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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.01.2024

Fesselnd. Informativ. Absolut lesenswert.

Die Spiele
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Als Kriminalroman würde ich Stephan Schmidts Buch „Die Spiele“ nicht bezeichnen. Für mich ist es viel mehr eine faszinierende Beobachtung internationaler Verwicklungen.
Stephan Schmidt spannt den Bogen ...


Als Kriminalroman würde ich Stephan Schmidts Buch „Die Spiele“ nicht bezeichnen. Für mich ist es viel mehr eine faszinierende Beobachtung internationaler Verwicklungen.
Stephan Schmidt spannt den Bogen von der (Vor-)wendezeit bis heute und packt dabei zwei zunächst völlig unabhängige Themen an.
Zum einen beschäftigt er sich mit dem Los der mosambikanischen Vertragsarbeiter in der DDR, die offensichtlich um einen Großteil ihres Lohns betrogen werden. Mit der Figur des Murandi schafft er dabei einen Protagonisten, der vom Betrogenen zum Betrüger wird.
Parallel wird in Shanghai um die Vergabe der Olympischen Spiele gekämpft. Europa oder Afrika? Die chinesische Regierung spielt dabei eine zentrale Rolle. Geht es doch darum, um mittels Investitionen die Kontrolle über Afrika zu gewinnen. Glaubwürdig recherchiert werden die chinesischen Verhältnisse erzählt.
Beide Stränge sind für mich an sich schon absolut lesenswert. Verknüpft werden sie durch eine deutsche Botschaftsangestellte, einen abgehalfterten Journalisten und einen chinesischen Polizisten. Diese dritte Ebene ist absolut faszinierend. Stellt sich doch immer wieder die Frage, welche Interessen am Ende gewinnen. Persönliche? Politische? Wer zieht hier eigentlich welche Fäden?
Ein besonderes Highlight ist für mich, dass ehemalige Mitglieder der Regierung hervorragend charakterisiert und teilweise sogar namentlich benannt werden. Das macht das ganze Buch für mich noch einen Tick realistischer. Ich bin von dem Buch absolut fasziniert!

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Veröffentlicht am 26.12.2023

Gekonnt an Altfälle angeknüpft

Die Schuld, die man trägt
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Ein sehr persönlicher Fall für Sebastian Bergmann. Menschen, die ihm in seinem Leben begegnet sind, werden ermordet und der Mörder spielt scheinbar mit ihm. Alle Hinweise zeigen auf eine Verbindung zu ...

Ein sehr persönlicher Fall für Sebastian Bergmann. Menschen, die ihm in seinem Leben begegnet sind, werden ermordet und der Mörder spielt scheinbar mit ihm. Alle Hinweise zeigen auf eine Verbindung zu Sebastian. Das macht ihn – den Egozentriker und Zyniker – sehr nachdenklich.
Überhaupt wird’s persönlich. Ein ihm nahestehender Client stirbt und möchte unbedingt, dass Sebastian seine Tochter kennenlernt. Liegen die Hintergründe dafür im lange zurückliegenden Tsunami Unglück?
Gekonnt öffnen die Autoren verschieden Handlungsstränge. Man ahnt bei einigen schnell die Zusammenhänge. Andere bleiben lange offen und werden am Schluss elegant zusammengeführt. Ob Billy, der ehemalige Kollege aus der Reichsmordkommission so viel Raum brauchte, bleibt für mich fraglich. Die Charaktere – und somit auch Billy - sind jedoch allesamt sorgfältig ausgearbeitet. Sebastian wird in neuen Fassetten gezeigt und auch Vanja macht eine (am Ende sehr schmerzhafte) Entwicklung durch. Ich finde es großartig, wenn nach so vielen Bänden neue Personen Platz haben und die alten ganz langsam ausgephast werden.
Es ist sicher gut, schon mal einen Krimi aus der Sebastian Bergmann Reihe gelesen zu haben. Ein Muss ist es aber nicht, alle Bände zu kennen. Da einige Altfälle aufgegriffen werden, geht bei mir etwas der Reiz verloren, vorige Bände „nachzulesen“.
Der Schreibstil der Autoren ist absolut fesselnd. Trotz der kurzen Kapitel will man immer und immer weiterlesen. In der Hoffnung auf weitere Fälle bin ich wieder zum absoluten Hjorth & Rosenfeldt Fan geworden.

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Veröffentlicht am 09.12.2023

Interessanter Einblick in den Journalismus der 70er Jahre

Die Unbestechliche
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„Die Unbestechliche“ erzählt über eine junge Frau in den 70er Jahren, die dafür kämpft, ihre Träume zu leben. Alice möchte als Journalistin über das Leben berichten. Und das als Frau! Und Mutter! In einer ...

