Lügen
Fürchte die Schatten„Wir lügen ständig, täglich, stündlich. Wir belügen Menschen, die wir lieben, ebenso wie Fremde, Freunde, Verwandte. […] Lügen ist absolut fundamental für unsere Existenz; es ist in unsere DNA eingeschrieben.“
„Fürchte ...
„Wir lügen ständig, täglich, stündlich. Wir belügen Menschen, die wir lieben, ebenso wie Fremde, Freunde, Verwandte. […] Lügen ist absolut fundamental für unsere Existenz; es ist in unsere DNA eingeschrieben.“
„Fürchte die Schatten“ ist der zweite Band der Thrillerreihe um den Psychologen Cyrus Haven von Michael Robotham. Er erschien im Dezember 2021 im Goldmann Verlag. Er ist unabhängig lesbar, sinnvoller ist es aber, zunächst „Schweige Still“ zu lesen.
Cyrus hat Evie Cormac kennengelernt, sie wurde sein Mündel und musste trotzdem zurück ins Jugendheim. Und obwohl Evie ihn darum gebeten hat, lässt Cyrus nicht locker und sucht nach Spuren aus Evies Vergangenheit. Als dann auch noch der Mord an einem ehemaligen Polizisten Hinweise auf Evies Geschichte liefert, lässt Cyrus sich erst Recht nicht mehr aufhalten und bringt damit sich und Evie in Gefahr.
Wie schon im ersten Band der Reihe beginnt die Handlung eher gemächlich. Die Story entwickelt sich eher langsam und mündet schließlich, genretypisch, in einer lebensbedrohlichen Situation für Cyrus und Evie. Erneut hätte ich mir für einen Psychothriller eine höhere Geschwindigkeit und mehr Spannung gewünscht.
Nichtsdestotrotz gibt einem Michael Robotham aber genug Rätsel auf. Wie kann der Mord an einem pensionierten Cop mit Evie zusammenhängen? Gibt es eine Verbindung zwischen Evie und den Ermittlungen des Polizisten? Wer jagt Evie noch heute und wer hat den Polizisten ermordet? Fragen über Fragen, denen auch Cyrus zunächst ratlos gegenüber steht.
Die wechselnde Ich-Perspektive von Cyrus und Evie vermittelt hierbei einen guten Einblick in die Gedanken der Protagonisten und lässt ihre Handlungen nachvollziehbar werden. Wie bei vielen Thrillerreihen üblich, stehen sie und ihre Entwicklung im Fokus der Handlung. Der Leser erfährt in diesem Band mehr über Evies Vergangenheit und ihr erlebtes Martyrium - sie ist für mich weiterhin eine sehr spannende Figur. Man versteht mehr und mehr, wieso sie ist, wie ist. Auch, was sie verpasst hat und dass sie in vielerlei Hinsicht zwar erfahren tut, aber eigentlich gar nicht weiß, wie sie sich im Umgang mit anderen Menschen verhalten muss. Sie ist alles andere als ein normales Mädchen und hat im Grunde nur gelernt, zu überleben. Ihre Entwicklung ist in diesem Band nicht so groß, wie ich erhofft habe, dennoch ist sie sichtbar und ich bin sehr gespannt, wie es mit ihr weitergeht.
Auch Cyrus‘ Entwicklung fand ich nicht sehr stark, zudem fehlte mir, was mit seiner Freundin aus Band 1 geworden ist. Sie scheint nicht mehr vorhanden zu sein, ein wenig wurde dies auch schon angedeutet, einen Abschluss hätte ich mit an dieser Stelle aber dennoch gewünscht. Wie schon in Band 1 bleibt er für mich zudem eher undurchschaubar. Noch immer verstehe ich nicht genau, warum er gerade Evie so in sein Herz geschlossen hat, wohingegen in deutlich besser verstehe, warum sie ihn so mag. Auch seinen erneuten erneuten Egotrip fand ich ein wenig anstrengend, wobei es natürlich in diesem Buchgenre typisch ist, dass die Protagonisten nicht unbedingt die klügsten, sondern die scheinbar einfachsten Entscheidungen treffen, bei denen sie niemand anderen einweihen müssen. Traue niemandem ist eben das Motto! So auch hier und schließlich kommt es eben auch nur so zu den wirklich spannenden Szenen. Wer viel Blut und rasante Szenen sucht, kommt mit „Fürchte die Schatten“ aber definitiv nicht auf sein Kosten.
Der Mordfall wird diesmal gut in die Handlung integriert und spielt eine größere Rolle als zuvor. Schließlich ist er der Schlüssel, der schließlich zur Aufklärung von Evies Vergangenheit führt.
Obwohl ich einige Kritikpunkte habe, muss ich auch sagen, dass der Thriller insgesamt gut lesbar war und mich gut unterhalten hat.
Mein Fazit: „Fürchte die Schatten“ ist ein solider Psychothriller, der insgesamt eher ruhig als actionreich ist. Der Einstieg ist eher langsam, die Handlung braucht einige Zeit um sich zu entwickeln und die Figuren stehen mehr im Vordergrund als Mordermittlung und Spannung. Nichtsdestotrotz hat mir das Lesen aber Spaß gemacht und gerade die Geschichte von Evie ist interessant und hat mich zum Weiterlesen motiviert. Von mir gibt es 3,5 von 5 Sternen und ich bin gespannt, wie es in Band 3 mit Cyrus und Evie weitergeht.