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Veröffentlicht am 18.01.2026

Entzauberung der CDU

Demokratie am Limit?
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In „Demokratie am Limit?“ analysiert Marc Raschke die politische Gegenwart in Deutschland und widerspricht der verbreiteten Annahme, dass die größte Gefahr für die Demokratie ausschließlich von der AfD ...

In „Demokratie am Limit?“ analysiert Marc Raschke die politische Gegenwart in Deutschland und widerspricht der verbreiteten Annahme, dass die größte Gefahr für die Demokratie ausschließlich von der AfD ausgehe. Stattdessen zeigt er, wie sich rechte Narrative vor allem in der CDU etabliert haben und wie dies den Aufstieg der AfD befördert.

Die Sprache und Argumentation von Raschke sind zugespitzt und gut verständlich. Er belegt alle Argumente mit Zahlen und Daten und entkräftet typische Rechtfertigungen für den Rechtsruck der Union. Dadurch eignet sich das Buch auch als hilfreiche Grundlage für Diskussionen im privaten Umfeld, etwa im Umgang mit gängigen Stammtischparolen. Für mich persönlich war als politisch informierte Leserin und vor allem auch Followerin von Raschkes Instagram-Account in dem schmalen Buch inhaltlich wenig grundsätzlich Neues enthalten. Dennoch fand ich es sinnvoll, die Entwicklung der CDU nach rechts so konzentriert und zusammenhängend dargestellt zu sehen. Neu und anregend war für mich vor allem, nationalistisch-rassistische Akteure innerhalb der CDU wie Jens Spahn oder Julia Klöckner konsequent als rechtsradikal (nicht rechtsextrem!) zu benennen. Diese begriffliche Klarheit hatte ich so selbst noch nicht zu Ende gedacht. Positiv ist außerdem, dass das Buch nicht bei der Analyse bleiben, sondern auch Handlungsmöglichkeiten aufzeigen will - diese bleiben für mich, wie in fast allen dieser Bücher, jedoch unzureichend.

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Veröffentlicht am 17.01.2026

Wild und großartig

Madwoman
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„Madwoman“ ist ein intensiver, wilder und überdrehter Roman, der zwischen schonungsloser Ehrlichkeit, schwarzem Humor und der Lust an Übertreibung pendelt. Die Lektüre war ein wilder Ritt!

Im Mittelpunkt ...

„Madwoman“ ist ein intensiver, wilder und überdrehter Roman, der zwischen schonungsloser Ehrlichkeit, schwarzem Humor und der Lust an Übertreibung pendelt. Die Lektüre war ein wilder Ritt!

Im Mittelpunkt steht Clove, die nach außen hin ein perfektes Vorstadtleben führt: Yoga, Achtsamkeitund die jeweils passenden Nahrungsergänzungsmittel bestimmen ihren Alltag als Vorzeigemutter. Hinter dieser makellosen Fassade fühlt sie sich jedoch permanent überfordert. Ihre eigene Kindheit war von häuslicher Gewalt geprägt, was sie durch Verdrängung und Schweigen versucht hat, hinter sich zu lassen..
Als Clove unerwartet Briefe aus einem Frauengefängnis erhält, beginnt ihre sorgfältig kontrollierte Gegenwart zu bröckeln.

Besonders überzeugt haben mich Cloves Schilderungen von Mutterschaft: oft auch witzig, sehr authentisch und immer wieder bewusst überzeichnet. Diese Passagen geben dem Roman Leichtigkeit, ohne seine Ernsthaftigkeit zu untergraben. Die Übersetzung von Jasmin Humbug ist dabei sehr gelungen und trägt sicher wesentlich zum flüssigen Leseerlebnis bei. Die Rückblenden in Cloves Kindheit, insbesondere die Episoden mit dem gewalttätigen Vater, waren für mich allerdings stellenweise zu lang bzw.. wiederholten sich. Aufgrund der drastischen Schilderungen ließ sich der Roman für mich auch nicht am Stück lesen. Madwoman ist damit insgesamt für mich ein fordernder, aber lohnender Roman über Trauma und Mutterschaft.

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Veröffentlicht am 17.01.2026

Mut zur Ehrlichkeit

Mo & Moritz
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In „Mo & Moritz“ erzählt Julya Rabinowich eine Geschichte über Identität, die erste Liebe und den Mut, zu sich selbst zu stehen.

Mo stammt aus einer muslimischen Familie, die vor Krieg nach Österreich ...

In „Mo & Moritz“ erzählt Julya Rabinowich eine Geschichte über Identität, die erste Liebe und den Mut, zu sich selbst zu stehen.

Mo stammt aus einer muslimischen Familie, die vor Krieg nach Österreich geflohen ist, und beginnt eine Friseurlehre in einem Wiener Nobelsalon. Als er sich in Moritz, einen Jungen aus einer jüdischen Familie, verliebt, beginnt er, sein bisheriges Leben zu hinterfragen.

