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Veröffentlicht am 30.06.2024

Absloutes Highlight der Krimireihe

Totholz
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Wie in jeder Krimireihe gibt es auch bei den Fällen rund um Kreuthner und Wallner von Andreas Föhr mal absolut gelungene, mal etwas weniger begeisternde Bücher. Der 11. Fall „Totholz“ ist jedenfalls ein ...

Wie in jeder Krimireihe gibt es auch bei den Fällen rund um Kreuthner und Wallner von Andreas Föhr mal absolut gelungene, mal etwas weniger begeisternde Bücher. Der 11. Fall „Totholz“ ist jedenfalls ein absolutes Lesehighlight.

Kreuthner laviert sich mit seiner Spürnase und seinem speziellen Sinn für Gerechtigkeit (wie kann es jemand wagen, seiner Schwarzbrennerei Konkurrenz zu machen?) wieder in aussichtslose Situationen. Abwechselnd unterstützt und hängen gelassen von seinen Spezln aus der Mangfallmühle stellt er sich Entführern, Drogenhändlern und anderen kriminellen Gestalten. Es geht ihm bisweilen arg an den Kragen. Gut, dass er sich auf Opa Manfred verlassen kann, der ihm in einer Mischung aus Überschätzung und Bauernschläue immer wieder weiterhilft.

Und so gibt es immer wieder Szenen, die einen beim Lesen laut auflachen oder fein schmunzeln lassen.

Ein großartiger Schreibstil, ein unterhaltsamer Fall und liebenswert-skurille Charaktere ermöglichen großes Lesevergnügen.

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Veröffentlicht am 30.05.2024

Feine Beobachtungen des Lebens

Im wechselnden Licht der Jahre
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Alex wird 60 und das macht ihm unglaublich Angst. Dabei läuft es für ihn hervorragend: perfekte Frau, wohlgeratene Kinder, ein Haus im Speckgürtel Berlins, er lernt sein Musikeridol kennen…
In vielen kleinen, ...

Alex wird 60 und das macht ihm unglaublich Angst. Dabei läuft es für ihn hervorragend: perfekte Frau, wohlgeratene Kinder, ein Haus im Speckgürtel Berlins, er lernt sein Musikeridol kennen…
In vielen kleinen, unabhängigen Geschichten lernen wir Alex kennen. Großartig erzählt ist die Jugend von Alex, als er als schüchterner Junge plötzlich das begehrenswerteste Mädchen der ganzen Schule zur Freundin hat. Da werden Erinnerungen an die eigene Jugend wach! Tom Liehr wählt wunderbare Vergleiche, um die Gefühlswelt des Jungen zu beschreiben und ist äußerst detailgetreu in den 70er Jahren unterwegs. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen lese ich diese Abschnitte.
Der erwachsene Alex hat nicht so ganz meine Sympathien. Er philosophiert leicht abgehoben über die Nachbarn und das Leben. Und dann bricht seine schöne Welt über ihm zusammen. Auch hier findet Tom Liehr Worte, die mich mitfühlen und tief in Alex‘ Gefühlswelt eintauchen lassen – einfach großartig.
Toll, wie ich mich beim Lesen an Alex reiben kann, ich stehe fast im Zwiegespräch mit ihm. Großartig!

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Veröffentlicht am 01.05.2024

Feinfühliger Blick in komplexe Familienstrukturen

Treibgut
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Adrienne Brodeur erzählt über die Familie Gardener, in der nach außen hin alles perfekt ist: der Vater ein anerkannter Meeresbiologe, der Sohn ein erfolgreicher Geschäftsmann mit hohen politischen Ambitionen ...

Adrienne Brodeur erzählt über die Familie Gardener, in der nach außen hin alles perfekt ist: der Vater ein anerkannter Meeresbiologe, der Sohn ein erfolgreicher Geschäftsmann mit hohen politischen Ambitionen und die Tochter eine direkt vor dem Durchbruch stehende Künstlerin.
Doch nach und nach blicken wir – jeweils aus der Perspektive eines Einzelnen – hinter diese perfekte Welt. Nach dem frühen Tod der Mutter sind bei den inzwischen erwachsenen Kindern tiefe Wunden entstanden, die bis heute nicht verheilt sind. Und so werden Erinnerungen mit den Themen im hier und jetzt verwoben. Adrienne Brodeur beobachtet dabei ebenso feinfühlig wie genau. Jede Figur hat ihre eigene Sprache und ist sehr facettenreich ausgearbeitet. So erleben wir zum Beispiel die Qualen, die eine bipolare Störung beim Vater auslöst, hautnah mit. Das ist verstörend und faszinierend zugleich.
Fast nebenbei tauchen wir ein in das US-amerikanische Leben im Jahr 2016. So wird nicht nur der Wahlkampf zwischen Trump und Clinton thematisiert, sondern es kommt auch immer wieder zu Wertediskussionen zwischen den Generationen. Für mich trifft das Buch die Stimmung in den USA ziemlich perfekt.
Mich haben die Figuren sehr berührt. Denn es wird deutlich, wie schwer es ist, sich von Kindheitstraumata zu lösen und einen eigenen erwachsenen Weg zu finden. Im Grunde würde ich zu gern wissen, wie es für die Gardeners weiter geht.

