Unlogisch und sehr konstruiert
Pretty Dead. Wenn zwei sich lieben, stirbt die Dritte (Romantic Suspense meets Dark Academia)Leider hat mir das Buch überhaupt nicht gefallen, was schon mit dem für mein Empfinden anstrengenden Schreibstil anfängt. Oft liest es sich so, als hätte die Autorin einen Synonym-Generator bemüht, bspw. ...
Leider hat mir das Buch überhaupt nicht gefallen, was schon mit dem für mein Empfinden anstrengenden Schreibstil anfängt. Oft liest es sich so, als hätte die Autorin einen Synonym-Generator bemüht, bspw. Adjektive passen oft nicht richtig oder lassen Sätze merkwürdig klingen, das gleiche gilt für viele Vergleiche oder Beschreibungen, die einfach übertrieben wirken.
Wie z. B. S. 85: "... starrte auf die Tausenden kleinen LEDs, die in die Decke des Schlafzimmers eingelassen waren [...]. - Wirklich, Tausende? Vielleicht Klebesterne, aber niemand lässt Tausende LED-Spots IN die Decke ein.
S. 209: "Brookes Haare peitschten hin und her, als sie den Kopf schüttelte [...]" - wie schüttelt sie denn den Kopf? Haare peitschen vielleicht, wenn man in einem orkanähnlichen Sturm steht, aber selbst bei starkem Kopfschütteln bewegen sie sich nur leicht.
S. 227: "[...] ehe sie ihre Persönlichkeit wieder wechselte wie den Sperrbildschirm am Handy." ?!
S. 340 "driftiger Grund" - hat mich nur gestört, denn es heißt "triftiger".
Worte "poltern" aus dem Mund, Leute stürmen mit "stampfenden" Schritten, Körper "erbeben" ständig. Das sind nur ein paar wenige Beispiele, die ich markiert hatte - ich bin über viele dieser Stellen gestolpert, die sprachlich für mich einfach nicht stimmig waren.
Zum Inhalt:
Ich lese sehr gerne Jugendbücher bzw. -thriller, dass dieser mir nicht gefallen hat liegt also nicht daran, dass ich etwas älter als die "typische" Zielgruppe bin. Die gesamte Geschichte war meiner Meinung nach sehr konstruiert und unglaubwürdig. Durch die verschiedenen Perspektiven kommt zwar etwas Spannung hinein, aber trotzdem ist der gesamte Inhalt sehr wirr und es wird nicht wirklich auf einen Höhepunkt hingearbeitet. Ich hatte schnell einen Verdacht, wer die Kraniche schickt, der sich auch als richtig erwiesen hat.
Sarah stirbt auf dem Halloween-Ball der Schule und alle ihre angeblichen Freunde haben irgendein Geheimnis, das sie verdächtig macht - würden alle einmal normal miteinander reden, hätte sich das ganz schnell geklärt (was im Rahmen der Geschichte natürlich nicht passiert, aber dadurch wirkt das Ganze sehr unglaubwürdig). Extrem merkwürdig fand ich auch, dass (außer Sarahs Mutter) niemand, wirklich niemand, um sie trauert. Alle sind einen halben Abend lang schockiert und gehen dann zur Tagesordnung über, selbst ihre angebliche beste Freundin Brooke. Das einzig Schlimme an Sarahs Tod ist für Brooke und Chase, dass sie ihre Beziehung noch weiter geheim halten müssen, um sich nicht verdächtiger zu machen, ansonsten sind alle irgendwie froh, dass sie weg ist.
S. 303: Brooke erinnert sich erst aufgrund der Erinnerung ihres Kalenders daran, dass der Zeitpunkt, an dem die mysteriöse Person ihre Geheimnisse enthüllen will, Sarahs Geburtstag bzw. Geburtszeit ist? Also bitte, welche Freundin vergisst das denn innerhalb von zwei Wochen?! Vor allem, wenn sie den Zeitpunkt jedes Jahr gefeiert und dazu extra Unterricht geschwänzt haben.
S. 316: 10:35 Uhr, noch über eine Stunde bis zur angeblichen "Enthüllung". Sarah läuft herum, um Chase zu suchen, S. 320: 11:41 Uhr. Als ob sie über eine Stunde in der Schule herumgerannt ist, in der Zeit wäre Chase doch längst weg gewesen, sie findet ihn aber kurz darauf auf dem Parkplatz.
Zur Auflösung, Achtung Spoiler:
Nicht, dass die Story schon unglaubwürdig genug war, das Ende war wirklich die Krönung. Sarah hat ihre Mutter gebeichtet, wie sie jeden um sich herum manipuliert hat, einschließlich ihrer Mutter selbst, damit diese sich von ihrem Freund trennt. Daraufhin mixt die Mutter einen giftigen Saft und stellt ihn einfach in den Kühlschrank. Auf die Idee, dass den jemand trinken könnte, der nicht weiß, was drin ist, kommt sie dabei nicht? Auf S. 356 sagt Emily: "[...] war ich mir sicher, mein Leben auch nach diesem Rückschlag wieder in den Griff zu kriegen." - Wozu hat sie den Saft dann überhaupt gemacht, wenn sie sich nicht umbringen wollte? Das wirkt einfach nur konstruiert, ich stelle doch keinen tödlichen Saft ohne Hinweis in den Kühlschrank und wundere mich dann, wenn die im selben Haus lebende Tochter davon trinkt.
S. 355: "Mir ist klar geworden, dass meine Tochter - mein einziges Kind - zu einem Monster geworden ist." - Sarah war ein Teenager, fast noch ein KIND. Offenbar hat sie die Trennung ihrer Eltern nicht verarbeitet, statt ihr also professionelle Hilfe zu holen, wird die gesamte Schuld auf sie abgewälzt. Ja, Kinder wollen nach einer Scheidung meistens, dass ihre Eltern wieder zusammenkommen. Statt ihr also zu sagen, dass ihr eigener Vater kein geteiltes Sorgerecht wollte ("Aber Sarah hat das nie verstanden, nie verstehen wollen.") hätte Emily ihr helfen müssen, es zu verstehen. Mit so etwas konfrontiert zu werden, steckt doch kein Kind einfach so weg. Also schlägt Sarah um sich, aus Schmerz, Frust, fühlt sich wahrscheinlich im Stich gelassen. Sorry, ich finde es fast unverantwortlich, die Geschichte damit enden zu lassen, dass Sarah halt einfach bösartig war und allen Menschen um sich herum nur Schlechtes wollte, sodass alle froh sein können, dass sie tot ist, um nun ihr glückliches Leben leben zu können. Wenige Menschen werden "einfach so" zu manipulativen Monstern, mit einem Hauch an Empathie hätte ihr Umfeld doch merken müssen, dass es ihr psychisch nicht gut geht. Aber das ist nur meine Interpretation, vielleicht war sie wirklich nur bösartig.