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Veröffentlicht am 14.08.2025

Eine etwas andere Liebesgeschichte

Wo du uns findest (Light in the Dark 2)
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Das Buch handelt von Melina, deren Kochvideos viral im Internet verbreitet werden, was ihr die Möglichkeit gibt, von ihrer Leidenschaft zu leben. Allerdings verköstigt sie lieber ihre Kreationen mit ihrem ...

Das Buch handelt von Melina, deren Kochvideos viral im Internet verbreitet werden, was ihr die Möglichkeit gibt, von ihrer Leidenschaft zu leben. Allerdings verköstigt sie lieber ihre Kreationen mit ihrem Freund Ben anstatt mit ihren Followern. Ben hat mit schwierigen Prüfungen zu kämpfen und zieht sich von Melina zurück, was sie belastet. Da Ben sich immer mehr zurückzieht, sucht Melina Ablenkung in der Welt der Influencer. Die Geschichte thematisiert Melinas Bemühungen, zu Ben durchzudringen, während er mit persönlichen Herausforderungen kämpft.

"Wo du uns findest" von Antonia Wesseling ist ein einfühlsamer Roman, der sich mit den Themen Liebe, Selbstfindung und die Auswirkungen der digitalen Welt auf zwischenmenschliche Beziehungen auseinandersetzt. Die Autorin webt geschickt die Geschichte von Melina, einer aufstrebenden Koch-Influencerin, und ihrem Freund Ben, der mit persönlichen Hürden kämpft, zu einem fesselnden Gewebe von Emotionen und Herausforderungen.

Als Ben beginnt, sich von Melina und der Beziehung zurückzuziehen, wird die Liebe der beiden auf eine harte Probe gestellt. Dieser Konflikt zwischen dem Wunsch nach Individualität und der Sehnsucht nach Nähe ist äußerst realistisch dargestellt und verleiht der Geschichte eine tiefgreifende Ebene. Wesseling gelingt es sehr gut, die inneren Kämpfe und Unsicherheiten beider Protagonisten einzufangen und den Leser:innen näherzubringen.

Die Entscheidung von Melina, sich in die Welt der Influencer zu stürzen, um Ablenkung zu finden, verleiht der Geschichte eine zusätzliche Dimension. Diese Facette des Buches unterstreicht das Phänomen der Oberflächlichkeit und Selbstdarstellung in den sozialen Medien, während gleichzeitig das Bedürfnis nach Authentizität und emotionaler Tiefe betont wird.

Die präzise und sorgfältige Sprache der Autorin ermöglicht es dem Leser, sich in die Gedanken und Gefühle der Charaktere einzufühlen. Die Erzählung wechselt geschickt zwischen Melinas und Bens Perspektiven, was dazu beiträgt, die Tiefe ihrer individuellen Herausforderungen zu verdeutlichen.

"Wo du uns findest" ist eine berührende Geschichte über die Bedeutung von Kommunikation, Verständnis und Hingabe in einer Welt, die von digitaler Vernetzung geprägt ist. Antonia Wesselings Schreibstil und ihre einfühlsame Art, mit den inneren Konflikten ihrer Charaktere umzugehen, machen dieses Buch zu einem empfehlenswerten Leseerlebnis für alle, die sich für zwischenmenschliche Beziehungen und zeitgenössische Herausforderungen interessieren.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Mach, was du willst!

Wir müssen gar nichts!
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Hannah Maylou behandelt in ihrem Buch „Wir müssen gar nichts!“ viele Themen, die mit Sicherheit jede Frau so oder so ähnlich schon einmal genervt haben. So viele gesellschaftliche Normen und Erwartungen, ...

Hannah Maylou behandelt in ihrem Buch „Wir müssen gar nichts!“ viele Themen, die mit Sicherheit jede Frau so oder so ähnlich schon einmal genervt haben. So viele gesellschaftliche Normen und Erwartungen, die man überhaupt nicht erfüllen kann – und will! Geschweige denn – muss.

Das Buch hat mir noch einmal die Bestätigung gegeben, dass ich nicht alleine bin, sondern das weibliche Geschlecht es im Patriarchat, in dem wir ja leider immer noch leben, kollektiv eigentlich gar nichts „richtig“ machen kann. Wieso sollte man auch, wenn man stattdessen einfach glücklich sein kann? Bei mir hat es auch einige Jahre gedauert, bis ich realisiert habe, dass diese ganzen Normen und Vorstellungen, wie man zu sein hat, was man zu wollen hat oder wie das Leben aussehen sollte totaler Quatsch sind und man stattdessen einfach so leben sollte, wie man möchte (so lange man niemanden damit verletzt) – völlig egal, wie andere das finden.

Der Schreibstil ist sehr flüssig zu lesen, durch die vielen persönlichen Beispiele der Autorin (in denen ich mich oft wiedergefunden habe) schafft sie auch einen leichten Zugang zu den Themen. Aufgelockert wird das ganze noch durch diverse Bilder und Grafiken, die die Inhalte veranschaulichen.