Wie in ihren anderen Romanen mochte ich auch in diesem Julya Rabinowichs poetische Sprache und ihre ungewöhnlichen Sprachbilder. Die Grundidee der Liebesgeschichte zwischen den zwei Jungen in Wien fand ich ebenfalls überzeugend. Gleichzeitig blieb für mich Moritz’ jüdische Identität zu wenig ausgearbeitet und teilweise klischeehaft an der Oberfläche. Hier hätte der Roman mehr Tiefe vertragen. Die zentrale Botschaft des Buches, ehrlich zu sich selbst zu sein und den eigenen Weg zu gehen, hat mich aber wieder überzeugt. Auch wenn das Ende sehr positiv und dadurch etwas unwahrscheinlich wirkt, konnte ich es im Kontext der Gesamtaussage des Romans gut akzeptieren.

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Veröffentlicht am 15.01.2026

Großer amerikanischer Gesellschaftsroman

Real Americans
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„Real Americans“ ist ein umfangreicher und zugleich sehr zugänglicher amerikanischer Roman über Herkunft, Zugehörigkeit und die Frage, wie sehr unser Leben von unserer Biografie bestimmt wird.

Die Geschichte ...

„Real Americans“ ist ein umfangreicher und zugleich sehr zugänglicher amerikanischer Roman über Herkunft, Zugehörigkeit und die Frage, wie sehr unser Leben von unserer Biografie bestimmt wird.

Die Geschichte beginnt in New York: Lily Chen, Tochter chinesischer Einwanderer, verliebt sich in Matthew, den privilegierten weißen Erben eines Pharmaimperiums. Jahre später lebt Lilys Sohn Nick mit ihr zurückgezogen auf einer Insel. Er spürt, dass in seiner Familiengeschichte etwas nicht stimmt, und beginnt, nach seinem Vater zu suchen. Seine Suche führt ihn zu Geheimnissen, die weitreichende Folgen haben – nicht nur für ihn selbst. Ergänzt wird die Geschichte durch die Perspektive von Lilys Mutter May, die während der Kulturrevolution aus China in die USA fliehen musste.

Mich hat der Roman von Anfang an gepackt. Besonders gelungen ist, wie Rachel Khong die verschiedenen Generationen und ihre Erfahrungen miteinander verknüpft. Alle Figuren stehen auf unterschiedliche Weise zwischen Welten. Besonders spannend fand ich die Darstellung von Klassenunterschieden und Machtverhältnissen, die sich durch alle Ebenen der Geschichte ziehen. Der Roman stellt immer wieder die zentrale Frage: Wie viel von uns ist Schicksal, und wie viel ist Entscheidung?

Stilistisch liest sich Real Americans ausgesprochen flüssig. Auch die Übersetzung von Tobias Schnettler trägt dazu bei, dass die mehr als 500 Seiten schnell vergehen. Inhaltlich bietet der Roman vieles von dem, was ich an großen Gesellschaftsromanen mag: eine komplexe amerikanische Familiengeschichte, Verrat und Geheimnisse, sowie Einblicke in die Welt der Reichen und Schönen. Für mich ist der Roman insgesamt ein sehr gelungener moderner amerikanischer Gesellschaftsroman!

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Veröffentlicht am 11.01.2026

Gut erzählt

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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In Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel erzählt Alena Schröder eine Geschichte über Herkunft, Verantwortung und die Frage, was man seinen Eltern, ob leiblich oder adoptiert, schuldet.

Der Roman ...

In Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel erzählt Alena Schröder eine Geschichte über Herkunft, Verantwortung und die Frage, was man seinen Eltern, ob leiblich oder adoptiert, schuldet.

Der Roman entfaltet sich auf zwei Zeitebenen: Die 14-jährige Marlen versteckt sich 1945 in Güstrow in einem verlassenen Forsthaus und trifft auf Malerin Wilma, die Marlen vor den russischen Soldaten schützt und für die nächsten Jahrzehnte bei sich aufnimmt. Hannah Borowski, 34, steht an einem Wendepunkt: Ihr leiblicher Vater taucht plötzlich wieder auf, und sie stellt ihr bisheriges Leben infrage.

Der Erzählstil ist flüssig und sehr gut lesbar, der Roman liest sich angenehm schnell und unterhaltsam. Manches bleibt zwar etwas klischeehaft, z.B. der typische Berliner Hipster Justus mit Manbun und Podcast oder die Freundin im alternativen Wohnprojekt mit anstrengenden Plenumstreffen, aber ich fand diese Ideen dennoch lustig. Die Erzählung um Marlen und Wilma war für mich stellenweise etwas zäh, auch wenn sie inhaltlich wichtige emotionale Grundlagen für die Gegenwartsebene schafft. Trotzdem habe ich die Gegenwartsebene lieber gelesen.

Insgesamt tragen beide Geschichten, berühren und bleiben im Kopf. Auch ohne Kenntnis der ersten beiden Bände der Trilogie konnte ich dem Roman problemlos folgen und habe nun große Lust, die Vorgänger ebenfalls zu lesen.

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