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Veröffentlicht am 01.05.2024

Ein gut unterhaltender Krimi für zwischendurch

Die Tote am Kai (WaPo Cuxhaven 2)
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„Die Tote am Kai“ ist der zweite Band einer Reihe rund um die Polizeiteams der Wasserschutzpolizei und der Kripo Cuxhaven. Man kann gut einsteigen, ohne den ersten Band zu kennen. Die Charaktere werden ...


„Die Tote am Kai“ ist der zweite Band einer Reihe rund um die Polizeiteams der Wasserschutzpolizei und der Kripo Cuxhaven. Man kann gut einsteigen, ohne den ersten Band zu kennen. Die Charaktere werden schnell eingeführt, manchmal kommt deren Beschreibung fast ein bisschen zu hastig und einseitig daher.
Im als beschaulich beschriebenen Cuxhaven gibt es plötzlich zwei Fälle, eine tote Frau am Kai und einen angeschossenen Wasserschutzpolizisten. Die Ermittlungen liegen eigentlich in den Händen der Kripo, in deren Reihen auch noch der Bruder des Angeschossenen arbeitet. Und natürlich sind auch die Kollegen der Wasserschutzpolizei an der Aufklärung des Falls interessiert. Allen voran Agatha, die sich munter in alle Ermittlungen einmischt, mit den Betroffenen redet, hier Details gesteckt bekommt und da in Unterlagen schaut. Zusätzlich scheint sie sich mal zum Leiter der Ermittlungen und mal zum Schussopfer hingezogen zu fühlen.
Wenn mit dem Prolog noch eine gewisse Spannung aufkommt, geht diese im Buch leider verloren. Die vielen Nebengeschichten sind unterhaltsam zu lesen, tragen bei mir aber nicht zu einem echten Krimigefühl bei.
Ein dickes Plus sind die schöne Umschlaggestaltung und die zeitliche Führung durch den Fall. Ich mag es, wie die überwiegend kurzen Kapitel mit einer Art Zeitangabe starten.

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Veröffentlicht am 26.04.2024

Stimmiges Finale

Verraten
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Das wars nun also mit dem Dezernat Q. Im 10. Band soll sich der Kreis um das außergewöhnliche Ermittlerteam schließen und alte Traumata sollen aufgelöst werden. Teilweise sehr geschickt bindet Jussi Adler ...

Das wars nun also mit dem Dezernat Q. Im 10. Band soll sich der Kreis um das außergewöhnliche Ermittlerteam schließen und alte Traumata sollen aufgelöst werden. Teilweise sehr geschickt bindet Jussi Adler Olsen alte Weggefährten in den aktuellen Fall ein, erinnert so an einzelne Fälle und stellt vor allem Carl in den Mittelpunkt des Geschehens. Durch alle Bücher zog sich ja die Frage, was ihm zu Beginn seiner Laufbahn widerfahren ist. Um das aufzudecken, muss Carl einen ziemlichen Leidensweg durchschreiten. Es ist förmlich spürbar, wie das Leben eines Polizisten im Gefängnis bedroht wird, in das er selbst etliche Insassen gebracht hat. Das ist für mich eine absolute Stärke des Buchs.
Der Fall selbst ist aus meiner Sicht verworren und ein bisschen an den Haaren herbeigezogen. In einigen Szenen hatte ich das Gefühl, dass der Autor eine Verfilmung direkt vor Augen hat. Die üblichen Interaktionen des Dezernat Q mit den wunderbaren Dialogen finden nur selten statt, da das Team im Grunde nie wirklich zusammen agieren kann. Erst am Schluss kommt hier wieder die Dynamik auf, die die vorigen Bücher auszeichnete. So habe ich das Dezernat Q eigentlich schon während des letzten Falls vermisst.
Dennoch ist es beeindruckend, wie Jussi Adler Olsen sich bis zur letzten Seite für seine Helden engagiert und für jeden einen stimmigen Abschluss sucht.

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