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Veröffentlicht am 29.05.2026

Essen in den 60er Jahren zwischen Kohle und Modernisierung

Weiße Westen, schwarze Nächte
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"Weiße Westen, schwarze Nächte" ist ein Kriminalroman von Sabine Hofmann, den ich als Hörbuch gehört habe, gesprochen von Henrike Tönnes.

Hedy Voss, die Hauptprotagonistin des Krimis, lebt in den 60er ...

"Weiße Westen, schwarze Nächte" ist ein Kriminalroman von Sabine Hofmann, den ich als Hörbuch gehört habe, gesprochen von Henrike Tönnes.

Hedy Voss, die Hauptprotagonistin des Krimis, lebt in den 60er Jahren im Ruhrgebiet. Sie ist von "Beruf" Einbrecherin und macht das richtig gut. Die Erlöse aus den Einbrüchen benötigt sie dringend, um die kostspieligen Aufenthalte ihrer Schwester Elsa in privaten psychiatrischen Einrichtungen zu finanzieren. Eines Tages fällt ihr bei einem Einbruch neben Schmuck auch eine Kladde mit brisanten Aufzeichnungen in die Hände. Sie nimmt sie mit und bringt sich damit in höchste Gefahr. Ihre Schwester Elsa trägt durch ihr leichtfertiges Verhalten ihren Teil dazu bei, dass die Angelegenheit eskaliert.

Der Krimi war spannend zu hören. Die Einblicke in die Gefühle und Denkweise der Menschen in den 60ern wurde gut herausgearbeitet. Auch die lokalen Bezüge im Ruhrgebiet zwischen Kohle und Modernisierung hat die Autorin eindrücklich geschildert. Nach und nach erfahren wir auch mehr über Hedys persönliche Geschichte und wie es dazu kam, dass sie Einbrecherin geworden ist. Kann ein Einbrecher sympathisch sein? Inn diesem Fall kann ich das mit einem klaren Ja beantworten. Ich habe mit Hedy mitgefiebert und ihr die Daumen gedrückt. Ich war während des Hörens auf einer vollständig falschen Spur, das Ende kam überraschend für mich, Die Handlung wird aus mehreren Perspektiven erzählt, aus der von Hedy, von Elsa und aus der Sicht der Ermittler. Die Verknüpfung mit Machenschaften in Politik und Ministerien fand ich ausgesprochen gelungen. Der Krimi entfaltet seine Spannung nach und nach, das mag ich gerne. Das Ende macht Lust auf mehr! Als Einführung in Hedys Welt hat der vorliegende Band einiges zu bieten. Wie in ersten Bänden einer Reihe meistens der Fall, lernen die Lesenden alle Personen besser kennen, daher erhoffe ich mir vom nächsten Band noch mehr. Hier gibt es gute 4 Sterne!

Besonders gut hat mir die Hörbuchsprecherin gefallen. Sie hat die Protagonist*innen toll interpretiert. Dabei kommt ihr eindeutig die (angeborene) Kenntnis des Ruhrpotts-Slangs zugute. Kompliment, es hat Spaß gemacht, ihr zu lauschen. Sie hat mit ihrer Stimme dazu beigetragen, der Handlung noch mehr Tiefe zu verleihen. Die Sprecherin bekommt von mir die volle Punktzahl!

Eine Hörempfehlung nicht nur Menschen aus dem Westen von Nordrhein-Westfalen. Ich kann mir vorstellen, dass hier Hören besser ist als Lesen!

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Veröffentlicht am 28.05.2026

Teilweise doch sehr langatmig

Tödlich ist die Nacht
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"Tödlich ist die Nacht" von Tami Hoag ist ein Thriller, den ich als 15 Stunden dauerndes Hörbuch gehört habe, das von Markus J. Bachmann gelesen wird. Hier fällt mir die Rezension schwer, da der Thriller ...

"Tödlich ist die Nacht" von Tami Hoag ist ein Thriller, den ich als 15 Stunden dauerndes Hörbuch gehört habe, das von Markus J. Bachmann gelesen wird. Hier fällt mir die Rezension schwer, da der Thriller zwar einerseits spannend ist, aber für mich auch einige Schwächen zeigt.

Jace Damon schlägt sich als Fahrradkurier durchs Leben, um sich und seinen kleinen Bruder Taylor zu versorgen. Eines Abends übernimmt er noch einen letzten Auftrag. Er soll für den Strafverteidiger Lenny Lowell einen Umschlag ausliefern. Unterwegs wird er jedoch verfolgt und beschossen. In diesem Umschlag muss höchst brisantes Material sein. Deshalb fährt er zurück, um Lowell zur Rede zu stellen, findet diesen aber ermordet auf. Bei den Ermittlern gilt er als einer der Hauptverdächtigen. Der wahre Täter ist aber längst wieder hinter ihm her.

