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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.06.2026

Über Liebe, Trauer und Freundschaften

Eine Liebe ohne Sommer
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Mit „eine Liebe ohne Sommer“ hält man ein optisch und haptisch wunderschönes Buch in der Hand, dessen Farbgebung gegen Ende sogar noch eine Rolle spielt.

Doch nicht nur das Außen stimmt, auch das Lesevergnügen ...

Mit „eine Liebe ohne Sommer“ hält man ein optisch und haptisch wunderschönes Buch in der Hand, dessen Farbgebung gegen Ende sogar noch eine Rolle spielt.

Doch nicht nur das Außen stimmt, auch das Lesevergnügen ist groß. Rosa und Nikolos kennen sich noch nicht lange, als Nikolos verunglückt. Ja, Rosa trauert um diese verlorene Liebe. Doch gleichzeitig fragt sie sich, wieviel sie überhaupt schon über Nikolos weiß. Sie fühlt sich nicht als „trauernde Witwe“ und hat doch einen Mann verloren, den sie sehr mag. Durch das Aufspüren der Menschen aus Nikolos Vergangenheit versucht sie, Nikolas kennenzulernen und gleichzeitig loszulassen.

Mir war der Teil des Buches, in dem es um das (vergangene) Aufeinandertreffen von Nikolos und Rosa geht, etwas zu lang. Dafür mochte ich die Anteile im hier und jetzt, als Rosa posthum in Nikolos’ Leben eintaucht und so viel dazu gewinnt, um so mehr.
Timothy Paul schreibt einfühlsam und mit einem guten Gespür für Humor, ohne dabei je kitschig zu werden. Die zentralen Figuren haben Charakter. Besonders Rosa wird greifbar, da wir ihre Gedanken als eine Art Tagebucheintrag lesen dürfen- auch das Durchgestrichene, was man normalerweise nicht teilt. Ein tolles Stilmittel!

Insgesamt nähert sich das Buch dem Thema Trauer auf eine besondere, absolut lesenswerte Weise.

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Veröffentlicht am 14.05.2026

Über die Herausforderung, sich selbst zu sehen

Mit anderen Augen
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Tilda wird unsichtbar! Mit Entsetzen stellt sie fest, dass Teile ihres Körpers nicht mehr sichtbar sind. „Unsichtbarkeit“ heißt die Diagnose ihrer Ärztin. Trifft meistens Frauen, üblicherweise ab 50 und ...

Tilda wird unsichtbar! Mit Entsetzen stellt sie fest, dass Teile ihres Körpers nicht mehr sichtbar sind. „Unsichtbarkeit“ heißt die Diagnose ihrer Ärztin. Trifft meistens Frauen, üblicherweise ab 50 und ist nicht wirklich gut erforscht. Was für eine brillante Idee der Autorin Jane Tara, dieses Gefühl der Unsichtbarkeit Realität werden zu lassen. Wie gekonnt sie gleichzeitig das dringliche Thema gender health gap anspricht! Der Einstieg ins Buch ist begeisternd. Die Charaktere sind toll gezeichnet und ich fühle Tildas Verzweiflung.

Auf Anraten einer Therapeutin setzt sich Tilda mit PAULA auseinander, ihrem Programm aller unhinterfragten Langzeitmechanismen. Dies ist schmerzhaft, aber auch klärend und zu Beginn hervorragend beschrieben. Leider entwickelt sich das Buch in dieser Phase zunehmend zu einem Selbsthilferatgeber. Es wird immer plakativer, wellbeing-Sprüche werden auf fast jeder Seite eingestreut.

Nie hätte ich zu Beginn des Buchs gedacht, dass ich am Ende dann froh bin, es ausgelesen zu haben. Wie kann sich eine Geschichte so wandeln? Was so eindrücklich beginnt, was mir eine großartige PAULA zum Nachdenken mitgab, wird nun eine einzige Werbebroschüre für Meditation (nichts spricht dagegen, dass die Autorin ihre Leidenschaft teilt, aber doch bitte nicht so einseitig und wunderheilend). So schade! Die am Anfang stark besetzten Charaktere der Freundinnen sind nur noch stille Bewunderer. Was hätte ich mir gewünscht, dass das Wiederfinden der eigenen Werte und Identität Tildas in einer realistischen Welt stattfindet. In der sie nachhaltig spüren kann, dass ihre Wertschätzung für sich selbst auch in schwierigen Situationen hält.

Trotz aller Kritik ist es ein lesenswertes Buch, dessen Idee ich einfach großartig finde.

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Veröffentlicht am 06.05.2026

Spannender Einblick in politische Intrigen

Die Stockholm-Protokolle
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Oh ja, hier schreiben definitiv zwei Politik- Insider ein Buch. Durch kleine Episoden und große Verschwörungen werden Machtspielchen, Intrigen, Seilschaften, Aufstieg und schneller Abstieg im politischen ...

Oh ja, hier schreiben definitiv zwei Politik- Insider ein Buch. Durch kleine Episoden und große Verschwörungen werden Machtspielchen, Intrigen, Seilschaften, Aufstieg und schneller Abstieg im politischen Alltag beschrieben. Das ist ganz großartig zu verfolgen, wenn zum Beispiel ein Minister nach einem eigentlich unverzeihlichen Fehltritt wieder aufgebaut wird als politische Person. Von diesem Streben um Macht und Einfluss hätte ich ein ganzes Buch lesen können.
Doch hier geht es um mehr (und manchmal ist das vielleicht sogar ein bisschen zu viel). Julia ist Investigativjournalistin und entdeckt Anzeichen, dass im Umfeld des Ministerpräsidenten etwas Ungutes vor sich geht. Mit allen Mitteln versucht sie dem auf die Spur zu kommen. Die Figur ist gut gezeichnet, denn auch sie kommt nur durch Skrupellosigkeit und ohne Rücksichtnahme auf ihre Informanten an ihre Geschichten.