Das Buch beginnt mit einem kurzen historischen Abriss des weiblichen Schönheitsideals über den allgegenwärtigen Sexismus in den Medien bin hin zu Social Media, Beautyfiltern und dem ständigen Vergleich mit anderen. Ob Gewicht, Körperbehaarung, das Aussehen der Vulva, das Tabu der Periode, die Menge an Sexualpartnern oder andere vermeintliche „Problemzonen“ – so viele Themen, zu denen es irgendwelche Ideale gibt, die Menschen sich aus verschiedenen Gründen ausgedacht haben und die deshalb auch totaler Quatsch sind.

Durch die Verbindung von Umfragen auf ihrem Instagram-Kanal und wissenschaftliche Studien bzw. biologischen Erklärungen schafft die Autorin eine spannende Verbindung von unterschiedlichen Sichtweisen zu den behandelten Themen. Auch die verschiedenen Tipps fand ich interessant (viele kannte ich schon, aber gerade für jüngere Leserinnen sind sie bestimmt hilfreich, wie bspw. der Periodentracker).

Zusammenfassend hat mir das Buch zwar keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse gebracht, aber ich finde es schön, viele Themen nochmal „gesammelt“ und griffbereit zu haben und zu wissen, dass diese alle Frauen
beschäftigen und es heutzutage weder Tabus noch Regeln geben sollte, wie wir zu leben oder zu lieben haben – denn du musst gar nichts!

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Toller Roman mit außergewöhnlicher Liebesgeschichte

Atmosphere
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Joan hatte schon immer den Traum, ins All zu fliegen. Lange war dies für Frauen undenkbar - Ende der 1970er begann die NASA aber, auch Frauen als Astronautinnen auszubilden. Und tatsächlich gelingt es ...

Joan hatte schon immer den Traum, ins All zu fliegen. Lange war dies für Frauen undenkbar - Ende der 1970er begann die NASA aber, auch Frauen als Astronautinnen auszubilden. Und tatsächlich gelingt es ihr, einen der begehrten Ausbildungsplätze zu bekommen.

Das Setting fand ich spannend gewählt! Ich wusste bisher wenig über interne Abläufe bei der NASA bzw. die Raumfahrt allgemein, und auch technische Details waren meist so geschrieben, dass man sie sich recht gut vorstellen konnte. Schnell freundet Joan sich mit ihren Teamkolleg:innen an, besonders mit der Pilotin Vanessa.

Viel mehr möchte ich zum Inhalt gar nicht schreiben. Der Aufbau der Kapitel war sehr spannend gestaltet, alle Charaktere inkl. des Umfelds von Joan - vor allem ihre Schwester Barbara und Nichte Frances - sehr gut mit ihren charakterlichen Eigenheiten beschrieben. Vor allem zu Frances hat Joan eine besondere Beziehung, die sehr schön in den Plot eingearbeitet war.

Das Buch macht an vielen Stellen wütend: Dass Frauen lange systematisch aus bestimmten Berufen herausgehalten/es ihnen verboten war, und sie sich - wenn sie endlich eine Chance bekamen - doppelt beweisen mussten; dass gleichgeschlechtliche Liebe (oft immer noch) nicht offen gelebt werden durfte; dass alleinerziehende Mütter es in der Gesellschaft so schwer haben, während die dazugehörigen Väter sich oft aus dem Staub machen, Sexismus allgemein etc. etc.

Die Entwicklung der Liebesgeschichte und der Freundschaften aber auch Rivalitäten) innerhalb des Team war sehr schön geschrieben und hat mich an vielen Stellen wirklich gerührt. Für 5 Sterne fehlte mir noch der richtige "Wow"-Effekt, aber es ist insgesamt ein tolles Buch!

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Veröffentlicht am 10.08.2025

Solides Debüt

Adlergestell
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Cover und Klappentexxt des Buchs haben mich sofort angesprochen. Ich habe es auch gerne gelesen, bleibe aber ein wenig ernüchtert zurück. Erzählt wird die Geschichte einer namenlosen Protagonistin, die ...

Cover und Klappentexxt des Buchs haben mich sofort angesprochen. Ich habe es auch gerne gelesen, bleibe aber ein wenig ernüchtert zurück. Erzählt wird die Geschichte einer namenlosen Protagonistin, die Anfang der 1990er Jahre kurz nach dem Mauerfall in Ostberlin aufwächst. Sie lebt mit ihrer Muter (der Vater ist irgendwann in "den Westen" abgehauen) in einem Vorort, in der Nähe des sogenannten "Adlergestells", einer riesigen sechsspurigen Straße.