Eigentlich steckt hinter dem Thriller eine tolle Grundidee, die aber an einigen Stellen für meinen Begriff zu ausufernd beschrieben wird. Wir erfahren Zusammenhänge aus wechselnden Perspektiven, dabei wiederholt sich aber auch einiges. Diese Wiederholungen haben leider die Spannungskurve ausgebremst. Bei den Ermittlern haben wir es mit einem seltsamen Duo zu tun. Weder der perfekt gekleidete Parker noch seine stylische Kollegin Ruiz kamen mir wirklich nah. Der verbale Kleinkrieg zwischen den beiden hat mich ab einem gewissen Zeitpunkt ermüdet. Dagegen kommen Jace und sein Umfeld sehr sympathisch daher. Besonders den kleinen Taylor. und Madame Chien muss man einfach mögen. Die Perspektive aus der Sicht von Jace hat mir gut gefallen, die der Ermittler weniger. Einerseits hoch spannend, auf der anderen Seite dann wieder ausufernd und mit Längen. Sprachlich gesehen ist der Thriller eher flach und wörtliche Rede wird immer wieder mit "Sagte Parker", "sagte Ruiz", "sagte Jace" beendet. Ein Thesaurus wäre hier hilfreich gewesen. Am Ende des Thriller gibt es einen Twist, der mich tatsächlich überrascht hat und der gut gelungen war.

Der Sprecher Markus J. Bachmann macht einen guten Job, konnte aber trotz seiner guten Vortragsweise den Thriller für mich nicht wirklich retten, es gab einfach zu viele Längen. Für ein Hörbuch hätte ich mir hier ausnahmsweise tatsächlich eine gekürzte Version gewünscht.
So gibt es hier leider nur gute 3 Sterne, der Sprecher hätte mehr verdient. Gekürzt hätte es trotz aller Kritikpunkte mehr gegeben.

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Veröffentlicht am 27.05.2026

Der schmale Grat zwischen Lüge und Wahrheit

Feine Risse
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Ich habe "Feine Risse" von Elisa Hoven als Hörbuch gehört, gelesen von Nina Kunzendorf.

Eva Herbergen und ihr Ehemann Peter wollen sich so langsam in den Ruhestand verabschieden. Er muss, was ihm äußerst ...

Ich habe "Feine Risse" von Elisa Hoven als Hörbuch gehört, gelesen von Nina Kunzendorf.

Eva Herbergen und ihr Ehemann Peter wollen sich so langsam in den Ruhestand verabschieden. Er muss, was ihm äußerst schwer fällt, sie will. Eva ist erfolgreiche Strafverteidigerin. Sie kennt den schmalen Grat zwischen Wahrheit und Lüge ihrer Klienten, sucht selbst nach der Wahrheit. Umso überraschender ist es für Eva und Peter, als ein Fall auch ihr Familienleben überschattet.

Da ich selbst beruflich und privat von Juristen und Juristinnen "umzingelt" bin, konnte ich die Gedankengänge von Eva gut nachvollziehen. Hier merkt man genau, dass die Autorin vom Fach ist. Sie schildert den Zwiespalt zwischen Anwalt und Mandant: Erzählt der Mandant die Wahrheit? Oder erzählt er trotz Schweigepflicht nur die halbe Wahrheit oder lügt er? Die Autorin schildert am Beispiel von verschiedenen Fällen, wie nah die Grenzen zwischen Wahrheit und der subjektiven Wahrnehmung der Beteiligten ist. Hoven macht aber auch deutlich, dass die persönliche Biografie eines Straffälligen kein Grund für eine Straftat ist und sein darf. Bei aller fachlichen Kompetenz lässt die Autorin aber auch die Spannung nicht zu kurz kommen, was den Roman nicht in den Bereich Fachliteratur abdriften lässt.

In einer Zeit, in der viele Menschen Urteile als nicht gerecht empfinden, ist dieser Roman umso wichtiger. Er zeigt Hintergründe auf und erläutert gleichermaßen, dass ein Mensch als unschuldig gilt, solange seine Schuld nicht erwiesen ist. Der Roman bietet in vielfältiger Weise Denkanstöße.

Nina Kunzendorf liest gut und interpretiert die Denkweise von Eva Herbergen deutlich und klar. Ich habe ihr gerne gelauscht.

Mich hat das (Hör)Buch fasziniert, ich empfehle es sehr gerne weiter. Es ist unterhaltsam und fachlich fundiert! 5Sterne und die Hoffnung auf ein weiteres Buch der Autorin!

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Veröffentlicht am 24.05.2026

Satire mit Realitätsbezug

EVA.
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"EVA." von Matthias Ackeret ist ein Roman, der mich gleichzeitig erschreckt und amüsiert hat. In seinem Nachwort schreibt der Autor, der Roman hätte schnell veröffentlicht werden müssen, um nicht von ...

"EVA." von Matthias Ackeret ist ein Roman, der mich gleichzeitig erschreckt und amüsiert hat. In seinem Nachwort schreibt der Autor, der Roman hätte schnell veröffentlicht werden müssen, um nicht von der Realität überholt zu werden.