Parallel dazu ernennt die Regierung ihren Lebensgefährten Alfred als Pressesprecher des Ministerpräsidenten. Nicht nur, weil er brillant argumentieren kann, sondern vor allem, um Julia am Recherchieren zu hindern. Durch Alfreds Rolle bekommt man diese wunderbaren Einblicke in die Machtspielchen des politischen Alltags. Ob der künstliche Spannungsbogen zum „Ruhigstellen“ von Julia nötig war, sei dahingestellt.

Das Buch besticht lange durch eine ruhige Erzählweise. Die Dramatik im letzten Teil ändert dann die Dynamik der Geschichte, aber leider auch deren Glaubwürdigkeit.
Mir gefällt das Cover sehr gut. Da das Buch der Auftakt einer Reihe ist, würde ich mir wünschen, dass weitere Buchtitel ähnlich gestaltet sind.

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Veröffentlicht am 29.04.2026

Widersprüchliches Lesegefühl

Träume aus Salz
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Im Urlaub mit ihrem Freund lernt Flo die spirituelle Sofia kennen. Zwischen beiden Frauen scheint eine Anziehungskraft zu bestehen, die durchaus unterschiedliche Motive hat. Ausgelöst durch die Begegnung ...

Im Urlaub mit ihrem Freund lernt Flo die spirituelle Sofia kennen. Zwischen beiden Frauen scheint eine Anziehungskraft zu bestehen, die durchaus unterschiedliche Motive hat. Ausgelöst durch die Begegnung arbeitet Flo ihr Familienleben auf.

Dies könnte eine richtig mitreißende Geschichte werden. Doch leider verliert sich die Autorin in Nebengeschichten und Stilmitteln. Ich werde mit keiner der Figuren so richtig warm und wenngleich die Familiengeschichte eigentlich sehr intensiv ist, weckt sie keine Gefühle in mir.

Das Insel-Urlaubsgefühl kommt dagegen am Beginn der Geschichte gut rüber. Dieses Treiben lassen, mal hierhin, mal dahin schauen, ist schön beschrieben. Auch der gleitende Wechsel zwischen diesem Urlaubsgefühl und dem immer dringlicher werdenden Aufarbeiten der eigenen Geschichte kann ich gut nachvollziehen.

Vielleicht war meine Erwartungshaltung – geschürt durch den Klappentext – einfach sehr hoch. Ich hätte die Figuren wahrscheinlich ein bisschen tiefgründiger erwartet, die story ein weinig flirrender und geheimnisvoller.

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Veröffentlicht am 21.04.2026

Schonungslos offen

Pause
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Nach einem Zusammenbruch möchte Hanna niemandem zur Last fallen, so bleiben nur die Eltern in einer beschaulichen Kleinstadt, denen sie sich zumuten möchte. Dabei hat sie doch so ein szenetypisches Leben ...

Nach einem Zusammenbruch möchte Hanna niemandem zur Last fallen, so bleiben nur die Eltern in einer beschaulichen Kleinstadt, denen sie sich zumuten möchte. Dabei hat sie doch so ein szenetypisches Leben in Berlin: coole Freunde, einen Partner, freies Arbeiten als Künstlerin, Instagram als Lebenselixier. Doch was davon hat wirklich Bestand, wenn man am Boden liegt?

Schonungslos beschreibt Lena Kupke die Verzweiflung und Traurigkeit von Hanna. Hinter ihrer (ehemals) strahlenden Fassade verbergen sich Schicksalsschläge, glücklich ist sie schon lange nicht mehr. Sich das einzugestehen, herauszufinden, was wirklich zählt, ist ein Teil des Buchs.
Der andere beschäftigt sich mit der Angst, sich zuzumuten und Zumutung auszuhalten. Was mache ich, wenn jemand trauert? Schweigen und mich zurückziehen? Oder offen fragen und wirklich für jemanden da sein? Hanna erlebt beides. Wobei sie zunächst nur das Schweigen hat. Auch in ihrem Elternhaus wird viel geschwiegen. Aus Angst zu verletzen oder Gefühlen ausgesetzt zu sein, geht man lieber zum Alltag über. Und das durchaus mit viel Liebe, aber eben auch Hilflosigkeit. Das Zugewandte erlebt Hanna eher bei Fremden, die zu Freunden werden.

Selten habe ich Gefühle so gut beschrieben gelesen. Ich kann mitfühlen und auch wenn Hanna mir im Handeln komplett fremd ist, verstehe ich doch ihre innere Welt. Das ist der Autorin wirklich großartig gelungen.

Mir gefällt sehr, dass Lena Kupke sowohl die Schweigenden als auch die Fragenden wohlwollend zeichnet. Es kann einfach nicht jeder Gefühle aushalten und zeigen. Manchmal sind es auch die kleinen Gesten, die zählen.

„Pause“ ist ein Roman, der nachhallt und der anregt, sich selbst zu fragen, wo man gerade steht. Großartig!

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