub, der nicht nur den üblichen Yoga – Kurs anbietet, „Peter Lustig“, der mit seinen Wettervorsagen meistens recht behält oder das merkwürdige „Pärchen“, das den Campingplatz betreibt. Genau so stelle ich mir den Campingplatz vor: Leute wie du und ich - einzigartig und grundverschieden. Dank des Erzählungsstils hatte ich das Gefühl Teil des Geschehens zu sein und mein Kopfkino lief auf Hochtouren. Nicht nur das Kopfkino lief, sondern auch die eine oder andere Träne vor Lachen, denn Sandra Poppe konnte mich auch mit ihrem Humor und der Situationskomik, die daraus entstand, mehr als nur überzeugen. Was für ein wundervoller Spaß! Die Handlung ist eine abenteuerlustige Geschichte über das Campen. Evi, die sich gerade frisch von ihrem Ehemann getrennt hat lebt nun mit ihrer Teenagertochter Helena zusammen. Wer pubertierende Kinder hat, weiß, dass sie in dem Alter alles doof und Mama mehr als nur peinlich finden. Evi ist nicht nur von der Teenie - Phase gestresst, sondern auch von ihrem Job und da kommt der Urlaub gerade richtig. Aber Camping und dann auch noch mit Töchterchen auf engstem Raum zusammenleben? Das ist eine echte Herausforderung! Die ersten Tage auf Rügen sind mehr schlecht als gut, aber je mehr Evi die anderen Campingbewohner kennenlernt, desto besser wird es. Dies liegt aber auch, dass sie ihren Exmann vergisst und sich wieder ein wenig auf die Männerwelt einlässt und da gibt es den einen oder anderen potenziellen Kandidaten. Mehr verrate ich aber nicht, sonst geht die Vorfreude verloren.

Sandra Poppe hat nicht nur einen herzerfrischenden Roman über einen Campingurlaub geschrieben, sondern sie hat ihrer Hauptfigur eine Aufgabe mit auf die Reise gegeben: Das Leben neu entdecken und genießen. Ihrer Tochter ein wenig mehr Vertrauen schenken und loszulassen. Weniger Stress, dafür mehr Zeit zum Leben! Der Autorin ist dies mehr als nur gelungen und sie hat es perfekt umgesetzt.

Für mich steht schon fest: definitiv werden weitere Bücher dieser Autorin gelesen! Ich freu mich darauf!

Dieser Roman ist mehr als nur eine Reise wert! (Ihn kann man auch öfters lesen und genießen!)

5 von 5 Sternen und eine absolute Leseempfehlung oben drauf!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 16.02.2023

10. Fall - Jubiläum für Rosa und Rudi

Tote Lämmer lügen nicht
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Mit „Tote Lämmer lügen nicht“ feiern Dorfpolizist Rudi und Hobbydetektivin Rosa ihr Jubiläum, denn dies ist bereits der zehnte Fall für die beiden. Ich muss gestehen, dass ich weder die Autorin Christiane ...

Mit „Tote Lämmer lügen nicht“ feiern Dorfpolizist Rudi und Hobbydetektivin Rosa ihr Jubiläum, denn dies ist bereits der zehnte Fall für die beiden. Ich muss gestehen, dass ich weder die Autorin Christiane Franke noch Cornelia Kuhnert kannte oder gar einen ihrer Ostfriesen-Krimis gelesen habe. Keine Ahnung warum, aber dem ist leider so und so feierte ich mein Lesedebüt!

Allein schon das Cover ist ein wahrer Hingucker und nachdem ich den Klapptext gelesen hatte, wusste ich, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss.