Eva ist eine der bekanntesten Fernsehmoderatorinnen der Schweiz. In einem Interview mit dem dortigen Bundespräsidenten befragt sie diesen, was er von den Plänen des amerikanischen Präsidenten hält, die Rätoromanen aus Amerika auszuweisen. Das Interview wird nie ausgestrahlt, Eva flüchtet über den Furkapass ins ehemalige Hotel Belvédère und trifft sich dort mit ihrem Geliebten Elon. Können sie die Welt und die Schweiz retten?

Der Roman ist leicht und flüssig geschrieben. Es hat mir Spaß gemacht, ihn zu lesen. Die eindeutigen Bezüge zu real lebenden Personen sind nicht zu übersehen. Manche werden direkt beim Namen genannt wie der amerikanische Präsident, andere verkürzt wie Elon. Man braucht allerdings nicht viel Fantasie, um diesen zuzuordnen. Zu Eva habe ich keinen Bezug gefunden, ich bin allerdings auch keine Schweizerin. Eva Wannenmacher sagt mir nichts, sorry! Das hat allerdings meinem Lesevergnügen nicht geschadet. So schnell die Entscheidungen im Weißen Haus sich ändern, so kurz ist auch der Roman mit 166 Seiten. Diese Seiten haben es allerdings in sich! Pointiert und zum Teil urkomisch lässt uns Matthias Ackeret in seiner Fiktion am Leben teilhaben, in der Schweiz und in Amerika. Und dabei könnte es genau so heute oder morgen schon Realität werden...

Eine Leseempfehlung an Lesende, die gerne Politsatire mit Realitätsbezug in schöner Sprache mögen! Fans und Unterstützer der amerikanischen Regierung unter Trump sollten die Finger davon lassen, es droht Erleuchtung...

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Veröffentlicht am 15.05.2026

Solider Beginn einer Reihe

Strandopfer
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"Strandopfer" von Frank Goldammer habe ich als Hörbuch gehört, eingelesen von Oliver Siebeck. Es ist der erste Teil der Reihe "Grenzfall Ostsee"

Lena Schulte vom BKA wird in die Nähe von Swinemünde beordert. ...

"Strandopfer" von Frank Goldammer habe ich als Hörbuch gehört, eingelesen von Oliver Siebeck. Es ist der erste Teil der Reihe "Grenzfall Ostsee"

Lena Schulte vom BKA wird in die Nähe von Swinemünde beordert. Am Ostseestrand wurde ein Tourist tot aufgefunden. Zuerst wird vermutet, er sei ertrunken, doch dann findet Lena in seinem Rachen ein großes Stück Bernstein. Wie ist es wohl da hinein geraten? war es doch Mord? Kurz nach Auffindung des Toten geht eine Vermisstenmeldung ein. Die Tochter von Freunden des Toten ist verschwunden. Lena und ihr polnischer Kollege Adam Krawczik ermitteln und befragen die Freunde und Angehörigen, die seit Jahren gemeinsam Urlaub in dem kleinen Ort machen. Die beiden Ermittler haben allerdings das Gefühl, nicht alles zu erfahren. Dann wird eine weitere Leiche gefunden...

Lena und Adam sind zwei sehr unterschiedliche Charaktere, die aber gut beschrieben sind. Beide haben eine Vergangenheit, unter der sie noch immer leiden. Besonders bei Lena kommt einiges wieder hoch. Lena spricht kein polnisch, Adam dagegen kann deutsch und fungiert als Übersetzer zwischen Lena und seinen Vorgesetzten. Ich habe Lena gemocht, obwohl sie in manchen Situationen für meinen Geschmack etwas überreagiert hat. Der kauzige Adam ist der Gegenpol. Einmal ein Urteil gefällt, lässt er sich so leicht nicht davon abbringen.

Der Spannungsaufbau ist Goldammer wie immer gut gelungen. Das Hörbuch zu unterbrechen, ist mir wirklich schwer gefallen. Er hat in den Krimi immer Twists eingebaut, die meine Spekulationen in nichts aufgelöst haben. Diese Spannung und das Rätseln steigern sich bis zum großen Finale, das mich wieder überrascht hat. Dazu werden wir als Lesende oder Hörende mit Vorurteilen, Bürokratie und auch Alltagsrassismus im Sprachgebrauch konfrontiert.

Oliver Siebeck liest richtig gut, seine Interpretation der unterschiedlichen Charaktere hat mir gut gefallen. Es macht Spaß, seiner Stimme zu lauschen.

Ein solider und logischer Krimi, der Lust auf Fortsetzung macht! Von mir bekommt er sehr gute 4 Sterne und eine Leseempfehlung !

Ob es im nächsten Teil wieder um Lena und Adam geht? Ich bin neugierig und hoffe auf baldige Fortsetzung!

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