Berührend und authentisch
NarbenmädchenLara ist 15 und in einer 4-wöchigen Kur gelandet, in der sie durch verschiedene Therapieangebote wieder „auf den rechten Weg“ gebracht werden soll. Ich fand die Perspektive der Teenagerin (auch wenn das ...
Lara ist 15 und in einer 4-wöchigen Kur gelandet, in der sie durch verschiedene Therapieangebote wieder „auf den rechten Weg“ gebracht werden soll. Ich fand die Perspektive der Teenagerin (auch wenn das bei mir schon ein paar Jahre her ist) sehr realistisch dargestellt, auch die teilweise Benutzung von Jugendsprache kam mir authentisch vor (soweit ich das eben beurteilen kann).
Zuerst findet Lara alles ziemlich scheiße, die Therapien unnötig und nutzlos und die anderen Patient:innen nerven sie zum Großteil auch. Nach und nach erfahren die Leser:innen, warum Lara und die anderen überhaupt in der Kur sind. Die Triggerwarnung am Anfang des Buches war dementsprechend auf jeden Fall angebracht. Lara hat vor einigen Monaten angefangen, sich in die Arme und Beine zu schneiden, weil sie kein anderes Ventil für ihre angestauten Emotionen gefunden hat. Ihre Eltern waren damit anscheinend überfordert und haben sie in die Kur „abgeschoben“.
Einige Probleme der Jugendlichen fand ich zu „extrem“ für diese Art von Kur (ich denke, in der Realität wären stark essgestörte oder suizidgefährdete Jugendliche nicht mehr in einer präventiven Maßnahme untergebracht).
Langsam freundet Lara sich aber mit Neo und Finn an und die drei beginnen, mehr über ihre Probleme zu sprechen. Die Gespräche fand ich sehr gut beschrieben, sehr nachvollziehbar, vor allem das Gefühl, nicht reinzupassen, gar nicht zu wissen, was man mit seinem Leben anfangen soll, etc. – was (vielleicht in abgeschwächter Form) wahrscheinlich jede:r kennt).
Etwas gefehlt hat mir die Auseinandersetzung von Lara mit ihren Eltern. Gerade als langsam herauskommt, warum ihre Probleme überhaupt angefangen haben. Hier habe ich gefragt, ob nicht auch die Therapeut:innen der Klinik in der Pflicht wären, die Eltern mehr einzubeziehen. Vor allem die Beziehung zur Mutter – wie schlimm muss es sein, dass sie der eigenen Tochter nicht glaubt, Lara zum Problem macht, ihr einredet, „krank“ zu sein und sie lieber wegschickt, als gemeinsam an den Problemen zu arbeiten.
Auch in die Therapiesitzungen hätte ich mir einen etwas konkreteren Einblick gewünscht, so bleibt sehr vage, was Lara in den 4 Wochen mit den Therapeut:innen konkret besprochen hat. Allerdings lag der Fokus ja auf der Freundschaft der Jugendlichen, und diese wurde sehr authentisch und intensiv dargestellt.