Der flüssige und leichte Schreibstil der beiden Autorinnen hat mich angenehm überrascht und entführte mich bereits ab der ersten Seite nach Neuharlingersiel. Auch wenn ich die vorherigen neun Bände nicht kenne, so hatte ich keine Probleme mich mit den Charakteren anzufreunden. Dorfpolizist Rudi ist alleinerziehender Vater eines Sohnes und liebt seinen Job. Lehrerin Rosa ist eine begeisternde Hobbydetektivin und steckt, zum Leidwesen der hiesigen Polizei, ihre Nase in jeden Fall, die sie manchmal sogar in brenzlige Situationen bringt. Hauptoberkommissar Schnebel ist ein Wichtigtuer und am liebsten wäre es, wenn er jeden seiner Fälle nach seinen Methoden lösen dürfte. Dies sind nur drei Hauptfiguren, die in der Krimireihe eine bedeutende Rolle spielen. Ganz egal welche Person wir hier herausnehmen würden, auf mich wirkten sie allesamt authentisch und lebensnah. Durch ihre Anwesenheit bereichern sie die Geschichte und ich würde ungern auf einer dieser Hauptfiguren verzichten wollen. Dies ist aber nur ein Punkt, womit das Autorenduo punkten kann. Franke und Kuhnert verstehen ihr Handwerk und wissen ganz genau, womit sie ihre Leserschaft begeistern können: mit der Handlung! Hierbei handelt es sich um einen sehr humorvollen und gut durchdachten Krimi, der wirklich großen Spaß macht. Rosa, die ehrenamtlich für einen Wohltätigkeitsverein Essen für alleinstehende Männer verteilt, vermisst Lenny Kramer. Kurz darauf beschließt sie Lenny das Essen vorbei zu bringen, aber was sie dort in seiner Wohnung findet ist alles andere als erfreulich: Lenny liegt erschossen in seinem Wohnzimmer. Sofort beginnen Rudi und sein Team mit den Ermittlungen. Schnell sind einige Tatverdächtige gefunden, aber sind es wirklich die Täter? Als kurz darauf auch noch die Leiche von Gerhard Janßen, dem Deichschäfer, gefunden wird, steht der Fall kurz vor der Auflösung oder etwa doch nicht? Während des Lesens merkte ich, wie mich dieses Buch mehr und mehr in seinen Bann zog und ich es kaum noch aus den Händen legen wollte. Zu jedem Zeitpunkt musste ich wissen, wer der oder die Täter sind. Genauso sollte ein perfekter Krimi sein: fesselnd und durch seine diversen Wendungen den Leser an den Fall binden. Auf knapp 260 Seiten (Personenliste und Rezeptteil abgezogen) habe ich mitgerätselt, aber den Fall konnte ich nicht lösen. Ein Ende, mit dem ich so nicht gerechnet habe. Einfach perfekt und brillant ausgearbeitet und umgesetzt. Wow….mein Kompliment an beide Autorinnen!

Wie schon erwähnt, befindet sich am Ende des Buches eine Liste mit all den Personen, die mitwirken. Falls jemand auch noch Appetit bekommen haben sollte, stehen alle Rezepte der Köstlichkeiten, die ebenfalls einen Platz in diesem Buch gefunden haben, im Anhang. Viel Spaß beim Nachkochen bzw. Backen!


Ein Regionalkrimi, der einerseits spannend ist, aber anderseits auch Lust auf mehr macht. Dies ist definitiv nicht mein letzter Fall von Rosa und Rudi.

5 von 5 Sternen und ein unbedingtes Muss für Krimifans!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.02.2023

Marianne und der Familienbetrieb

Die Frauen vom Lindenhof - Ein Neuanfang für uns
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Nach einigen Buchprojekten von Claudia Hornung und Andrea Bottlinger haben die beiden Autorinnen (Katharina Oswald) sich nun zusammengetan und ihr neustes Werk „Die Frauen vom Lindenhof“, das im Januar ...

Nach einigen Buchprojekten von Claudia Hornung und Andrea Bottlinger haben die beiden Autorinnen (Katharina Oswald) sich nun zusammengetan und ihr neustes Werk „Die Frauen vom Lindenhof“, das im Januar 2023 im Fischer Verlag erschienen, vorgelegt. Ich muss leider gestehen, dass ich weder die beiden kenne, noch eins ihrer Bücher gelesen habe und so wurde dieser Roman auch mein Debüt. Seit einigen Jahren bin ich ein großer Fan von historischen Romanen bzw. Familiensagas und daher auch immer wieder auf der Suche nach interessanten Geschichten. Das Cover hat mich sofort angesprochen und nachdem ich den Klapptext gelesen hatte, war meine Neugierde geweckt und ich wusste, dass ich das Buch unbedingt lesen muss.