"Eingestreut" werden die Erfahrungen von Menschen verschiedenen Alters und verschiedener Herkunft aus der Nachbarschaft, und wie sie die Geschichte Deutschlands und ihr Leben in dieser Zeit voller Umbrüche erlebt haben.
Darunter bspw. Gerda, die drei Männer und drei Kriege überlebt hat, Vanessa, die ein Turn-Ausnahmetalent war, bis sie mit 13 von ihrem Trainer schwanger wurde; Eleftheria, die aus Griechenland kam, um zu helfen und Deutschland alles von sich zu geben, aber nie etwas zurückbekommen hat; und die Mutter, die sich engagiert und kämpft, am Ende jedoch auch geschlagen geben muss.

Außerdem auf farblich abgehobenen schwarzen Seiten mit weißem Text immer wieder die Beschreibung von typischer Werbung oder "Phänomenen" der frühen 90er - Fairy Ultra, Yogurette, Krönung Light, Merci - alles sehr hochglanz, aber sehr weit entfernt vom wirklichen Leben der Menschen. Dies untermalt die Zerrissenheit, die die Menschen empfunden haben müssen, sehr gut.

Die Protagonistin wird in diesem Sommer mit ihrer besten Freundin Lenka und dem rebellischen Mädchen Chaline eingeschult. Gemeinsam schlagen sie sich in diesem Leben zwischen Röhrenfernseher, Center Shocks und Lemmingen durch, zwischen Sozialismus und Kapitalismus, verstehen nicht so ganz, was gerade in der Welt und vor allem in Deutschland passiert, aber spüren, dass sich alles wandelt. Das ist durch den Schreibstil und die stilistischen Mittel sehr gut rübergekommen.

Sprachlich und auch vom Aufbau hat mir das Buch sehr gut gefallen. Spürbar war durchweg die trostlose, irgendwie auch ausweglose Zukunft, was sich auch im Erwachsenenleben der Protagonistin nicht geändert zu haben scheint. Sie irrt ziel- und lustlos durch die Gegend, mag weder ihren Job noch die Männer, die sie dated so wirklich. Das fand ich sehr ernüchternd, sie scheint an gar nichts Spaß zu haben, überhaupt nicht zu wissen, was sie mag und ist irgendwie eine reine Mitläuferin.

Vielleicht macht gerade das das Buch so realistisch, im Rahmen der Geschichte fand ich es aber sehr schade, dass irgendwie alls Protagonist:innen, egal wie alt und woher, am Ende gescheiterte Existenzen sind, die ziellos im Leben herumirren. Lediglich die früher so unangepasste Chaline ist dem trostlosen Vorort entkommen, macht ihren Job aber auch ihne jegliche Leidenschaft für die Sache.

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Veröffentlicht am 08.08.2025

Warum Asa Rache nimmt

Asa
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Ich bin sehr hin- und hergerissen, wie ich das Buch bewerten würde. Insgesamt würde ich 3,5 Sterne geben.

Worum gehts?
Asa ist nach sechs Jahren aus dem Gefängnis freigekommen. Jetzt will sie sich an ...

Ich bin sehr hin- und hergerissen, wie ich das Buch bewerten würde. Insgesamt würde ich 3,5 Sterne geben.

Worum gehts?
Asa ist nach sechs Jahren aus dem Gefängnis freigekommen. Jetzt will sie sich an zahlreichen Menschen aus ihrer Vergangenheit (u. a. ihrer Familie) rächen. Doch warum war sie überhaupt im Gefängnis und an wem und warum will sie Rache nehmen?
Das wird auf knapp 700 Seiten sehr gekonnt erzählt.

Gut gefallen hat mir:
- Der Schreibstil. Zoran Drvenkar schreibt wirklich gekonnt, die Figuren haben Tiefe, die Kapitel aus unterschiedlichen Perspektiven lassen den Charakter der jeweiligen Person gut erkennen.

- Die Konzeption der Geschichte. Auf verschiedenen Zeitebenen und aus unterschiedlichen Perspektiven wird immer ein Stück mehr erzählt, sodass man sich als Leser:in nach und nach das gesamte Bild zusammensetzen kann.

- Die Familienhistorie. Es wurde eine sehr gut durchdachte Familiengeschichte erzählt, die sich seit über 100 Jahren entwickelt, von Kriegen, Gewalt und Familienschicksalen geprägt war und so schlussendlich zu dem geführt hat, was Asa passiert ist.

Nicht so gut fand ich:
- Es ist meiner Meinung nach kein Thriller. Es gab ein paar spannende Momente, über weite Strecken ist die Erzählung aber eher ein Familiendrama. Es fehlte der typische "Thrill", der ein Buch so spannend macht, dass man es kaum aus der Hand legen kann. Dafür hatte es mir zu viele Längen. Die Familiengeschichte ist fraglos von sehr viel Grausamkeit, Gewalt und (falsch verstandenem) "Gemeinschaftsgefühl" und einer komischen Auffassung von Stärke geprägt, das macht es für mich aber zu keinem Thriller.

Insgesamt war das Buch an keiner Stelle langweilig und ich fand es sehr interessant, die Familiendynamiken nachzuvollziehen und zu verstehen, wie sich so eine grausame Tradition entwickeln und so lange unhinterfragt von so vielen Generationen weitergeführt werden konnte.

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