„Die Unbestechliche“ erzählt über eine junge Frau in den 70er Jahren, die dafür kämpft, ihre Träume zu leben. Alice möchte als Journalistin über das Leben berichten. Und das als Frau! Und Mutter! In einer Zeit, als es sich schickte, dass sich Frauen ausschließlich um die Familie kümmern. Doch sie findet ihren Weg, erst als Volontärin einer Lokalzeitung, später im Sportressort einer großen Münchner Zeitung und dann sogar im Hörfunk. Das Autorinnenduo begleitet Alice an den Scheidepunkten ihres Lebenswegs.
Und in diesem Begleiten liegt für mich auch die Schwäche des Buchs. Es wird fast wie in einem Sachbuch eine Geschichte über Alice erzählt. Die Protagonistin kommt mir nicht wirklich nah, zu distanziert und journalistisch ist der Erzählstil. Fast als würde ich einen Zeitungsartikel lesen.
Aber diese Liebe der Autorinnen zum Journalismus macht das Buch letztendlich doch zu etwas besonderem. Der Einstieg in jedes Kapitel mit historischen Zeitungsberichten gefällt mir richtig gut. Diese sind so ausgewählt, dass sie einerseits Erinnerungen wecken, andererseits perfekt zum Abschnitt passen. Auch der Einblick in die Pressearbeit ist sehr bereichernd. In den Redaktionsmeetings und im Umgang der Personen untereinander wird der Zeitgeist schön eingefangen.
Fast schon überfliegen musste ich dagegen die politische Einwertung der jeweiligen aktuellen Ereignisse. Die ewigen (Kneipen-)dialoge und ein bisschen zu viel Moralisieren mit dem Holzhammer haben mein Lesevergnügen getrübt. Zudem empfand ich das Buch auch stilistisch überfrachtet: die Zeitungsartikel als Einstieg, Haikus als haltgebende Lebensweisheiten und dann noch die Parallelgeschichte von Alice im Wunderland wegen der Namensgleichheit zur Protagonistin. Da hätte mir mehr Innenleben von Alice und das wirkliche Auserzählen der anderen Hauptfiguren viel besser gefallen. Diese sind immer nur punktuell da, wenn sie gerade gebraucht werden und verschwinden ansonsten für lange Zeit im Nichts. Das fand ich sehr schade, da in diesen Figuren auch jede Menge Potential liegt.

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Veröffentlicht am 20.11.2023

Geschichte für zwischendurch

Die Eisfischerin vom Helgasjön
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Frieda Lamberti schreibt mit einfachen und sehr umgangssprachlichen Worten eine schön zu lesende Geschichte.
Zwischen Rieke und Marco läuft es nicht mehr so richtig gut. Rieke verschließt aber noch die ...

Frieda Lamberti schreibt mit einfachen und sehr umgangssprachlichen Worten eine schön zu lesende Geschichte.
Zwischen Rieke und Marco läuft es nicht mehr so richtig gut. Rieke verschließt aber noch die Augen vor dem, was Außenstehende sicher schon erkannt haben. Ein gebrochenes Bein und ein allein verbrachter Urlaub öffnen ihr die Augen, wie stark sie durch ihre Beziehung eingeschränkt wird. Und so beginnt sie endlich, an alte Stärken anzuknüpfen und ihr Leben in die Hand zu nehmen.
Rieke ist eine schön ausgearbeitete Figur. Ihr Handeln und ihre Gedanken kann ich gut nachvollziehen. Alle anderen Personen, vielleicht mit Ausnahme ihrer zwischenzeitlichen Gastmutter, bleiben eher unscheinbar und etwas stereotyp. Die Sorgfalt, mit der Rieke beschrieben ist, hätte ich mir bei der Handlung auch gewünscht. Etwas sprunghaft geht es zwischen Deutschland und den nordischen Ländern hin und her. Da wäre einfach noch Potenzial für ein bisschen mehr Inhalt, weniger Rastlosigkeit und mehr Tiefe gewesen. So ist es recht hektisch und man hat das Gefühl, so richtig zum Innehalten kommt Rieke nie. Und hierin steckt tatsächlich ein Dilemma, denn im Klappentext wird eine andere Erwartung geweckt. Auch die Titelwahl kann ich nicht nachvollziehen. Denn Eisfischen geht Rieke nur ein einziges Mal.
Dennoch habe ich das Buch gern gelesen und mich an der gut unterhaltenden Erzählung „für zwischendurch“ erfreut.

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Veröffentlicht am 01.11.2023

Sehr unterhaltsam und überraschend

Nur eine Lüge – Zwei Familien, eine tödliche Verbindung
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Was für eine Familie! Früher einmal waren sie gut befreundet, die Nihlzéns und die Brandts. Doch dann passiert ein schrecklicher Unfall, in den die beiden Jungen der Familien verwickelt sind. Uns nichts ...


Was für eine Familie! Früher einmal waren sie gut befreundet, die Nihlzéns und die Brandts. Doch dann passiert ein schrecklicher Unfall, in den die beiden Jungen der Familien verwickelt sind. Uns nichts ist mehr wie zuvor. In den verschiedensten Konstellationen teilen sie sich Geheimnisse und Wissen über die Unfallnacht und die Zeit danach.
Und Emily, Tochter der Brandts heiratet ausgerechnet William, den Sohn der Nihlzéns. In Rückblenden und am Tag der Hochzeit erfahren wir Stück für Stück, was sich in der Unfallnacht wirklich zugetragen hat. Und es gibt einen Toten. Wer das ist bleibt lange ein Geheimnis. Und dies macht das Buch so spannend.
Ein bisschen zu stark spielt Malin Stehn damit, die Kapitel sehr kurz zu halten und immer nur ein klitzekleines Stück Erkenntnis herauszurücken. Natürlich liest man dadurch noch das nächste Kapitel, aber der Preis sind Figuren, die noch tiefgründiger hätten gestaltet werden können.
Dennoch wird der destruktive Teil von Geheimnissen und Lügen in Beziehungen extrem gut dargestellt. Wie nicht eingeweihte verzweifelt nach Schuldigen suchen und dabei Grenzen übertreten, wie Unschuldige an den Pranger gestellt werden und wie es sich anfühlt, wenn man nur die „zweite Geige“ in der Familie spielt – all dies wird jeweils aus der Ich-Perspektive der Betroffenen sehr glaubhaft und nachvollziehbar erzählt.
Spannung ist also garantiert und man mag das Buch zwischenzeitlich nicht aus der Hand legen.

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