Der flüssige und leichte Schreibstil der beiden Autorinnen hat mich angenehm überrascht und gefiel mir auf Anhieb. Bereits nach der ersten Seite merkte ich, wie mich dieses Buch immer mehr und mehr in seinen Bann zieht und ich in Mariannes Geschichte ein – und abtauchte. Den Roman konnte bzw. wollte ich kaum noch aus den Händen legen. Zu jedem Zeitpunkt musste ich wissen, wie die Handlung weitergehen wird. Wird Marianne ihren Traum verwirklichen oder nicht? Nicht nur der Erzählstil gefiel mir, auch die Charaktere waren ein perfekt. Authentisch und lebensnah wurden sie eingefangen und wieder gespiegelt. Irgendwie hatte ich fast den Eindruck, dass ich sie alle schon seit Jahren kenne, so vertraut waren sie mir. Ich könnte noch nicht einmal schreiben, wer mir besonders gut gefallen hat. Jede einzelne Person hatte ihren Platz und bereicherte die Geschichte. Zu den brillanten Figuren gesellt sich eine perfekte Kulisse. Nicht nur die Umgebung von Hohenlohe um 1953 wurde detailliert beschrieben, sondern auch die Schreinerei. Wer schon einmal in einer Schreinerei besucht hat, kennt den Duft von frisch geschnittenem Holz, den feinen Staub, der noch in der Luft schwebt oder die Hobelspäne, die auf dem Fußboden liegen und genau dieses Bild hatte ich während meiner gesamten Lesezeit permanent vor Augen. Einfach herrlich! Jetzt aber zu der Handlung. Marianne, die älteste Tochter der Familie Wagner lebt mit ihrer Mutter, ihrem Großvater und den beiden jüngeren Schwestern (Henni und Lottchen) auf dem Hof, wo auch die Schreinerei ihres Vaters steht. Nach dessen Tod wurde der Betrieb eingestellt und das Gebäude verfällt immer mehr. Marianne, die die Arbeit mit Holz immer geliebt hat, möchte die Schreinerei „wieder zum Leben“ erwecken. Nur wie? Ohne Geld und dann noch als Frau, der man eine Geschäftsführung schon gar nicht zutraut. Marianne weiß, dass sie kämpfen muss und mit ihrer Idee könnte es vielleicht klappen. Aber nicht nur beruflich, sondern auch privat hat sie einige Hürden zu meistern. Ihre Liebe zu dem geheimnisvollen Alexandre ist bei den Dorfbewohnern ein Dorn im Auge. Werden die beiden dennoch eine Zukunft haben oder wird Alexandre Hohenlohe verlassen, um seinen Traum zu verwirklichen?

Die beiden Autorinnen Katharina Oswald haben einen warm herzigen und wunderschönen Roman über eine starke Frau namens Marianne Wagner geschrieben. Als Leserin fieberte ich mich durch die Geschichte. Zum einen freute man sich, wenn der eine oder andere Erfolg gefeiert wurde, aber zum anderen litt man auch, wenn Marianne „die berühmten Steine“ in den Weg gelegt wurden. Schade, dass das 440seitige Buch so schnell ausgelesen war. Zum Glück dauert es nicht mehr lange, am 24.05.2023 (ebenfalls im Fischer Verlag) der zweite Band Die Frauen vom Lindenhof „Zusammen können wir träumen“. Ich freu mich auf ein Wiedersehen auf dem Lindenhof.

Kaum hat dieses Jahr begonnen, schon habe ich, dank dieses Auftaktbandes, schon mein erstes Lesehighlight 2023. So kann es weitergehen.

5 von 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung obendrauf!

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Veröffentlicht am 04.02.2023

Eine spannende Fortsetzung

Die Hafenärztin. Ein Leben für das Recht auf Liebe (Hafenärztin 3)
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Nach den Veröffentlichungen von Die Hafenärztin („Ein Leben für die Freiheit der Frauen /Bd. 1“ und „Ein Leben für das Glück der Kinder /Bd.2“) hat Henrike Engel nun mit Band 3 „Ein Leben für das Recht ...

Nach den Veröffentlichungen von Die Hafenärztin („Ein Leben für die Freiheit der Frauen /Bd. 1“ und „Ein Leben für das Glück der Kinder /Bd.2“) hat Henrike Engel nun mit Band 3 „Ein Leben für das Recht auf Liebe“, der im Dezember 2022 im Ullstein Verlag erschien, vorgelegt. Da ich bereits die ersten beiden Teile schon mit großer Begeisterung gelesen habe, wollte ich nun auch wissen, wie es mit der Ärztin Anne von der Zwaan (Anne Fitzpatrick) und dem Kommissar Berthold Rheydt weitergehen wird. Nun endlich geht auch für mich die Reise weiter

Wer schon die vorherigen Bücher der Autorin kennt, weiß den flüssigen und leichten Schreibstil zu schätzen, der mich erneut begeistern konnte. Seite für Seite zog mich der Roman mehr und mehr in seinen Bann und so konnte ich relativ schnell in die Geschichte um die Hafenärztin ein und abtauchen. Dies ist eindeutig auf den exzellenten Erzählstil zurück zu führen. Zudem merkte ich, mit wieviel Herzblut Henrike Engel die Fortsetzung geschrieben hat. Wichtige Informationen und Fakten hat sie aus der Zeit zusammengetragen, um diese auszuwerten und sie perfekt in die Handlung einzuweben. Dieses Hintergrundwissen trägt dazu bei, dass der Leser eine Menge über die Beziehung zwischen China und Hamburg im 19. Jahrhundert erfährt, die im zweiten Weltkrieg mit den Nazis endete. Eine spannende Zeitreise, die durch die authentischen Charaktere zu einem wahren Highlight wird. Die Hafenärztin Anne Fitzpatrick stellt sich ihrer Vergangenheit und kehrt als Anne von der Zwaan nach Hamburg zurück, wo sie weiterhin als Ärztin arbeitet. Als bei ihrem Arbeitseinsatz eine junge Chinesin stirbt, will sie nur eins: die Täter fassen und sie zur Rechenschaft ziehen. Aber alleine wird sie dies nicht schaffen und so holt Kommissar Berthold Rheydt mit „ins Boot“. Für ihn steht schnell fest, dass die Handschrift, wie das Opfer starb, nur einem zugeordnet werden kann: dem Hafenmörder! Aber war er es wirklich, denn seit seiner letzten Tat ist er untergetaucht. Eine akribische Spurensuche beginnt. Aber nicht nur beruflich steht er vor einigen Problemen, auch privat. Helene Curtius weckt bei ihm Gefühle, die er seit dem Tod von Frau und Sohn nie mehr erlebt hat. Wird er seinen Gefühlen nachgeben und Helene seine Liebe gestehen?

Fortsetzungsromane sind immer einer gewissen Anforderung ausgesetzt. Können sie dem vorherigen Band standhalten oder werden sie besser bzw. schlechter? Die ersten Romane hatten (für mich) die Messlatte schon ziemlich weit nach oben gelegt. Nach Beendigung des dritten Bandes kann ich aber eins schreiben: auch dieser Teil braucht sich nicht zu verstecken. Ganz im Gegenteil. Selbst wenn es hier und da einige Wiederholungen gibt, so geht die Geschichte um Anne von der Zwaan spannend weiter. Für mich war es ein sehr durchdachter Fall und auch die Weiterentwicklung der einzelnen Personen fand ich sehr authentisch und lebensnah.

Angeblich soll es noch einen vierten Fall geben, dem wäre ich nicht abgeneigt. Zu gerne würde ich gerne wissen, wie es mit Anne oder Berthold weitergehen wird.

Volle Punktlandung (5 Sterne) und oben drauf gibt es eine Leseempfehlung!

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